Saubere Luft im Saab?

Seit mehr als 3 Jahren beschäftigt uns die Abgas-Diskussion. Immer öfter drohen Fahrverbote oder wurden bereits umgesetzt. Das Drama findet keinen Schlusspunkt. Während Politik und Hersteller weiter an den Symptomen herumdoktern,  beschäftigt mich ein anderes Thema: Wie gut oder schlecht ist die Luft im Auto selbst?

Saubere Luft im Saab?
Saubere Luft im Saab?

Eine Frage, die niemanden zu bewegen scheint. Die Luftbelastung für Anwohner stark belasteter Straßen ist ein Thema, die im Innenraum von Fahrzeugen nicht. Weder den Medien, noch der Politik scheinen es wichtig,  was Autofahrer täglich einatmen. Was ist mit den Pendlern, mit dem Rentern auf dem Weg zum Einkauf, den Kindern,  die zur Kita gefahren werden?

Oder liegt es daran, dass man vom Opfer zum Täter mutiert, sobald man den Zündschlüssel umdreht? Eine seltsame Situation, die in den bevorstehenden Wintermonaten noch mehr an Brisanz gewinnt. Dann ist die Luftbelastung in den Städten besonders hoch. Zum Verkehr kommen verstärkt Emissionen von Heizungsanlagen, und Inversionswetterlagen verschlimmern die Belastung zusätzlich.

Saubere Luft und Saab, das war schon immer ein Thema.

Saubere Luft im Saab – das waren die 80er Jahre

Wer zu Zeiten eines Saab 900 oder 9000 zur schwedischen Marke kam, der hatte handfeste Gründe. Saab thematisierte viele Dinge, bevor der Mittbewerber sie aufgriff. Ein starkes Argument,  einen Saab zu fahren,  war die saubere Luft im Innenraum. Eindrucksvoll erleben konnte man das im Saab 900. Die Klimatisierung verstellte die Luftverteilung per Unterdruck (!), der Ventilator lief stets mit. Das sorgte für einen permanenten, leichten Überdruck in der Kabine – sprich im Innenraum. Flugzeugbau lässt grüßen.

Innenraum-Luftfilter und Überdruck sorgten für saubere Luft in den 80er Jahren. Die heutigen Clean Air Konzepte vieler Hersteller bauen auf diesem Prinzip auf und wurden weiter verfeinert. Und auch Saab blieb dem Konzept treu. Wie schon im 900 I, so lässt sich auch die Ventilation im 9-3 III nicht komplett ausschalten. Ein leichter Überdruck bleibt erhalten.

Nur werden heute die Werte von dem, was wir unter sauberer Luft verstehen, viel strenger definiert als in den 80er Jahren. Die EU Grenzwerte für Stickstoffdioxid NO2 sollen im Jahresmittel 40 µg/m3 betragen. Diese Werte wurden 2016 an 57% aller verkehrsnaher Meßstationen überschritten (Quelle: Wikipedia), und wie es im Innenraum von Fahrzeugen aussieht,  kann man nur erahnen. Denn es gibt keine  Zahlen, die Autohersteller halten sich bemerkenswert zurück.

Bessere Luft im Innenraum ist kein Luxus

Ein Freund drückt mir dann im Sommer ein Heft der Autobild in die Hand. In der Ausgabe 28/2018 veröffentlicht die Redaktion eine Abgasstudie, die sich mit der NO2 Belastung in Auto-Innenräumen befasst. Das Ergebnis ist erschütternd. Auf Testfahrten in einem Fahrzeug mit Innenraum Luftfilter stiegt der NO2 Wert auf bis zu 117 µg/m3 , besonders stark belastet sind Autobahnen und Tunnel-Durchfahrten. Dort sind kurzfristige Werte von bis zu 1.000 µg/m3 möglich. Sehr markant: Der Wert im Innenraum ist immer um einiges höher als an den Messstationen der jeweiligen Straßen in Düsseldorf, wo die Studie erstellt wurde.

Das ernüchternde Ergebnis: Insassen im PKW atmen viel schlechtere Luft als Passanten auf den Gehwegen. Und niemanden interessiert es. Scheinbar.

Dabei könnte das Problem so leicht gelöst werden.

Im Gegensatz zum Dieselskandal, dem Nichteinhalten von Grenzwerten, der Luftbelastung durch immer größere und schwere Fahrzeuge, gibt es für die Innenräume eine einfache, preiswerte Lösung. Was in den 80er Jahren gut war, das ist es auch heute noch. Ein Innenraum Luftfilter mit  Aktivkohle verringert die NO2 Belastung um rund 92%. Auf Messfahrten sinken die Werte auf 5 – 7 µg/m3, während die Werte der Außenluft je nach Messstation bei 38 – 39 µg/m3 liegen.

Aktivkohlefilter gibt es für viele Saab Modelle

In vielen Neuwagen werden heute Innenraum Luftfilter mit Aktivkohle verbaut, leider aber nicht bei allen Marken – und oft nur bei den höherpreisigen Modellen. Nicht nachvollziehbar, denn der Aufpreis vom konventionellen Luftfilter zur Aktivkohle Variante dürfte in der Erstausrüstung im Cent Bereich liegen.

Die gute Nachricht: Es gibt Aktivkohle Innenraum Luftfilter für viele Saab Modelle. Ein älteres Auto zu bewegen, steht nicht automatisch für Einschränkungen, was die Luftqualität betrifft. Der Ausrüster Mann-Hummel hat einen Online Katalog der Filter für etliche Typen auflistet. Eine gute Luftqualität im Auto ist nicht teuer, Aktivkohle Filter kosten um die 15,00 € – und damit weniger als ein gutes Abendessen. Die eigene Gesundheit sollte es wert sein.

Der Luftfilter für den Innenraum hält 1 Jahr oder 15.000 Kilometer. Dann verliert er seine Wirksamkeit und sollte gewechselt werden. Ein Tausch ist in Eigenregie möglich, oder man besucht seinen Saab Partner ,der das schnell erledigt.

Etliche Werkstätten haben die Problematik erkannt und sind sensibilisiert. Bei Saab Service Frankfurt hat man das Thema schon längstens entdeckt. Frankfurter Stadtluft ist nicht so sauber wie sie sein sollte, auch hier drohen 2019 Fahrverbote. In Fechenheim verbaut man, wo es möglich ist, nur noch biofunktionale Innenraum Luftfilter. Die eliminieren nicht nur Pollen und Feinstaub, sondern schützen ausserdem auch noch Allergiker.

Bessere Luft – für kleines Geld

Auch in meinem 9-3 ist jetzt ein solcher Filter für die Innenraumluft zu finden. Das Ergebnis dieser einfachen Maßnahme ist verblüffend. Bei Tunnel Durchfahrten, wie die Einhausung der A3 bei Hösbach, drückte ich früher fast schon automatisch die Umlufttaste. Die schlechte Luft, resultierend aus dem Abrieb von Reifen und den Abgasen der schweren LKW, war kaum zu ertragen.

Jetzt fährt der Saab durch den Tunnel, ohne dass man ein Veränderung der Luftqualität überhaupt registriert. Kleine Ursache, große Wirkung. Auch bei älteren Fahrzeugen kann man die Qualität der Atemluft verbessern, für kleines Geld.

21 Gedanken zu „Saubere Luft im Saab?

  • 12. November 2018 um 11:21 AM
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    wirklich ein wichtiges Thema! Ich verwende schon lange (eigentlich immer) Filter mit Aktivkohle. Allerdings war mir nicht bewußt, dass dadurch auch die NOx -Belastung reduziert wird. Geruchsverbesserung durch Aktivkohle ist klar, aber aufgrund welcher chemischen Reaktion wird die Stickoxid-Belastung so deitlich verbessert?
    Übrigens: in den 90-er Jahren brauchte ich 10 Minuten um den Filter zu wechseln, heute bin ich froh, wenn es in 40 Minuten geht und ich anschließend nicht zum Chiropraktiker muss! Aber das liegt wahrscheinlich nur an meinem fortgeschrittenen Alter…

    • 12. November 2018 um 11:36 AM
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      Wie ein Aktivkohlefilter arbeitet ist gut auf dem Blog von Mann & Hummel nachzulesen.

    • 12. November 2018 um 1:11 PM
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      fast alle PKW bei denen über den Innenraum der Filter gewchselt werden sind Freizeitvernichter, liegt also nicht am Alter 😀

  • 12. November 2018 um 11:28 AM
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    Interessant! Hab ich mir auch noch nie Gedanken drüber gemacht.
    Da sollte ich also dann bald mal zum Saab Service Frankfurt. Mein Filter ist schon gute 80.000TKm und 3 Jahre drin :/
    Jetzt schnell ein Termin machen…

  • 12. November 2018 um 11:48 AM
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    Dann habe ich ja Bingo :-). In allen dreien wird jährlich einmal der Aktivkohlefilter getauscht. Nun wurde mein besseres Gefühl rational bestätigt.

  • 12. November 2018 um 1:17 PM
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    Guter Artikel. Mal wieder!

    Er ist voller Schlüsselsätze. Beispielsweise dieser hier: “Oder liegt es daran, dass man vom Opfer zum Täter mutiert, sobald man den Zündschlüssel umdreht?”

    Obwohl ich selbst nie einen Diesel besessen habe, scheint mir genau das im Dieselsegment der Fall zu sein. Auch über den Diesel hinaus, aber beim Diesel ist es besonders augenscheinlich …

    Gefördert wird er noch immer. Dass ein Treibstoff, der pro (verbranntem) Liter deutlich mehr CO2 emittiert als alle andern, zugleich der günstigste Liter an der Zapfsäule ist, kapiert doch schon lange kein denkender Mensch mehr …

    Ein Stück weit sind Industrie und Verbraucher über Dekaden ganz einfach falsch ge- und besteuert worden. Und das hatte einen ganz maßgeblichen Einfluss auf technische Entwicklungen und das Konsumverhalten im betreffenden Zeitraum.

    Der Diesel war lange Jahre eine von allen anderen Autofahren verschmähte und einzig für Taxifahrer (200D mit 55 PS) und wohlhabende Landwirte (Mercedes 300D) eine (schlappe) Option. Plötzlich und lange bevor dies bei Benzinern zum Standard geworden wäre, war jeder Diesel ein Direkteinspritzer und mit Turbos aufgeladen …

    Dieser Zustand hält noch immer an. Der Diesel wurde und wird noch immer fiskalisch gefördert und zugleich wird er schon längst parteiübergreifend verteufelt. Da ist es gut zu wissen, dass man sich gegen den einen oder anderen (politischen) Quatsch und dessen reale Auswirkungen als Fahrer oder Insasse eines SAABs noch immer schützen kann und wie das geht. Es ist erstaunlich und verstörend zugleich, dass ein SAAB da heute noch aktuell ist, vielleicht sogar aktueller als zuvor …

    Wie dem auch sei, vielen Dank auch für diesen Artikel.

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    • 14. November 2018 um 1:41 AM
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      Ich schließe mich 100 %-in an, und frage mich gleichzeitig, aus welchem Grund dieser zum Teil launische, in seinem Tenor nach meiner unmaßgeblichen Meinung aber sehr treffend in die offene (Politik-) Wunde drückende Beitrag von den Bloglesern mit so vielen (derzeit: 6) Daumen runter bewertet wird?!

      • 14. November 2018 um 1:44 PM
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        Vielleicht, weil der Kommentar tatsächlich etwas launisch war?

        Vielleicht haben auch eilige und nur oberflächlich lesende (Turbo-) Diesel-Fahrer hier die Daumen nach unten gereckt? Dabei war der Kommentar anders gemeint und nicht gegen sie gerichtet …

        Der Diesel in seiner heutigen Form, sein hoher Grad an Verbreitung und sein einstiger technologischer Durchbruch zu einem vollwertigen, schnellen und konkurrenzfähigen Auto ist ein politisches Produkt und so von Grünen, SPD, FDP, CDU und CSU zu verantworten. Von denen, die jetzt mit dem nackten Finger auf andere zeigen und “Skandal” schreien …

  • 12. November 2018 um 3:06 PM
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    Guter Tip! Denke mal, dass der Filter auch für ein Cabrio sinnvoll wäre.

  • 12. November 2018 um 4:15 PM
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    Anders gefragt: Wie schlecht ist denn dann der originale Saabfilter? Wenn ich auf der Mann Hompage nachlese kann dieser Aktivkohlefilter eigentlich zusätzlich nur noch Feinstaub, Allergene, Bakterien und Schimmel filtern. Ihren eigenen “Normalfiltern” spricht Mann schon eine Stickoxidreduzierung zu…
    Mich interessiert das wirklich weil mit dem momentan verbauten Originalfilter (6 Monate alt) stinkt es z.B. im Stau recht schnell und recht heftig nach Abgasen. Das würde ich gerne verbessern. Vielleicht kann der neue Filter einfach alles besser als der ursprüngliche, ich werde es ausprobieren. Ich sehe gerade, dass dieser Filter sogar noch preisgünstiger als der Aftermarktmultifilter und das Original ist. Bessere Luft für weniger Geld, klingt nach eierlegender Wollmilchsau 😉

    • 12. November 2018 um 9:53 PM
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      Interessante Frage …

      Orio sollte sie aufgreifen. Bei der Produktion ein paar Krümel Aktivkohle in die Lammellen des Filters zu streuen ist weder revolutionär noch kostspielig. Wenn der bestmögliche Innenraumfilter so einfach und preiswert ist, sollte er Standard und gar nichts anderes mehr verfügbar sein.

  • 12. November 2018 um 5:57 PM
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    Danke Tom für diesen Artikel .Weiter so …Hervorragend für Alle SAAB Fahrer

  • 13. November 2018 um 1:31 AM
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    Zumindest für den YS3D (900 (II) & 9-3 (I)) hat MANN FILTER keine Aktivkohlefilter im Angebot, habe jedenfalls keine für meine Saabs gefunden.
    Bleibt eigentlich nur: Augen zu und durch, die Luft wird schließlich seit vielen Jahrzehnten immer besser in Innenstädten und auf Autobahnen

    • 13. November 2018 um 1:07 PM
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      Leider ja. Ich bin im Moment auf der Suche bei Alternativ-Lieferanten.

    • 16. November 2018 um 9:57 AM
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      Man müsste mal schauen was von anderen Automarken passt. Für den Saab 9000 passen z.B. die Filter vom Opel Zafira oder Porsche Cayenne. Teilweise muss man sie am Rand einmal mit einem Schaumdichtband umwickeln. Im Forum gibt es da einen sehr guten Test bzw. Vergleich versch. Produkte.

  • 13. November 2018 um 3:48 PM
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    Bei Polar Parts gibt es Aktivkohle Filter für 9-3 YSD und YSF, sowie 9-5 YSE, in einer Spanne von 7,90 – 14.90€.

    • 14. November 2018 um 12:55 AM
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      Johnny Guitar, lieben Dank für den Hinweis!

  • 13. November 2018 um 6:23 PM
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    dann werde ich mal beim nächsten Service nach einem Aktivkohlefilter fragen

  • 13. November 2018 um 7:55 PM
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    Ich wechsel die bei beiden 9-5 Ng und OG einmal im Jahr. Da ich aber auf dem Land wohne hab ich da bis jetzt immer die normalen verbaut. Werd es aber mal ausprobieren ob es einen unterschied macht.

  • 13. November 2018 um 9:46 PM
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    Klasse Artikel! 🙂
    Danke für den Blick über den “Tellerrand” nach innen…
    Werde meinen FSH diese Woche mal darauf ansprechen…
    Weiterhin Allen eine gute u. stabile Gesundheit!

  • 15. November 2018 um 7:20 AM
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    Ich kann die FP Innenraumfilter von Mann / Hummel ebenfalls nur empfehlen, setze diesen Typ in allen meinen Fahrzeugen ein, für den 9-5I OG gab es den am Anfang noch nicht, jetzt ist er erhältlich und ich finde ihn besser als den original “GM” Aktivkohlefilter.

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