Festplatten für Saab Fahrer!

Zurück aus dem kurzen Sommerurlaub !  Ein Mix von Technik und Sentimentalitäten. Es geht um geplatzte Träume, in Schweden und anderswo auf der Welt. Und es gibt einen Grund, warum sich Saab 9-5 NG Fahrer mit dem Technik-Thema beschäftigen sollten. Und in Festplatten investieren müssen.

Trollhättan und die Automobilproduktion
Trollhättan und die Automobilproduktion. Das sieht nicht gut aus.

Festplatten für Saab Fahrer!

Im Denso-Entertainment System des Saab 9-5 NG arbeiten kleine 40 GB Festplatten von Hitachi. Darauf befindet sich unter anderem die Navigationssoftware. Festplatten, soviel muss auch der absolute Laie wissen, haben kein ewiges Leben. Irgendwann werden sie zum Thema, gehen defekt, und das schöne Entertainment System wird nutzlos. Schlau, wer sich eine Festplatte zur Seite legt. Nur so für den Fall. Bei Henrik Bloom gibt es Hitachi Festplatten für das Saab-Denso System zum kleinen Preis. Darauf befindet sich, quasi als Schmankerl, die 2013er Navigationssoftware.

Rund 100,00 € sind günstig, denn es handelt sich um spezielle Platten für den Automotive-Sektor. Herkömmliche Festplatten, vom Computerhändler um die Ecke oder aus dem Netz, funktionieren im Denso nicht. Ausserdem bietet Henrik Bloom einen Reparaturservice für die Lightbar des 9-5 NG und Verbesserungen,  welche die Ausfallrate senken.

Geplatzte Träume (Story 1)

Dass BMW innerhalb von Europa ein neues Werk sucht,  war klar. Die deutschen Werke arbeiten am Limit, das Empire segelt einer ungewissen Zukunft entgegen. Donald Trump beschädigt die US Standorte mit seinem Handelskrieg mit den Chinesen. Plötzlich ist das gute, alte Kerneuropa wieder ein sicherer Hafen und erste Wahl.

Meine Hoffnung, über die letzten Monate, war Trollhättan. Zugegeben, es war eine sehr kleine, sehr persönliche Hoffnung. Die Chinesen geben die alte Saab Fabrik frei, BMW übernimmt. Baut endlich Autos am Göta Älv. Und vielleicht auch Saabs.

Trollhättan hat handfeste Vorteile. Eine grüne Produktion mit Wasserkraft, ausgebildetes Personal vor Ort, gute Infrastruktur. Und nicht weit zu den Seehäfen. BMW baut in Europa, aber nicht in Schweden. Ungarn statt Göta Älv, ein kleines Werk für 150.000 Einheiten. Sehr flexibel, so wie es die alte Saab Fabrik auch war, geeignet für Elektroautos, Hybride und Verbrenner. Ein Traum ist damit ausgeträumt. Und damit könnte die letzte Chance für die alte Saab Fabrik vom Tisch sein.

Denn dort sieht es nicht gut aus.

Geplatzte Träume (Story 2)

Da gab es den Milliardendeal von NEVS Partner GSR Capital mit der Nissan Batterieproduktion. Nissan stoppte das Geschäft, weil nach 12 Monaten der Kaufpreis nicht beglichen wurde. GSR Capital, das Unternehmen will für NEVS das Werk Nummer 3 in China errichten, hat scheinbar leere Konten und konnte die angeblich vereinbarte 1 Milliarde US Dollar nicht aufbringen.

Mittlerweile hat sich Nissan für die chinesische Envision Gruppe als Käufer für die Batteriesparte AESC entschieden. GSR Capital ist draussen. Was aus NEVS Werk Nummer 3 wird,  kann man mit Spannung abwarten.

Für die Chinesen in der Stallbacka scheint das unmittelbare Konsequenzen zu haben. Chao Ma von Panda New Energy baut seinen Einfluss auf und zog zum 30. Juli in den Vorstand in die Stallbacka ein. Panda hatte im Jahr 2015 150.000 Elektroautos in Schweden bestellt, aber bisher keine Ware erhalten. Laut Servigesradio ist Chao Ma behilflich bei Finanzierungsfragen. NEVS steckt nach wie vor in Liquiditätsproblemen und hat Mühe,  seine Verbindlichkeiten zu bedienen.

22 Gedanken zu „Festplatten für Saab Fahrer!

  • Spannender Artikel, das mit den Festplatten sollten 9-5 NG Fahrer schon nutzen. In ein paar Jahren werden die Dinger zum Goldpreis gehandelt 🙂

  • Auf BMW hatte ich 2012 schon mal gehofft wo die Chancen noch besser standen und es wurde wegen persönlicher Befindlichkeiten nichts. Ich denke auch, das Thema Autoproduktion in Throllhättan ist durch.

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  • Da war doch mal was in einem früheren Artikel. BMW wollte doch wohl mal Saab übernehmen, aber dies kam nicht zu Stande da wohl die Leute die das damals zu entscheiden hatten die deutschen als Erzfeinde sahen, und es so für die damaligen Entscheider unmöglich war an BMW zu verkaufen. Kann mir mal jemand sagen warum diese Leute auf solche Gedanken kamen? Gibt es in Schweden eine Partei die dem Gedankengut der AFD nahe steht. Logisch das für BMW eine Produktion in Schweden nicht mehr interessant ist wenn man dort schon einmal so nett willkommen geheißen wurde

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    • Traurig aber wahr …

      Andererseits ist man hinterher ja immer klüger. BMW hätte eine Chance und zu China (oder dem endgültigen Aus) eine deutlich bessere Alternative sein können. Mich persönlich hätte es zufrieden gestellt, wenn die Marke SAAB unter BMW überlebt hätte …

      Aber wir wissen ja nicht detailliert darüber bescheid, wie die BMW-Leute aufgetreten sind und welche Chancen durch die SAABianer zum gegebenen Zeitpunkt sonst noch ausgelotet wurden. Da müssen nicht zwangsläufig nationale Befindlichkeiten und Vorbehalte für den Ausgang und das traurige (End-) Ergebnis verantwortlich sein. Diese Mutmaßung geht mir ein wenig zu weit.

      Wie dem auch sei, spätestens jetzt wissen wir alle, dass SAAB wohl zu hoch gepokert und auf falsche Pferde gesetzt hat. Leider!

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    • Es ging wohl in erster Linie um die Arbeitszeiten und die traditionelle Sommerpause. BMW hatte damals, sehr lange her, andere Vorstellungen als Gewerkschaft und frühere Saab Mitarbeiter. So hat man es uns zumindest erzählt. Das Ergebnis sieht man jetzt, das Werk ist demontiert und die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet.

      Mit Politik hatte das weniger zu tun, und wenn, dann nur am Rande. Und ja, es gibt in Schweden eine AfD kompatible, rechte Partei: Die Schweden Demokraten.

      • Die Gewerkschafter und Mitarbeiter wären wohl besser beraten gewesen, zunächst mal gute Miene zum bösen Spiel zu machen? Vor dem Hintergrund einer geretteten Marke und schwarzer Zahlen, hätte man dann ja immer noch sagen können: „Knulla dig, BMW! We build SAABs. Except for holidays …“

        So oder so ähnlich sollen die SAABianer ja auch immer wieder gegenüber Uncle Tom aufgetreten sein. Warum also nicht mit den Bajuwaren „kooperieren“, um dann trotzdem schwedische Autos nach schwedischen Sozialstandards außerhalb von Ferien und Sommerpause zu bauen?

        Also trotzdem sein eigenes Ding irgendwie durchzuziehen! Na ja, hätte, hätte, hätte …

        Solche Gedankenspiele könnte man sich sparen. Aber das Thema hat ja auch Nachwirkungen und das bis in die Gegenwart. Sonst wäre die Story 1 ja auch nicht geschrieben worden. Da liegen solche Gedanken schon auch nahe …

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      • Das Gedächtnis… liegt halt schon viele Jahre zurück, aber war BMW nicht relativ früh aus dem Rennen, mir sah das Mitbieten damals nicht wirklich von, sagen wir es VM getreu, von Visionen getragen. Ich hatte eher den Eindruck, die Münchner wollten, wie so viele andere auch, günstig an Versteigerungsobjekte kommen, als Motorenlieferant der letzten Stunde hatte man ja einige offene Forderungen.

        • Wegen einer Handvoll 1,6 Liter Motoren? Das wäre aber eine ziemlich unprofessionelle Erbsenzählerei. Auch gehören Versteigerungen von gebrauchten Gegenständen oder Immobilien nicht gerade zum Kerngeschäft von BMW. Die Theorie halte ich für abwegig …

          Man hatte negative Erfahrungen mit GM und war vielleicht schlicht nicht bereit, sich nochmals einem großen Konzern anzuvertrauen und anzugliedern. Es gab unter VM ja nicht umsonst eine „Independence“ Edition des Cabrios.

          Zumal BMW in der Vergangenheit bei Übernahmen in Großbritannien (meines Wissens) nicht alle Versprechen gehalten, nicht alle Hoffnungen erfüllt hat, habe ich da auch durchaus Verständnis für die Skepsis und den Freiheitsdrang die SAABianer.

          Wenn BMW aber – wie Tom schreibt – gegenüber SAAB schon das Thema Sommerpause angeschnitten hatte, hat man sich immerhin schon um Arbeitsverträge sowie Auslastung und Rentabilität des Werkes Gedanken gemacht. Vielleicht wäre BMW damals tatsächlich die beste und einzig realistische Chance für SAAB gewesen? Vielleicht?

          Ich mag BMWs nicht. Aber ich mag ja auch GM nicht. Trotzdem mag ich SAABs, die unter GM gebaut wurden. Vielleicht wäre es mit SAABs unter BMW ja auch so gekommen? Besser als nix wären sie allemal …

  • Darf ich fragen wie das mit eventuellem Festplatten-Austausch auf einem 9-5 2.3T von 03.2009 steht? Sie sprechen nur von 9-5 NG Baujahre 2010/2011. Bitte um Antwort. Danke Gruss Ulrich

    • Der „alte“ 9-5 hat kein Denso System mit Festplatte.

  • Interessanter Bericht, interessante „Stories“.

    Hmmm … und ich hab mit meinem „Schiff“ demnächst eh Inspektion und Tüv ….
    Ob man das gleich mit machen sollte (bzw ob das Problem wohl auch beim „mexikanischen Schweden“ in Zukunft auftreten wird)?

    • Ist das gleiche System wie im 9-5 NG. Der 9-4x (?) wird wohl auch ein Denso mit Festplatte haben.

  • Was für ein Service …

    Was für ein fulminantes Ende des SSL …

    Da wünscht man sich einmal mehr, man hätte einen NG auf dem Hof. Der ist nicht nur ausgesprochen schön, sondern wird in seinem Erhalt vom Blog auch noch kompetent und mit detaillierten Insider-Infos unterstützt. Besser geht es nicht. Chapeau!

    Möge dieser Blog der SAAB-Gemeinde ewig erhalten bleiben!

    Auch trotz und gerade wegen der traurigen aber informativen Stories über geplatzte Träume …

    Dass es sie überhaupt noch gibt, heißt umgekehrt ja auch und immerhin, dass SAAB-Fahrer noch immer Träume haben. Eigentlich erstaunlich. Aber schön!

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  • Hallo Tom,

    für ein paar weitere Infos zu Panda New Energy wäre ich dankbar. Könnte es sein, dass dieser Konzern selbst Ambitionen hat, den ganzen Laden zu übernehmen?

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    • Da gibt es leider nichts, womit ich dienen könnte. Die Akteure sind chinesische Firmen, Transparenz nach unserem Verständnis gibt es nicht. Möglich ist vieles, klare Strategien sehe ich seit Jahren nicht.

  • Hallo Tom, gut erholt? Schön dich wieder zu hören, resp. zu lesen!

    Bringt der Kauf der Festplatte etwas, wenn in meinem 95NG kein Navi installiert ist? Der Radio und der CD Player laufen doch unabhängig von dieser Festplatte oder?

    Ich versuche ja sehr die Saab Dichte im Süden von D ( im Norden von CH ) aufrecht zu erhalten, kann aber leider immer nur mit einem meiner Saab unterwegs sein 😉

    • Das grüne Basisradio hat keine Festplatte, die Sorge hast Du schon mal nicht.

  • Tröste Dich, ich bin ja im Norden von CH (im Süden von D am Südfuss des Schwarzwalds) auch noch da mit meinem Saab, da sind wir doch schon zu zweit um noch auf längere Sicht die Saab Dichte aufrecht zu erhalten.. Ich habe in meinem 95OG von 2009 zwar ein Navi, brauche es aber nie, da ich Karten vorziehe. Scheinbar haben wir auch das gemeinsam.

    • Mein 95 NG war einer der allerletzten, konnte gar nichts mehr wählen, habe ihn so genommen wie er beim Buser in Augst gestanden ist.

      Alte Schule, nach Karten fahren, in den Städten ist aber so ein tomtom schon sehr praktisch 😉

      Ich komme aus Basel, bin viel bei meiner Partnerin im Südschwarzwald, aber meistens mit dem Lime farbigen Cabrio oder mit dem Viggen unterwegs. Der 95NG wartet brav in der Garage auf die grossen Reisen nach Kiel oder Trollhättan!

  • Wie tauscht man die neue Festplatte gegen die alte aus. meiner ist 2011 TID

    • Die Festplatte selbst ist Plug & Play. Das Denso Gerät würde ich im Zweifelsfall in einer Aktion mit der Saab Werkstatt meines Vertrauens aus- und einbauen.

      • Danke Tom. LG aus der Steiermark.

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