Notizen aus Schweden

Vor einigen Jahren schien die Zukunft der schwedischen Automobilproduktion noch unsicher. Die Lage hat sich komplett gedreht, Mobilität aus Schweden hat Zukunft. Der Expressen berichtete in dieser Woche von der “andauernden Jagd” nach Ingenieuren. Ein Problem, das alle Akteure in Südschweden haben.

Volvo Concept 40. Rivalitäten beleben das Geschäft. Bild: Volvo Cars.
Volvo Concept 40. Rivalitäten beleben das Geschäft. Bild: Volvo Cars.

Volvo stellt ein, CEVT stellt ein, und NEVS befeuert die Situation zusätzlich. Die Liste der offenen Stellen liest sich beeindruckend und ist länger denn je. Die neue Marke aus dem ehemaligen Saab Werk hat Einiges vor. Das Vertrauen auf NEVS und auf die Zukunft von Trollhättan scheint vorhanden zu sein.

Cliff Models, ein Unternehmen aus Göteborg, übernahm 2012 die frühere “Modelverkstad”. Saab fertigte dort über Jahrzehnte Prototypen für die eigene Marke und den GM Konzern. Neben Volvo ist auch NEVS ein wichtiger Kunde. Cliff Models investiert weiter, stockt das Angebot an Dienstleistungen auf, und installiert aktuell in Trollhättan eine Diamond 30, wie die TTELA berichtet.

Die rund 1.5 Millionen € teure Maschine, erste ihrer Art in Schweden, wird für den Werkzeugbau eingesetzt und wird die Werkzeuge für die Produktion der neuen NEVS Fahrzeuge herstellen. Produktionsbereit soll die Diamond 30 ab der KW 32 sein.

 

 

Die Geburt einer Marke

Die Geburt einer neuen Marke ist etwas Besonderes. Menschen aus der IT bevorzugen als Geburtsort gerne Garagen, woraus oft große Dinge entstehen. Auch mein erster IT-Job startete vor vielen Jahren in einem solchen Gebäude. Andere suchen sich einen pompösen Rahmen, manche Unternehmen starten in einer schmucklosen Halle.

NEVS bevorzugte die schlichte Variante und hat vor einigen Tagen ein Video der Zeremonie auf Youtube gestellt. Jonas Hernqvist, zuvor bei der Saab Automobile AB für den asiatischen Raum verantwortlich, verkündete den Start in die Zukunft. Aus National Electric Vehicle Sweden wurde NEVS. Das schlichte Umfeld und die Einfachheit der Inszenierung sollte uns nicht zu  Trugschlüssen über die Zukunft des Unternehmens verleiten. Denn, wie gesagt, interessante Dinge können in Garagen beginnen. Oder auch in einer schlichten Fabrikhalle.

Elektroauto aus Schweden. Reichweite 500 Kilometer.

Natürlich ist NEVS nicht in einem luftleeren Raum unterwegs. Das Angebot an Elektroautos füllt sich fast täglich mit neuen Produkten. 2012, beim Kauf der Saab Hinterlassenschaften,  klang das noch sehr nach Zukunft. 4 Jahre später reist fast jeder Anbieter mit dem Thema. In Göteborg wurde man gestern konkret. Die ersten beiden Elektroautos von Volvo kommen 2019. Ein Großes, vermutlich auf Basis des in der Länge gewachsenen XC60 Nachfolgers, mit 500 Kilometern Reichweite. Und ein Kleines auf Basis der neuen CMA Plattform, die vom früheren Saab Entwicklungschef Mats Fägerhag bei CEVT entwickelt wurde. Es soll 300 Kilometer Reichweite haben.

Auch für neue Marken gibt es keinen Welpenschutz. Die Plattform für die neue Generation von NEVS Elektroautos soll, nach offizieller Ankündigung, 2019 oder 2020 fertig sein. 8 Jahre nach dem Kauf der Saab Hinterlassenschaft und eine neue Plattform steht nicht gleichzeitig für ein neues Fahrzeug. Das könnte 2021 kommen. Wenn die genannten Daten zutreffend sind, und wenn man in Trollhättan nicht tiefstapelt.

Kann die Marke NEVS, Elektromobilität gilt als Fundament des Unternehmens, es sich erlauben,  Volvo den Vortritt zu lassen? Spannende Frage… Das Rennen um die Serienproduktion des ersten schwedischen Elektroautos ist eröffnet. Rivalitäten zwischen Göteborg und Trollhättan, zwischen Volvo und Saab, waren seit 1947 gut für die schwedische Autoindustrie und ein Ansporn für beide Seiten. Warum sollte es sich zwischen Volvo und NEVS ändern?

10 Gedanken zu „Notizen aus Schweden

  • Dafür dass NEVS sicher nicht bei Null angefangen hat lassen sie sich ganz schön Zeit. Wenn OVLOV vor NEVS landet wäre das blamabel. Nix von wegen E-mobility Pionier.

  • Ja, so einige Verzögerungen sind schon zusammengekommen, und wohl auch die Erkenntnis, dass bei aller Modularität Phoenix 1 wohl nicht soooo elektroautotauglich ist. Meine Sorge wächst mittlerweile wieder, das NEVS zu spät kommen könnte, und mangels Akkutechnik womöglich auch gar nichts spektakuläres abliefern mag. Na, jetzt schauen wir mal, was die Zwischengeneration zu bieten hat.

    • Es wäre tragisch wenn NEVS “zu spät” wäre und eigentlich nicht vorstellbar da grüne und nachhaltige Mobilität auf den Fahnen steht. Eventuell sehen wir ja die Zwischengeneration auch in Europa, NEVS lässt sich da einiges offen. Spannend wäre es schon.

    • Ha, an diese Firma habe ich auch gerade gedacht, weil ich dazu gestern irgendwo einen Artikel las (http://www.kreiselelectric.com/). Sehr spannend und vor allem zeigt es, dass auch kleine Firmen in der Lage sind neue Ideen zu haben und zu stemmen, die sehr vielversprechend sind.

  • Was ist eigentlich aus der angedachten (geplanten) Auftragsfertigung bei NEVS geworden?
    Oder ist man mittlerweile in der Lage, auf die Einnahmen zu verzichten?

    • Es gab keine Updates mehr zu dem Thema. Und ich habe keine Prognose.

  • Fragt sich nur, was man (in Schweden!!!) mit 300-500 km Reichweite will. 😉

    Außerdem:
    1. Die 500 km werden sicher nur im Rahmen eines vollkommen unrealistischen Testzyklus erzielt.
    2. Die Batterie muss hierfür _absolut_ neuwertig sein.
    3. Der Ladevorgang dauert sicher um einiges länger, als zum Tanken benötigt wird.

    Wie auch immer: schwedische Immobilien waren schon immer faszinierend. 😉

    • Die Reichweite von meinem SAAB ist auch nicht größer.

      Insbesondere mit E85 (niedriger Brennwert) war ich froh, wenn in der Stadt oder bei schneller Autobahnfahrt überhaupt mehr als 300 km drin waren …

      Ein E-Auto mit 300-500 km halte ich für praxistauglich. Auch für Langstrecken, wenn es im Rahmen ohnehin vernünftiger Pausen geladen werden kann.

      • Vor allem in Ländern mit Tempolimit wie Schweden, Norwegen und den Niederlanden passt dann die Reichweite. 300 oder 500 Kilometer sind dann Realität und das EV ist tauglich für den Alltag.

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