Bringt uns Saab zurück!

Ein Mandat für NEVS. Ganz klar, ohne Raum für Interpretationen. Ein Ergebnis, das auf dem Kongress der Kommunistischen Partei Chinas als nicht akzeptabel, aber bei der bayerischen CSU als respektabel gegolten hätte. (Für Leser jenseits bayerischer Grenzen: Die CSU ist eine regionale Besonderheit im deutschen Parteiensystem). Jetzt also ist es klar, 85 % unserer Leser wünschen sich einen Neustart in Trollhättan unter der Saab Flagge.

Saab Flagge im Wind
Saab Flagge im Wind

Zeitweise lag die Zustimmung bei 91%, bröckelte im Laufe der Woche, und lag final bei den beachtlichen 85%. Ich muss zugeben,  bei diesem Ergebnis nicht mehrheitsfähig zu sein. Ich habe für einen Neustart unter anderem Namen gestimmt. Nach 5 Jahren Saab Blog Therapie, habe ich in den letzten Wochen meinen Abschluss mit dem Ende von Saab als produzierenden Hersteller im Dezember 2011 gefunden.

Der Prozess dauerte lange und war schmerzhaft. Saab ist für mich,  was im Carport und im Hangar steht – was im Umkehrschluss aber nicht dafür steht, dass ich einen Neustart mit NEVS in der Zukunft nicht begrüssen würde. In der Gegenwart aber werde ich zum Fremdgänger. Ein Dienstwagen steht dieses Jahr an – ein Neuwagen,  der kein Saab sein wird. Warum?

Weil ich den 9-5 NG künftig schonen will, ihn nicht mehr jedem Wetter und der Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen aussetzen möchte. Saab beamt sich so zum privaten Vergnügen in den Kosmos von Freizeit, Familie und sonnigen Tagen. Was demnächst auf meinem Dienstparkplatz stehen wird, ist dann nur noch ein Auto. Ein Gebrauchsgegenstand auf Zeit, nicht emotional, und er wird nichts mit Blog und meiner automobilen Leidenschaft zu tun haben.

Es wird Zeit für Neuwagen. Dringend.

Entsetzt über meine Offenheit? Das sollten die Leser nicht sein. Mark und ich haben uns den Lesern für 2016 verpflichtet und werden das auch einhalten. Also keine Sorge, die morgendliche Lektüre kann als gesichert gelten. Aber eines zeigt sich in aller Deutlichkeit: Leute, es wird Zeit für Neuwagen. Dringend ! Und gerne auch elektrisch, auch wenn wir weiter von heißen Turbos träumen. Aber reine Verbrenner gibt das umweltpolitische Umfeld nicht mehr her.

So wie mir geht es vielen Fans, die Saab im Herzen, aber nur als Hobby und nicht mehr im Alltag haben. Weil die neuesten Fahrzeuge mindestens 5 Jahre alt sind, wozu man auf vernünftige Art und Weise keinen Fuhrparkleiter mehr überreden kann. Weil man ab einem gewissen Punkt mit Abschreibungen durch ist und gleichzeitig mit steigenden Wartungskosten kämpft.

Vielleicht aber auch, weil man sich über jeden Kratzer und jede Beule im Blech ärgert, auch wenn man das nie zugeben würde. Ein Saab ist, bei aller Coolness, die man zur Schau stellt, eben doch ein Liebhaberstück,  das man mehr denn je pflegt und mag. Aber jenseits von meiner beruflichen Situation und der Frage,  was ich als zukünftige Mobilitätslösung bestellen werde, haben wir eine Abstimmung.

Deren Ergebnis ist ein Auftrag für NEVS.

Ein Mandat der Leser von Saabblog.net, uns bei einem Neustart Saab zurück zu bringen.

Saab ist mehr als nur 4 Buchstaben. Saab ist Herausforderung. Die Marke steht für sichere und  unkonventionelle Autos. Fahrzeuge mit einem hohen Anspruch an Design und Funktionalität. Die ihrer Zeit immer ein Stück voraus waren, und die trotzdem bezahlbar bleiben müssen. Allein das, die Erwartung an einen richtigen Saab, ist schon ein enormes Stück Arbeit.

Umfrage auf dem Blog: Bringt uns Saab zurueck!
Umfrage auf dem Blog: Bringt uns Saab zurueck!

Dazu kommt, dass wir von NEVS mehr erwarten. Keinen Tesla Clone, das wäre zu simpel. In Zukunft zählt die Infrastruktur rund ums Auto doppelt. Die Urzeiten, wo es bereits als fortschrittlich galt,  Updates mit USB Stick oder DVD zu liefern, sind vorbei.

In Zukunft wird der Kunde eine Einbindung in die digitale Infrastruktur fordern. Angefangen mit Zusatzfunktionen auf Abruf, persönliche Dienste, bis hin zu Ideen,  die man sich (hoffentlich) gerade in Trollhättan ausdenkt. Mobilität muss zukünftig auf den Punkt genau ins Leben passen. Das passende Fahrzeug auf Zeit, für Stunden, Tage, Monate oder Jahre. Die digitalen Angebote müssen ohne jeden Zweifel „saabig“ sein. Cleverer und simpler als das, was andere Hersteller bieten. Nicht mehr und nicht weniger als ein komplett neuer, digitaler Saab Kosmos für unsere Zeit, mit der kompatiblen Hardware dazu.

Klingt das in den Ohren wie die unmögliche Quadratur des Kreises? Für Leser, die mit der Marke Saab nicht so sehr vertraut sind vielleicht. Alle anderen, die einen 900 Turbo oder 9000 Aero oder eines der anderen, intelligenten Fahrzeuge aus Trollhättan in ihrer automobilen Vergangenheit oder Gegenwart besitzen durften, werden zustimmen. Saab löste zeitweise die Quadratur des Kreises, die Fahrzeuge konnten ein Widerspruch in sich und dennoch stimmig sein. Ein Saab war immer ein intelligentes Auto. Vielseitig, sicher, schnell, geräumig. Ein Sportwagen, komfortabel, sparsam, gediegen, exzentrisch, vernünftig, schön, nachhaltig.

Die Herausforderung ist definiert. Unser Auftrag für NEVS ebenfalls.

17 Gedanken zu „Bringt uns Saab zurück!

  • Hallo Tom, bei der Formulierung kommt natürlich die Frage auf, ob da ein Auto oder Ein Auto auf deinem Dienstparkplatz stehen wird? 😉 Egal… das ist deine Privat- bzw. Geschäftssache.

    Ich habe in den verganenen Wochen viele Mietwagen durchprobiert, deutsche, schwedische und japanische Fabrikate. Ja – auch andere Mütter haben schöne Töchter. Auch andere Hersteller bauen gute, solide Autos. Auch in einer E-Klasse legt man eine lange Distanz entspannt zurück. Aber kaum ein Fabrikat – auch die gerne zitierten italienischen – hat eine Emotionalität wie SAAB oder ruft Reaktionen hervor wie ein SAAB.

    SAAB darf also gerne als Hobby bleiben. Für den Genuss auf der Straße.

    • Wie „gut“ und „solide“ diese Autos waren, wird man erst in einigen Jahren / Jahrzehnten feststellen können (falls es sie dann noch zu bewundern gibt…).

      BTW: Für mich käme definitiv KEIN Auto aus Stuttgart in Frage – trotz der vielen „Innovationen“, die dort entwickelt wurden. Allein bei so Produkten wie der „Schweren Klasse“ (so eine Möchtegern-Alternative zum Scania „3er“ und TurboStar) und dem „Bremer Transporter“ (Möchtegern-TurboDaily) wird mir richtig übel. Das war damals bestenfalls Ostblock-Niveau!
      Außerdem gefällt mir absolut nicht, wie „Daimler“ (allein die Wahl des Namens ist anmaßend und unverschämt) mit ernsten Problemen umgeht.
      Man denke hierbei nicht nur an das A-Klasse-Desaster, die Rostproblematik und an nicht-funktionierende Bremsassistenten (wie wohl das ausführliche Specht-Video von der bekannten Videoplattform verschwunden ist???).
      Nein, vor allem das Thema passive Sicherheit wurde in Stuttgart stets stiefmütterlich behandelt (siehe Abschneiden in allen _praxisrelevanten_ Crashtests, z.B. Small-Overlap, insbesondere im Vergleich mit der „anderen schwedischen Marke“, wo man genau diese Thematik _sorgfältig_ angeht).

  • Freue mich sehr über dieses Ergebnis! Mit dem Fakt Dienstwagen kann ich Dich voll und ganz verstehen. Schone den 9.5. Beim Saabtreffen bei Höboldls am letzten Samstag waren zwei dabei. Ist schon ein tolles Auto.
    Ansonsten gebe ich Dir voll recht. Pflegen wir das, was wir haben.
    Ich freue mich jeden Tag über mein gelbes 9.3 Cabrio von 2000.

  • evt. bin ich zu konservativ, halte an alten bezahlten, wenig Ressourcen verschwendende, technisch völlig ausreichenden und doch noch täglich Spass machenden Fahrzeugen fest…… so lange es irgend geht. Ja, und ich bin auch selbständig und es kann auch betriebswirtschaftlich funktionieren. Ich weigere mich einen Neuwagen (evt. Elektro oder Hybrid) zu kaufen, für den alleine für seine Produktion soviel Ressourcen verbraucht wurden, dass unsere Fahrzeuge damit noch etliche Jahre fahren könnten. Aber damit wird man die neuen Wege in der Mobilität nicht aufhalten und das soll ja auch nicht sein. Echter Fortschritt wäre toll, sehe ich aber im Augenblick noch nicht. Ja und sollte NEVS gar keinen „richtigen“ Saab mehr hinbekommen, hätte ich falsch gestimmt …. aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Nur dieses derzeit geplante Sammelsurium an Elektro Fahrzeugen für China mit dem SAAB Emblem, das wäre schade !!

  • Hallo Tom,
    Ich weiss genau wovon Sie sprechen. Neben kleineren Kampfspuren auf meinen 9-5 NG, 2.8 XWD Hirsch Performance mit knapp 130.000 km habe ich gerade CHF 11.000.- investieren müssen für Wechsel der Steuerketten sowie für ein neues Haldex Ausgleichsgetriebe. Die Frage nach einem neuen Fahrzeug wird virulent, doch was tun, wenn man bei Selektionsversuchen SAAB- Massstäbe ansetzt.
    Übrigens, die beiden Hirsch 9-3er in unserer Familie (2008, 165.000km und 2009 Cabrio,, 130.000 km) laufen klaglos und machen richtig Spass. Die will niemand ersetzen.
    Nico

  • Ich erlaube mir mal, aus dem Text ein sehr freies Zitat zu schnippeln:

    „Weil die neuesten Fahrzeuge mindestens 5 Jahre alt sind,“ …

    … ist …

    … „ein Saab (…) eben doch ein Liebhaberstück, das man mehr denn je pflegt und mag.“

    Genau das – nämlich ein junger SAAB – ist ein Babytimer. So etwas gibt es nicht von Audi, nicht von BMW und nicht von Mercedes.

    Ich fordere hiermit H-Kennzeichen und entsprechende Konditionen (z.B. Versicherung) für alle SAAB, unabhängig von Bj. und Erstzulassung. Sie hätten es verdient.

  • Genau meine Meinung! Ich bin ebenfalls selbständig und kann/muss betriebswirtschaftlich rechnen. Und Leasingraten von 500 € oder mehr rechnen sich nicht zwangsläufig, auch nicht bei einem sparsamen Diesel. Von den genannten ökologischen Gesichtspunkten ganz zu schweigen. Alle 3 Jahre einen Neuwagen finde ich geradezu dekadent. Die Grenze, wann ein Saab noch ein Saab ist, zieht ohnehin jeder anders. Die einen lassen nur den 900I noch gelten, andere ziehen die Grenze beim 9000, für mich zählen zumindest die 9-3I und die 9-5I noch dazu, jedenfalls die Benziner mit 2.0 oder 2.3 t oder T. Und solange es die noch mit für Saab-Verhältnisse relativ geringer Laufleistung in ordentlichem Zustand gibt, kommt mir nichts anderes ins Haus bzw. vors Büro…

    • Es gibt ja auch noch andere Aspekte (auch ich bin selbständig) …

      Fahrtenbuch?

      Das ist Bürokratie in Reinkultur. Mühselige Erbsenzählerei. Wer will das schon?

      1%-Regel?

      Monatlich und vom Listen-NEU-preis als virtuelles Einkommen zu versteuern. Wer möchte sich fiskalisch für ein altes Auto derart belangen lassen?
      Wer möchte in 10 Jahren Einkommensteuer auf 120% des Listenneupreises gezahlt und in diesem Zeitraum nur einmal die MwSt. als Vorsteuer gezogen haben? Das tut doch weh …

    • Egal was man tut, es muss passen. Zur persönlichen, oder beruflichen Situation und auch steuerlich. Wo wer seine Schmerzgrenze hat ist höchst individuell. Der eine leistet Verzicht wenn er ein Auto für nur 40.000 € kauft, der andere rauft sich die Haare bei solchen Summen. Kann man ewig weiterführen ;-)….
      Klarer ist hingegen was ein Saab ist. Diese ewige Diskussion hat mich früher von Stammtischen ferngehalten und tut es heute immer noch. Ich halte es mit dem Kurator des Museums in Trollhättan. Alles was in der Stallbacka vom Band gelaufen ist, mit Saab Logo, ist ein Saab!

  • Sorry, mein Kommentar bezieht sich auf „der saabler“

  • Mein 9-3 Sportcombi ist seit drei Wochen Geschichte. Einmal unvorsichtig rückwärts aus dem Hof gefahren, mit einem SUV kollidiert und dann das Wort vom „wirtschaftlichen Totalschaden“ gehört. Dass die Protzkarre aus Ingolstadt auch nicht viel besser ausgesehen hat, ist kein wirklicher Trost. Jetzt fahre ich einen großen Kombi aus Fernost – komfortabel, ja; auf dem aktuellen technischen Stand, ja; sparsam, ja – aber eben kein Saab. Ein Auto, mit dem man den Alltag meistern kann. Nicht mehr. Wenn also Saab in irgendeiner Form in irgendeiner nicht allzu fernen Zukunft zurückkommen sollte – ICH WÄRE DABEI! Allein, mir fehlt der Glaube.

  • @Herbert Hürsch: ja, es tut weh, aber das virtuelle Einkommen aufgrund der 1%-Regelung muss ich m.E. auch bei den noch teureren Neuwagen in die Berechnung mit einbeziehen.
    @Tom: ich schrieb ja „zumindest“. Einen 9-5 NG würde/werde ich auch noch fahren. Aber mit NEVS und das was da geplant ist, kann ich – wie eben „der saabler“ – derzeit (noch) nichts anfangen. Auch wenn der in der Stallbacka vom Band liefe und das SAAB-Logo trüge. Insofern hätte ich auch wie Du für einen Neustart unter anderem Namen plädiert. Denn es ist wie Du schreibst: mit der Einstellung der Produktion 2011 hat Saab als produzierender Hersteller seinen Abschluss gefunden. Gerade deshalb sollten wir meiner Meinung nach ja unserer Marke auch bei den „Dienstwagen“ treu bleiben. Aus rationalen Gründen würde ich vielleicht auch fürs Büro einen BMW-Diesel leasen (am liebsten 335d GT), aber für mich gehören auch die „Dienstwagen“ noch, wie man früher sagte, zur Familie und da passt ein nur auf Zeit „geliehenes“ Auto als vollwertiges Mitglied nicht hinein. Und warum sollte ausgerechnet das Fahrzeug, in dem ich die meiste Zeit verbringe und mit dem ich die meisten km fahre, KEIN (Wohlfühl-)Saab sein?
    Vielleicht überlegst Du es Dir ja nochmal? Unser „Blog-Chef“ im Audi-Dienstwagen will mir nicht recht schmecken… 😉 Schon gar nicht aus Vernunftsgründen. Ein Turbo war doch nie wirklich vernünftig 😉

    • Bevor Gerüchte entstehen: Es gibt keinen Audi Dienstwagen – und es wird sehr sicher keinen geben. Was als Dienstwagen anrollen wird ist absolut neutral, emotionslos, und nur ein Werkzeug zum Zweck.

      • Tom, ist doch egal, Du brauchst Dich doch hier nicht zu rechtfertigen. Deine Gedankengänge hinsichtlich Schonung und Behütung kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe für schlechtes Wetter und emotionslose Routinefahrten auch ein Fremdfabrikat in der Garage. Das ist natürlich kein Ersatz, sondern nur eine Ergänzung. Solange man immer noch den/die Seelenschmeichler in der Garage stehen hat, ist das doch vollkommen ok…

  • I was lucky enough to buy a new 2011 Saab 9-3X Combi in December 2012 after the bankruptcy. So it’s now only a little over 3 years old for me, although it has nearly 100,000 kilometers. Fantastic car. It will keep going for a few more years, but then I have no idea what to do. Electric is no good for me unless with a range of 500 kilometers.

    • Zitat: „So it’s now only a little over 3 years old for me, although it has nearly 100,000 kilometers. Fantastic car. It will keep going for a few more years, but then I have no idea what to do.“

      Where is the problem? Drive it longer than „a few years“. Why everybody thinks it is a „must“ to buy a new car after some years, even when the actual is in good conditon? For the neighbors? Our daily drivers, a Volvo with now 325000km, a 9-3I CV with 275000km and my 901 Turbo with 218000km are in excellent conditions and have to function every day, but I do not know why I should sell one of them…only because they are between 14-29 years old?
      But maybe I am wrong and the newer Saab do not offer this long lasting quality anymore…

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