„Zu schade zum Wegwerfen….“

Ich fahre seit 15 Jahren Saab… Zufällig….

Damals wollte ich einen Opel Vectra haben. Jahreswagen. War aber irgendwie zu viel Geld für zu wenig „Wow“. Ich brauchte dringend einen fahrbaren Untersatz Zufällig verkaufte ein Kollege einen Saab 900 II. Saab…? Kannte ich nicht – war aber neugierig.

Saab 9-3 2.2 TID
Saab 9-3 2.2 TID

Ich war von Anfang an begeistert. Tolles, individuelles Design, innen wie aussen, irgendwie elegant, ordentlich Leistung, gute Strassenlage, jede Menge Komfort, mit Ausstattungs-Details, die in den folgenden Jahren erst nach und nach auch in anderen Mittelklassewagen auftauchten, akzeptabler Verbrauch, und – genau im Budget. Es war sofort MEIN Auto.

Da ich nun ein Auge für Saab hatte, wurde mir klar, das dieses tolle Auto auf dem Parkplatz meines Arbeitgebers AUCH ein Saab war. 900 Turbo Cabriolet, schwarz. Ich fuhr jetzt auch Saab, war aber immer ein wenig neidisch. Was für ein elegantes, individuelles Auto!

Die Begeisterung für meinen Wagen blieb. Bis 2009. Zu viel Rost, zu viele anstehende Reparaturen. Sehr schade, ich hatte ihn sehr gerne gefahren…

Mein Werkstattmeisten fand bald Ersatz. Saab 9-3, 2.2 TiD, 92 KW, Baujahr 2002. War ich WIEDER begeistert…? Hm, ja und nein. Bessere Beschleunigung, sparsamer Diesel, sicherer, hellerer Innenraum, SE-Ausstattung.…Es sprach vieles für dieses Auto. Aber irgendwie war´s kein vollständiger Ersatz. Er schien mir weniger elegant, weniger individuell, die Innenausstattung war weniger hochwertig, und die sportlichere Attitüde hätte nicht sein müssen.

Der Wagen bot jedoch allen Komfort, den ich mir wünschen konnte, mehr als der alte, und mit der Zeit hatten wir uns aneinander gewöhnt. Mein YS3D war ein treuer, zuverlässiger, sparsamer Begleiter, der selten eine Werkstatt brauchte. Nur leider gabt´s keinen Partikelfilter. (Zum Glück wohne ich nicht in einer unserer Großstädte.. )

Aber auch er ist in die Jahre gekommen. Rost, ein paar Kleinigkeiten, die nicht mehr funktionieren…Man kennt das. Mein Eindruck Ende letzten Jahres: Mehr schäbig als elegant. Das Urteil einer Saab-fremden Werkstatt damals: „Das lohnt nicht mehr…“

In meiner Saab-Werkstatt allerdings war man anderer Meinung: „Der ist noch zu schade zum Wegwerfen“ war das einhellige Urteil. Und damit begann meine Saab_Geschichte, die Mutation vom Saab-Fahrer zum Saab-Besitzer.

Seit jenem Frühlings-Tag wurde geschweißt, gespachtelt, lackiert, repariert, Teile ausgetauscht… Seitdem hab ich mehrfach wochenlang auf meine Wagen verzichtet. Seitdem habe ich mehr als den Anschaffungspreis investiert, um den Wagen seinen Bedürfnissen und meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Und seitdem denkt sich dieses Auto immer wieder Neues aus, um mich bei Laune zu halten.… ein altes Auto eben.

Mittlerweile habe ich auch verstanden: Ich werde ihn weiter fahren KÖNNEN – aber Ersatzteile finden könnte zukünftig mühsam werden. Früher fuhr ich einfach in die Werkstatt. Mittlerweile suche ich selber. Und nicht nur in Deutschland oder Europa.

Ich werde ihn weiter fahren MÜSSEN. Damit sich der Aufwand gelohnt hat. Die regelmäßige Suche auf einschlägigen Seiten bestätigt mir immer wieder: Marktwert hat der Wagen keinen. Reihenweise werden Saab 9-3 I verschleudert oder zum „Schlachtfest“ angeboten – grauenhaftes Wort. Dem Wagen fehlt das Flair der früheren Saab-Generationen. (Allerdings hat er wenigstens noch ein Fließheck. Was direkt danach an Modellen folgte, unterschied sich so wenig von Opel und Anderen, dass es zum Heulen war – Saab im Trauerkleid, Mainstream. Schade, dass man das in Trollhättan erst kapiert hatte, als es schon zu spät war.)

Und ich werde ihn aber auch weiterfahren WOLLEN. Ganz schön sieht er wieder aus, außen, frischer Lack, wo es nötig war, kaum mehr Dellen, überarbeitete Felgen, frischer TÜV. Der Innenraum lässt noch zu wünschen übrig. Dem Teppich sieht man die Jahre an, ein neuer ist scheinbar nur noch in den USA zu bekommen. Mit original Fussmatten verhält es sich ähnlich. Auch die Stoff-Leder-Sitze könnten ein wenig Auffrischung vertragen. Nur wem könnte man sich anvertrauen? Gute Werkstätten sind tief im Südwesten rar, und einfach irgendwem will man seinen Saab auch nicht anvertrauen. Ich habe ihm ein Navitainer spendiert. Ganz stilecht ist es leider nicht – aber mein Saab sollte technisch auf der Höhe der Zeit sein. (Wie vorausschauend muss man damals gebaut haben, dass sich dieser relativ problemlos in einen 13 Jahre alten Wagen einbauen läßt!).

Jetzt ist der Wagen tatsächlich „zu schade zum Wegwerfen“. Ich fahre ihn also weiter. Nach wie vor ist es ein Vergnügen, längere Reisen damit zu unternehmen. Der Wagen ist immer noch sicher, gutmütig sparsam, komfortabel und trotz kleiner Wehwehchen zuverlässig – und ausserdem ausreichend individuell, um MEIN Auto zu sein.

Jetzt stecke ich also mitten ´drin in einer richtigen Saab-Geschichte. Nie habe ich mich so sehr mit Saab beschäftigt wie in diesem Jahr. Und nächstes Jahr kaufe ich mir einen 900er Turbo Cabriolet. Oder übernächstes. Sobald ich mir´s leisten kann. Einfach ein tolles Auto!

Saab Lesertasse 2015
Saab Lesertasse 2015

Danke an Andreas für seine Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir belohnen jede Veröffentlichung auf dem Blog mit einer exklusiven Saab Lesertasse!

6 thoughts on “„Zu schade zum Wegwerfen….“

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    Sehr schön geschrieben, auch grade der Unterschied zwischen 902 und 9-3 I – sehe ich ähnlich. Wir haben beide noch im Haus, auch den Diesel.
    Ich denke, gute 9-3 werden sehr bald sehr selten, der Rost dezimiert sie grade richtig.
    Aber diese schöne Zeitlose Linie, das tolle Cockpit und das Schrägheck mit dem gigantischen Kofferraum sind erhaltenswert.

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    93 I sind ganz tolle Autos. Das Design ist einfach zeit- und schnörkellos, alles wie aus einem Guss. Ich werde meine zwei 93er, Cabrio von 1998 und Aero Coupe 2000, hegen, pflegen und fahren bis zur bitteren Neige! Mein 93 Coupe 2000 wurde am 15.12. von der CH MFK geprüft. Jetzt muss ich die vorderen Stossdämpfer wechseln, ansonsten alles tip top! ( und die CH MFK ist eine ziemlich strenge Institution! )

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    Ich selbst fuhr auch mal einen solchen 9-3 und fand ihn sehr genial. Das Design ist immer noch zeitlos und es gibt Parallelen zum klassischen 900-er Design – steile Scheibe, Linien am Heckfenster, Armaturenbrett usw. Insofern ist dieser 9-3 für mich auch eher wieder mehr Saab.
    Ich finde es klasse, dass du den 9-3 wieder hergerichtet hast – genieße das Auto jeden Tag. Es ist wohltuende Abwechslung zum allgemeinen automobilen Mainstream und einzigartiger auf jedem Parkplatz, wenn man zu seinem Auto zurückkommt.

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    Ich finde es gut, wenn jemand sein Herz an den 2.2 TID verliert. Es wird in kurzer Zeit nicht mehr viele Überlebende geben, der Diesel steht auf der roten Liste. Nicht ganz nachvollziehen kann ich die Aussage, dass der 9-3 zu wenig SAAB sein soll. Da empfindet wohl jeder anders, für mich ist er der letzte Traditionssaab mit Fließheck.

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    Interessanter Artikel und toller Saab 9-3I ! Gratulation!
    Aber die Aussage „Dem Wagen fehlt das Flair der früheren Saab-Generationen“ teile ich nicht. Im Gegenteil. Ich finde mit dem 9-3I ist Saab sich selbst wieder ein Stück näher gekommen und orientiert sich an den klassischen Linien der Vorgänger. Eine Auto was eine Brücke in die Gegenwart schlägt. Ein klassisches Design was heute nicht alt wirkt. Zeitlos eben.
    Aber gut – das ist meine subjektive Wahrnehmung.

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    Wahre Worte !

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