Saab 9000 Anna Projekt – eine Probefahrt und Budget (Part 4)

Alte Autos sind faszinierend. Der Saab 9000 macht da keine Ausnahme. Er ist ein Kind der 80er Jahre, die Mechanik ist noch sicht- und spürbar, die damals als extrem fortschrittlich geltende Elektronik ist heute rührend antik und mit Charme. Aber: alles ist überschaubar, jedes Modul kann irgendwie oder von irgendjemandem repariert werden.

Wer sich auf ein altes Fahrzeug einlässt, der bekommt viel Individualität und Stil. Um ohne Reue unterwegs zu sein, muss man das Objekt der automobilen Leidenschaft zuerst von Mängeln befreien. Beim Anna-Projekt ist der größte Wartungsstau beseitigt, der Scheibenrahmen frei von Rost.

Der Lackierer hat die ärgsten Macken beseitigt; Türe und Spoiler sehen gut aus.

Anna mit Super Aeros
Anna mit Super Aeros

Saab 9000 – es wird Zeit für eine Probefahrt

Ich bin zu Besuch in Kiel, eigentlich nicht wegen Anna, sondern wegen Tour-Vorbereitungen zum Saab Festival. Natürlich nutze ich die Zeit, um meinen Saab 9000 zu fahren. Auch wenn er kein Neuwagen ist – die Vorfreude auf ein neues Spielzeug ist immer groß. Anna, das hässliche, rostige Entlein, ist kaum wiederzuerkennen! Der 9000er ist auf dem Weg zu einem schönen Auto.

Die neuen 16″ Super Aeros lassen den 9000 gleich um 100 % besser aussehen. Sie sind mit die schönsten Felgen für diesen Saab überhaupt.

Rote Nummern daran ab auf die Strecke! Schon wieder startet eine Zeitreise.

Die ausgeschlagenen Querlenkerbuchsen wurden getauscht, das Fahrwerk ist nun in einem tadellosen Zustand. Wer vergessen hat, wie sich ein 9000er als Neuwagen anfühlte, dem sei ein Blick auf die Fahrwerkskomponenten geraten. Der 9000 war ab Werk straff ausgelegt, was in den 80er und 90er Jahren Saab einiges an Kritik der Fachpresse einbrachte. Das Fahrwerk sei hart, unkomfortabel. Die Journalisten konnten damals nicht ahnen, was an falsch verstandener Sportlichkeit 2 Jahrzehnte später auf sie zurollen würde.

Um es kurz zu machen – der 9000 rollt perfekt über die Straßen. Das Fahrwerk liefert die Präzision und Rückmeldung, die wir von einem Saab erwarten können.

Der Saab macht Spaß, hat aber offene Baustellen

Das macht Spaß! Eine 17 Jahre alte Fließheck-Limousine fühlt sich wie ein Neuwagen an. Die Mechanik präsentiert sich im besten Zustand – der B234 Motor mit seinen beiden Ausgleichswellen läuft so seidig weich, so wie man sich das in Trollhättan damals dachte. Der 9000 ist ein entspanntes Auto – die beste Möglichkeit, in einem Saab Klassiker weite Strecken unter die Räder zu nehmen.

Wohin geht es?

München oder Stockholm?

Was, nur zur Erprobung um die Ecke?

Der 9000 ist enttäuscht.

Und prompt stören zwei Dinge die Begeisterung. Volle Beschleunigung auf der Landstraße. Der Saab zieht los, aber nicht so wirklich. Die Kupplung rutscht durch, sie kündigt damit ihr Ableben an. Muss das sein? Das Budget ist bereits überzogen, und jetzt auch noch das!

Und der Lüftermotor der Klimaautomatik zwitschert mal wieder vergnügt vor sich hin. Auch er muss getauscht werden, da gibt es keine Alternative. Da wir noch eine Tuning-Aktion im Sinn haben, soll Anna die bessere Kupplung vom Aero erhalten. Die ist preisgleich mit der normalen Variante, soll aber robuster ausgelegt sein – was nicht verkehrt sein kann.

Das Budget für den 9000 ist jetzt endgültig überzogen

Das Anna-Budget ist mit den zwei nicht vorhergesehenen Posten endgültig jenseits jeder Planung. Eine unerfreuliche Überraschung, und es wird nicht die Letzte sein. Alte Autos, wenn sie vom Besitzer vernachlässigt wurden, wie unser Saab, fordern einen gewissen Tribut.

Das muss man einplanen, alles andere wäre naiv.

Schlimm ist das nur im Moment, denn man sieht auch die Fortschritte. Aber eben bisher nicht das Ende des Weges. Anna bleibt weiter in Kiel; mit einer sterbenden Kupplung auf Strecke zu gehen, ist kaum sinnvoll. Während der 9000 seine Reparaturen bekommt, ist es Zeit für ein klein wenig Kür. Weil ein Saab ein Turbo ist, gehört in jedes Cockpit zwingend eine Ladedruckanzeige. Oder?

Beim klassischen 900 und 9000 kein Problem, die Instrumente sind modular aufgebaut und damit einzeln zu tauschen. Anna erhält die Turbonadel aus einem anderen Modell-Jahrgang, und schon sieht das Panel viel saabiger aus.

So weit, so gut. Im nächsten Kapitel stehen mehr als 600 Kilometer Autobahn nach Süden auf dem Plan. Auf langen Strecken zu Hause? Immer noch, nach 17 Jahren? Oder nur ein nerviges, altes Auto, aus dem man gerne aussteigt? Wir werden sehen.

– Fortsetzung folgt –

11 Comments
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ys3
ys3
10 Jahre zuvor

Woran merkt man eigentlich, ob der Scheibenrahmen durchgerostet ist ?
Können z.B. weiße Flecken am Rand der Scheibe ein Indiz sein oder liegt das einfach daran, dass sich die Folie zwischen den Verbundscheiben löst ?

Daniel93Aero
Daniel93Aero
10 Jahre zuvor

Wie immer ein toller Artikel. Vielen Dank!
Ich hoffe wir bekommen noch Bilder aus dem Innenraum.
Ich frage mich, wie das mit der Turbonadel jetzt wohl aussehen mag.

Gruß Daniel

Thomas Zecher
Thomas Zecher
10 Jahre zuvor

Auch ich kann es kaum erwarten, ab 01.11. meinen 9000er wieder zu fahren. Er wurde bereits im Vorfeld TÜV-fertig gemacht (die Bremsen waren fällig).
Nächsten Sommer ist dann auch die “Operation” Scheibenrahmen ‘dran. Aber es lohnt sich, da mein Anniversary sonst noch tadellos ist, v.a. Motor + Getriebe funktionieren auch mit 268 tkm 1a. Und der Fahrkomfort ist wirklich tadellos – besser wie in der “Präsidentenlimousine”!

Herbert Hürsch
Herbert Hürsch
10 Jahre zuvor

Jeder 9000-Beitrag weckt Wünsche. Bitte Schluss damit oder ich werde noch schwach …

Das Auto ist und bleibt einen Glanzpunkt der Firmengeschichte. In seiner Zeit verortet darf man ihn getrost zu den fortschrittlichsten Serienfahrzeugen zählen – wenn nicht gar als das überzeugendste Gesamtpaket auf dem damaligen Markt überhaupt.

Ich hatte damals kurz das Vergnügen mit einem 94er Aero. Die Erinnerung legt das Triebwort mit “g” auf die Zunge. Das Auto ist einfach nur … schön.

Bergziege
Bergziege
10 Jahre zuvor
Reply to  Tom

Die Vorfreude auf diese Berichte steigt….! Dein 9000-der sieht einfach irre gut aus! Glückwunsch!
Bei einer Probefahrt eines SAAB 9000 CS im Jahr 1993 wurde ich vom S-Virus infiziert 🙂

Herbert Hürsch
Herbert Hürsch
10 Jahre zuvor
Reply to  Tom

Fliegen, ja auch das passt.

Schon wegen der legendären Kugelleuchten. Oder auch, weil er der letzte Saab mit relativ steiler Frontscheibe war.

Ich stelle bei den flachen, großformatigen Scheiben moderner Autos immer wieder fest, dass man durch mehr Schmutz und/oder Wasser gucken muss. Störfaktoren (auch Insekten, kleine im Sonnenlicht glitzernde Steinschläge etc.) sammeln sich auf größerer Fläche, in einem ungünstigerem Winkel und liegen dem Auge weiter voraus – geraten so leichter in den Fokus und lenken stärker ab.

Wer einmal einen 9000 ausgiebig erfahren hat, hat wohl nur zwei Optionen: dem Wagen hinterhertrauern oder einen kaufen.

dersaabler
10 Jahre zuvor

Hallo Tom, ich möchte Deinem nächsten Beitrag und der Frage – auf langen Strecken zu Hause ? – nicht vorgreifen, aber das Ergebnis ist klar. Wie Du, habe ich ja auch unseren 9000er Anniversary wieder mit intensiver Hilfe von Herrn Kreil – Autohaus Kreil in Hof – auf die Straße gebracht und dieses Jahr bisher ca. 8500 km völlig störungsfrei ( wenn man mal die Zentralverriegelung ausblendet) abgespult. Die letzte große Fahrt 1200 km an 2 Tagen. Einfach schön. Und erst die Sitze … aber das hatten wir ja schon.

Der East
Der East
10 Jahre zuvor

Auch wenn man mal schnell 3.000€ in solch einem Klassiker versenkt hat, sind das doch Peanuts gegenüber dem Wertverlust von 30-40% des Neupreises, den man in den ersten zwei bis drei Jahren bei der Anschaffung eines Neuwagens verbrennt…