50.000 km im Saab 9-5 NG – eine Zwischenbilanz

Anfang September erinnerte mich der Kontoauszug daran, dass ich nun 1 Jahr den Saab 9-5 NG fahre: Die KFZ-Steuer wurde abgebucht. Ich dieser Zeit bin ich über 50.000 km gefahren – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Saab 9-5 NG von Thomas, vermutlich der letzte Neuwagen in Deutschland.
Saab 9-5 NG von Thomas, vermutlich der letzte Neuwagen in Deutschland. Gekauft September 2014.


Der hohe Kilometerverbrauch wird die Blog-Leser in zwei Lager spalten: Die einen werden sagen: „Wie kann man nur ein so schönes und seltenes Auto so herunterschrubben“, die anderen werden sagen: „Toll, dass jemand seinen Saab als Alltagsauto auch intensiv nutzt.“ Ich selbst bin auch zwischen diesen Meinungen hin- und hergerissen, aber der Wille, jetzt Saab zu fahren ist größer wie die Option, das Fahrzeug mit geringer Laufleistung lange zu erhalten, dann wer weiß, was in 5, 10 oder 20 Jahren los ist ?

Die Diskussion um die nicht vorhersehbare Zukunft von Saab und mögliche Alternativen ebbte ja gerade im Blog hoch – da sollte doch der jüngste Abkömmling aus Trollhättan näher betrachtet werden.
Wie hat sich der 9-5 NG bewährt ? Gut ! Während der ersten 50 tkm keine Panne, kein Defekt, nichts, was die Freue am Saab-Fahren getrübt hätte.

Aber ich möchte die Zwischenbilanz etwas umfassender beschreiben:

1. Karosserie


Der 9-5 NG ist schon stattlich, mit 5.005 mm Länge.
Anfangs war die Siluette für mich gewöhnungsbedürftig, eine Limousine, die hinten leicht coupéartig abfällt (angeblich um an den 900 I zu erinnern…). Als der 9-5 NG dann in einer Parkreihe einmal neben einer „klassischen“ Mercedes-Limousine stand, zeigte sich aber, dass das Heck genauso hoch aufragt wie beim Mercedes: Das Coupéartige ist also nur eine optische Täuschung!
Die Länge bietet natürlich im Innen- und Kofferraum immens viel Platz – daher hat der 9-5 NG bei uns auch den Namen „Präsidentenlimousine“ bekommen. Umgekehrt ist die Länge auch hinderlich – spätestens beim Ein- und Ausparken in einen Parkhaus wird schon einmal leise geflucht. Zum Glück gibt es vorne und hinten Piepser…

2. Fahrwerk


Um es auf den Punkt zu bringen: vom Fahrwerk bin ich etwas enttäuscht, da die Vorderachse schlichtweg poltrig ist. Schlechte Fahrbahnbeläge, Kanaldeckel etc. lassen einen deutlich hören und auch spüren, wo man fährt.
Das Revier des 9-5 NG ist eindeutig die Autobahn.

3. Motor&Getriebe

Das Highlight ist der 2-Liter-Turbobenziner mit 220 PS. Immer hellwach, akustisch im Hintergrund und Kraft ohne Ende. Der Durchschnittsverbrauch hat sich bei 8,6 Liter /100km eingependelt, das bei einem Fahranteil von ca. 50 % Autobahn, 40 % Landstraße und 10 % Stadtverkehr.

Im Getriebe findet man immer den passenden Gang, der 6. Gang ist extrem lang übersetzt, der Motor dreht bei Tempo 200 gerade ´mal 3.600 U/min.
Dennoch gibt es ein paar Kleinigkeiten, die nerven:

Die Sonnenblende: Warum im 9-5 NG die geniale doppelte Sonnenblende vom 9-5 I aufgegeben wurde, ist mir ein Rätsel. Mit einer Blende ist man manchmal ständig am hin- und herklappen, zudem ist die Blende zu schmal, rechts und links strahl die Sonne „blendend“ durch die Scheibe.

Die Armaturenbeleuchtung: Es gibt einen Tagbetrieb mit konstant heller Beleuchtung und einen Nachtbetrieb, welcher dimmbar ist. Das Auto schaltet selbständig um, aber es reicht schon, unter einer Brücke durchzufahren, damit die Beleuchtung flackert.

Das Handschuhfach: winzig klein für so ein großes Auto; mit der Bordmappe und einer CD-Tasche ist das Fach fast voll.

Die Sitze: groß und komfortabel sind sie, aber wieso muss eine Doppelnaht genau in der Mitte des Lederbezugs sein ? Dort will ich eigentlich meine Wirbelsäule bequem in die Lehne drücken, und keine Naht spüren !

Und einen Schönheitsfehler gibt es auch schon:

Das Lenkrad: Dort, wo der Daumen längere Zeit zugreift, löst sich die oberste Beschichtung des (offensichtlich) Kunstleders ab, mittlerweile fängt es auch an anderen Stellen an. Notfalls wird das ein Fall für den Autosattler.

Fazit:

Der Evolutionsschritt vom 9-5 I zum 9-5 II (oder NG) ist sicher so groß wie damals vom 9000er zum
9-5 I. Im 9-5 NG muss man sich an verschiedene Neuerungen gewöhnen, wie z.B. die elektrische Parkbremse (wie fährt man damit am Berg an ? sehr einfach, da die Bremse gleichzeitig als Berganfahrhilfe funktioniert) oder den Start-Stopp-Knopf (wie macht man nur die Zündung an ? Knopf drücken, ohne die Kupplung zu treten).

Wie lange die elektrischen Helferlein störungsfrei arbeiten werden, wird sich zeigen.

Aber Hand auf´s Herz: nicht alles Neues ist auch besser. 
Gäbe es aktuell den 9-5 I und den 9-5 NG als Neuwagen zu kaufen: Ich würde mich für 9-5 I entscheiden! Er ist ausreichend groß, komfortabel und deutlich handlicher wie „die Präsidenten-limousine“.

P.S.:
Unser 9-5 NG durfte im Mai bei der Heirat meiner Nichte das Hochzeitsauto sein:

image1

Das große Brautkleid mit Schleppe passte natürlich locker in den Fond…

Saab Lesertasse 2015
Saab Lesertasse 2015

Danke an Thomas  für seine Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir belohnen jede Veröffentlichung auf dem Blog mit einer exklusiven Saab Lesertasse!

17 Gedanken zu „50.000 km im Saab 9-5 NG – eine Zwischenbilanz

  • 28. September 2015 um 11:33 AM
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    Eine beeindruckend ehrlicher Bericht. Und na klar, warum sollte man den NG schonen und weniger damit fahren?

    Ob man die Kilometer nun auf mehr oder weniger Jahre verteilt, am Ende bleiben es so oder so X Kilometer und X Stunden, die man Freude, das Gefühl von Sicherheit und Komfort genossen hat.

    Es ist sogar sinnvoll, diese Kilometer nicht auf die lange Bank zu schieben. Meine Erfahrung ist, das die lieben Autos mit der Zeit mindestens so intensiv altern wie durch Wegstrecke. Also auch dann, wenn man sie vermeintlich schont.

    Und dies gilt um so mehr, je neuer ein Modell ist, je mehr Kunststoff, Gummi, Elektrik, Elektronik und Software Teil des Pakets ist, auch ohne zu fahren vor sich hin altert und porös und brüchig wird. Und das gilt auch für SAAB.

    Die größte Schwäche meiner 9-5 Chrombrille (MY 08) und mehrere Defekte (alle erst dieses Jahr, dann aber einer nach dem anderen) liegen genau dort. Man kann ohne Probleme 200.000 oder auch 300.000 Km in 4 Jahren fahren. Aber 20.000 per anno über 10 bis 15 Jahre ohne Probleme? Das kann man mit jüngeren Autos getrost vergessen.

  • 28. September 2015 um 11:48 AM
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    Autos sind Fahrzeuge und keine Stehzeuge! Jeder muss selbst entscheiden was er tut – und was ihn aus automobiler Sicht glücklich macht. Viele 9-5 NG sind mittlerweile auf Saison angemeldet, unserer fährt mit guter Konservierung auch im Winter. Natürlich behutsam und nicht beim schlimmsten Wetter…
    Und ein 9-5 NG ist sicher kein 9000, der nach 20 oder 25 Jahren noch ohne Klagen seinen Dienst tun wird. Aber was ist in 20 Jahren?
    Das Poltern an der Vorderachse wird immer wieder berichtet, unserer fährt mit über 80.000 Kilometern ohne diese Geräusche. Die Qualität hat sich in der kurzen Produktionszeit von Woche zu Woche verbessert, vielleicht liegt es daran.
    Das Lenkrad würde ich neu beziehen lassen, habe ich auch getan. Gleichzeitig aufpolstern, so wie die Aero Lenkräder, das liegt besser in der Hand. Bin mal auf den 100.000 Kilometer Bericht gespannt…

  • 28. September 2015 um 11:54 AM
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    Schon erstaunlich wie wenig es zum meckern gibt. Schließlich gab es den 9-5 NG nur kurze zeit und unter schwiegrigen Umständen. Ich weine ihm immer noch hinterher 😉

  • 28. September 2015 um 12:53 PM
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    It was only breaking the car (for 2 years and 76000km), when the car stopped – is breaking the throttle. The rest is quite reliable car.
    Among the few drawbacks of the car with which I agree – it is very noisy suspension (strikes in the cabin at the joints and manholes on the road decides to replace in the shock absorbers of other manufacturers), poor head light (the American version, decides to replace lenses or headlamp assembly) and squeaks salon (solved by special sizing tape absorbs scratches).

  • 28. September 2015 um 2:10 PM
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    Ich hatte damals einen 9-5 NG der ersten Generation gefahren und war, was das Fahrwerk angeht, ziemlich enttäuscht. Danach muss sich aber wirklich viel getan haben.

    • 28. September 2015 um 2:25 PM
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      Die Abstimmung war am Anfang absolut enttäuschend. Leider auch bei den Pressefahrzeugen. Um so jünger der 9-5 vom Produktionsdatum ist, um so besser abgestimmt das Fahrwerk. Saab hatte da in sehr kurzer Zeit sehr viel getan.

      • 28. September 2015 um 2:33 PM
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        Tom, bei diesem Thema fällt mir grade ein: Gibt es eigentlich etwas Neues zu dem grünen 9-5 NG bei dem schwedischen Verwerter?

        • 28. September 2015 um 3:03 PM
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          Gibt es nicht. Wir haben ihn aus den Augen verloren, niemand von uns war in der Zwischenzeit dort. Wahrscheinlich geht er in die Presse, so wie das andere Projekt das wir retten wollten. Im Frühjahr wissen wir mehr.

  • 28. September 2015 um 2:14 PM
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    Einige der Mängel (Sonnenblende, Lenkradbezug, Armaturenbrettbeleuchtung) kommen mir wie typische Erstserien-Krankheiten vor – in folgenden Modelljahren wäre das behoben worden. Und eine Mittelnaht auf dem Sitz sieht nunmal schon etwas sportlicher aus als großflächiges Leder – aber sportlich und bequem haben ja bei Autos schon immer eher selten zusammengepasst.

    Eins hat dein 9-5 dann aber doch mit meinem (alten) 9-5 gemeinsam. Wo bei euch von der „Präsidentenlimousine“ die Rede ist, murmelte mein Chef im letzten Jahr nach einer Fahrt im Fond etwas von der „schwedischen Staatskarosse“ 🙂

  • 28. September 2015 um 3:58 PM
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    P.S.

    Wäre der NG einer der noch weitaus selteneren ALL NEW SC, wäre ich über die jährliche Kilometerleistung dann doch ziemlich entsetzt …

    Aber so? Schön das der NG und sein Besitzer so viel Flagge zeigen!

  • 28. September 2015 um 4:20 PM
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    Vielen Dank für den ausgewogegen Bericht über den 9-5NG. Besonders überrascht war ich über das klare Statement zum 9-5 der ersten Generation! Das hätte ich so nicht erwartet. Damit lässt sich der (Gebrauchs-)Wert dieses Modell gar nicht hoch genug einschätzen….

  • 28. September 2015 um 5:53 PM
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    Moin zusammen.

    Wirklich ein schöner Artikel!

    Ich „weine“ meinem uralten 9-5 SC auch immer noch eine kleine Träne nach.

    Und ich finde auch, dass man auch oder gerade die neuen, letzten offiziellen Saabs durchaus im Alltag fahren und geniessen soll …. die sind doch viel zu schade und jung, um sie in dunklen Garagen einzusperren!
    (und ich kann mir irgendwie auch nicht vorstellen, dass die modernen „Plastikbomber und rollenden Computer“ zukünftig vergleichbar altern können wie frühere Autos – und das glaub ich sogar markenübergreifend).

    Ich fahr meinen 2011´er auch „täglich“ und freue mich an ihm trotz einiger „kleinerer“ und weniger wirklich „nervenderer“ Macken (zweitere sind aber eher meiner pers. Art oder evtl. auch meinem Sternzeichen bedingt)! 😉

  • 28. September 2015 um 6:07 PM
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    Beim Lesen musste ich lächeln. Mein Dienstwagen, von der Marke mit den vielen Ringen, hatte nach 50.000 Kilometern so viele Mängel, dass er gegen ein Neufahrzeug getauscht werden musste. Das kommt aus dem gleichen Konzern, hat den Problembärdiesel, ist aber billiger und etwas besser und aus Tschechien.
    Neid bei jedem der einen 9-5 NG mit den Problemchen im Alltag fahren darf, ich habe das Glück nicht. Mein Arbeitgeber akzeptiert nur Fahrzeuge aus Europas größter Skandalschmiede.

  • 28. September 2015 um 8:18 PM
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    mein 9-5NG ist EZ 06/2010, aber das die Achse poltert habe ich noch nicht wahrgenommen, wenn mal schlechte Straße ist wird auf Comfort umgeschalten und alles ist gut. Der 9-5NG ist schon in allen Lebenslage souverän, was ich wirklich vermisse ist die große Kofferaumklappe aus dem 9000er! sonst ist er kultivierter als der 9k und moderner, aber nicht mehr seiner Zeit voraus wie es der 9k war.

  • 28. September 2015 um 9:27 PM
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    @ GP362: Der Grüne stand vor 3 Wochen noch unverändert bei Redox. Er wurde lediglich mit Hilfe eines Gabelstaplers „umgeparkt“. Während des Sommers hat sich dort erstaunlich wenig verändert. Aber die vielen Fahrzeuge bieten immer noch ein jämmerliches Bild des Grauens – nicht nur für einen 9-5 NG Fahrer…

    Ich nutze meinen übrigens auch im Alltag. Auch ich bin oft hin und her gerissen. Aber da ich in Sachen Autofahren auch ein Genussmensch bin, WILL ich ihn einfach fahren.
    Ich freue mich schon auf einen baldigen Schweden-Trip. Ende Oktober darf er wieder für ein verlängertes Wochenende in seine Heimat und wird mich ca. 1300 Kilometer durch Süd-/Mittelschweden transportieren. Und zwar einfach nur so zum Spaß 😉

    In Sachen „Problemen“ zeigt sich mein V6 auch äußerst zurückhaltend. Sein Tacho zeigt nun immerhin 80.000 km.
    Klar gibt es hier und da Punkte, über die man (mal mehr, mal weniger) meckern kann – aber im großen und ganzen geht es mir wie Thomas.

    • 7. Oktober 2015 um 10:17 PM
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      Moin, Olli!

      Wenn du nur so zum Spaß nach SChweden fährst:
      Könntest du mir Vector-Sitze für meinen 9-5 mitbringen? Selbstverständlich gegen Bezahlung!
      Kannst mich erreichen unter el – se @ gmx . de

      SeSi

  • 29. September 2015 um 9:41 AM
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    Danke für den schönen Erfahrungsbericht! Was meinen eigentlich die Spezialisten von den Autohäusern zur Fahrwerksabstimmung der ersten Monate: kann man da etwas nachbessern? Etwa durch den Einbau von neuen Stoßdämpfern? Oder reicht auch ein kleines Software-Update (wie bei VW? :-)), damit er elastischer federt?

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