Elektroauto Perspektiven

Das Elektroauto war für Saab schon länger ein Thema. Noch vor Victor Muller und NEVS… Elektrische Cabrios waren zu Testfahrten in Deutschland unterwegs…was wohl aus ihnen geworden ist? In Europa kommt das Thema EV nicht richtig aus den Startlöchern, in China bewegt sich etwas. Ein Blick nach Asien – zum verspäteten Wochenstart.

Saab 9-3 e-Power Concept
Saab 9-3 e-Power Concept

BAIC & das 9-3 EV

Das Elektroauto in Deutschland – schwieriges Terrain. Eventuell,  weil man es politisch nicht wirklich wünscht oder weil Konzerne an alter Technologie wie den Verbrennern so herzhaft gut verdienen. Die deutschen Anbieter haben ihre Ziele bis 2020 gestern revidiert, ein Boom scheint weit entfernt.

In China setzt man mit Nachdruck auf die elektrische Karte – weil die Partei das so mag. Die Produktionszahlen, lange Zeit niedrig, klettern mit beeindruckender Geschwindigkeit. 72.711 Plug-in-Hybride wurden im ersten Halbjahr in China verkauft, ein Zuwachs um 240%. Die Produktion reiner Elektroautos legte um 250 % auf 76.233 Einheiten zu. Selbst wenn sich die Zuwächse in den folgenden Jahren jeweils halbieren sollten: hier reift ein feiner Markt heran.

Marktführer bei den EV`s (rein elektrisch und Plug-in-Hybrid) ist BYD mit 19.789 verkauften Einheiten im ersten Halbjahr 2015. Auf Platz 3 folgt BAIC mit 5.892 Fahrzeugen; klammert man die Hybrid Modelle aus,  ist BAIC bei den rein elektrischen Antrieben die Nummer 1.

Der Bestseller ist die 150/160/200 Serie, das EV sieht einer Mercedes B-Klasse ähnlich. Ausserdem liefert der Hersteller auch ein Elektroauto auf Saab 9-5 Basis aus – mit 89 Zulassungen im ersten Halbjahr 2015 ein Mauerblümchen in der Statistik.

Was weiterhin fehlt ist ein EV auf Saab 9-3 Basis. Eine Studie war auf Messen zu sehen, seitdem ist es still um die elektrische Mittelklasse von BAIC.

BAIC e150 EV. Meist verkaufte EV Serie in China.
BAIC e150 EV. Meist verkaufte EV Serie in China.

Bei NEVS in Trollhättan wird man hoffen, dass es so bleibt. Hätte BAIC ein Elektroauto auf Saab 9-3 Basis erst einmal lizenziert, könnte man ein Problem mit der Lizenz für das NEVS Derivat bekommen. Eine Erfahrung,  die bereits Opel in der Vergangenheit machen konnte, als man sich um Lizenzen für China bemühte und als weiteres GM Derivat abgelehnt wurde.

Allerdings hat NEVS, und das hört man von mir selten, mit Partner Dongfeng die Dinge auf den richtigen Weg gebracht. Der Einfluss der neuen Partnerschaft im Rücken sollte den Weg zur Produktionslizenz und zur Lizenz für das NEVS 9-3 EV ebnen. Wenn man sich keine groben Fehler erlaubt.

Wachstumsmarkt EV?

300.000 „New Energy Vehicles“, rein elektrisch und Hybride, könnten dieses Jahr in China verkauft werden. Wenig bei einem Markt mit 18.4 Millionen Neuzulassungen in 2014, nur ein kleines Stück vom Kuchen. Trotzdem, mit dem konsequenten politischen Willen und großzügiger Förderung könnte ein spannender Markt mit Chancen für innovative Anbieter entstehen. Wie schnell er wächst, wie groß er sein wird, ist schwierig zu sagen. Mit Prognosen zum Thema EV liegt man leicht falsch.

Carlos Ghosn von Renault-Nissan sagte für 2016 1.5 Millionen elektrifizierter Renaults und Nissan voraus. Aktuell steht der Zähler bei 250.000 Fahrzeugen. Oder Barack Obama. 1 Million Elektroautos sollten in diesem Jahr in den USA unterwegs sein. Mit seiner Vorhersage aus dem Jahr 2011 lag er gründlich daneben. Im Januar waren es 280.000.

Sind die China-Schweden aus Trollhättan mit ihrem 9-3 EV und Marktstart 2017 oder 18 auf einem sich konsolidierenden Markt am richtigen Ort zur richtigen Zeit? NEVS baut ein Werk für 200.000 Einheiten, GM hat vor 14 Tagen eine 470 Millionen Dollar Investition in eine neue „grüne“ Fabrik für 200.000 EVs angekündigt. Die heimischen Hersteller legen ebenfalls nach. Fisker, wie Batteriehersteller A123 bei chinesischen Eigentümern gestrandet, kommt auch zurück auf den Markt. 2016 sollen die ersten neuen Fisker EV im US Werk in Morenos Valley von den Bändern laufen.

Das EV aus dem neuen NEVS Werk wird auf einen gut besetzten Markt treffen. Technisch geht man andere Wege als die Saab Automobile AB. Die früheren Partner aus Schweden sind nicht mehr an Bord, neue Lieferanten sorgen für die nötige Technik, außer der Plattform wird alles anders sein.

Zum Durchstarten fehlt ein zugkräftiger Markenname;  konkurrierende Technik auf einer vergleichbaren Plattform könnte es von BAIC geben. Ein „Senova“ 9-3 EV zum aggressiven Preis könnte NEVS die Party verderben. GM plant ebenfalls 200.000 Einheiten von New-Energy-Cars im Markt zu plazieren. Der Auftakt zum Verdrängungswettbewerb ! Und der Kunde in China ist anspruchsvoll geworden…

Es zählt innovative Technik, clevere Software, gutes Design, neue Ideen beim Vertrieb. Ein hervorragendes Verhältnis von Preis und Leistung, spürbar günstigere Betriebskosten als bei konventionellen Antrieben. Dann wird aus der schwedisch-chinesischen EV Story auch eine Erfolgsgeschichte.

16 Gedanken zu „Elektroauto Perspektiven

  • Eigentlich hab ich mich damit abgefunden , dass es wohl keinen neuen Saab mehr geben wird , und wenn dann müsste , wenn er von NEVS kommen würde , denen schon genialer Geniestreich gelingen , das ich von NEVS ein Auto kaufen würde . Aber trotzdem , wenn auch mit viel Wehmut im Herzen , ist man dann doch interessiert was sich im ehemaligen Saabwerk denn so abspielt . Besonders gespannt bin ich auf den Bussiness Plan der im Herbst vorgestellt werden soll , aber was soll schon anderes kommen als China und EV . Allerdings muß ich sagen hat diese ganze NEVS Geschichte bei mir bewirkt , dass ich mich dann mal näher mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt habe . Zur Zeit brauche ich 2 Autos , da mein V6 in der Stadt und Umgebung einfach zu viel säuft . Auf der anderen Seite ist er aber bei Überlandfahrten und längeren Reisen nach wie vor ein besonderes Erlebnis. Mein persönliches Fazit dazu ist : Ein moderner 9-3 Kombi mit Plug-in Hybrid und einem ordentlich dimensionierten Verbrennungsmotor zu einem annehmbaren Preis wäre genau mein Ding . Von meinem freundlichen Saabhändler aus der Stuttgarter Gegend würde ich in Form eines SUV so etwas ähnliches bekommen . Allerdings von einem japanischen Hersteller , bei dem ich mir nicht mal sicher bin wie man den richtig schreibt, Also geht die Suche weiter.

  • Muss ich die China Strategie verstehen? Warum beginnt NEVS nicht in Schweden mit dem EV? Saab hatte immer durch das guten Schweden Image profitiert. Will NEVS mit Made in China Punkte sammeln?
    Die anderen Schweden können das besser. „Das schwedische SUV“, die Volvo XC60 Kampagne, sagt doch alles.

    • Ich bin mir nicht sicher, aber ist die Technologie schon „schwedenreif“?
      Tesla bekam in den USA eine ziemliche Breitseite von John Broder, der für die New York Times das Model S teste. Der teste im Winter an der US Ostküste und sah sich mit Reichweitenproblemen konfrontiert. Dieses Problem ging aber im Tesla-Supportchaos komplett unter. Dieses Chaos zeigte sich so, dass ihm auf dem Weg zum nächsten „Supercharger“ zwecks Reichweitenoptimierung u.a. empfohlen wurde, die Geschwindigkeit zu variieren, er sollte mal ein paar Minuten schnell, dann wieder für ein paar Minuten langsam fahren. Weiter fand er dann den Supercharger nicht, weil dieser unbeleuchtet in einer Ecke eines Supermarktparkplatzes war. Aber das waren nur die Chaosspitzen.
      Das eigentliche Problem war aber, dass die Reichweite aufgrund der kühlen Temperaturen eingebrochen ist und er deshalb dringend laden musste.

      Aber man brauch keinen Tesla um das zu erleben, ein Freund von mir hat als Familienauto(!) sich letztes Jahr im Sommer einen Renault Zoe geholt. Seine Erfahrung ist, dass im Winter die Reichweite um bis zu 30% sinkt.

      Nun hat weder die US-Ostküste noch die Gegend entlang der fränkischen Saale solche Winter wie in (Teilen) Schwedens. Und ich denke, dass es noch länger dauern wird, bis das batteriebetriebene Elektroauto, in allen Teilen der Welt problemlos funktioniert.

      Aber ich persönlich setze mehr Hoffnungen auf den Wasserstoffantrieb. Für mich hat der mehrere Vorteile. Zum einen könnten (prinzipiell) viele Ottomotoren umgerüstet werden, zum andern würde sich für Autos mit Elektromotor das Herumschleppen von mehreren hundert Kilo „Ballast“ erübrigen.
      Und die Tankzeiten wären auch auf erträglichem Niveau.

      • Ein paar Berichtigungen:

        Zu dem Bericht von NYTimes/Broder: da wurde offensichtlich bewusst getürkt – viele seiner Behauptungen liessen sich leicht widerlegen.
        Mehr dazu hier: http://insideevs.com/tesla-responds-to-ny-times-model-s-drive-broder-drove-in-circles-to-kill-range/

        Zu der Wintertauglichkeit: in Norwegen, einem Land in dem der Winter doch deutlich härter und länger als durchschnittlich ist, lag der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen von Januar bis August 2015 bei über 17%. Diese Autos werden nicht nur im Sommer genutzt. An erster Stelle der Zulassungen der Elektroautos lag in diesem Zeitraum der e-Golf, an zweiter Stelle das Model S von Tesla, letzteres ist natürlich in aller Regel nicht als Zweitwagen im Einsatz (den einzigen e-Golf Besitzer den ich persönlich kenne, hat diesen hier in Nordnorwegen als einziges Familienauto im Einsatz – er ersetzte einen Volvo V70).

        Die „Tankzeiten“ sind zumindest bei dem Superchargern von Tesla auf einem sehr erträglichen Niveau, die Zeit beim Laden reicht gerade aus, sich etwas die Füsse zu vertreten und eine Kleinigkeit zu Essen. Die Abdeckung ist (z.B. hier in Nordnorwegen) noch nicht perfekt, aber europaweit mehr als imponierend (http://www.teslamotors.com/supercharger).

        Zum Wasserstoffantrieb: Hier reden wir von Elektroautos, deren Strom in einer Brennstoffzelle aus dem Wasserstoff erzeugt wird. Die Effizienz liegt hier ungefähr bei 50% eines batteriebetriebenen Elektroautos, ein Tankstellennetz ist noch nicht ansatzweise vorhanden.

        Nach 3 Monaten und gut 9.000 elektrischen Kilometern kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ich mir wie die überwiegende Mehrheit der Fahrer von Elektroautos unter gar keinen Umständen eine Rückkehr zum Verbrenner wünsche und hoffe, dass die Technik auch ausserhalb von Norwegen so schnell wie möglich in der Anschaffung erschwinglicher wird.

          • An der Küste ja, im Inland eher weniger.

    • Wäre mit Sicherheit die bessere Strategie – um allerdings auf nennenswerte Einnahmen zu kommen, sollte man dann auch auf dem China-Markt schnell mit dem sog. „2. Standbein“ + Schweden-Image zur Stelle sein, damit die anderen EV-Hersteller nicht alle vorn liegen.

      Es wird sehr deutlich, dass die Zeit drängt!

  • Bei genauer Betrachtung bleibt NEVS doch gar nichts anderes übrig als auf die elektrische Chinakarte zu setzen . Der Name Saab ist weg und somit das Europa und Amerika Geschäft . Da in China wohl die Politik auf ÈV`s setzt kann man dort bestimmt mit einem guten Produkt punkten . Mit dem neuen Werk wird aber , wenn die Chinakarte sticht , Trollhättan über kurz oder lang überflüssig. Sollte auf geraume Zeit gesehen die Elektromobilität in Europa wirklich zu großer Bedeutung kommen , hat da sicher keiner auf NEVS und chinesische Produkte gewartet . Da gibt es andere Konzerne die da sicher gute Lösungen anbieten können . Man könnte sagen mit Dongfeng hat NEVS da einen kräftigen Partner an der Seite , aber es ist eben nur ein strategischer Partner . Finanziell ist Dongfeng nicht beteiligt . Wenn`s dann nicht so ganz nach Plan läuft ist so eine Partnerschaft ganz schnell nicht mehr viel wert . Wie man bei der Firma bei der Dongfeng Aktionär ist ( PSA ) und GM gut sehen konnte . Trotz finanzieller Beteiligung war da schnell die Luft raus . Andererseits muß man PSA zu Gute halten , wer hält es den mit GM aus ohne dabei selbst unter die Räder zu kommen. In Europa hat NEVS jedoch keine Chance mehr . Umgelabelte Chinaautos braucht hier keiner und dann ist das mehr als gut so , das auf so etwas nicht Saab drauf steht.

  • Sofern man schwarze Zahlen schreiben möchte ist es doch fast aussichtslos auf Ev’s zu setzen…. selbst wenn die technisch innovativ und qualitativ hochwertig sind.
    Ist bei Tesla ja auch der Fall…. Top Fahrzeuge und trotzdem rote Zahlen….

  • Mir geht das Thema komplett am A… vorbei! Sowohl Nevs als auch die Elektromobilität. Wenn Trollhättan für Nevs überflüssig wird ist doch klasse!! Dann sollen die mal schnell das Werk verkaufen! 😉

  • Meine Prognose ist dass Dongfeng den Laden früher oder später schluckt. NEVS ist zu klein um ernsthaft Partner zu spielen. Die neuen Autos tragen dann den Namen SAEB, weil mal den alten nicht zurück bekommt. Siehe Rover was jetzt Roewe ist und auch kein Schwein mehr interessiert.
    Die SAEB Firma wir dann so dahin siechen wie Roewe bei SAIC, was übrigens eine staatlich befohlene Zwangsfusion war.

  • Dann möchte ich nur hoffen, dass NEVS in der nächsten Zeit eine neue Pleite hinlegt,
    denn bei der bekannten Konstelation wird auch DongFeng über kurz oder lang abspringen.
    Frage mich, wie lange kann sich NEVS noch über Wasser halten.

    Neuer Konkrus und vielleicht ein neuer aus der Benzinbranche kommender Inhaber…….

  • Vermutlich hängt der geringe Erfolg von Elektroautos in Deutschland mit den höheren gefahrenen Geschwindigkeiten zusammen. Während nämlich Verbrennungsmotoren mit höheren Drehzahlen (wie bei Schnellfahrt auf der Autobahn) auch effizienter arbeiten, und damit einen Teil des Luftwiderstands-bedingten Mehrverbrauchs „kompensieren“, sind Elektromotoren immer gleich effizient. D.h. wenn man 200 statt 100 fährt, vervierfacht sich der Stromverbrauch so in etwa.

    China hat gewiss weniger Autobahnen, und die Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 120 km/h (lt. Wikipedia), als in etwa wie in den USA.

    Vor einer Massenverbreitung des Elektroautos müssen erst erheblich bessere Akkus erfunden werden. Ca. 3-Fache Energiedichte.

    • Warum denn nicht mit einem Hybriden mit Range- Extender (also kleinem Verbrenner) starten. Dann minimiert man das leidige Akku- Thema. Es gab dazu interessante Ansätze von GM/Opel und BMW. Leider sind derzeit alle EV fürchterlich hässliche Gurken (Tesla und VW ausgenommen).

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