Meine Saab Geschichte

Die Story von Carsten gehört eigentlich in das Kapitel der 35 guten Gründe einen Saab zu fahren. Durch ein Versehen landete sie im falschen  Postfach und geht als Nachzügler unserer Ursaab Aktion ausserhalb der Wertung online.

Meine Saab-Geschichte begann im September 2013. Und ich bin zu dieser Leidenschaft gekommen, wie die sprichwörtliche „Jungfrau zum Kinde“.

Saab 9000 von Carsten
Saab 9000 von Carsten


Mein ganzes Leben, oder zumindest der Teil, an den ich mich erinnern kann, habe ich eine besondere Beziehung zum Thema Auto. Infiziert durch meinen Vater habe ich früh angefangen, mich für Autos zu interessieren. Auch beruflich habe ich bisher nichts anderes gemacht, als mich diesem Thema zu widmen.

Schon in jungen Jahren habe ich Rallye-Jahrbücher meines Vaters und alle möglichen Motorsport-Zeitschriften „verschlungen“, die damals so von meinem alten Herrn abonniert wurden.

Ein Highlight waren die Rallyes, zu denen ich schon in frühester Kindheit mitgenommen wurde.

Bloß die Marke Saab kam dabei so gut wie gar nicht vor. Sie war immer mal wieder ein Randthema – mein Onkel hatte mal einen Saab 99 Turbo – aber viel mehr auch nicht. In jungen Jahren war ich glühender Alfa-Romeo-Fan. Dann kam zwischendurch mal Opel, später Citroen dazu, und zum Schluss war ich sogar begeisterter Toyota-Fahrer. Nicht wegen dem Charme und erst Recht nicht wegen der Optik. Beides sind nicht unbedingt Eigenschaften, die bei einem Toyota im Lastenheft stehen. Ich war einfach von der Qualität und der Zuverlässigkeit beeindruckt.

Ende 2012 fiel mir dann auf einmal ein, dass ich ja immer schon mal ein Cabrio fahren wollte.

Da aber damit die Saab-Geschichte nur indirekt eingeleitet wurde, möchte ich auch diese Episode so kurz wie möglich halten. Schließlich soll es hier ja um die kleine feine Marke aus Schweden gehen.

Im Schnellverfahren kaufte ich mir damals einen Mazda MX-5. Leider war der Wagen nicht in dem Zustand, den ich mir so vorgestellt hatte. Im Grunde genommen hatte er so ziemlich alle Macken die so ein MX-5 haben kann. Aber das gehört in einen anderen Blog. Nach ca. 8 Monaten, die von immer stärker werdenden Hüft- und Knieschmerzen begleitet wurden, weil ich wohl schlicht und einfach zu „groß“ für dieses Auto war, fasste ich den Entschluss, den Wartungsstau und die optischen Mängel am MX-5 nach und nach zu beseitigen und mir ein Winterauto zu kaufen.

Anschließend würde ich meinen kleinen Flitzer dann zum Spaß fahren und mir noch ein richtiges Auto dazukaufen.

Dies erzählte ich damals auch Dieter. Einem meiner Kunden, seinerseits glühender Saab-Fan. Dieter hat selbst 3 Saab und auch sein Sohn fährt einen. Das ich immer ein offenes Ohr für seine Lobeshymnen hatte und er es offensichtlich genoss, wenn er mal wieder das hohe Lied auf die Marke Saab anstimmen durfte, ohne dass sich die Zuhörer genervt abwendeten, muss ihn wohl auf die Idee gebracht haben, mir einen seiner drei Saab’s anzubieten. Einen 9000-er 2.0 Liter Sauger mit 131 PS von 1993. Ich sollte doch unbedingt mal eine Probefahrt machen.

Da ich ihn nicht enttäuschen wollte, sagte ich zu. Was soll’s, dachte ich mir. Die halbe Stunde wirst Du auch überleben.

Gesagt getan. Sonntag nachmittags am vereinbarten Treffpunkt – der Winterresidenz des 9000-er – trafen wir uns zur Probefahrt. Nur der 9000-er spielte nicht mit. Das Zündschloß klemmte und der Dicke wollte partout nicht anspringen. Überhaupt gab er ein recht jämmerliches Bild ab. Eingerissene Türgummis, 15,- Euro Sitzbezüge von Aldi, ein durchhängender Dachhimmel und ein im allgemeinen ungepflegter Zustand luden nicht gerade zum Einsteigen ein.

Schön dachte ich mir, ein Grund mehr, um ihm nach ein paar Tagen Bedenkzeit absagen zu können. Aber er ließ nicht locker.

Er sagte, er hätte noch ein Zündschloss zuhause und könnte das eben umbauen. Ich sollte dann abends nochmal wiederkommen.

Das machte mich noch mehr stutzig. Warum zum Teufel hat man noch ein Zündschloss zuhause rumliegen? Muss man sich gleich einen zweiten Saab als Ersatzteillager dazukaufen?

Zur Entschädigung durfte ich eine Runde in seinem 9-5er 3,0 Liter TiD drehen. Das war ok und in etwa so, wie ich mir einen Saab vorgestellt hatte. Es hat mich aber nicht aus den Socken gehauen. Zumal ich kein Freund von Selbstzündern bin und auch noch nie war.

Als ich am selben Abend die ca. 200 Meter lange Zufahrt zum Hof, auf dem der 9000-er „zwischengelagert“ wurde zum zweiten mal an diesem Tag hochfuhr, stand er schon mit eingeschaltetem Licht und laufenden Motor an der Einfahrt zum Hof.

Dieter sagte, ich solle schon mal einsteigen. Als ich die Tür öffnete sah ich, dass sich zu dem ungepflegten Allgemeinzustand vom Nachmittag noch ein nicht unbeträchtlicher Haufen Metallspäne dazugesellte, der sich auf der Fußmatte der Fahrerseite breit gemacht hatte.

Da wo nachmittags noch das klemmende und hakende Zündschloss saß war jetzt ein tiefes Loch. Aber er lief. Das war das erste, was mich beeindruckte.

Auf die Frage, wie er den Wagen denn jetzt gestartet hätte, hob er einen Schraubendreher hoch und sagte: „hiermit“. Und er sagte es mit einer Selbstverständlichkeit, als ob es das normalste auf der Welt wäre. Altes Zündschloss mal eben ausgebohrt und den Schraubendreher zum Starten genommen… Wenn mal alles so einfach wäre, dachte ich bei mir!

In diesem Moment brannten bei mir die nächsten Sicherungen durch.

Ein Auto, was sich noch mit einem Schraubendreher starten läßt, so etwas finde ich praktisch und toll. Das ist was für mich! Seien wir ehrlich; wer klaut schon so ein Auto?!

Also auf zur Probefahrt. Ein bisschen war ich ja schon versöhnt mit dem eigentlich schmuddeligen Gefährt. Aber was mich auf der Probefahrt erwartete haute mich komplett um. Ich umschreibe es immer so; da fährst du dieses alte und ranzige Auto, welches nichts hermacht, aber hast das Gefühl, einen Jahreswagen zu bewegen. Vergleichbar mit der Werbung, in der irgendwelche Menschen mit verbundenen Augen auf gammeligen Sofas sitzen und an alten Socken riechen und es duftet alles wunderbar nach Frühling und Sommer, dank dem Zaubermittel aus der Pumpsprühflasche. Genau dieses Zaubermittel war der 9000-er.

Komplett überwältigt von diesem einmaligen Fahrerlebnis machte ich mich auf die Suche nach einem vernünftig gepflegten Exemplar. Und so kam ich schließlich zu meinem Dicken. Gepfleger Geschäftswagen, gefahren vom Geschäftsführer eine Saab-Service in Düsseldorf.

Alleine die erste Frage beim vereinbarten Termin war göttlich. Ich stand da so in Jeans mit Tennisschuhen und Arbeitsweste neben meinem MX-5, als er sich auf dem Weg ins Büro, aus dem er den Schlüssel holen wollte, nochmal umdrehte, mich mit ernster Miene und rätselndem Blick ansah und fragte: „warum wollen Sie sich eigentlich so ein Auto kaufen“? Für mich war die Frage wie ein Test, um meine Kenntnisse rund um die Marke Saab auf die Probe zu stellen. Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, dass ich das Auto bei einer falschen Antwort gar nicht bekomme. Es hatte den Anschein, als wolle er sicher gehen, dass sein Auto auch in gute Hände kommt.

Ich faßte in Windeseile mein ganzes Wissen über Saab (das war zu dem Zeitpunkt noch nicht viel) und den 9000-er in zwei Sätze und sagte: „Saab ist für mich auf dem Weg zur Kultmarke und der 9000-er ist der größte und beste Saab, der je gebaut wurde. Das hat die Fan-Gemeinde bloß noch nicht erkannt“.

Er hob den Zeigefinger, zeigte auf mich und sagte: „da haben Sie Recht“!

Puuuh. Prüfung bestanden, dachte ich.

Den großen Rest kennen viele eigentlich schon, da ich, seitdem ich meinen Dicken habe, mit meinen Erfahrungen und Photos einen kleinen Teil der Öffentlichkeitsarbeit leiste, die leider nur noch durch uns Enthusiasten geleistet wird. Aber ich mache es gerne und aus Überzeugung. Mich hat noch kein Fahrzeug in seiner Gesamtheit so beeindruckt, wie mein 9000-er! Und alleine die Tatsache, dass ich erst nach ca. 35 Jahren automobiler Leidenschaft unseren kleinen Hersteller und den 9000-er für mich entdeckt habe, sagt schon viel darüber aus, wie man von diesem Auto „infiziert“ werden kann.

Erst Recht vor dem Hintergrund, daß das gesamte Thema Auto so wichtig für mich ist. Wenn ein Autofan erst nach 35 Jahren „Fan-Dasein“ eine Marke entdeckt, und völlig überwältigt ist, und wenn es sich dann auch noch um eine Marke handelt, um die es im Moment ganz, ganz schlecht steht, dann müssen das einfach gute Autos sein. Oder?

Am 29.01.2015 holte ich meinen „Daily Driver“ ab. Einen gepflegten Saab 9-5 von 1999 mit wenig Kilometern. Mit dem Dicken passiert dann das, was ursprünglich mal mit dem MX-5 angedacht war. Er wird nach und nach in einen perfekten Zustand gebracht!

Die Sicherungen sind durchgebrannt, und es ist ein gutes Gefühlt. 😉

10 Gedanken zu „Meine Saab Geschichte

  • Echt schön! Freut einen sowas zu lesen .. Allezeit gute Fahrt im dicken! Grüße aus Südhessen

    • Danke und viele Grüße zurück!

  • Weiterhin viel Freude mit dem SAAB 9000! Gut drauf aufpassen…und DANKE für die saabige Geschichte! 😉

  • Du wirst viel Spaß mit dem Dicken haben.
    Solch durchdachte Autos gibt es nicht mehr, nicht nur das Fahren, sogar das Schrauben daran macht Freude – irgendwie ist alles logisch.

  • Tolle Story, schönes Auto und – was wäre wohl mit dir geschehen, wenn dein Ersterlebnis ein 200PS Turbo Aggregat unter der Haube gehabt hätte…
    Viel Spaß weiterhin, dieses Auto wird nie wirklich alt!

  • Ein ganz außergewöhnliches und außergewöhnlich gutes Auto, der 9000. Auch ohne Turbo kann man sich dran erfreuen. Dem Auge ist das ja ohnehin schnuppe.

    Allzeit viel Freude daran und gute Fahrt damit.

    • P.S.

      Wäre ich Sammler, wäre ein 9000 auf meinem Hof ein Muss. So muss ich auch. Aber leider ohne. Wie lange noch? Es juckt ja doch immer wieder, muss ich feststellen …

      • Herbert, trau Dich doch!
        Ein 9000 ist ein Hobby mit unglaublich hohen praktischem Nutzwert, von welchem Hobby kann man das schon behaupten.
        Man hat (frei nach Tom) ein Multitool, ein super Reiseauto und ist immer individuell aber stilsicher unterwegs 🙂 .

        • Ja, jein, weiß nicht …

          Stimmt ja alles. Aber wenn man nicht sammeln will und doch schon mehr als zwei Autos hat, von denen nur eines austauschbar ist, dann ist das eben eine verdammt schwere Entscheidung …

          Wird der nächste ein 9000, ein zweitüriger 900 Turbo, ein saabrio und wenn ja eines der letzten oder ein Klassiker oder …

          Man will sie am liebsten einfach alle haben.

          Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann reizen mich sogar auch ein paar Fahrzeuge aus der Automobilgeschichte, die nicht in Trollhättan gebaut wurden.

          Der Nächste ist wahrscheinlich einfach der, den man zur rechten Zeit am rechten Ort sieht – eben ein Angebot, dem man in diesem Moment partout nicht widerstehen kann …

  • Good story….. Sorry, my 9000 is not for sale!!

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