Min första SAAB

Wenn die erste Autofahrt im Leben überhaupt in einem Saab stattfindet, die Eltern eine starke Bindung zur Marke aus Schweden haben, ja dann…  Jörn erzählt über seine Liebe zur Marke mit dem Greif!

2014 SAAB 9-3 Cabrio
2014 SAAB 9-3 Cabrio

Mein erster Kontakt mit einem SAAB war zugleich auch meine erste Fahrt in einem SAAB. 
Und diese Fahrt im Mai 1975 war für meine Eltern deutlich spannender als für mich. Denn es war ihre erste Fahrt zusammen mit mir.

Ich war gerade 3 Tage alt, und meine Eltern brachten mich nach der Geburt im Krankenhaus in einem SAAB 99 CombiCoupé nach Hause. 
Auf einem Foto von damals stehen meine Eltern stolz – eine Babytragetasche zwischen sich – vor dem Krankenhaus. Was mich an diesem Foto immer fasziniert hat, ist nicht die Tasche mit mir drinnen oder der 70er Jahre Look meiner Eltern, es ist das totschicke beige CombiCoupé, das hinter meinen Eltern parkt.

Ihr SAAB. Unser SAAB. Mein erster SAAB.

Mein erstes Spielzeugauto war dann leider kein SAAB, sondern irgendein Matchboxauto. Egal. 
Dafür liebte ich als kleiner Junge um so mehr die großen Plastik-Modellautos (Stahlberg?), die mein Vater vom SAAB-Händler mitbrachte.
Später erzählte mir meine Mutter häufig die Geschichte, daß ich als Baby nachts so unaufhörlich geschrien hätte, daß meine Eltern sich keinen anderen Rat wußten, als mich ins Auto zu packen, um sicherheitshalber zum Krankenhaus zu fahren. Im SAAB verstummte ich. Meine Eltern drehten um und fuhren nach Hause. Dort schrie ich wieder wie am Spieß. Meine Eltern wollten abermals zum Krankenhaus und setzen mich ins Auto. Im SAAB verstummte ich erneut. Woraufhin meine Eltern solange mit mir umherfuhren, bis ich fest eingeschlafen war, bevor sie endgültig nach Hause fuhren. Läßt sich das Wohlfühlen in einem SAAB besser belegen?

Mein Vater kaufte den ersten SAAB 99 zu Beginn der 1970er Jahre, weil er so individuell war, und wechselte regelmäßig zu einem neuen Modell. Herrlich schick sehen sie auf den alten Fotos aus: 
aus heutiger Sicht mutige Außenfarben mit kuscheligen, roten oder grünen Veloursitzen. 
Ich würde sie sofort alle haben wollen.
Weihnachten 1982 erfolgte dann der Aufstieg. Als beim SAAB 900 GLS nach nicht einmal 2 Jahren das Automatic-Getriebe defekt und Ersatz wochenlang nicht lieferbar war, wechselte mein Vater zu einem fünftürigen, blauen SAAB mit Schaltgetriebe – einem 900 Turbo. „Unser“ erster Turbo. Ausgeliefert am Tag vor Heiligabend, zunächst vor mir versteckt und erst am zweiten Weihnachtstag von mir in der Garage entdeckt, war es nach Ablauf der Einfahrzeit um mich geschehen: 
dieser einmalige Turbosound und über 200 km/h laut Tacho auf der Autobahn. 
Bis aufs Blut verteidigte ich von da an jeden SAAB Turbo gegenüber meinen Freunden und ihren väterlichen Mercedes, Opel und BMW.

In den Folgejahren waren wir bei jeder Neuwagenpräsentation von SAAB dabei.
1985 fuhren wir meinen nächsten Traumwagen zur Probe – ich wie immer hinten rechts:
 den neuen SAAB 9000 Turbo, soviel Platz, soviel Luxus und so schnell!
 Als einmal das damals noch neue SAAB 900 Cabrio zur Probefahrt vor unserer Tür parkte, stellte ich die Videokamera meiner Eltern ins Fenster, um zu filmen, wie sich das elektrische Verdeck öffnet und schließt. Leider ist nur eine lange Diskussion zwischen meinem Vater und mir auf dem Video zu sehen. Eine vergebliche Diskussion. Es war ihm vor den Nachbarn zu peinlich, das Dach zu öffnen.

Hamburg und auch unser Stadtteil wurden in den späten 1980ern zunehmend zur SAAB-Hochburg. 
In unserer Straße wohnten 9 SAAB-Fahrer und -Fahrerinnen. 
In meiner Schulklasse fuhren drei Eltern SAAB. 
Individuell war was anderes.

Aus SAAB Sicht individuell wurde es zumindest, als „wir“ Ende 1988 einen der ersten ausgelieferten SAAB 9000 CD von SAAB Uhlenhorst übernahmen, in dem Modelljahr noch ohne DirectIgnition. 
Und der erste SAAB meines Vaters mit Original „SAAB Motor-Tuningsatz“.

Die Steigerung kam 1991 in Form des SAAB 9000 CD 2,3 Turbo, den wir bei Herrn Lafrentz, damals noch in Molfsee bei Kiel, abholten. 
Im 9000 CD lernte ich Autofahren: Ich durfte nämlich das Auto aus der Garage holen. 
Zuerst aus der engen Garage heraus, den Garagenhof entlang, um eine scharfe Ecke und dann die Auffahrt hoch – alles rückwärts, denn zum Wenden war kein Platz.

Da war für mich schon lange klar: mein erstes Auto wird ein SAAB. Nichts anderes.
1994 – eine Woche vor meinem 19. Geburtstag – holte ich ihn ab. 
Meinen ersten, eigenen SAAB.
Einen gebrauchten SAAB 900i 16V Sedan (!) schwarz mit beigem Leder und sogar Klimaanlage. 
Kein Turbo. Die waren nicht nur zu unvernünftig für Anfänger, sondern schlicht zu teuer. 
Dafür reichte es noch für ein Nardi-Holzlenkrad aus dem SAAB-Zubehörkatalog. Edel. 
Allerdings die 4-Speichen-Version mit Pralltopf, wegen der Sicherheit.
Der 1989er SAAB 900 Sedan machte sich auch während meines dualen Studiums auf dem Parkplatz der Uni gut, zwischen all den schnöden Corsa, Polo und Golf meiner Kommilitonen. Der SAAB erregte keinen Neid. Zum jugendlichen Protzen eignete er sich nicht. Dafür war er sogar vernünftig: wegen der Sicherheit. Und genau die schützte mich bei einer unverschuldeten Kollision mit einem Lkw. 
Ich blieb unverletzt, der Sedan nicht. Er wurde zum wirtschaftlichen Totalschaden.

Danach mußte ein SAAB 900 Cabrio her. Baujahr 1990, US-Import, zahllose Mängel – aber ich mußte ja unbedingt ein Cabrio haben. Ich lernte meine spätere Frau kennen und zeigte ihr mit dem Cabrio Alster und Elbe. Ab da war sie nicht nur Hamburg-, sondern auch SAAB-Fan. 
Das Cabrio kam wegen der unendlichen Mängel weg, statt dessen kaufte ich einen 1984er 900i aus erster Hand, Vorbesitzer: Opa Hermann, ebenfalls 84. Dunkelbraun, Automatic und mit dem Aufkleber auf der Heckscheibe: „In Case Of An Emergency: Call A Priest“ 
Dieser SAAB brachte mich monatelang jedes Wochenende zuverlässig von Hamburg zu meiner (damals noch nicht Frau, sondern) Freundin an den Niederrhein.

2001 folgte dann vom SAAB-Zentrum Kiel mein Traumwagen: 
ein SAAB 9-3 Cabrio mit Wunschausstattung und Hirsch-Paket. 
17 Zoll 3-Spoke Double, Midnightblue, blaues Verdeck. Ohne Schriftzüge. Pelz nach innen tragen. 
Drumherum alte 900er, zunächst als Winterwagen, später als Zweitwagen für meine Frau. 
Ein klassischer 900i 16V brachte uns 2002 in unserem ersten Familienurlaub mit Kind treu zu einer etwas gammeligen, dafür aber unweit von Trollhättan direkt am Vänernsee gelegenen Stuga.

Stark motiviert von Toms Youngtimer-Blog reift unser 9-3 Cabrio nach weiteren Modifikationen aus Tills Hirsch-Onlineshop mittlerweile zum Young- und später hoffentlich Oldtimer.
Nach 40 Jahren SAAB – zunächst neben, dann hinter dem Steuer – ist es ganz einfach: 
Jag älskar min SAAB.

3 Gedanken zu „Min första SAAB

  • Vielen Dank für die interessante Geschichte, die für mich immer wieder auf Erkennung beruht…
    …oder ist es Zufall?!… auch ich fahre noch immer den 2001 er Cabrio ( aber dann in silber mit schwarzen Verdeck ).

    Danke und Gruß.

  • DANKE für Deinen Bericht und die ausgiebige Bilderstrecke!
    Mir gefallen „die 3 in Eppendorf“ besonders gut! 😉
    Weiterhin viel Freude mit SAAB!

  • Einmal mehr eine sehr sympathische Geschichte.

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