Schlüsselerlebnis dank Zündschloss

Am Sonntag war Einsendeschluss für unsere Leseraktion. Am letzten Tag kamen noch viele Geschichten in mein Postfach. In den nächsten Tagen gehen sie online. Heute erzählt Olaf von seinem Schlüsselerlebnis…. Einmal Saab, immer wieder Saab. Und Saab ist eine Familiensache, denn die Begeisterung kann ansteckend sein.

Saab 900 & Saab 9-5
Saab 900 & Saab 9-5

Meine Saab-Geschichte beginnt im Ostfriesland der 1980er Jahre. In einem Sommer zur Mitte des Jahrzehnts – ich war 18 und besaß seit ein paar Monaten den Führerschein – bekamen wir zuhause Besuch aus Schweden. Die Skandinavier waren angereist mit einem roten Saab 99 GL Combi Coupé. So einen von der Form her beeindruckenden Wagen hatte ich bis dahin noch nicht gesehen, denn die Provinz im Nordwesten war automobil in erster Linie geprägt von dem üblichen deutschen Markenmix. Dort einen Saab zu sichten, passierte etwa genauso oft wie Weihnachten.

Der schwedische Saab-Besitzer bemerkte beim Nachmittagskaffee mein Interesse an seinem Auto und fragte, ob ich mal eine Runde mit dem Wagen drehen wolle. Soweit ich mich erinnere, war ich bis dahin als Wagenlenker im Golf meiner Mutter, im Citroën BX meines Vaters, sowie Opel Calibra und Datsun ZX 280 von Nachbarn in Erscheinung getreten (und natürlich im Escort der Fahrschule). Meine Antwort auf die schwedische Frage lautete natürlich nicht nein und so gab er mir den Schlüssel, kam aber selbst nicht mit zum Fahrzeug. Ich stakste noch einmal um den 99 rum, ergötzte mich an den Formen, schloss auf, setzte mich rein und wollte losfahren. Aber wo war das verflixte Zündschloss? Ich fand es einfach nicht. Auf die Idee zwischen die Sitze zu gucken, kam ich natürlich überhaupt nicht.

Also wieder rein ins Haus zum Besucher. Ich hatte noch gar nichts gesagt, da meinte er nur: Zwischen den Sitzen! Ungläubig zog ich die Augenbrauen hoch, schwieg jedoch lieber und ging zurück zum Auto. Tatsächlich, da war es ja, das Zündschloss. Der Wagen sprang sprudelnd an, der Motor gurgelte sonor und ich fuhr los. Mir fielen die bequemen Sitze auf, das gute Gefühl hinter einer langen Schnauze mit dicker Stoßstange zu sitzen und nach hinten raus noch viel Auto zu wissen. Mir kam der Saab 99 verdammt lang vor. Und irgendwie fuhr er sich sagenhaft geschmeidig.

Aus der geplanten „Runde“ wurden dann ca. 100 km Cruisen durch die Landschaft. Als ich dem geparkten Wagen den Zündschlüssel ziehen wollte, ging das nicht. Na super! Erst finde ich das Zündschloss nicht und dann weigert sich der Schlüssel rausgezogen zu werden! Entsprechend doof kam ich mir vor, weil ich mit dem Fragezeichen auf der Stirn wieder rein musste zum Schweden. Er grinste und sagte: Rückwärtsgang einlegen! Aha! Tatsächlich, der verrückte Schlüssel ließ sich rausziehen!

Das Zündschloss verkörpert deshalb mein Saab-„Schlüsselerlebnis“. Ich war angefixt von diesem Auto, das so gar nicht 08/15 daher kam. Für mich stand damals fest: Sobald ich es mir leisten kann, kauf ich mir einen Saab!

Nach dem Studium – inzwischen lebte ich in Göttingen und der 99 hieß jetzt 900 – erstand ich im Frühjahr 1997 endlich mein erstes eigenes Auto: Einen Saab 900i (Bj. 1988, 110 PS, 243.000 km). Auf den war ich ungemein stolz, hatte ich aus finanziellen Gründen doch viel zu lange warten müssen mit dem Erwerb des ersten Fahrzeugs. Mein Saab begleitete mich bei jedem Wetter viel und weit, u.a. nach Norwegen, Schweden, Holland, Österreich. Alles ohne Probleme.

Als mein Vater irgendwann mitbekam, dass der Saab auch mit ca. 270.000 km immer noch keine Ermüdungserscheinungen zeigte, war er überzeugt, nach seinem bisherigen Citroën-Leben auf Saab umzusteigen. Ich empfahl ihm einen damals drei Jahre alten 9000 CS, der zufällig ein paar Kilometer von ihm zuhause beim Händler angeboten wurde. Den hat er sich 1998 gekauft und erst 2013 gegen einen 9-5 (Bj. 2007) ausgewechselt.

Den 900er habe ich 2004 – inzwischen in München lebend – mit mehr als 333.000 km auf der Uhr verkauft, als Nachwuchs da war und meine Frau und ich meinten, wir bräuchten ein irgendwie größeres und jüngeres Auto mit weniger Kilometern auf dem Buckel, weshalb wir für die nächsten Jahre in Volvo 945 Panzern (2 Stück) durch die Weltgeschichte fuhren. Was jedoch ebenfalls während dieser Jahre passierte, war skurril: In regelmäßigen Abständen hatte ich nachts den schaurig-schönen Traum, dass der verkaufte 900 bei meinen Eltern in der ostfriesischen Garage steht und wartet, dass ich ihn hole.

Im Winter 2011/12 hielt ich es nach acht Saab-losen Jahren kaum noch aus und surfte die bekannten Portale nach 900ern ab. Anfang März 2012 fand ich dann online einen sehr schönen, vermeintlich top-gepflegten 900i mit unglaublichen 77.000 km, aber ohne jegliche elektrische Extras wie EFH, Klima, Tempomat, Antenne oder anderen wie Leder, SSD etc. Er war bzw. ist die klassische Buchhalter- und Rentnerkarre, aber genauso und ohne jeglichen Schnickschnack wollte ich ihn haben. Angeboten wurde der Wagen allerdings in Schweden. Nach mehreren Telefonaten war der Verkäufer überzeugt, dass ich im April komme um den Saab zu holen. Gesagt, getan! Seitdem fahre ich meinen zweiten Saab 900 mit ebenso viel Freude und Stolz wie meinen ersten.

So ganz auf Turbo und alle Extras muss ich übrigens nicht verzichten, denn meine Frau und ich haben den zwischenzeitlich ebenfalls angeschaffte tschechischen Volkswagen wieder abgeschafft und fahren voller Freude gut gelaunt einen Saab 9-5 Kombi von 2001. Übrigens, mein oben erwähnter nächtlicher Garagentraum ist verschwunden, denn jetzt steht mein Traumwagen Saab 900 ja real in der Garage nebenan und ich kann ihn fahren, wann und wohin ich will. Und wenn nicht ihn, dann den jüngeren Bruder – ebenfalls mit Zündschloss in der Mitte.

3 Gedanken zu „Schlüsselerlebnis dank Zündschloss

  • Das gleiche Schlüsselerlebnis hat mir mein SAAB ebenfalls beschert, nach dem Abholen beim Händler. Bei der Testfahrt war es mir nicht aufgefallen (von Natur aus Rückwärtseinparker), aber beim ersten Halt an der nur ca. einen halben Kilometer entfernten Tankstelle kam dann der Aha-Moment, als sich der Schlüssel ebenfalls abziehen ließ. Aber dafür gibt’s ja Gebrauchsanleitungen 😉

    Schlüsselerlebnisse der anderen Art („Wo ist bloß das verdammte Zündschloss?!?“) hatte ich seither in Fremdfahrzeugen…. wenn ich den Schlüssel immer zielsicher Richtung Mittelkonsole bewege.

  • Zitat: „Schlüsselerlebnisse der anderen Art (“Wo ist bloß das verdammte Zündschloss?!?”) hatte ich seither in Fremdfahrzeugen…. wenn ich den Schlüssel immer zielsicher Richtung Mittelkonsole bewege.“
    Jepp, genau so ergeht es mir auch! 🙂
    Das SAAB-Gen ist also fest verankert! 😉 Morgen kann ich wieder SAAB nutzen 🙂 🙂 🙂 …. Das sind Aussichten!

  • Ach ja, die Sache mit dem Zündschloss. Mein letzter TÜV-Termin verlief schnell und erfolgreich. Ein Prüfer sah mich mit meinem 9-3 Sportcombi in der Schlange stehen, kam kleinlaut auf mich zu, nickte verstohlen mit dem Kopf in Richtung eines weiteren Saab, der ebenfalls beim TÜV auf dem Hof stand und fragte mich leise, ob ich zufällig eine Ahnung habe, wie er den Zündschlüssel wieder abziehen könne – der klemme nämlich irgendwie. Ich konnte dem guten Mann erklären, dass ein Saab-Schlüssel eben FIngerspitzengefühl braucht und zeigte ihm wie er den Schlüssel abziehen kann. Angenehmer verlief nie eine Hauptuntersuchung für mich. ..

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