Der lange Weg zum ersten Saab

Schon lange bin ich Fan der Fahrzeuge aus Trollhättan. Ein roter 9000 war eines meiner Highlights in meiner Spielzeugkiste.
Doch irgendwie ergab es sich nie. Der Fuhrpark war lange Zeit eher italienischer Machart. Als besonders schöne Exemplare stachen ein schwarzer Lancia Y mit beigem Leder und später ein blauer Lancia Lybra Stationwagon mit schrullig schönem blauen Alcantaragestühl heraus.

Der lange Weg zum ersten Saab. Hier ist er!
Der lange Weg zum ersten Saab. Hier ist er!

Letzterer hatte immer Mal wieder Probleme mit seinem Phasenversteller der Nockenwelle, lief aber zuverlässig und wurde dann in der Familie weitergereicht. Nach einem Peugeot Partner, den ich gern und lange fuhr, merkte ich, dass ich gern etwas „Altes“ mein Eigen nennen wollte. Für 700 EUR wechselte ein silberner Mercedes 190E in meinen Besitz. Ein kultiges und dankbares Vehikel, das meiner Familie und mir sehr sympathisch war. Nach 2 Jahren störte mich allerdings der sehr begrenzte Raum, auch, trotzdem der Kofferraum so groß war, dass man eigentlich alles verstaut bekam. Leider war das riesige Ladeabteil nicht ganz trocken.

Was könnte den Altmeister aus Stuttgart nur ersetzen? – Das Überlegen dauerte nicht lange, die entsprechende Suche jedoch schon eher.

Ein Schwede sollte es sein! Schon immer waren mir die Fahrzeuge aus dem Norden so nahe. Also wurde gesucht – überall dort, wo es Gebrauchtwagen gab.

Zwischen Hamburg und dänischer Grenze wurden alle Fahrzeuge abgeklappert, die annähernd den gewünschten Kriterien entsprachen.

Auch ein Saab war dabei: ein grünes 9-3 Coupe aus 1998 mit dem unverwüstlichen 2.0 Sauger. Ein schicker Wagen. Eine Probefahrt inkl. eines Probesitzens von Schäferhund Risto im Fließheck wurde an einem regnerischen Samstag in Hamburg vereinbart.

Leider war der Pflegezustand dieses Saab eher schlecht. Heftiger Rost am Scheibenrahmen und in den Radläufen – dazu ein maulfauler und verhandlungsunwilliger junger Verkäufer. Schade. Es wurde dann doch ein Volvo. Ein schwarzer V70 der ersten Generation. 98er Baujahr, 2.5 Liter mit 144 PS und dem herrlichen 5 Zylinder mit nur 225.000 Km auf dem Tacho.
In Flensburg wurde man sich einig und so zog er ein für 2.100 EUR mit neuem TÜV.

Leider mußte ich den nächsten Wochen mindestens den gleichen Betrag nochmals in die ersten Reparaturen investieren: Kühler, Antriebswelle und einiges mehr. Doch die folgenden Jahre war er dann ein treuer Begleiter.

Doch auch in dieser Zeit ließ mich mein Faible für Saab nicht in Ruhe.

Ein festes Ritual seit Jahren ist für mich die tägliche Lektüre des großartigen Saabblogs. Wie gern hätte ich nur einen Saab. Wie gern… Es wurde alles aufgesogen, alle Berichte verschlungen, jeder seltenen Begegnung im Straßenverkehr sehnsüchtige Blicke hinterher geworfen.

Und wieder wurden die Börsen im Netz auf links gedreht. Ein Saab mußte her – doch welcher? Ich brauchte Insidertipps, ich brauchte Hilfe.

Aus dem Saabblog kannte ich Justus – seine Videos unter dem Titel „Saab-Trip“ waren schön öfter mein Zeitvertreib gewesen. Also kurz gesagt: Ich schrieb ihn an – über Instagram! Schnell kamen wir ins Gespräch und die Wahl erwies sich als Glücksgriff! Über Wochen wurde jedes Suchergebnis der Autobörsen via Whatsapp zwischen Darmstadt und Dithmarschen ausgetauscht, besprochen, gewertet. Justus war niemals müde, meine Fragen zu beantworten, mir Hilfe bei der Entscheidung zu geben.

Ein silberner 9-3 stand in der Näher seines Wohnortes. Für mich gut 400 Km entfernt, bot er spontan an, den Wagen für mich zu besichtigen und zu fahren. Unfassbar! Da macht sich jemand Mühe – große Mühe! Und das ohne sich persönlich jemals gesehen zu haben?! Das ist Saab! Das sind die Saab-Fans! Hier bist du richtig.

Justus nahm Kontakt zu dem Händler auf – doch dieser weigerte sich, den recht schönen 2.0t mit Automatik an Privatpersonen zu veräußern. Der wunderbare Wagen sollte in den Export gehen – das darf doch nicht wahr sein? Was für eine Welt?!

Inzwischen gab es einen weiteren Kontakt zu einem Saab-Opfer via Instagram nach Österreich. Auch Florian gab alles, damit ich bald meinen ersten Saab bekommen konnte.

Weit entfernt im Osten Deutschlands gab es ein Modell, das mir besonders gefiel. Ein 9-3, Baujahr 1999, 2.0t SE in blau mit beigem Leder. Der Käufer sendet mir aufgrund der weiten Entfernung von über 400Km mehrere Videos des Fahrzeugs – es schien alles O. K.!

Der Saab war zweite Hand und bis zum Kilometerstand von 221.000KM scheckheftgepflegt, eine längere Zeit davon bei Saab in Berlin.

Beste Voraussetzungen dachte ich.

Vor Ort nach mehreren Stunden Fahrt wurde man sich einig, der Wagen glänzte und der Zustand entsprach dem vorherigen Austausch.

Auf ging es gen Heimat mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ich freute mich.

Transport des Saab auf dem Trailer.
Transport des Saab auf dem Trailer.

Auf der Autobahn dann der Schock! Nach ca. 40 KM beschwerdefreier Fahrt schlug die Drehzahl durch bis an den Anschlag. Ich hatte keinen Vortrieb mehr. Dazu begann es ganz furchtbar zu stinken. Später bewahrheitete sich unsere Vermutung: die Kupplung war verraucht… Das darf doch nicht wahr sein. Unfassbar. Wir lagen irgendwo im Osten auf der Autobahn.

Glücklicherweise begleiteten uns die Eltern und schleppten uns ab in den nächsten Ort.

Der ADAC bestätigte die defekte Kupplung und nach langem hin und her entschieden wir uns, den Neuerwerb im Osten zu lassen, um ihn in den nächsten Tagen mit einem Trailer abzuholen. Was für ein Aufwand. Immerhin gut 430 KM einfache Entfernung.  Gesagt getan. Nun habe ich meinen Saab eine Woche daheim mit neuer Kupplung.

Doch ein Auto fängt bekanntlich mit A an und hört mit O auf. Leise meldet sich ein Radlager an und bedächtig knackt seit 2 Tagen die Antriebswelle vorne rechts. Ich liebe ihn trotzdem. Die ganze Familie tut dies. Meine Frau ist so verliebt, dass sie nun auch Ihren Traum umsetzen möchte: einen Saab 900 I!

Aber natürlich nur mit der Hilfe von Justus und Florian.

Text und Bilder: Stefan Hennings

10 Gedanken zu „Der lange Weg zum ersten Saab

  • OK, ich drücke die Daumen …

    … und kenne dieses leidige Thema, habe selbst einen 9-3 I unverschuldet an eine gegnerische Versicherung verloren.

    Wenn wenigstens die Beiträge fair wären, aber nein, man zahlt für den Schaden, den ein Saab an einem neuen Bentley verursachen könnte. Umgekehrt muss der Besitzer eines neuen Bentley aber nur so viel Haftpflicht entrichten, wie es eben braucht, um den Zeitwert von was auch immer abzudecken ….

    Die Haftpflicht in D ist weder unter sozialen noch ökologischen Gesichtspunkten ausgereift. Aber wie dem auch sei, ich wünsche einen guten Einstieg in die Saab-Welt.

    Antwort
  • Vielen Dank, lieber Herbert.
    Leider besteht ja bei unseren alten Fahrzeugen schnell die „Gefahr“ des wirtschaftlichen Totalschadens, der evtl eine volle Reparatur ohne eigenen finanziellen Aufwand erschwert. Daumen drücken und den Gutachter abwarten.

    Antwort
  • @ Stephan H.

    So ein blöder Mist. Der Schaden ist hoffentlich kosmetisch?

    Da war der Beitrag ja quasi ein erster Teil. Der lange Weg zum eigenen Saab dauert an und endet mit einer erfolgreichen Wurmkur …

    Vielleicht lesen wir hier ja demnächst den 2. Teil? Ich wünsche Saab & Fahrer jedenfalls alles Gute.

    Antwort
  • Moin, hätte ich das gewusst!
    Irgendwie steckt aber noch der Wurm drin, erst die Defekte und nun ist mir heute morgen ein alter Herr in die Seite gefahren.

    Antwort
  • Moin
    Du bist also derjenige der uns den Saab in Pasewalk weggekauft hat ;).
    Viel Spaß mit dem Saab. Haben selber zwei. Eine Saab 9-3 II Limousine und 9-3I Cabrio in der geilen Farbe Cosmic-Blau. Komme direkt aus M-V. Hätten uns die Saabine zusammen angucken können 😉

    SG Thomas

    Antwort
  • Willkommen in der Saab Familie Stefan! Ein sehr schöner Bericht, ich bin sicher Saab Nummer 2 wird nicht lange auf sich warten lassen. Wer einmal Saab fährt, der mag nichts anderes mehr.

    Antwort
  • Ein sehr schöner 9-3 I in dem wunderschönen mitternachtsblaumetallic! Glückwunsch! Freunde von mir in der Nachbarschaft des glücklichen Besitzers, auch in Dithmarschen, haben (immer noch!) ein 98er 9-3 I Cabrio in derselben Farbe. Als ich dieses im Sommer 2001 sehr spontan drei Wochen zur “Betreuung” während ihres Urlaubs bekam, war es um mich geschehen! Ich fuhr damit ebenso spontan bei herrlichem Wetter offen über die Brücken nach Kopenhagen und Malmö, um dort einen netten jungen Mann zu besuchen. 😉 Unten die blaue Ostsee, getupft mit weißen Segelschiffen, oben der blitzeblaue Himmel und dazwischen ich im blauen Saab-Cabrio mit Etuikleid und cremefarbenem Grace-Kelly-Kopftuch, ungeben vom genialen Plum-Plum der Stereoanlage! Hach, das war was! Der junge Mann war bald passė, aber so ein Saab-Cabrio musste her! Ich hatte bei diesem Trip überhaupt das erste Mal in einem Saab gesessen und das Cabrio war Genuss pur!

    2003 war es dann soweit und ich konnte meinen (natürlich dunkelblauen) schnöden Golf ĢTD durch einen Jahreswagen ersetzen, 9-3 I Cabrio, Turbo mit 150 PS in – na – natürlich mitternachtsblaumetallic mit blauem Verdeck. Im Hitze-Sommer 2003 war ich damit einen Monat in Südengland, herrlich! Dieses Traumauto behielt ich, bis ich 2007 den von mir bestellten Neuwagen – ein 9-3 II Cabrio TiD im wunderschönen saphirblaumetallic mit beigefarbenen Sitzen und 300 Watt-Anlage (ein geiler Sound!) in Empfang nehmen konnte. Auch diese Schönheit habe ich sehr geliebt. Der Abschied fiel zunächst schwer, als ich wieder einen Benziner haben wollte, wurde mir dann aber 2018 sehr erleichtert durch meine neue Schönheitskönigin: Ein 2012er Griffin-Cabrio Bio Power gehirscht mit 210 PS, mein Rennpferd namens “Black Beauty” mit einer noch schöneren Innenausstattung! Und da man so eine seltene Schönheit ja auch schonen muss, bekam sie dann 2019 noch eine Schwester namens “Cassiopeia” (den Namen habe ich von der Vorbesitzerin gleich mit übernommen), ein 2011er 9-3 II SportCombi TTiD in – na – natürlich nocturnblaumetallic! Auch ein Glücksgriff! Ich habe auch mit keinem dieser Schmuckstücke jemals irgendwelche Enttäuschungen oder Probleme erlebt – beide laufen “wie am Schnürchen”!

    Viele Grüße nach Dithmarschen, wo meine Freunde immer noch, seit über 20 Jahren, meinen persönlichen Ursaab fahren, den sie gerade auf meine Empfehlung hin bei Lafrentz generalüberholt haben. Dieses Cabrio hatte mich “infiziert”, es war Liebe auf den ersten Blick – seither kommt mir nichts anderes als Saab in die Garage! 🙂

    Antwort
  • Glückwunsch

    Der ist wunderschön. Schön auch, dass es noch immer Menschen gibt, die eine Kupplung als ein reguläres Verschleißteil begreifen …

    Im Geburtsland von Abwrack-, Umtauschprämie & Co, ist man ja schon fast froh, wenn nicht jeder 2. Mitbürger eine neue Starterbatterie oder auch nur einen leeren Tank als wirtschaftlichen Totalschaden auslegt.

    10
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  • Die gegenseitige Hilfe macht das saabige aus. Ich kenne auch beide genannten Saabfahrer.
    Glückwunsch zum ersten und hoffentlich auch zweiten Saab.

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