Familiensache, oder wie ich lernte Saab zu lieben

Saab ist Familiensache. Die Familie von Lukas hält Saab in der dritten Generation die Treue und startet mit einem Saab 900 Turbo von 1981. Fantastisch! Eine weitere Saab Story in unserer Leseraktion.

Meinen ersten Saab habe ich vor zwei Monaten gekauft. So gesehen ist meine Saabgeschichte noch jung. Die Anfänge gehen jedoch zurück in die 1970’er Jahre. Mein Grossvater kam nach Berufstätigkeit im Ausland zurück in die Schweiz.

Saab 900 Turbo 1981
Saab 900 Turbo 1981

Noch immer trauerte er dem silbernen Alfa Romeo Giulietta Sprint nach, den er zurückliess. Zurück in der Schweiz schien ihm der VW Käfer dann doch wieder allzu nüchtern. Er stiess auf einen Sonett ll, kurz darauf noch auf zwei Sonett lll. Die lustigen, leichten Sportwagen faszinierten Ihn mit ihrer quirligen Bauweise und Charakter. Als er dann allerdings nachts auf einer Überlandstrasse frontal mit einem 911 zusammenstiess, zog sein Leben wie ein Film an Ihm vorbei. Das Wrack war nicht wieder zu erkennen. Mein Grossvater kam mit einem Schock aber ohne Verletzungen davon. Von diesem Moment an schwor er der Marke Saab die Treue.

Es folgten eine Reihe 96, 99 und 900. Manche rettete er vor dem Verschrotten und verkaufte sie wieder. So wuchsen meine Mutter und Ihre Schwester in diesen Wagen auf. Sie lernten im 96 fahren. Als mein Vater zur Familie kam wurde er auf seltsame Weise infiziert. Die 96er fand er schreckliche Traktoren aber noch heute schwärmt er von seinem roten 9000 Turbo, den er leider in einem Seitenaufprall auf einer berüchtigten Kreuzung verlor. Auch er unverletzt. Nun war es auch um ihn geschehen.

Den dritten Unfall musste meine Grossmutter erleben. Sie war im roten 900 Turbo, dem Stolz meines Grossvaters, unterwegs Richtung Tessin. Die übliche Pause liess sie wegen Zeitdruck aus, was ihr zum Verhängnis wurde. Nach einem Sekundenschlaf prallte sie frontal in einen Betonpfeiler. Der Traumwagen war zerstört, doch Sie hatte ohne schwere Verletzungen überlebt. Nun verdankten also schon drei Familienmitglieder ihr Überleben diesen verrückten Ingenieuren in Trollhätten.

So kam es, dass auch ich in Saabs aufwuchs. Meine Grosseltern fuhren einen blauen 900 Aero S, der 2007 den Rosttod starb. Es folgte ein 9-3 Cabrio. Meine Tante fuhr einen rubinroten 900 Aero S und einen silbernen 900i. Meine Eltern hatten einen weissen 9000 CC, welcher am Getriebe und Rost zugrunde ging. Der Nachfolger, eine blauer 900 NG, wird mit 245‘000km noch immer von der Familie gefahren.

Als ich den Führerausweis bekam, wuchs das Verlangen nach einem eigenen Saab. Ich wusste, dass ich noch kein Auto brauchte, denn ich konnte mir immer eines leihen. Ich wusste auch, dass falls ich ein Auto kaufen würde, es ein Saab sein musste und wenn ich schon einen Saab kaufen würde, es ein 900 sein müsste.

Der ehemalige 900 meines Grossvaters ist meine Ikone. Das Brabbeln im Leerlauf, der Duft des schwarzen Leders und natürlich die einzigartige Form, ich erinnere mich als sei es gestern gewesen. Da stöberte ich also wieder einmal mit der Absicht kein Auto zu kaufen in den online Verkaufsportalen, als er mich ansprang.

Saab 900 Turbo 8v, walnussbraun metallic, 173‘000km, Jahrgang 1981, Steilschnauzer in tollem Zustand mit Veteranenzulassung. Ich musste mich beherrschen. „Du brauchst kein Auto“, sagte ich mir immer wieder. Dass ich per Zufall in die Gegend musste, war wohl Schicksal. Als ich den Wagen live sah, kamen mir fast die Tränen, so toll sah der aus. Die Probefahrt gefiel und so kam es, dass ich wenige Tage später mein allzeit Traumauto vor dem Haus stehen hatte. Mein Saabspezialist hat mich gemahnt, den Wagen im Winter nicht zu fahren. So warte ich halt sehnsüchtig auf den ersten gemeinsamen Frühling mit meinem Saab.

Wenige verstehen, weshalb ich mir für dieses Geld solch eine „Schwarte“ gekauft habe. Sich als 20-jähriger ein 33 Jahre altes Auto zu kaufen, das man nicht für den Arbeitsweg und nur im Sommer fahren will, ist vielleicht eine Dummheit, bestimmt sogar. Aber eine unglaublich gute!

11 Gedanken zu „Familiensache, oder wie ich lernte Saab zu lieben

  • Das finde ich nur vernünftig. Ein 81er 900 Turbo würde ich nie im Winter fahren, auf gar keinen Fall. Der Turbo mit den TRX Felgen ist heutzutage der rarste 900, der je gebaut wurde, egal ob Vergaser, Einspritzer, oder Turbo. Den würde ich wie einen Rolls Royce behandeln.

    • Och wenn der gut hohlraumkonserviert ist und der Unterboden ist auch ordentlich behandelt, kann man den Wagen durchaus im Winter fahren. Selten ist der Wagen in dieser Kombination auch deshalb, weil sich kaum jemand die TRX Felgen antun möchte. Es sein denn man ist Originalitätsfetischist. Bei den Reifenpreisen bekomme ich für einen TRX einen kompletten „normalen“ Satz.

  • Sehr schöne Geschichte. Ähnelt etwas meiner. Habe einen Kommentar zu einem der Bilder gemacht, wo mir etwas ungewöhnliches auffiel an dem 900er des Verfassers (womöglich Baujahrbedingt?), und zwar ist die Radioantenne rechts eingebaut anstatt wie bei meinen bisherigen beiden 900er links hinten.

  • Herrliche Fotos, besonders das mit dem Kondensstreifen.
    Danke für die Geschichte!

  • War das der der erst günstig und dann teuer verkauft wurde?

  • Was für ne geschichte. Man kann fast sagen SAABianer wird man nich, man wird dazu geboren.
    Nette fotos, teils aus Juckern.

    Grüsse aus Bauma

  • Sehr beeindruckende Geschichte, über die Rettung 3er Menschenleben durch und mit einem SAAB! Da wird es schon fast zur „Pflicht“, tagtägl. in einen solchen zu steigen… 😉 Die Sicherheitsphilosophie aus Trollhättan war schon SPITZE! Trotzdem möchte ich meinen SAAB gern „unverbeult“ weiter nutzen! Toller „Steilschnauzer“! Gut drauf aufpassen!!! 🙂 Allzeit gute Fahrt!

  • Was für ein Traum von Auto.

  • Tolle Saab-Familien-Saga! Und sehr schön geschrieben

  • Sehr schöne Geschichte, unglaublich tolle Bilder. Und ein Kompliment an den Blog: Die Idee mit den Lesergeschichten war genial und dass dann die Leser auch noch so lesenswerte Stories erzählen, spricht für diese herausragende Webseite!

  • Sich mit 20 Jahren ein Auto zum Spaß zu kaufen ist alles andere als eine Dummheit, sondern es ist schlichtweg … normal.

    Es ist schön, dass du dir deinen Traum verwirklicht hast. Ich wünsche die Viel Spaß damit. =)

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