Saab Elektroauto (Part1)

Letzte Woche zeigte NEVS seinen Elektroauto-Prototypen. Waren wir überrascht oder waren wir enttäuscht? Das NEVS – Saab – EV steht stellvertretend für das ganze Malheur, in dem die Marke seit 2011 feststeckt. Denn, Saab konnte das schon mal besser !

Saab 9-3 e-Power © saab automobile ab
Saab 9-3 e-Power © saab automobile ab

Der Artikel mag keine leichte Kost sein, aber er zeigt durch einen Rückblick auf das Jahr 2010, wo die Marke schon mal stand. Und wo sie jetzt steht.

Paris 2010. Ein Elektro-Saab kommt auf die Welt.

Blenden wir zurück !  Der Pariser Autosalon 2010: Saab zeigt das 9-3 e-Power Concept. Ein Saab Elektroauto mit 200 Kilometern Reichweite, einem Elektromotor mit 184 PS (NEVS 136 PS), einer Batterie mit 35.5 Kilowattstunden (NEVS 37 Kilowattstunden), und einer Höchstgeschwindigkeit von 150 Stundenkilometern (NEVS 120 Km/h).

Den Sprint von 0-100 legt der Kombi in 8.5 Sekunden zurück (NEVS 10,0 Sekunden). Die Batterien sind im Mitteltunnel und Unterboden integriert, dort, wo bisher Tank und Antriebsstrang ihren Platz hatten. Trotzdem sieht der 9-3 Kombi, der später mit einer Testflotte von 70 Fahrzeugen in Schweden unterwegs sein wird, nicht hochbeinig aus wie der NEVS Prototyp, sondern wie ein ganz normaler Sportkombi.

Der Innenraum hat wenig Überraschungen zu bieten. Eigentlich könnte der  Elektrosaab 2010 so in Serie gehen. Die Fahrstufen, Vorwärts, Rückwärts, Neutral und Parken, werden über einen Automatikwählhebel eingelegt. Statt Drehzahl, Kraftstoff- und Turboanzeige werden jetzt Batteriestatus, Stromverbauch und Restreichweite angezeigt. Die Servolenkung ist nun, erstmals im 9-3, elektrisch statt hydraulisch.

Wenn Saab ein Elektroauto baut, dann gehen die schwedischen Ingenieure gerne eigene Wege. Die Batterien eines Elektroautos brauchen Kühlung. Beim Fisker Karma waren Kühlkreisläufe mit Litern von Kühlflüssigkeiten und Ventilatoren damit beschäftigt, die Batterien in angenehmen Bereichen zu halten. Bei einem Tesla wird das nicht anders sein. Ein solcher Kühlkreislauf verbraucht Energie, er bringt zusätzliches Gewicht, er ist störanfällig.

Luft friert nicht, Luft kühlt.

Wir wissen nicht, wie NEVS die Akkus kühlen wird, die Batterien im Saab 9-3 e-Power jedenfalls waren durch eine Klimaanlage luftgekühlt, was eine Menge Gewicht und Platz sparte. Das Batteriemanagement wurde von Saab Mitarbeitern als besonders effektiv beschrieben. Eine Weiterentwicklung der legendären Saab Trionic, realisiert mit einem schwedischen Partner, sollte über Ladezustand und Verbrauch wachen. Kälte ist ein Feind jeder Batterie. Der Winter und das Elektroauto mögen sich nicht, es sei denn, man fährt Saab. Die volle Batterieleistung des Saab e-Power Konzepts war bis -30 Grad abrufbar und lag damit um 10 Grad besser als der Mitbewerber.

Da Saab eben Saab ist, war Umweltschutz ein wichtiger Faktor. Die superflachen Batterien eines schwedischen Herstellers wurden, als erste ihrer Kategorie, mit dem Nordic Ecolabel ausgezeichnet. Eine Anerkennung für Sicherheit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit, schon während der Produktion. Mit 10 Jahren Lebensdauer, und drei bis sechs Stunden Ladezeit an der normalen Steckdose, wäre aus dem e-Power Konzept ein interessantes Produkt geworden.

NEVS hingegen verwendet Batterien aus chinesischer Fertigung, die Akkus sollen nicht so kompakt wie die des e-Power Konzepts sein. Und überhaupt – NEVS hat es schwer. Kooperation- und Entwicklungspartner aus der e-Power Zeit stehen nicht mehr zu Verfügung, vieles muss neu überdacht und entwickelt werden. Zwar ist in Trollhättan noch einiges Wissen vorhanden – das Innovatum ist eine exzellente Ideenschmiede im Segment der Elektromobilität. Aber viele kluge Köpfe sind auch abgewandert. Als Ergebnis konnten wir letzte Woche den Saab Elektroauto Prototypen von NEVS sehen.

Während Saab für die Vorserie 2011 eine eigene Fertigungslinie bereit hielt, nimmt NEVS 2014 normale Saab 9-3 Aero Limousinen vom Band und baut sie auf Elektromode um. Auch das sagt viel über den Weg aus, den NEVS bis zur Serienfertigung noch vor sich hätte.

Vier Jahre Fortschritt, wo sind sie geblieben? Während wir einen hochbeinigen Protoypen serviert bekamen und Manche so wie ich enttäuscht waren, lag schon vor Jahren ein „Drömbil“ in Reichweite. Der elektrische, offene Saab !

Saab 9-3 EV Cabriolet von True Electric
Saab 9-3 EV Cabriolet von True Electric

Der Traum vom Saab 9-3 EV Cabriolet

Im Sommer 2011 sollte die Vorserien-Produktion starten, was auch zum Teil verwirklicht wurde. In Serie wäre das Saab Elektroauto im darauffolgenden Jahr gegangen. Sportkombi, Limousine und Cabriolet. Eine Testflotte war bereits unterwegs, und zumindest ein  Saab 9-3 EV Cabriolet ist auf deutschem Boden glaubhaft verbürgt. Das landete, im Konvoi mit anderen Vorserien-Fahrzeugen, auf dem Weg nach Trollhättan in der Werkstatt eines bekannten Hamburger Saab Partners. Bilder durften damals keine gemacht werden, aber der Traum vom lautlosen „oben-ohne-Fahren“ war zum Greifen nahe.

Das Saab Elektroauto der Pre-NEVS Ära hätte eine große, internationale Zukunft vor sich gehabt. Wenn die Dinge in Trollhättan etwas anders gelaufen wären… Es wäre seiner Zeit voraus gewesen, und das Projekt war bereits sehr weit fortgeschritten. Während NEVS bei vielen Dingen das Rad neu zu erfinden scheint, gab es 2010/11 bei der Saab Automobile AB ein fast fertiges Produkt.

Mehr zu den elektrischen Träumen aus Trollhättan, die durchaus Chancen auf Erfolg gehabt hätten, erzähle ich Morgen.

Text: tom@saabblog.net

 

 

24 thoughts on “Saab Elektroauto (Part1)

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    Der Artikel macht wirklich Lust auf SAAB – auf eine Marke SAAB und Autos von SAAB, so wie SAAB mal war.

    Schade nur, dass NEVS offenbar weder den finanziellen Hintergrund mitgebracht hat, noch andere Voraussetzungen, um diesem Anspruch vollauf gerecht zu werden und all dies wieder aufleben zu lassen.

    Vielleicht sind die Zeiten auch einfach vorbei, in denen ein Geist und eine Marke SAAB überlebensfähig sein konnten? Mir kommt beim Gedanken an SAAB immer öfter die pre-globalisierte Urzeit der Automobile in den Sinn. Die 1920er und 30er Jahre mit ihren zahllosen kleinen Manufakturen, die mit vielfältigen Innovationen vorwiegend auf nationalen Märkten um Käufer buhlten und wie die Fliegen gestorben sind.

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    Ja, die „alten“ SAABianer hatten es augenscheinlich drauf! Der Zeit voraus zu sein! Wie üblich…. 😉 Ein guter Artikel zu einer Zeit, da dunkle Wolken sich hartnäckig über Trollhättan halten…Mögen mögl. neue Geldgeber mit dem (ehemaligen) Juwel gut umgehen!

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    Ich würde die gesamte Thematik sogar aus noch einer ganz anderen Perspektive betrachten wollen:
    SAAB war damals mit seinem E-Antrieb schon sehr weit und hätte in kurzer Zeit Limousine, Cabrio und Kombi als E-Auto auf den Markt bringen können. Zur damaligen Zeit, also 2012/Anfang 2013, wäre das ein Ruck durch die gesamte Autoindustrie gewesen!
    Die E-Mobilität hätte sich dann vielleicht ganz anders und viel schneller entwickelt.

    Wurde SAAB deshalb damals vielleicht ganz bewusst in die Ecke getrieben?

    Wurde GM von den anderen Herstellern vielleicht so massiv unter Druck gesetzt, dass Sie SAAB den Todesstoß verpassen sollten/mussten?

    In Hinblick auf den damaligen Stand der SAAB-Technik und den heutigen Stand bei den Mitbewerbern, sollte man über diese Theorie vielleicht einmal weiter nachdenken!

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      Sehr interessante Gedanken! Leider können wir darüber nur spekulieren,die Gewissheit aber,glaube ich,werden wir nie haben. Zumindest nicht auf absehbare Zeit!

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      Diese Verschwörungstheorie ist doch eher unwarscheinlich . Wenn die Technologie so revolutionnär gewesen wäre das andere Hersteller sich Sorgen um ihren Absatz hätten machen müssen , so hätte GM sich das sicher nicht vorschreiben lassen sich seine Produkte nicht aus den Händen reisen zu lassen , sondern hätte gerne jede Menge Saabs , Opels und Chevrolets mit der Technik verkauft. Aber auch heute wird keinem E-Auto Hersteller sein Produkt aus den Händen gerissen , weil ein E-Auto bis in mittelfristiger Zukunft sicherlich ein Nischenprodukt bleiben wird da es eben für die breite Masse zu teuer und nicht alltagstauglich ist ( Stichwort Ladezeit / Reichweite ). Tesla hat ja nun seine ganzen Patente zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt . Von dort kam ein wahrer Spruch : Unsere Konkurenz sind nicht andere Elektroauto Hersteller sondern unsere schlimmste Konkurenz ist jedes neue Auto das noch mit einem Verbrennungsmotor verkauft wird.

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        Vergiss bitte nicht, dass GM damals de facto pleite war. Die Stilllegung von SAAB war eine Notmaßnahme, aber leider auch – wie so vieles bei den Amis – nicht zu Ende gedacht ! Man hat kurzfristig die Verluste verringert, aber auch einen Milliardenwert vernichtet. Ich denke dass SAAB damals schon noch 1,0-1,5 Mrd EUR wert gewesen wäre – trotz Verluste. GM hat so sehr an seinen Bilanzen herumgebastelt, dass am Ende keiner mehr gewusst hat, war was für Kosten verursacht und wie die intern verrechnet werden. Also SAAB dann weg war stiegen bei OPEL die Verluste – warum wohl … ? Wie wir schon alle wissen hängt ein erfolgreiches Unternehmen vom guten Management ab. GM konnte das nicht und NEVS auch nicht. Möglicherweise hatte die Schwedische Regierung dann den Wunsch nur noch einen Fahrzeughersteller im Land zu haben und mit der Vergabe an NEVS einen Weg gefunden, das Problem zu lösen …

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          Das GM letztendlich SAAB als blutleere Hülle zurückgelassen hatte ist Fakt – dann fürchtete man sich sogar noch vor dieser „Hülle“ und blockierte umgehend die Lizenzen der jüngeren Modelle, damit der Käufer (Spyker) keine großen Sprünge mehr machen konnte.

          Diese von GM verursachte Einschränkung trifft natürlich auch die jetzigen Eigentümer. Dennoch ist man bestrebt, gute Investoren ins Boot zu holen – ich nehme an, dass NEVS hier trotz des Rückschlags in China noch etwas hinbekommt und allemal geschickter vorgeht als Viktor Muller.

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    Ich kann nur noch weinen und beten, dass mir mein 9.3 Bj. 2002 noch lange treue Dienste leistet

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    kopfschüttel

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    Das Malheur hat sich durch NEVS zwar verstärkt weil die Insolvenzverwalter mit NEVS wohl den schlechtesten der Bewerber herausgesucht haben . Begonnen hat das Malheur aber schon viel früher in der Zurückhaltung und Gleichgültigkeit die der schwedische Staat bei einer damals noch möglichen Saabrettung an den tag gelegt hat. Wie man im letzten Artikel lesen kann hat es bei Saab Parts funktioniert . Hier in Deutschland wurde Opel zeitweise in finanzielle staatliche Obhut genommen mit der Folge für GM , das der deutsche Staat erheblich an der weiteren Opelzukunft ein Wörtchen mitreden konnte und so GM auch darauf bedacht war den deutschen Staat als Teilhaber so schnell wie möglich wieder los zu werden . In Frankreich haben wir es bei PSA gesehen . Dort haben zwar die Chinesen nun etwas mitzureden , aber auch dort hat sich der französische Staat auch finanziell eingemischt , um möglichst viel Einfluß in Frankreich zu behalten. Leider ist es nun mal so wie es ist und hätte , wäre , wenn hilft auch nichts . Gerade wenn nun bald in Schweden gewählt wird hätte die schwedische Regierung hier Gelegenheit gehabt sich einzumischen und zu profilieren . Die haben das aber anscheinend immer noch nicht nötig . Mit NEVS wird das so nix mehr.

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    Tolle Technik – leider war die 4 Jahre im Tiefkühlfach – welch Idiot kauf eine Firma und entwickelt dann alles nochmal ? Ich kriege jetzt bald einen dicken Hals, wenn ich höre, dass Chinesen irgendwas kaufen – das geht scheinbar alles in die Hose (außer Volvo Cars). Danke für den Bericht ! Schauen wir mal, was die Inder dann mit SAAB machen … (evtl. gar nix).

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    Wahrscheinlich liegt das Problem darin, dass man unbedingt China Technologie verbauen will, statt hergestellt in Sweden. Was daraus wird konnten wir ja sehen und da es mit den vollen Taschen auch nicht funktioniert hat, bleibt nur der Verkauf an jemanden der es kann, oder den Schüssel im Schloss rumzudrehen.

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    Machen wir uns nichts vor: NEVS sollte der Stecker gezogen werden – Eine künstlich am Leben gehaltene Marke, die keine Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft hat.
    Ganz rational betrachtet: mit den vorhandenen Ressourcen funktioniert keine Serien-Automobilproduktion im 21. Jahrhundert.

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      NEVS mal eben den Stecker ziehen, hört sich ja ganz cool an – dann kämen aber höchstwahrscheinlich keine brauchbaren neuen Investoren/ Anteilseigner ins Boot!

      Sollen denn etwa irgendwelche weiteren dilettantischen Insolvenzanwälte für frischen Wind sorgen?

      Ich finde, der Stecker sollte erstmal nicht gezogen werden und NEVS sollte bestrebt bleiben, ein paar gute Investoren mit ins Boot zu holen –
      daran arbeitet man ja bekanntlich nach eigenem Bekunden auch.

      Mit mehr „Kohle“ kann es eigentlch nur besser werden – insbesondere den technischen Entwicklungen (nicht nur bei den Elektrofahrzeugen) dürften erfolgreiche Verhandlungsabschlüsse mit neuen Investoren gut bekommen.

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        Zum „Stecker ziehen“ ist es zu früh. Einfach mal zuschauen was demnächst passiert. Ich hatte am Freitag Kontakt mit Mikael Östlund, der klang recht positiv.

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          Der Victor Muller klang auch immer sehr positiv…bis zu Schluss.
          Den Stecker hätte man schon längst ziehen sollen. Mit Saab von früher hat das bis auf die vier Buchstaben schon seit Jahren nichts mehr gemeinsam.

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            Tja Daniel, ich kann nur möglichst objektiv wiedergeben was man mir sagt. Nicht mehr – nicht weniger. Ausserdem würde ich NEVS sicher nicht mit VM vergleichen. Die jeweilige Ausgangslage ist eine andere.

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            Diese ganze Diskussion „…hat mit dem früheren SAAB nichts mehr zu tun…“ kann ich irgendwie nicht mehr hören!
            Man muss mit der Zeit gehen, um zu überleben. Ständige Neuerungen müssen sein!
            Würde SAAB heute noch am Zweitakter festhalten, würde das auch keiner mehr kaufen!

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    2010/2011 also nach GM . Wo sind die Rechte und Lizenzen an dieser Technik geblieben ? Oder ist das auch noch Technik wo GM die Finger drauf hat ? Für so blöd und dilletantisch halte ich noch nicht mal NEVS , dass sie diese Vorlage nicht nutzen würden , wenn sie es dürften . Obwohl nach dieser Ackerpräsentation von diesem Bastelfahrzeug , wer weis ?

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      Die Lizenzen lagen zum großen Teil nicht bei Saab, sondern bei Entwicklungspartnern und sind nun über die Welt verteilt. Die elektrische Hinterachse werden wir als Beispiel demnächst in einem anderen schwedischen Auto finden. Mit einigen früheren Partnern schein NEVS nicht zusammenarbeiten zu wollen, oder umgekehrt. Die Lage ist nicht einfach.

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        Hat man sich damals nicht mit AAM (E-Maschine) und A123 (Batteriehersteller) zusammengetan und diese Bauteile in gemeinsam gegründeten Tochterfirmen herstellen lassen, von denen die Lizenzen dann auf die Partner übergingen?

        Sicher… auch wenn man den ein oder anderen Angestellten jener Tochterfirmen zurückgewinnen konnte, wird man zurückstecken müssen. Auch Bauteile, auf die AAM oder wer auch immer Lizenzen hat, wird man nicht einfach so nachbauen können. Und wenn man dann noch an eine andere Auswahl an Zulieferfirmen angewiesen ist, dann kommt eben auch mal ein zurückgefahrener Entwicklungsstand dabei raus.

        Wirklich schade… das revolutionäre Elektroauto wird das wohl nicht, sondern eher ein weiteres Durchschnittliches – wenn es überhaupt was wird.

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