Produktionsmitarbeiter freigestellt

Gestern endeten die Werksferien bei NEVS. Für die 250 Produktionsmitarbeiter im Saab Werk gab es, wie zu erwarten, keine guten Nachrichten. Allerdings auch keine blauen Briefe. Ein kleiner Teil der Arbeiter wird in den nächsten Wochen im Werk für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten eingesetzt werden, während die Saab Produktion weiterhin ruht.

SAAB Werk in der Morgensonne. ©2014 saabblog.net
SAAB Werk in der Morgensonne. ©2014 saabblog.net

Der weitaus größere Teil wird von der Arbeit freigestellt. NEVS behält die mühsam aufgebaute Produktionskompetenz weiter auf der Lohnliste, was man entweder als positives Signal oder als sehr bemerkenswert betrachten könnte. Für die mehr als 50 verbliebenen Mitarbeiter mit Zeitverträgen kam es zu keiner Verlängerung. Der Großteil der Verträge lief während der Sommerpause aus, eine Rückkehr ins Werk gab es somit nicht.

Die Saab Produktion ruht auf unbestimmte Zeit; weder für Mitarbeiter noch für Gewerkschaftsvertreter kamen gestern weiterführende Informationen. “Wir haben uns daran gewöhnt dass NEVS sparsam kommuniziert” kommentierte ein Gewerkschaftsmann am Montag die Situation. Aber die IF Metal und auch der Blog erwartet ein Update zur Lage in den nächsten Tagen.

Die anhaltende Krise und die ungewisse Zukunft hinterlässt ihre Spuren im Umfeld von NEVS. TechRoi Fuel Systems, das Unternehmen liefert innovative Tanksysteme an NEVS, unterhält ein Büro in Trollhättan und ein Labor im Werk, hat bereits vor den Ferien Zeitarbeiter in der Produktion freigesetzt. NEVS ist exklusiver Kunde, die Abhängigkeit ist gewaltig. Zu weiteren Abnehmern bestehen Kontakte, der Markt für Tanksysteme ist groß. Von einer Produktion für andere Autohersteller ist der Hersteller aber noch weit entfernt.

Während der Kurs von NEVS weiter unklar ist, tickt die Uhr immer lauter. Der Kronofogden hat die Betreibung eines niedrigen sechstelligen Euro-Betrages begonnen. NEVS hat seit gestern zwei Wochen Zeit,  Zahlung zu leisten, oder ein Mitarbeiter des Kronfogden wird Vermögenswerte feststellen und vollstrecken. Weitere Gläubiger haben in der Zwischenzeit ihre Forderungen angemeldet, ihre Zahl stieg damit auf 88 an.

Und was sagt NEVS dazu? Die Verhandlungen laufen, sind aber noch nicht beendet. Und wenn alles unterschrieben ist, dann braucht es einige Wochen Zeit bis zum Neuanlaufen der Saab Produktion. Das war gestern der offizielle Text aus der Stallbacka, und ich habe – ganz offen und ehrlich –  keine Ahnung,  was ich glauben kann und was nicht !

Spätestens am Mittwoch machen wir einen Schwenk, denn es liegt viel auf dem Schreibtisch, über das sich zu schreiben lohnt. Dann kommt Auto statt Krise auf dem Blog, Saab Turbo X und Co statt Wirtschaftsnachrichten. Das macht mehr Spaß!

Text & Bild: tom@saabblog.net

 

5 thoughts on “Produktionsmitarbeiter freigestellt

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    Guten Morgen

    Tja, die Ereignisse überstürzen sich. Zudem noch schlechte Presse in den Schweizer Zeitungen. SAAB ist zahlungsunfähig .. bei Gericht wurde Konkurs beantragt … zum 3. Mal schlittert SAAB in die Insolvenz … zudem schlecht recherchiert. SAAB war zu keiner Stellungsnahme erreichbar, am Schluss, die negativste Meldung.

    Mit diesen neuen Tatsachen … wird es definitiv kein SAAB mehr geben. Seit Jahren negative Presse. Es ist definitiv “passé”! Auch jemand, der nur ein wenig Ahnung von Wirtschaft, Marketing usw. hat, wird sich hüten, in solch ein Projekt zu investieren. Der Markennamen ist ruiniert. Da helfen auch ein paar Enthusiasten, zu den ich mich zähle auch nichts. Das ist doch ein Tropfen auf einen heissen Stein. VW / Audi / BMW / Mercedes verkaufen wahrscheinlich pro Tag mehr Fahrzeuge als es weltweit SAAB Enthusiasten gibt.

    Es wird nur noch darum gehen, wie die Aktiven in Schweden verteilt werden. Der Markennamen kann später als Premiumsegment vielleicht lanciert werden, für ein oder 2 aufgepeppte Fahrzeuge eines Massenanbieters ohne Premiumanspruch. Wer Interesse am Produktionsstandort in Schweden haben könnte, hier kämen einige in Frage, denn hier wurde nochmals aufgerüstet und saniert. Wer die Plattform übernimmt, wenn diese wirklich so toll ist. Aber hier mache ich auch ein grosses Fragezeigen. Wenn dies stimmt, warum hat NEVS dann innert 2 Jahren keinen Neuwagen auf dieser Plattform entwickeln können und musste auf den Altwagen zurückgreifen.

    Ein “Normalkunde” würde sich garantiert keinen SAAB mehr kaufen. Auch Enthusiasten springen ab. Es wird noch später Oldtimer- und Markenclubs geben, wie wir im Prinzip schon einer sind. Das Vertrauen ist mehr und mehr ganz weg. Das würde auch ein perfekte Neuentwicklung nicht mehr schaffen. Das Händlernetz ist praktisch inexistent. SAAB suchen noch einige Enthusiasten, die aber von der Zielgruppe her, zu wenig gross sind.

    Durch die neuen Pressemeldungen und der Ausgangslage ist klar die letzte mögliche Übernahme verpasst. Die Presse tut nun den Todesstoss. Vor wenigen Tagen oder Wochen wäre die Übernahmemeldung sehr positiv angekommen. Ein neuer starker Partner hätte Vertrauen geschafft. Aber es ist meines Erachtens nun wirklich endlich ausgeträumt. NEVS war ein schlechter Nachfolger. Was hat NEVS denn gemacht? Ein wirklich altes Auto zusammengebaut. Ein wirklicher Ladenhüter … wenn man den Tatsachen ins Auge sieht. Ein Elektroauto auf dieser Plattform. Erstens zu schwer. Das Design zu alt. Ein Elektroauto kauft ein “Futurist” und der will dann was sehr modernes und kein uralt Modell, was von der Entwicklung her schon ein Flopp ist, denn es wurde in keinster Weise für ein Elektrofahrzeug ausgelegt. Das wird Quindao auch erkannt haben und das Geld nicht in den Rhein werfen wollen und hat auf die Zahlungen verzichtet.

    Die Neuauflage von 9-3 war für mich eine Notlösung, da sich der Kapitalbedarf abzeichnetet und NEVS der Meinung war, der würde sich in Schweden verkaufen. Das Auto entspricht den heutigen Anforderungen an Sicherheit ohnehin nicht mehr.

    Haltet an Euren tollen SAAB’s fest und pflegt diese. Diejenigen, die noch lange SAAB fahren wollen, müssten sich einen 95 NG, neuere 9-3 oder 94 X sichern. Im Prinzip kann man lange durchhalten und die Investitionen sînd moderat. Mein Viggen hat letztes Jahr ein neues Getriebe bekommen. Ist gerade beim Sattler und bekommt neues Interieur. Dann ein aktuelles Navigationsgerät mit Bluetooth und den modernsten Optionen. Dann in ein paar Jahren eine Motorrevision oder einen neuen Motor. Wenn ich das kalkuliere über mehrere Jahre und keinen Wertverlust habe, lohnt sich das mehr als einen neuen Audi, BMW, Mercedes oder ähnliches kaufen, denn der Wertverlust macht die Investionen mehr als wett. So fahre ich günstiger. Habe mehr Fahrspass als an einem Modell, was mir dort und da in meinen Fahrstil negativ eingreifen will.

    So mit den Investitionen habe ich es beim 900 turbo 1990 gehalten. Der fährt wie am ersten Tag. Hat mittlerweile 380’000 km runter. Werde es beim 94X und 95NG genauso machen. Viggen ist das Alltagsfahrzeug.

    Darum lasst den Kopf nicht hängen … pflegt Eure SAAB’s und überlegt Euch, statt Neuwagen, in Euren SAAB zu investieren.

    Gruss

    Joachim

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    Hallo PhiBo.
    So wie Tom es bisher immer beschrieben hat, befürchte ich, dass die Gewerkschaft hier die interne Kommunikation meint. Nicht nur für die sowieso schon gebeulteten Arbeitnehmer und einen möglichen Teilhaber/Käufer ist es gut, dass NEVs diese behält sondern auch für den Arbeitgeber SAAB! Denn wer will schon bei einer Firma arbeiten, wo das Überleben fraglich ist und evtl. nach einigen Monaten die nächste Kündigungswelle rollt. Arbeitnehmer die gut und flexibel sind finden sicher auch bei Top-Arbeitgebern einen Job.
    Wenn es also ein möglichen Neustart gibt, dann braucht man gutes und geschultes Personal…Wenn aber keiner mehr will, weil die die Meinung haben dass es sich eh nicht lohnt, muss nicht nur hier viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Daher macht es sicher auch Sinn, sich Top-Ingenieursarbeiten extern von Firmen, wie den StartUps einzukaufen.

    “Autos statt Krise” der Slogan für NEVS!

    Dann mal nicht den Kopf hängen lassen.

    Gruß

    André

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    Im Großen und Ganzen also wie erwartet. Aber den Kommentar des Gewerkschaftsvertreters finde ich bezeichnend… meint er damit öffentliche Kommunikation, oder gibt sich NEVS auch nach innen so verschwiegen? Ist das noch eine Reaktion auf die, ähem, “kommunikationsfreudigen” Zeiten unter ehemaligen Besitzern?

    Auch im Sinne eines Teil-/Komplettverkaufs wird es sich für NEVS wesentlich besser machen, vorher nicht das Personal komplett rauszuschmeißen, das man selbst oder ein Teilhaber/Käufer dann erst wieder mühsam von anderen Arbeitgebern abwerben müsste, neu schulen, etc.

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      Auch die weitere Verwendung eines Teils der Mitarbeiter für Instandhaltung und Wartung der Fabrikationsanlagen läßt doch darauf schließen, dass auf längere Sicht (erst nach PHOENIX-Fertigstellung?) dort wieder losgelegt werden soll.

      Für den Fall einer sich anbahnenden Teilhaberschaft könnte ich mir auch VALMET in Finnland vorstellen – ohne Veränderung wären die weiterhin auf irgendwelche Auftragsarbeiten angewiesen (derzeit hat Mercedes die Fertigung der A-Klasse dorthin ausgelagert). Etwas mehr Eigenständigkeit wäre vielleicht im Sinne dieses Herstellers mit viel SAAB-Erfahrung.

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    Freu´mich auf Mittwoch! 😉
    und danke für die Schilderung der aktuellen Situation in Trollhättan!

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