Konkursantrag für NEVS

Update 19:29

Das Unternehmen LaboTest AB, es liefert Geräte für Labore und Produktionsausrüstung, hat am Amtsgericht Vänersborg einen Konkursantrag für NEVS gestellt. Es geht dabei um eine Summe von 150.373 schwedischen Kronen.

Der Konkursantrag selbst wurde nicht durch die LaboTest AB, sondern durch den Finanzdienstleister des Unternehmens, Svensk Direktinkasso gestellt. Der Geschäftsführer von LaboTest AB, Håkan Bodin, gab sich am Abend gegenüber dem Schwedenfernsehen überrascht über den Vorgang. LaboTest AB prüft die Rücknahme des Antrags.

Wie dem auch sei, eine Grenze wurde heute überschritten. In der Zwischenzeit haben 113 Gläubiger Forderungen über rund 5 Millionen € angemeldet. NEVS hat jetzt bis zur Anhörung vor dem Vänersborger Gericht im September Zeit, die Verbindlichkeiten zu begleichen. NEVS bedauerte am Abend die Situation und bestritt insolvent zu sein. Die Vermögenswerte lägen weit über den Verbindlichkeiten, allerdings habe man keine liquiden Mittel zur Verfügung. Eine Möglichkeit, kurzfristig Schulden zu begleichen, sei die weitere Beleihung von Vermögen. Ausserdem sei man mit zwei internationalen Finanziers in Verhandlung, um langfristig die Finanzierung zu sichern.

Der mögliche NEVS Konkurs könnte sich jetzt zum Politikum entwickeln, denn mittlerweile stellen erste Medien die Frage ob NEVS der richtige Käufer für Saab war. Ein Thema, das Sprengstoff politischer Art in sich trägt, und die politische Ausrichtung in Schweden entscheiden könnte. Am 14. September sind Wahlen zum schwedischen Reichstag, der Wahlkampf kennt nur ein Thema: Arbeitsplätze.

Die amtierende Regierung verspricht 250.000 neue Jobs, gleichzeitig verschwinden in Trollhättan mit einem Schlag rund 600 Arbeitsplätze. Für Käufer und Investoren wäre jetzt die Chance zum Einstieg, bevor es zu spät ist. Dramatische Zeiten !

Text: tom@saabblog.net

 

30 Gedanken zu „Konkursantrag für NEVS

  • Das war es dann wohl. Schadeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee!

  • Ich denke das jetzt die heiße Phase beginnt. Die nächsten 2-3 Wochen werden entscheiden wie und ob es weiter geht. Hoffen wir das beste für eine Zukunft für SAAB.

  • Die schwedische BMW-Fahrer-Regierung nimmt den Mund wie gewohnt ziemlich voll. 250.000 neue Stellen – wo sollen die eigentlich herkommen?

    Mal sehen, ob sich die harmlose schwedische Bevölkerung weiterhin von diesen Sprücheklopfern ver……. läßt.

  • Die Zündschnur brannte ja schon lange, jetzt knallt es!
    Hoffen wir mal, dass es nicht in irgendwelchen Wahlkampflügen endet.

  • Fröberg schreibt in seinem aktuellen Kommentar auf SvD, dass der Verkauf der Phoenix- Plattform an Dongfeng sehr wahrscheinlich ist und die Fabrik zur Schuldentilgung einzeln verkauft werden könnte. Dass es von ihm kommt, lässt schon aufhören (mehr als irgendwelche komischen Diskussionen über Autokäufe).

    • Fröberg ist immer extrem nahe dran und die wohl zuverlässigste Quelle unter den Journalisten. Er wird vermutlich richtig liegen. Gibt es die nächsten 4 Wochen keine radikale Veränderung der Situation, dann ist der Automobilbau in Trollhättan Vergangenheit.

      • … und was wird dann Saab nach 9-3 produzieren, wenn er die Phoenix Platform verkauft?

        • Nichts mehr. Dann ist das Spiel vorbei, zumindest für NEVS. Für das Werk könnte man ebenfalls einen Käufer suchen, alles wird in Teilen verkauft. Allerdings würde diese Option weniger Geld dem NEVS-Eigentümer bringen. Und es scheint in erster Linie um einen möglichst hohen Erlös aus dem Verkauf zu gehen.

  • Stellt sich noch die Frage ob unsere Chinesen wirklich jemals dort Autos in nennenswerter Stückzahl bauen wollten …

    • Ich glaube nicht dass die jemals ernsthaft produzieren wollten. Die wollten an die Technik und das Wissen ran. Kopieren was das Zeug hält. Und günstiger als bei einem schon pleite gegangenen Unternehmen kommt man wohl nicht dazu.

  • Super, ein laufendes Werk, ( hoffentlich ) geklärte Lizenzen, ein niedriger Preis, die Parts abgekoppelt – nun kann ein Käufer zuschlagen, frei von Altlasten, ohne überhöhte Kosten und Preise und somit nicht das Geld schon vor dem Produktionsstart verbrennen.

    Das kennen wir ja zur genüge. Im übrigen will ich doch nochmal eine Bresche schlagen für Victor Müller, so schlecht war der nun nicht 😉

    • Im Prinzip wollte der zu viel und wurde dann von den China-Männern in den April geschickt … Betriebswirtschaftlich hat sich Victor aber sauber verrechnet … er hat die Kosten nicht in den Griff bekommen !

  • Die Lage spitzt sich zu!

  • Selbst der Journalist Fröberg bekommt derzeit von NEVS keine konktreten Informationen hinsichtlich Verhandlungsstand – er tappt momentan wie alle anderen Beobachter mehr oder weniger im Nebel.

    Es kann doch durchaus sein, dass die Produktion in einigen Wochen, nach Abschluss der Verträge mit Investoren, wieder anläuft – wie dies von NEVS auch angekündigt wurde.

    Ob es letztendlich postiv oder negativ ausgeht, wissen wir erst konkret, wenn das offizielle Statement von NEVS kommt – bis dahin kann man eigentlich nur Geduld aufbringen, da noch völlige Funkstille bei NEVS herrscht.

  • Da wir es gewohnt sind, uns in Geduld zu üben, werden wir auch weiter der Dinge harren, die da kommen werden. Wir sollten noch nicht die Flinte ins Korn werfen, NOCH hat sich NEVS nicht negativ geäußert.

  • Genau, wie immer locker bleiben…vielleicht gibt’s nen weissen Ritter

  • Oder es kommt ein schwarzer, möglicherweise ein brauner, oder sogar ein rosa Ritter … 😉

    • Hallo Steve,
      mal nüchtern betrachtet kommt da kein schwarzer, brauner oder rosa Ritter. Eher ein großer Vogel, bekannt auch unter dem Namen Pleitegeier. Hätte NEVS den modifizierten 9.3 unter 25 K (auch als Kombi) in Deutschland und den USA verkauft, wären die Probleme wohl nicht aufgetaucht. Diese Problematik ist von zig verschiedenen Leuten/Lesern in den verschiedensten Blogs erörtert worden. Es war Kaufinteresse vorhanden, aber kein Vertriebsnetz außer Schweden existent. Wenn NEVS seine Hausaufgaben zugunsten von Tausenden Fans der Marke nicht erledigt, muß sich NEVS über eine Insolvenz nicht wundern.

      • Right ! Lt. Videotext in ARD MOMA hat das Gericht die Zahlungsunfähigkeit schon festgestellt …

  • Politikum wegen Arbeitsplätze? Nie und nimmer bei 600 Stellen, dass hat man dort schon mit 3500 durchgezogen. Wenn die Anträge gestellt sind, dann gibt es kein Pokern mehr. Entweder es schlägt noch ein Anbieter kurzfristig zu oder Trollhättan und SAAB sind Geschichte. Unendlich kann man diese Leidensgeschichte nicht ziehen. Am Ende doch alles nur Heuschrecken?

    • Wir bleiben weiter voller Hoffnung – und genießen jedes Turbosäuseln 😉

    • Zumal die Vermittlung der ehemaligen Saab Mitarbeiter immer gerne in Schweden als Erfolgsstory dargestellt wird. Da wird es jetzt für die NEVS Mitarbeiter kein grosses Gezeter geben.

  • Hallo Tom ich verfolge deinen Blog jetzt schon täglich gefällt mir was und wie du schreibst 🙂 aber das ist für mich eine sehr sehr traurige Nachricht vor allem da der andere heutige Artikel ja noch zumindest Hoffnung erweckt hat… wie dem auch sei ich hoffe doch stark das nun zumindest gehandelt wird …Ich versuche mich irgendwie auch in die Lage von Nevs zu denken das mit Geheimhaltung hin od her ist einerseits richtig aber ich verstehe um Gottes Willen nicht warum da überhaupt nichts kommt… Ist man sich zu Stolz um zuzugeben das es ein fehlkauf war ?sich überschätzt hat oder sind die Chinesen einfach so falsch das sie einen Hersteller billig aufkaufen sich Technologie, Stil und Design einfach abkopieren und den Fahrzeughersteller mit Herz und Geschichte einfach ausbluten lassen??? Wie ist deine persönliche Sicht zu dem Ganzen? Schöne Grüsse aus Österreich

  • Ich spekuliere mal, sollte kein weiterer Gläubiger nun auf den Zug aufspringen und ebenfalls einen Antrag stellen, wird LaboTest den Antrag, soweit dies möglich ist, zurückziehen. Wenn man die Äußerungen des Geschäftsführers liest, bekommt man den Eindruck, dass dieser selbst überrascht war von den Konsequenzen. Vielleicht möchte man auch nicht als derjenige dastehen, der letztendlich NEVS den Dolchstoss verpasst, wegen 16 TSD Euro. Natürlich ist die Lage bei NEVS bedauernswert bedrohlich, aber selbst der CEO der Lieferantenvereinigung FKG kann es sich nicht vorstellen, dass ein Gläubiger mit einer so geringen Forderung eine so folgenreiche Entscheidung ins Rollen bringen könne. Entscheidender scheint neben dem Status der aktuellen Verhandlungen mit möglichen Investoren die Frage zu sein, kann NEVS die liquiden Mittel für die nächsten Lohn- u. Gehaltszahlungen und vor allem für die Steuern akquirieren. Die Gläubiger scheint man (noch) im Griff zu haben. Nur wie lange noch…

    • Mich würde es nicht wundern, wenn diese “kleine” Forderung ggü. NEVS der Stoß von den Klippe ist. Zwei Jahre Blauäugigkeit würden ein dementsprechendes Ende nehmen. Ja, das würde passen.

      Sein wir mal ehrlich… Langfristig hätte nur die Produktion eines neuen Saab 9-3 (Limousine, Kombi, Cabrio) zu moderaten Preisen (25.000€) mit Verbrennungsmotor Sinn gemacht. Phönix-Plattform hin oder her. Es wären niemals die Mittel und Ressourcen da gewesen, dies zu bewerkstelligen.
      Man hat auch zu lange am Produktionsstandort Schweden festgehalten. Wie hätte man je wettbewerbsfähig werden können? Stichwort: kleine Brötchen Backen…

      Ich kann besser damit Leben, jetzt das Ende zu akzeptieren als ewig diese Perspektivlosigkeit mitanzusehen. Das haben wir Saab-Fans auch dauerhaft nicht verdient!

  • Nein, warum Dolchstoß ? SAAB wurde auf Betreiben eines Insolvenzverwalters an einen Investor verkauft, der keine Ahnung vom Automobilbau hatte und kein Konzept ! Da liegt der Hund begraben. Das relativ gute Konzept von Victor Mueller hätte man fortführen sollen – evtl. ohne dem 9-3 und mit weniger Leuten. Das hätte aber auch viel Geld gekostet – zu viel für so manchen Bieter ! Entweder wollte man SAAB endgültig in die ewigen Jagdgründe schicken (Tod auf Raten), oder es ist schlicht inkompetent gewesen. Was NEVS hier mit seiner Informationspolitik gemacht hat ist schlicht das Vertuschen der eigenen Unschlüssigkeit – das Scheitern 08/2014 die Konsequenz. Letztendlich kann es auch möglich sein, dass die wirkliche Strategie einfach nur die Vermarktung der Phoenix Plattform war nach dem Vorbild der Heuschrecke war ! Ich denke aber immer noch, dass die SAAB-Story nicht am Ende ist. Möglicherweise ist es eine verdammt gute Geschichte, spannend bis zur letzten Seite und an der sind wir noch lange nicht ! Schadenfreude zum Schluss: es amüsiert mich zudem, dass Mahindra einmal mehr das Nachsehen hat und mit seinen “Kisten” – zusammengeschraubt aus den Teilen anderer Hersteller – jetzt sehen muss, wie die weiterkommen … schmunzel …

    • Nun ja. Zumindest ist es so gekommen, wie ich gedacht habe, der Antrag wurde zurückgezogen. Keine Entwarnung, aber Zeit gewonnen.

  • Hallo Torsten,

    Bei 25k € hätte man den Gewinn um 8000€/Fahrzeug geschmälert – wie viel das bei 10000+ Kunden wäre kann sich jeder selbst ausrechnen und wenn eine Firma wie audi und Vw nicht mir nichts dir nichts auf 1 Mio € verzichten kann, dann kann das ein NEVS erst recht nicht. Im schlimmsten Fall hätte man sogar noch drauf bezahlt. Das wäre natürlich dann ein meisterlicher Schachzug gewesen. Und auch wenn der Verkauf kein Verlustgeschäft gewesen wäre hätte man mit den potentiellen Kunden in Europa und den USA trotzdem nur einen Bruchteil der Kunden gehabt, die einem ein China bieten kann welches auf qualitativ hochwertige Produkte aus dem Heimatland wartet. Zudem ich jetzt mal ganz dreist behaupte, dass die von vielen hier bevorzugte Variante auch kein anderes Ergebnis gehabt hätte, außer dass ihr jetzt einen neuen Saab fahren würdet.

    Ein allgemeines Problem was ich sehe ist die Tatsache das alle vermeintlichen Experte, wie Du schon gesagt hast, die Themen in Foren breitgetreten haben, aber keiner tut auch nur einen Finger krumm um an NEVS zu schreiben. Wenn NEVS So Kunden nah arbeitet wie es hier immer heißt (E-Mails beantworten und So), dann kann doch einer dieser Wirtschaftswissenschaftlern den Herren von NEVS sagen wir man die Firma wieder auf Kurs bringt. Oder sind dann doch alle nicht mehr Experte genug dafür? Allerdings kann ich auch nicht nachvollziehen wer wie viel Ahnung von den wirtschaftdabläufen einer Firma und der Entwicklung eines Fahrzeuges haben.
    Ist wie gesagt ein allgemeines Problem (siehe auch it-Branche)

    • Ja muss ich nochmal einhängen. Ja, ihr habt alle recht: zu billig und gleichzeitig zu teuer ! Das Grundmerkmal der heutigen Autobranche ist das Geschäft mit der Zusatzausstattung. Hier wird das Geld verdient, bzw. für das wird der Preis bezahlt. Wenn ich das nicht machen kann, oder will, weil die Stückzahlen nicht passen, dann gibt es nur noch die Möglichkeit das Auto preislich abzuspecken, oder es mit Ausstattung vollzupacken, bis der Preis passt. Zusätzlich muss das Marketing dem Kunden auch noch und immer wieder erklären, warum das Fahrzeug diesen Preis wert ist. Das alles wurde verpennt, weil NEVS eben keine Ahnung vom Automobilbau hat und – nach meiner Meinung im Rückblick – die Marke SAAB nie hätte bekommen dürfen … Jetzt können die Politiker sagen: “was wollt ihr denn, wir haben SAAB 2x in den letzten 5 Jahren Pleite gehen sehen …” und so war das wohl auch gedacht … Ich sage es aber nochmals: mit der Herstellung von SAAB-Fahrzeugen in Schweden kann man Geld verdienen und Arbeitsplätze sichern ! Alles andere ist dummes Geschwätz ! BMW war in den 50ern auch schon mal kurz vor dem Ende …

Kommentare sind geschlossen.