Im Norden nichts Neues

NEVS verhandelt mit zwei oder – je nach Quellenlage –  vier Partnern  über den Einstieg als langfristiger Investor oder Aktionär. Das erklärte Ziel, im Juni die Verhandlungen abzuschließen, hat NEVS allerdings verfehlt.

SAAB 9-3 NEVS © 2014 saabblog.net
SAAB 9-3 NEVS © 2014 saabblog.net

Und auch wenn das Thema manchen Leser nervt – auch ich hätte es gerne erfolgreich zu den Akten gelegt – gibt es Grund für einen kurzen Schwenk nach Schweden. Anna Öfverman vom Schwedenradio hat bei Mikael Östlund, NEVS Kommunikationschef, nachgefragt.

“Wir hatten den Ehrgeiz die Gespräche im Juni abzuschließen. Aber es geht nicht um ein bestimmtes Datum, sondern darum die Verhandlungen gut abschließen” sagte er zu der Verzögerung.

Er sieht keinen Rückschlag für NEVS darin, dass es etwas länger dauert, und hofft,  schon bald Resultate vorweisen zu können. Die Gründe, dass die Verhandlungen langwierig sind, sieht Östlund im Aufstellen eines neuen Geschäftsplans und der Sicherung langfristiger Investitionen. Es geht ausserdem um neue Plattformen und zusätzliche neue Automodelle. Nichts, was in kurzer Zeit entschieden werden kann.

“Das setzt ernsthafte, harte Arbeit mit den Verhandlungsparteien voraus. Sobald diese abgeschlossen ist, und wir haben kein genaues Datum dafür, werden wir es mitteilen”.

Soweit das kurze Interview mit dem Schwedenradio. Aktuell sind, auch das kam über das Radio, gegen NEVS 29 Millionen Kronen an Forderungen ( 3.15 Millionen €) beim Kronofogden anhängig. Damit hat sich die Summe in den letzten Wochen nur leicht erhöht, noch halten andere, strategische Partner von NEVS still.

So bescheiden wie die Mitteilungen aus der Stallbacka sind auch die Zulassungszahlen, die NEVS für den Juni in Schweden meldet. 18 neue Saab 9-3 fanden einen Käufer, so mancher Autohändler verkauft mehr pro Woche. Der Markt in Schweden boomt, die Zulassungsbehörde meldet ein dickes Plus von mehr als 25 %. Nur NEVS entwickelt sich gegen den Markt.

Ziehen sich die Verhandlungen länger hin, dann ist der Plan, in der KW 33 die Produktion zu starten, hinfällig. Denn die Lieferanten benötigen sowohl einen gewissen Vorlauf, als auch ausgeglichene Konten und Vorkasse. Am besten aber  einen seriösen, neuen Großaktionär mit industriellem Hintergrund.

Text & Bild: tom@saabblog.net

 

17 Gedanken zu „Im Norden nichts Neues

  • Wenn es dabei um neue SAAB Modelle geht, dann sollen die mal in Ruhe verhandeln 😉 Vielleicht sollten wir uns in der Beurteilung etwas zurück halten, es scheint mir als ob NEVS durchaus sehr ernsthaft an der Zukunft von SAAB arbeitet!!

  • Es nervt nicht das du darüber schreibst. Es nervt das nichts zählbares bis jetzt bei den Verhandlungen dabei heraus gekommen ist. Falls Mahindra noch im spiel ist denke ich spielen die auf Zeit. Es ist doch einfacher eine Firma zu übernehmen die pleite ist als es ihnen vorher abzukaufen.

    • Danke! Mich nervt einfach die lange Zeit der Ungewissheit. Geduld ist nach so vielen Jahren nicht mehr meine Stärke 😉

    • Heiko,

      wenn eine Firma erstmal in Konkurs gegangen ist, kommen auch wieder irgendwelche Anwälte ins Spiel, die dann sagen dürfen, wo es lang geht. Das wird weder NEVS noch die bereits verhandelnden Investoren wollen – denn keiner weiß, was die Konkursanwälte dann wieder ausbrüten würden.

      Also abwarten – eine Einigung ohne Rechtsverdreher ist eigentlich immer die bessere Option.

  • Tom! Tod gesagte leben länger 😉 !!

  • Ich glaube das geht jedem echten Fan auf die nerven. Langsam könnte sich echt mal was tun. Aber wen interessiert schon was wir wollen.

  • NEVS sieht keinen Rückschlag ? Produktion in der 33. KW erledigt-18 SAAB verkauft- Lacher–wenn es nicht so traurig wäre. Die Sache ist doch schon länger wieder aus dem Ruder. Der Bonus ist bei mir persönlich jetzt aufgebraucht. Der deutsche Kunde wird doch schon seit Monaten gar nicht mehr behandelt. Bei mir beginnt jetzt die Flottenauflösung ( 2x SAAB1997/2001 gehen jetzt in die Rente) 3x SAAB bleiben noch bis Mitte nächsten Jahres. Ich habe keine Lust mehr auf Luftblasen zu warten und ich glaube die Geduld bei vielen unseren Händlern ist nun auch endlich. Man braucht nur mal in Mobile.de zu schauen. Nichts mehr groß da in den jüngeren Baujahren. Leider bekommt mittlerweile auch Nachbar VOLVO seine Preise nicht mehr in den Griff und setzt eine falsche Peilung an. Selbst beim kleinen V40 verschlägt einem die Preisliste die Sprache. Natürlich war man nie eine Billigmarke, aber die Absatzzahlen in Europa sind hier auch schon die Quittung. Bis nächstes Jahr lasse ich noch eine Flamme an für SAAB. Ich bin ein großer Fan dieser Marke, aber irgendwo ist dann auch mal Feierabend. Gruß aus dem Norden

  • Das geschachere dauert viel zu lange , und Saab hat das nicht verdient . Dann leider liebe in Würde endlich Saab sterben lassen . In der Unterhaltungselektronik gibt es da leider viele Fälle bei denen letztendlich große Namen wie z. Bsp. Telefunken auf Geräten von irgentwelchen namenlosen mongolischen Herstellern stehen. Also liebe NEVS Leute : das ist die letzte Chance für SAAB . Jetzt muß der große Wurf gelingen oder bitte das Drama endlich beenden.

  • Sehe das nicht als Drama – ich bin froh, dass sich noch was getan hat ! Das hat gezeigt, wie beliebt SAAB immer noch ist. Leider war die Herangehensweise an das Projekt durch NEVS zur sehr von den Wünschen der Chinesischen Partner geprägt, die dann letztendlich – aus was für Gründen auch immer – abgesprungen sind. Die Strategie hat wohl nicht ganz gepasst. Dass nur 19 Fahrzeuge verkauft wurden glaube ich nicht ganz. Lassen wir uns überraschen, was noch kommt …

  • Hallo zusammen,

    meine aktuellen Erlebnisse der letzten Tage mit vielen chinesischen Kunden unserer Firma (Druckmaschinen) und mit einigen wenigen deutschen Ex-Saabfahrern passen hier ganz gut zum Thema:

    Chinesen:
    Zumindest für die sehr wohlhabenden chinesischen Druckereibesitzer zählen nur deutsche Autos, Mercedes, Porsche, BMW, Audi – in dieser Reihenfolge. Audi deswegen an letzter Stelle, da viele Staatsdiener in diesen Autos kutschiert werden und sich deshalb die Begeisterung für Audi in Grenzen hält. Bei Mercedes lautet die Devise “je teurer desto besser”, also S-Klasse in Langausführung.
    Saab ist in diesen Kreisen völlig unbekannt, auch Volvo ist nur wenigen Insidern geläufig. Kaum glaubhaft, dass Saab in China ein vergleichbares Image wie unsere deutschen ABM-Autos aufbauen kann. Individualität ist in China ein Fremdwort.

    Ex-Saabfahrer:
    Auch hier leider keine positive Nachricht. Viele damalige 9-5 Fahrer sind zu Audi übergetreten, anscheinend gefällt denen wirklich diese aggressive, Girlanden “geschmückte” Front sehr gut, was sich immer mehr auf den Fahrstil dieser Audi-Treiber auswirkt (meine Meinung).
    Zumindest bei den Firmenwagenkäufern hat Saab keine Chance mehr: schlechte Erfahrungen mit Zuverlässigkeit, uninteressierte Opel-Händler, weite Entfernungen zu diesen Händlern, sehr hohe Ersatzteilpreise, …
    Hier ist nichts mehr für Saab zu holen, vor allem nicht nach diesem ewigen Possenspiel in den letzten Jahren. Nach der Ansicht dieser Geschäftswagenfahrern – eigentlich eine Klientel für Saab – sind aus dem Rahmen fallende Autos wie Saab, Alfa Romeo, Lancia, Citroen links und rechts von den deutschen Marken überholt worden. Emotionalität und Individulität zählt in diesen Kreisen immer weniger.

    Und dann gibt es die Saab-Fanatiker (auch ich gehöre dazu), die die – noch vorhandene – Ausstrahlung eines Saab, die hervorragenden Sitze, das Anderssein genießen. Aber diese kleine Gruppe, die ebenso enthusiastisch wie Citroen DS- und Panhard-Fahrer ihre alten Fahrzeuge hütet, wird niemals das Überleben von Saab sichern können. Dies tut einfach weh, wenn immer mehr Leute sich in Richtung der grauen, dunkelblauen, schwarzen, silbernen Mainsteam-Ware flüchten. Nur nicht auffallen in dem heutigen Business-Umfeld.

    Schade, vor allem für Saab und den Menschen in Trollhättan.

    • Hallo Uli Beitel,

      in Europa und anderen Erdteilen werden qualitativ gut gemachte Fahrzeuge mit ansprechendem Design ja nicht nur als Firmen- und Geschäftswagen gefahren – es gibt, vermutlich mit der Ausnahme China, genügend wohlhabende Privatleute, die gerne einen individuelleren Wagen mit ins Kalkül ziehen und auch kaufen würden.

      Ursprüngliche bzw. individuell gefertigte Fahrzeuge von Lancia oder Citroen (Deine Beispiele) werden allerdings überhaupt nicht mehr produziert und können daher auch nicht ausgewählt werden – kein Wunder, dass sie in der breiten Masse von Allerweltsautos untergehen.

      Man muß kein SAAB-Fanatiker sein, um einen gut gemachten individuellen neuen SAAB (von hoffentlich bereits vorgesehenen neuen Modellreihen) in seine Kaufüberlegungen einzubeziehen – dies könnten künftig beispielsweise auch Leute sein, die von den aktuellen deutschen sog. Premiumfabrikaten aus den verschiedensten Gründen die Nase voll haben. Wie erwähnt, gibt es nicht nur den Firmenwagenfahrer, dem mitunter die Fahrzeugauswahl seines Arbeitgebers ohnehin egal ist.

      Der derzeitige Stillstand in Trollhättan wird doch nicht unverändert so bleiben und für Vorhersagen fehlt uns momentan einfach der Geschäftsplan von dort – dieser ist lt. Pressesprecher Östlund jedoch in Bearbeitung.

    • Die automobilen Randgruppen für Individualisten sterben leider aus.
      Für mich wird es jedoch niemals eine langweilige Allerweltskiste aus Ingolstadt oder München geben.
      Seit fast 30 Jahren fahre ich Citroen DS, habe zusätzlich noch GSA, CX, Ente, Ami6, C3-Picasso und Jumper.
      Nach meinem letzten C6HDI, der qualitativ wirklich schlecht war, bin ich 2011 zusätzlich zu meinen bereits vorhandenen SAAB Cabrio Aero V6 und zu meinem 900/1 auf 9-5 II gewechselt.
      Nachdem der bestellte Turbo6 SC nicht geliefert werden konnte, kaufte ich eine Aero Limousine, die leider zu unpraktisch war und somit schweren Herzens 2012 wieder verkauft wurde.
      Gefunden habe ich eine wirkliche Alternative zu SAAB im SUBARU Outback, dem in Kürze zusätzlich noch ein WRX-STI zur Seite gestellt wird.
      Natürlich sind SUBARU und SAAB nicht wirklich vergleichbar, aber Boxer und Symetrical-AWD mit unglaublicher Zuverlässigkeit und symphatischer Seltenheit sprechen dafür.
      Wenn SAAB wieder einen richtigen Kombi oder SUV (Traum ähnlich wie 9-4X) bringt, bin ich garantiert wieder dabei…

    • Sehr gut geschrieben! Ich erkenne mich in fast allen Punkten wieder. Ich werde meine drei SAAB pflegen und fahren so lange es geht.( und sicher nie eines der ABM Autos kaufen! )
      Gruss aus der CH

  • Meines Erachtens wird SAAB sich nicht mehr neu entdecken können – man sollte es lassen und sich an den bisherigen Wagen erfreuen!

  • 18? Es stimmt also!

    NEVS hat “alte” 9-3 Limousinen auf Halde produziert, die niemand wollte und den Bestand dann verpfänden müssen …

    Da fragt man sich schon, wozu die Produktion dieser kleinen Limos überhaupt wieder aufgenommen werden sollte? Auch wenn die Strategie China anpeilte und man dort auf 4-Türer steht.

    “Schaut her, wir haben hier was aus Schweden für euch, was in Europa keiner will.” Wie soll man damit in China punkten?

    Der 9-3 SC (praktischer und ehedem mit höherer Zulassungszahl) oder das Cabrio (besonderer) wären in der Situation vermutlich sinnvoller gewesen. Eine Wiederauferstehung für die (Müll-) Halde? Das ist doch kompletter Murks.

  • Ich meinte nicht die NEVS Krise jetzt speziell sondern dieses herumgeeier geht ja mittlerweile unter verschiedenen Besitzern mindestens seit 2008 . Und jetzt die Fortsetzung unter NEVS Regie . Da bin ich dann langsam schon der Meinung das dieses Drama beendet werden sollte . In der Öffentlichkeit wissen die meisten gar nicht mehr das es Saab auf irgendeine Weise überhaupt noch gibt . Und wenn sich niemand findet , der möglichst bald neue Saabs , und zwar wirklich neue ( nicht der alte 9-3), auf die Strasse in den alten Saab Märkten bringen kann dann ist es eben irgendwann zu Ende .

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