Kein Elektroauto – Boom in Peking

Bisher ist die Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland verhalten. Eine (noch) fehlende Infrastruktur und fehlender politischer Wille hinterlassen Spuren. Ganz langsam scheint sich die Situation zu ändern, aber die Betonung liegt auf “langsam”.

Bald in China: SAAB EV © 2014 saabblog.net
Bald in China: SAAB EV © 2014 saabblog.net

Etwas schneller sollte es in China gehen. Der politische Wille ist da, der Ausbau der Infrastruktur wird mit aller Macht vorangetrieben,  und auch der Unternehmensverbund von NEVS Gründer Kai Johan Jiang hat Anteil daran. Alles in Butter im Reich der Mitte?

Scheinbar nicht !  Denn obwohl in Peking bis Jahresende 1.000 weitere Ladestationen an das Netz gehen werden und bis Ende 2017 das komplette Stadtgebiet abgedeckt sein soll, fällt ein Schatten auf das angebliche Elektroauto-Paradies. Denn – umgeben von staatlicher Fürsorge und dem Bemühen, der Luftverschmutzung den Kampf anzusagen – tut sich Erstaunliches. Der Autokäufer aus der Hauptstadt verweigert seine Unterschrift beim Kauf eines Elektroautos.

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In Peking sind mehr als 5 Millionen PKW unterwegs, und wer einen Neuwagen zulassen will, der muss einen entsprechenden Antrag einreichen. Die nötige Lizenz kann dann in einer Lotterie zugeteilt werden. Am Samstag der letzten Woche lagen 1.841.213 Anträge auf Zulassung eines Fahrzeugs mit konventionellem Antrieb vor. Das berichtete gestern die South China Morning Post. Die Chancen auf Zuteilung durch die Lotterie liegen bei 0,8 %.

Elektrisch emissionsfrei in  die Zukunft  fahren wollen hingegen weniger als 0,1 % der Neuwagenkäufer. Weniger als ein Promille der Käufer sieht das elektrische Konzept als erstrebenswert. Nur 1.701 Anträge liegen vor, und wenn der Trend sich in den nächsten Monaten so fortschreibt,  dann bekommen alle Antragsteller auch ohne Auslosung ihre Lizenz. Denn 20.000 Elektroautos sind 2014 für Peking zur Anmeldung freigegeben.

Mit diesen Zahlen im Hintergrund ist es fast unmöglich, ein konventionell angetriebenes Fahrzeug in der Hauptstadt neu zuzulassen,  aber dennoch bleibt die Nachfrage gigantisch. Was zum Teil verständlich ist. Ein Neuwagen ist gerade in China immer auch ein Imageprojekt,  und die Steckdosenautos von BAIC und BYD sind lahme, emotionslose Kisten ohne Prestige. Nur Tesla, neu auf dem Markt, macht da eine Ausnahme und scheint den Nerv zu treffen. Denn BYD brandmarkte gestern den Tesla als “Spielzeug für reiche Männer” während die Produkte von BYD etwas für die breite Masse seien. Die aber keine Lust darauf hat.

Wie hartnäckig manche Bürger nach Zulassung eines konventionell angetriebenen Fahrzeugs streben, machen folgende Fakten deutlich: für Chinesen, die mehr als 25 Mal einen Antrag erfolglos gestellt haben ( es geht hier um 640.000 Personen ),  gibt es seit Januar ein neues Lotteriesystem. Ebenso für die Antragsteller, die mehr als 37 (!) Mal erfolglos waren. Ihre Chance liegt jetzt bei 2.4 %.

Battery Factory Nummer 2 und 3 sind im Bau @ 2014 saabblog.net
Battery Factory Nummer 2 und 3 sind im Bau @ 2014 saabblog.net

Woran liegt es, dass sich die Einwohner der Hauptstadt verweigern? Denn rein theoretisch könnte man jetzt ein Elektroauto ohne das Lotterie-Risiko zulassen.

Die Gründe sind einfach. Die South China Morning Post schreibt über die Angst der 1.000 Taxifahrer, die mit Elektrofahrzeugen unterwegs sind. Die Befürchtungen:  mit geringer Reichweite im dichten Pekinger Verkehr liegen zu bleiben…die Warteschlangen vor den Ladestationen. Die unzureichende Infrastruktur ist auch in Peking ein Thema. 500 Ladestationen sind in Betrieb, bei einer Fläche von 16.807 Quadratkilometern, was in etwa der Fläche von Schleswig-Holstein entspricht, kann man nicht gerade von einem dichten Netz sprechen.

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Da nutzen scheinbar auch die massiven staatlichen Subventionen wenig, um elektrische Emotionen zu wecken. Bis zu 13.000 € Unterstützung bekommt ein Einwohner Pekings, wenn er sich für ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug entscheidet. Was ein sehr hoher staatlicher Anteil bei einer privaten , automobilen Investiton ist. Der “Qin”, ein kompakter Plugin Hybrid von Batteriepionier BYD, kommt im Frühjahr für unter 23.000 € auf den Markt. Unternehmen wie Tesla, BYD und BAIC setzen damit große Hoffnungen auf den Zukunftsmarkt – der noch keiner ist. Auch NEVS mit Saab gehört dazu.

Das Elektroauto ist eine gewagte Wette mit unsicherem Ausgang und die Schilderung der South China Morning Post eine Momentaufnahme. Die Zukunft des Konzepts  könnte sich in China entscheiden. Dort, wo momentan große Investitionen in die elektrische Mobilität unternommen werden. Vielleicht kommt NEVS zur richtigen Zeit auf einen gerade entstehenden Markt. Ich würde es den Schweden wünschen !

Generell gilt, dass Subventionen zum Kauf eines Elektroautos zweitrangig sind,  wenn Infrastruktur und Reichweiten noch nicht stimmig erscheinen. Nur wenn die Parameter der grünen Technologie auch im grünen Bereich sind, wächst die Akzeptanz bei den Käufern. In China wie in Europa. Sonst wird der Traum von der elektrischen Zukunft eine Seifenblase bleiben. Und zerplatzen…

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

5 thoughts on “Kein Elektroauto – Boom in Peking

  • Das Grundproblem bei EVs ist das sich das Auto nicht nach dem Mensch richtet sonder der Mensch sich nach dem Auto. Also suche nach E Tankstellen und Wartezeit beim Laden. Hinzu kommt noch die geringe Reichweite. Probleme die man bei einem Benziner oder Diesel nicht hat.

  • Absolut einverstanden! Der 9.3 sieht ja nach einem richtigen Auto aus,zudem lässt es sich in China als ein neues Modell verkaufen,was in Europa nicht der Fall ist. Ich glaube,dass NEVS da gute Chancen hat einen Treffer zu landen und endlich Geld zu verdienen.

  • Der Tesla sieht gut aus und nach allem was man so hört fährt er sich wohl auch recht gut . Aber die Brandmarkung Spielzeug für reiche Männer scheint mir doch recht zutreffend . Man muß sich einen Tesla schon leisten können . Ist ja schon ein stolzer Preis , den die Ami`s dafür aufrufen.Und das für ein Auto das eben nicht für alle Lebenssituationen tauglich ist.Aber vielleicht bekommt es NEVS ja eines Tages ähnlich qualitativ hochwertig aber günstiger hin. Dann könnte daraus was werden.

  • So isses! 😉
    Darin liegt dann aber auch die Chance für SAAB – eben ein Auto zu bauen, dass auch nach einem richtigen Auto aussieht!

  • Der Tesla sieht im Gegensatz zu I-Miev, Leaf und ähnliche Karren eben wie ein richtiges Auto aus. Deshalb geht der Tesla und der Rest nicht.

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