Rückspiegel. Nur der Name ändert sich.

Die Saab Parts AB ändert ihren Namen in Orio AB. Man mag die Namensfindung für gelungen halten oder auch nicht. Wichtiger sind die Fakten, die uns alle angehen. Und die Fragen, die der Namenswechsel aufwirft. Denn offenkundig entwickeln sich in der Saab Welt zwei Firmen, die nach unserem Verständnis zusammen gehören, in unterschiedliche Richtungen.

Saab Werk Trollhattan
Saab Werk Trollhattan

Für uns, die Saab Fahrer und auch für die Saab Partner, ändert sich nichts. Die Saab Parts AB, in ein paar Wochen wird sie unter dem Namen Orio AB unterwegs sein, wird weiterhin der Lieferant für Saab Original Ersatzteile bleiben. In der gestrigen Mitteilung an die Saab Partner schrieb CEO Lenhart Stahl „Wir bleiben alleiniger Anbieter von Saab Originalteilen und werden kurz- und mittelfristig enger als je zuvor mit Saab zusammenarbeiten.“ Das sollte man als Versprechen sehen.  Auch das Saab Helpdesk in Trollhättan bleibt weiterhin  für unsere Werkstätten verfügbar. Außerdem verbleibt das Unternehmen unverändert im staatlichen Besitz, was eine stabile Entwicklung garantiert.

Ein Hintergrund der Namensänderung ist die Erweiterung der Produktpalette. Mit Orio wurde ein möglichst neutraler Name gewählt, der im erweiterten Distributionsgeschäft kein Hindernis darstellen wird. Denn in Nyköping wird man in Zukunft nicht nur Original Saab Ersatzteile vertreiben; es kommen weitere Fabrikate hinzu. Damit verbreitert man die Kundenbasis und stellt das Unternehmen zukunftssicher auf weitere Standbeine. Realistisch, denn der Vertrieb von Saab Ersatzteilen dürfte mittlerweile seinen Höhepunkt erreicht haben und in Zukunft langsam aber kontinuierlich sinken. In Schweden geht man von einem jährlichen Rückgang von 6 % aus, was nachdenklich macht. Denn auf der einen Seite sinkt zwangsläufig mit zunehmenden Alter die Anzahl der Alltagsfahrzeuge, im Gegenzug erreichen immer mehr Saabs den Old- oder Youngtimer Status.

Alles rund um ältere Fahrzeuge boomt seit Jahren, und immer mehr Händler erkennen, dass sich in dieser Nische, die längst keine mehr ist, auskömmlich leben lässt. In Nyköping hat man diesen Trend bisher nicht erkannt. Die Ersatzteilversorgung ist verbesserungswürdig, und während alte Saab 99, 900 und 9000 immer beliebter werden, schaut man einfach weg. Eine Klassiker-Abteilung wäre eine Investition in die Zukunft und eine langfristige dazu.

Bei englischen Klassikern mit längst verblichenen Herstellern funktioniert der Nachschub mit Ersatzteilen übrigens hervorragend; hier haben kleine Firmen und Fans sich selbst organisiert. Das sollte man in Schweden als warnendes Beispiel sehen. Lässt man offene Lücken zu, wird die Nachfertigung und der Vertrieb von findigen Drittfirmen übernommen werden. Lenhart Stahl versprach gestern „Mehr Saab als je zuvor„. Vielleicht kümmert man sich dann um unsere alten Schätze.

Ein bezeichnendes Licht wirft die Namensänderung auf die Situation in Trollhättan. Im Frühsommer waren wir noch voller Hoffnung, dass dort zusammenwächst, was nach logischem Verständnis zusammengehört. Nyköping hat das Vertriebsnetz in Nordamerika und Europa, und NEVS hätte – so dachten wir – das Produkt dazu. Das Produkt, ein Saab für Europa und die USA, fehlt,  und NEVS hat den Fokus für das Saab 9-3 Revival auf China gelegt. Ohne Produkt benötigt NEVS kein Vertriebsnetz, zumindest nicht im Moment. Die Entwicklung lässt ahnen, dass es noch eine Weile länger dauern wird als erhofft, bis wir eine europäische Version der Neuauflage des Saab 9-3 sehen werden.

In Nyköping konnte man nicht warten, bis sich ein serienreifes Produkt bei NEVS ankündigt. Die Zeit zum Handeln war gekommen, und die Möglichkeiten verstreichen zu lassen, wäre fahrlässig gewesen. Das ist die Realität, ob sie uns gefällt oder nicht !  Lenhart Stahl sagte dazu gestern im Interview mit der TTELA über das Verhältnis zu NEVS „..wir haben eine normale Kunden- Lieferantenbeziehung..„. Die Saab Parts AB ist Logistikdienstleister für NEVS, nicht mehr, nicht weniger.

Das Auseinanderdriften beider Firmen muss keine Entwicklung für alle Zeiten sein. Aber es spiegelt die aktuelle Situation wider. Sehen wir die positiven Dinge ! In Eschborn sitzt eine engagierte Mannschaft, die sich um unsere Ersatzteile kümmert. Die Crew hat hochgradig Saab im Blut, egal welchen Namen das Unternehmen trägt. Und konzentrieren wir uns auf das, was wir haben, und auf das, was uns täglich viel Spaß macht. Unsere Fahrzeuge ! Mit oder ohne Greif, mit dem Saab oder dem Saab – Scania Schriftzug auf der Haube. Tolle Kultmobile aus Südschweden eben…

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

 

8 Gedanken zu „Rückspiegel. Nur der Name ändert sich.

  • So macht der ganze Vorgang einen Sinn. Eigentlich ist es mir völlig egal wie die heißen, solange die Teileversorgung klappt. Unsere SAAB können so noch lange laufen, aber als Firma müssen die sich selbstverständlich nach weiteren Standbeinen umsehen, wenn NEVS nicht in die Socken kommt.

    In unserer zunehmend ausgeprägten Wegschmeiß-Gesellschaft – das betrifft inzwischen auch Autos – fangen einige langsam an, umzudenken und da ist es schlau verschiedene Marken ins Programm zu nehmen.

  • Es macht Sinn, alte Fahrzeuge möglichst noch eine Weile länger zu fahren als schon bei den ersten Zipperchen auf neue Produkte umzusteigen. Dies gilt insbesondere in ökologischer Hinsicht – trifft aber auch zunehmend auf die reine finanzielle Seite zu (siehe Neuwagenpreise im Vergleich zu selbst aufwändigen Reparaturen).

    Hierbei ist es logischerweise ein Glücksfall, dass sich der erforderliche Neuwagenabsatz zum größten Teil auf dem chinesischen Markt abspielt – dort wo großes Nachholbedürfnis in Sachen Automobil besteht.

    Auf lange Sicht dürfte die Übernahme der Orio AB durch NEVS selbstverständlich erfolgen, weil dort zusätzlich ordentlich Geld zu verdienen sein wird – eigentlich ein kluger Schachzug, dass man die Erweiterung der Geschäftsfelder durch den Staat erledigen läßt und dann erst später zuschlägt.

    Trotz aller Erweiterungspläne darf man natürlich die Old- und Youngtimer-Fraktion nicht aus den Augen lassen – schon aus Marketinggründen: Ein gut erhaltenes altes Fahrzeug ist doch kaum zu überbieten und somit ein tolles Aushängeschild für den jeweiligen Hersteller!

  • In dem Fall sehe ich das auch eher pragmatisch: so lange mich mein 900er noch überall hinbringt und ich die Teile irgendwo auftreiben kann, können die sich meinetwegen nennen wie sie wollen.
    Klar ist: Saab ist Kult und das wird sich nach solchen oberflächlichen Diskussionen auch nicht ändern.
    @Detlef: Ganz meine Meinung, das Auto kann man ruhig länger fahren, als bis zum ersten Zipperlein

  • Wenn NEVS nicht in die Puschen kommt muss sich logischerweise Saab Parts nach einer neuen Einnahmequelle suchen . Nur wie soll das gehen wenn Herr Stahl verkündet das künftig mehr Saab den je drinn sein soll . Außer NEVS gibt es doch im Moment niemand der für die Weiterführung von Saab Automobile stehen könnte . Die Flugzeugbauer werden ja wohl kaum wieder mit der Fahrzeugproduktion anfangen. Für NEVS ist scheinbar Europa und Amerika unwichtig und vernachlässigbar . Dabei sollte so langsam , wenn es mit New Saab noch was werden soll , etwas kommen , dass Saab wieder präsent in den Köpfen der Leute macht . Für die meisten Leute ist Saab abgewickelt und weg . Außer den Saab Fahrern verschwendet kaum noch jemand einen Gedanken an Saab.Für mich heißt das : der Name Saab wird in Zukunft in China verhöckert , und ich werde , wenn mein aktueller Saab „ausgebraucht“ ist mir kein neues schwedisches Auto mehr kaufen können , weil es das bei uns nicht mehr gibt. Volvo gibts ja auch noch , ist aber nicht mein Ding , und wenn schon wechseln , dann bin ich da schon etwas deutsch patriotisch angehaucht , und wenn ich mir meinen Saab etwas genauer ankucke finde ich viele Teile auf denen das Made in Germany zu finden ist.

    • … oder Made in France (Valeo, Scheinwerfer), oder Made in Spain (Bosch-Kraftstoffilter, GM-Rückspiegelrahmen).

      Ansonsten stimme ich zu – NEVS macht auf mich manchmal den Eindruck, ein bisher dünnes Programm durch den Hinweis „Da kommt bald noch viel mehr!“ überspielen zu wollen. Ob das aber nun an China-lastiger Marktorientierung liegt, wage ich zu bezweifeln, immerhin hört man in die Richtung ja noch weniger. Außerdem sollte man bedenken: Chinesen kaufen an Autos gerne, was in Europa und Amerika beliebt ist, oder in deren Augen beliebt zu sein scheint: Buick, VW, BMW. Und auch wenn es bevorzugt die Oberklassehersteller sind, die in China beliebt sind, so wäre es doch ein Argument für den chinesischen Markt, könnte NEVS die Marke SAAB zumindest als exklusives Nischenprodukt in Europa und Amerika etablieren.

      In dem Zusammenhang fällt mir auf, daß Orio als Firmenname reichlich nichtssagend ist – genau wie die Namen mancher chinesischer Teilehersteller („Top Up Industries Ltd.“ – stellt Schalter und Knöpfe für Elektrogeräte her).

      • Die erste Charge soll laut NEVS nach China gehen, so hat man es immer wieder betont. Und natürlich stimmen Deine Bedenken, aber wir sitzen leider nur auf der Zuschauerbank 😉

        • Ich dachte, nach China sollte bevorzugt Elektroautos gehen, die auf der Basis des jetzt erst in Produktion gehenden 9-3 entstehen sollen. Oder habe ich das falsch verstanden? Das kommt wohl von schlechter Pressearbeit.

          Dem Satz mit der Zuschauerbank stimme ich zu – bis auf das „leider“. Fürwahr, ich kann mich jetzt an kein geglücktes „Customer-Buyout“ erinnern… und um an ein geglücktes Management-Buyout ehrlich gesagt auch nicht…

          • Bin heute mal großzügig und steiche hiermit das „leider“. Denn im wirklichen Leben wäre das wohl nichts für uns gewesen. Dir einen schönen Feiertag!

Kommentare sind geschlossen.