SAAB Wochenende. Unsichtbar?

Wieder mal geht ein Interview von Saab 2.0 Pressechef Mikael Östlund durch das Netz. Auf “New Motor”, einem Magazin für alternative Antriebe, gibt es ein 30 minütiges Interview, welches man sich im Original anhören kann. Wenn man will…Während die Netzgemeinde mal wieder über schlechte Pressearbeit in Schweden oder über Ignoranz gegenüber den Kunden schimpft, stellt sich mir eine ganz andere Frage.

Baustelle SAAB 2.0
Baustelle SAAB 2.0

Ich habe das Interview komplett gehört, manche Passagen mehrmals und irgendwann weg geklickt. Denn wirklich Neues war nicht dabei, es sei denn, ich hätte feine Zwischentöne überhört. Die Fragen, die uns interessieren, fehlen oder wurden nur am Rande gestreift. Es geht mal wieder um Elektroautos, und eine recht gute Zusammenfassung der Aussagen liefert “New Motor” gleich mit. Von Interviews dieser Art darf man nicht zu viel erwarten, schon gar keine “Breaking News”. Wobei es schon für sich spricht, dass man von Investor NEVS nur – man möge verzeihen – auf wenig bekannten Webmagazinen liest. Damit kommen wir zur Frage und zum Kern des Problems !

Stellen wir uns mal vor, in Trollhättan laufen – rein spekulativ natürlich – die Bänder wieder. Irgendwann 2013 oder im Frühjahr 2014 steht dann ein Produkt mit Elektroantrieb oder vielleicht mit Turbomotor zur Auslieferung bereit. Und was wird dann wohl passieren ? Hat die Welt auf Saab 2.0 gewartet, und laufen die Kunden in Scharen, um dieses Produkt zu kaufen? Nach aktuellem Stand wohl eher nicht.

Hier setzt meine Frage an. Was tut man, um das zukünftige Produkt mit dem Namen Saab zu verkaufen? Stellen wir uns vor, wir wären Investor. Wir hätten etwas Neues, was wir toll fänden und was wir, natürlich hochpreisig und mit gutem Ertrag, an den Kunden bringen wollten. Was würden wir tun? Eigentlich einfach !  Wir entfachen schon Monate vor der Premiere möglichst viel Begeisterung. Füttern die Presse mit kleinen Details, verbreiten gezielte Indiskretionen. Ein Spyshot hier, ein Detail der Motorisierung dort, ein Wenig über den neuen Innenraum erzählt. Dazu eine Story, wie nur wir mit unserem tollen Produkt sie erzählen können. Die Presse findet das hip, die potentiellen Kunden natürlich auch, die Händler reissen sich um Verträge. Und weil wir alle so begeistert sind, findet das neue Produkt mit dem Produktionsstart einen reissenden Absatz.

Ein Vorstellung, wie so etwas im Ansatz gehen könnte, liefern Tesla, aktuell kurz vor der Profitabilität, und Fisker, aktuell kurz vorm Abgrund. Beide Brands waren in den Medien präsent und bei Käufern begehrt und in schon lange, bevor das erste Serienfahrzeug zum Kunden rollte.

Und was tut sich bei Saab 2.0? Eben ! Nichts ! Und das was nicht passiert, das passiert mit einer Leidenschaft, als ob man über ein neues Waschmittel referiert. Hört man in das Interview rein, dann  findet man keine Begeisterung – für was auch immer. Keinen Hinweis, warum man in Zukunft Produkte aus Trollhättan kaufen sollte und was Saab 2.0 einzigartig machen könnte. Statt dessen liegt die Betonung, glaubt man Östlund, immer noch auf China und auf einem Flottenverkauf an Behörden. Sieht so eine Story aus, die sexy ist? Auf was sollen wir eigentlich warten? Saab 2.0 ist dabei, immer unsichtbarer zu werden, dabei gäbe es einiges zu erzählen.

Die stabile Saab Situation hier im Land kann täuschen. Deutschland ist momentan ein Ausnahmemarkt, wir haben eine engagierte Fan-Gemeinde, und wir haben in Eschborn ein erfolgreiches Saab Team. So gut wie hier sieht es nicht überall auf der Saab Welt aus. Die Marke erodiert.

Es müsste etwas kommen aus Trollhättan !  Es wird Zeit, dass  man sich positioniert und dass man aus dem Winterschlaf erwacht. Die Marke muss zurück in die Medien !  Wenn man wirklich in den nächsten 12 Monaten Autos – ob mit Elektro- oder Turboantrieb – verkaufen will, dann wird es Zeit, etwas zu tun. Trollhättan ist eine Baustelle, auf der sich medial nichts tut. Momentan existiert Investor NEVS und Saab 2.0 weit unter jeder Wahrnehmungsgrenze.

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

5 Gedanken zu „SAAB Wochenende. Unsichtbar?

  • Ja das ist leider die momentane Situation, “die Marke erodiert” und das ist auf Dauer meiner Meinung nach nicht aufzuhalten, da kann man SAAB Fan sein wie man will, irgendwann muß automobiler Nachschub kommen. Und wenn man das NEVS zeitlich nicht in absehbarer Zeit auf die Reihe bekommt hilft uns auf Dauer auch kein noch so angagierte Servicpartner und gut funktionierender Teilevertrieb. Ich möchte nicht wirklich wissen wohin sich das Teilegeschäft bei der momentanen SAAB Fahrzeugmenge in ca.3-5 Jahren entwickelt ?!? Denn wenn sich unsere geliebten SAAB`s zwangsläufig nur noch zu geheegten Garagenstehautos entwickeln müssen, nur um sie eventuell zu SAAB Treffen oder “oldtimer”Ausfahrten rauszuholen,da braucht es wohl mehr Pflegemittel als Ersatzteile.
    Ist zwar auch toll, aber eben leider nicht das wahre Automobilleben…, naja wird wohl so werden :-((

    Noch habe ich ja noch Hoffnung liebe NEVS Verantwortliche, aber vergesst bitte nicht, die Welt und besonders die Automobilwelt ist leider extrem schnell lebig und einmal abgewanderte Kunden sind nur sehr schwer und teuer zurück zugewinnen.

    Also nicht vergessen, GAS GEBEN !! Gaspedal ist unten rechts !!! (zumindestens bei Autos mit Verbrennungsmotoren und Turboladern)

    Schönes Restwochenende aus Thüringen…

    PS: TOM bitte weiter so…

  • Vielleicht hat man bei NEVS etwas vom legendären “Dark Cockpit” gehört, und diese Strategie konsequent in der eigenen Pressearbeit umgesetzt. 🙂

    Nein, mal Spaß beiseite. Abschottung hin, Vorsicht her, die Öffentlichkeitsarbeit ist ein Desaster – man denke an das Interview mit Steven Wade vor ein paar Monaten. Sobald man hart nachfragt, feuert NEVS mit Platzpatronen – pardon, Worthülsen – zurück. Ich erwarte keine Präsentation, in der haarklein sämtliche Einzelheiten und jeder Graph des Geschäftsplans vorgekaut werden, aber wenn man beispielsweise Motoren des einen oder anderen Herstellers testet, dann wäre das schon eine Verlautbarung. Eine Pressemeldung “SAAB testet Motoren von …” (nein, 3 Punkte bedeutet nicht 3 Buchstaben einer Marke) wäre ein positives Signal und besser als ein herumgeisterndes Gerücht. Auch das ewige Herumlavieren ob nun Verbrennungs- oder E-Motor, Produktion oder nicht, könnte langsam mal beendet werden.

    SAAB-Fans sind geduldig – aber die SAABs der Fans sind langlebig, und nicht jeder wird seinen Youngtimer für einen neuen SAAB drangeben. Insofern sollte man sich nicht zu still geben, sonst ist die öffentliche Wahrnehmung der Marke weg. Nachdem die Pressemeldungen (in der deutschen Presse) zum Verkauf an NEVS im letzten Jahr äußerst dünn und klein waren, und jenseits der SAAB-Publikationen auch nichts mehr vernommen werden konnte, könnte man SAAB mittlerweile für tot halten.

  • Grins -> ich glaube die behalten dich in Trollhättan nach dem Saab Festival einfach da oben 🙂

    Ciao

    M.

  • Es ist schon merkwürdig, dass die neue Unternehmensspitze bei SAAB kaum Öffentlichkeitsarbeit für die erworbene Marke betreibt – zumal deren Weiterführung nach eigenem Bekunden längst beschlossene Sache ist!

    Könnte es vielleicht damit zusammenhängen, dass der neue Eigentümer und Mann an der Spitze, Kai Johan Jiang, Öffentlichkeitsarbeit wie sie auf dem Automobilsektor eigentlich üblich ist, bei seinen anderen Unternehmungen (zum größten Teil in China) nicht oder kaum nötig hat?

    Sollte dies der Fall sein, müßten seine Spitzenleute in Schweden aber spätestens jetzt die Alarmglocken läuten und diesbezüglich Aufklärungsarbeit gegenüber ihrem Chef leisten.

    Mal sehen, ob in puncto Öffentlichkeitsarbeit nicht doch bald der erforderliche Wandel einsetzt.

  • “Wir entfachen schon Monate vor der Premiere ”
    That’s the point. Was haben wir denn? Vielleicht einen Testlauf, um die Fabrik wieder ans Laufen zu bringen mit dem derzeitigen Modell. Wohl kaum eine Premiere.
    Und dann ein erstes Modell mit der derzeitigen Karosserie 2014. Immer noch keine richtige Premiere, da zumindest die Form bekannt ist. Vermutlich sind die Eckdaten derzeit immer noch flottierend, und womöglich musste NEVS erkennnen, dass sich der EV-Hype dem Ende nähert und erst bessere Batterien hermüssen.

    Ja und dann irgendwann ein Modell basierend auf dem Phoenix. Aber das ist offensichtlich noch weiter als “Monate vor der Premiere” entfernt, so dass man dazu noch nix sagen kann.

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