SAAB – eine Erfolgsgeschichte

Blogger sind näher dran. Sie sind Zeitzeugen, berichten schneller als andere Medien und haben sich meist auf ein Thema spezialisiert. Bloggt man für die Kultmarke Saab, dann erlebt man viele Höhen und Tiefen. Die letzten Monate waren eine Berg- und Talfahrt, und das Durchhaltevermögen wird manchmal auf eine harte Probe gestellt. Um so schöner, wenn man über eine Saab-Erfolgsgeschichte schreiben kann. Eine Erfolgsgeschichte „made in Germany“.

Die Zukunft und ein langer Weg. Die neue Saab Heimat in Eschborn

Rückblende zum Auftakt einer „Saab inside Story“. Der 19. Dezember 2011. Damals sah es nicht nach Erfolg aus. Im Gegenteil, alles schien rabenschwarz. Victor Muller hatte an diesem Tag den Konkursantrag für die Saab Automobile AB gestellt. Am Nachmittag verabschiedete er sich im International Market Call von Mitarbeitern, nicht ohne den Versuch, Mut zu machen. Das schwedische Recht ermöglicht es Saab, aus dem Konkurs zurück auf den Markt zu kommen, so sein Hinweis. Und dann „…bis Januar, wir hören uns wieder“. Es war die letzte Telefonkonferenz von Muller als Saab CEO. Er kam nicht mehr zurück.

Für die Saab Mitarbeiter waren es schlimme Weihnachten. Noch schlimmer war es, darüber wurde bisher nicht geschrieben, für die internationalen Mitarbeiter. In Trollhättan gingen die Lichter aus, und niemand fühlte sich mehr zuständig für die Saab Angestellten rund um den Globus. Viele Saabianer hier in Deutschland haben eine große Familie, die ernährt werden muss. Es war ein dunkles Weihnachten 2011, allein gelassen von Schweden, und in dieser Situation gingen bei manchen Landesgesellschaften die Lichter aus.

Während in einigen Ländern die Stecker gezogen wurden, ging es in Schweden, England und in Deutschland – um nur Einige zu nennen – nach einer kurzen Atempause weiter. Die Herausforderungen waren groß, und es machte sich eine Mischung aus Gründerzeit, Saab-Spirit und dem unbedingten Willen zum Erfolg breit.

In Nyköping, bei der eigenständigen Saab Parts AB, mussten neue Strukturen geschaffen werden. Eingebunden in die Verflechtungen eines Konzerns wurden viele administrative Aufgaben in Trollhättan erledigt. Diese Strukturen waren über Nacht weggebrochen. In Deutschland sah es noch bedrohlicher aus.

Als Niederlassung der Automobile AB war der deutsche Markt auf die Strukturen in Trollhättan angewiesen. Diese aber hatten aufgehört zu existieren. Improvisation und Mut waren gefragt. In den Monaten der Krise waren Blog und Saab in engem Kontakt, und oft gab es Telefonate zur nächtlichen Zeit mit einem Saab Mitarbeiter. Besonders Ende Dezember und Anfang Januar gab es viele Gespräche und, so vermute ich, wenig Schlaf. Aber es war klar… Saab Deutschland kämpft und gibt nicht auf. Es geht weiter.

Computerfirmen werden in Garagen gegründet. Was ist mit Autofirmen, die einen Neuaufbau wagen? Der Neustart von Saab fand in den provisorischen Büros in Frankfurt-Fechenheim und in einem Homeoffice statt. Eine Ausnahmesituation, der besonderen Lage geschuldet, ein Aufbruch in eine neue Ära. Arbeitsverträge? Anstellungen gab es in diesen wilden Wochen mit Handschlag. Das Wort gilt. Gehaltszahlungen aus Schweden? Kommen, irgendwie. Die mündlichen Verträge haben gehalten, bis heute. Mittlerweile sind sie schriftlich fixiert, und die Gehaltszahlungen fanden auch immer statt. Ist das normal? Das ist Saab. Das ist der berühmte Saab-Spirit.

Die Lage wurde in den ersten Monaten des Jahres 2012 nicht einfacher. Die GMAC Bank kassierte überall auf der Welt die Firmenwagen auf Grund einer mit Trollhättan getroffenen globalen Sicherheitsübereignung. Keine Firmenwagen, kein Außendienst. Aus Schweden, selbst noch mit der Schaffung von Strukturen und mit der Sicherung von Lieferverträgen beschäftigt, war keine Hilfe zu erwarten.

Saab Zentrum Frankfurt
Vergangenheit: Saab Zentrum in Frankfurt-Fechenheim. Hier waren die provisorischen Büroräume.

Der Außendienst muss laufen. Präsenz vor Ort, das berühmte „Flagge zeigen“, ist in dieser Lage ohne Alternative. Also beschaffte man sich Fahrzeuge. Jeder Mitarbeiter fand seine eigene, sehr individuelle Lösung. So fand ein gebrauchter Saab 902 den Weg zurück in Saab Dienste und machte eine späte Karriere. Andere Mitarbeiter liehen sich Autos bei Freunden. So kam ein wilder Fuhrpark zusammen. Teilweise die abenteuerlichsten Autos, die dann beim Termin vor Ort um die Ecke geparkt wurden. Der Saab Mitarbeiter besucht den Händler zu Fuß. So mancher Saab Partner wird sich seine Gedanken gemacht haben.

Bei den Team-Meetings stand in diesen Tagen ein bunter Fuhrpark unterschiedlichster Fabrikate vor der Türe. Niemand hätte eine Veranstaltung von Saab Deutschland vermutet. Saab undercover! Es waren die bewegten Gründermonate. Mittlerweile fährt der Saab Außendienst wieder mit den passenden Fahrzeugen durch die Republik.

Die Monate vergingen, und in Deutschland wurde eine Erfolgsgeschichte geboren. Mit viel persönlichem Engagement und mit guten Ideen. Und mit Hilfe der Saab-Fans, ohne die es nicht gegangen wäre. Die gaben ein klares Statement für ihre Marke ab. Statt zu freien Werkstätten zu wechseln, hielten sie ihren Händlern die Treue, investierten Geld in ihre Autos. Die Umsatzzahlen gingen nach oben, für Saab Partner und die deutsche Niederlassung der Saab Parts AB ein klares Signal.

Viele gute Ideen sind mittlerweile von Deutschland nach Nyköping gegangen. Viele wurden übernommen, trugen zur Verbesserung des Geschäfts bei. Der deutsche Markt ist wichtig, zählt zu den Schlüsselmärkten. Unsere Stimme findet in Schweden Gehör. Die Ersatzteilversorgung mit Original-Teilen ist heute auf einem hohen Niveau, der Webauftritt neu gestaltet.

Seit einigen Monaten hat die Niederlassung der Saab Parts AB, welche jetzt eine eigenständige Tochter der Schweden ist, in Eschborn eine neue Heimat gefunden. Swedish Distribution Services Deutschland GmbH, so der neue Name, führt weiterhin das stolze Saab Logo und ist für Deutschland und Österreich verantwortlich.

Als Fan der Marke und als Blogger würde ich sagen: Alles richtig gemacht! Auch wenn die Zeiten rauh waren und viel Engagement forderten. Es geht weiter, die Erfolgsgeschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Das Gründerteam, so nenne ich es jetzt mal, wird personellen Zuwachs bekommen. Die Produktpalette wird verbessert und weiter ausgebaut. Für uns, die Kunden, die täglich mit ihrem Saab unterwegs sind, wird sich auch in den nächsten Monaten Einiges tun. Es wird, das kann ich verraten, mehr Service rund um unsere Autos geben, denn in Eschborn hat man mir einen kleinen Blick in Richtung Zukunft gestattet.

Eine Erfolgsgeschichte kann nur weitergeschrieben werden, wenn es für alle Seiten passt. Für Saab, die Partner und für die Fans. Wir sind auf einem guten Weg.

Text: tom@saabblog.net

11 Gedanken zu „SAAB – eine Erfolgsgeschichte

  • Danke für diesen tollen und sehr optimistischen Bericht 🙂

  • Das klingt alles sehr schön und gut. Es ist im Moment auch wohl das Beste, was man aus der Situation machen kann.
    Es bleibt allerdings die Frage, ob und wann ein neuer SAAB (kein Elektromobil) wieder gebaut wird. Denn ansonsten wird aus der „Youngtimer“-Fraktion bald eine für „Oldtimer“. Dies wäre nur noch die Abwicklung und Betreuung der auf denm Straßen befindlichen Fahrzeuge, bis diese verschrottet oder nur noch zu SAAB-Treffen herausgeholt werden.
    Ich möchte aber weiterhin einen SAAB im alltäglichen Gebrauch bei Wind und Wetter fahren, weil ich mich aufgrund meiner beruflichen Vielfahrerei bewusst für einen SAAB entschieden habe. Ich möchte werder einen „Youngtimer“, noch einen „Oldtimer“, sondern ein Fahrzeug, was mir im alltäglichem Fahrgebrauch ein sicheres Gefühl sowie Spaß am Fahren und einen geringen Verbrauch bei ausreichend Leistung bietet. Dies kann nur mein gehirschter 9-3 SC Diesel. Den möchte ich aber nach einer bestimmten Laufzeit und Kilometerleistung wieder gegen ein Neufahrzeug von SAAB eintauschen können.

  • Es ist ein Schritt nach vorne und mal ganz ehrlich Leute, wer hätte im Dezember das zu hoffen gewagt? SAAB hat mindestens 9 Leben, oder wie war das noch? Warten wir mal den nächsten Sommer ab, ich glaube an die Marke!

  • Klasse Story. Der Blog hat Kultpotential!

  • Ich schließe mich den bisherigen Meinungen an und wie bereits gestern erwähnt, hätte auch ich gern Nachschub aus Trollhättan in Form eines Neufahrzeugs.

    Ich hoffe sehr, dass der ausführliche Bericht von Tom mit Hinweis auf den berühmten SAAB-Spirit auch von den NEVS-Führungsleuten gelesen wird.

    Sollte das Vorhaben, den SAAB 9-3 II in alter Form erneut zu produzieren, doch nicht zu bewerkstelligen sein, würde ich natürlich noch lieber einen 9-3 oder 9-5 auf Phoenix-Plattform (möglichst mit Fließheck und 5 Türen!!) in meiner Garage sehen. Dies sogar bei längerer Wartezeit.

    Liebe Leute bei NEVS, gebt endlich mal einen Hinweis, dass es in dieser Richtung evtl. weitergehen könnte – denn damit würde bei viele SAAB-Enthusiasten ein Stein vom Herzen fallen.

  • Lieber Joachim,
    Cool bleiben und den Autofrühling 2013 abwarten…….
    Gruss aus der Schweiz

  • Sehr geehrter Tom,
    vielen Dank für Ihre sehr informativen und mit Herzblut geschriebenen Beiträge,die ich immer gern
    lese.
    Auch wenn jetzt alle SAAB Freunde im siebten Himmel schweben,hier zwei Anmerkungen aus dem realen Alltagsleben:
    1) Die Ersatzteilversorgung ist zum Teil nach wie vor eine herbe Zumutung.
    Drei Wochen Lieferzeit für ein EGR-Ventil,kaum verfügbare Lichtmaschinen,Doppelturbo und Automatikgetriebe.
    Alles Dinge, die an den Dieselkrücken regelmäßig den Geist aufgeben und „fehl“-konstruktionsbedingt auch immer wieder kaputtgehen werden.
    Ich weiß wovon ich rede – zwei 9.3 TTiD und ein alter, aber dafür sehr zuverlässiger 900/2 gehören mir.Und ich fahre SAAB seit 1983.
    2) Vielleicht schafft es Herr Schuhmacher kurzfristig ein brauchbares Werkstattverzeichnis für den gesamten Deutschsprachigen Raum zu veröffentlichen.
    Für jemanden wie mich,der jährlich 60.000 km mit dem SAAB unterwegs ist, nutzt ein regionales Werkstattverzeichnis überhaupt nichts.
    Und beim ADAC weiß sowieso niemand Bescheid.
    Herzliche Grüße,
    Peter Witzel.

  • Ich kann den Optimismus nicht ganz teilen. Hier in Bad Salzdetfurth gab es bis vor Kurzem einen SAAB Service, doch der freundliche Opel-Händler hat jetzt lieber einen FORD Service übernommen. Die Ersatzteile hat er auch nicht immer besorgen können. Mein linker Außenspiegel lässt sich schon seit Monaten (gefühlt schon Jahre) nicht mehr motorbetrieben einklappen oder verstellen, angeblich liegt’s am Motor, der sei aber nicht lieferbar, nun ja, es gibt schlimmeres, ich stelle mir aber nun die Frage, wo ich mit meinem SAAB zu Inspektionen etc. gehen soll, eigentlich bin ich zufrieden mit Werkstatt und Service, habe aber nun Zweifel am Einsatz für die Marke SAAB.

    Ich muss wohl mal ein ernstes Wort mit ihm reden! 😉

    Grüße aus Bad Salzdetfurth

    • Es kommt auf die Werkstatt an. Vor Ort konnte oder wollte man nicht weiterhelfen, der Händler mit GM Marken ist zwar dabei, aber ohne Interesse. Fährt man ein paar Kilometer und wechselt das Bundesland dann gibt es einen kleinen Saab Betrieb über den Tom schon oft geschrieben hat. Angeblich nicht lieferbare Teile waren plötzlich bestell- und lieferbar. Ich bin da mittlerweile vorsichtig geworden, denn oft fehlt nur das Engagement und es liegt nicht an SAAB.

    • Hallo Ulrich,

      versuchs doch mal in Vienenburg bei Saab Stephan – da fahr ich hin.
      Oder versuchen selber die Teile via Skandix oder Scanimport zu besorgen.
      Die helfne auch gern am Telefon weiter.

      Gruß
      Marcus – aus Peine

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