SAAB Standort Trollhättan: Entwicklungsarbeiten für Chevrolet

Wir waren unterwegs vom Nordtor, wo die Saab Parts AB ihre Büros hat, in Richtung Trollhättan. „Was fährt denn da…?“ fragte Mark als uns aus Richtung Hauptportal kommend ein getarntes, kleines SUV über den Weg fuhr. Spontanes Beschleunigen, die gute Nikon die mich fast überall hin begleitet hatte ich zum Glück noch in der Hand, und los ging es.

Chevrolet Trax unterwegs in Trollhättan

Der Fahrer des SUV war mindestens genau so überrascht wie wir und statt in Richtung Hunneberg Reservat weiter zu entschwinden bog er in die Strasse zwischen Werk und Flugfeld ein. Ein Fehler.  In Richtung Hunneberg wäre er uns davon gefahren, auf der (Fast-) Sackgasse zwischen Flughafen und Testrecke war er fällig zum Abschuss. Der Prototyp war ohne Chance und bevor er wenden konnte waren Bilder von Front und Heck im Kasten. Und Marks Nachwuchs auf den Rücksitzen wird sich wohl seinen Teil über die Verrückten auf den Vordersitzen gedacht haben.

Ein stillgelegtes Autowerk ist ein guter Standort für Entwicklungsarbeiten. Denn kein Journalist der Welt interessiert sich dafür und wie sicher sich die Testfahrer fühlen sieht man an der Tatsache dass Prototypen ohne jeden Begleitschutz in der Gegend um Trollhättan unterwegs sind. General Motors, der ehemalige Saab Eigentümer, scheint nach wie vor die Kompetenz der Schweden zu schätzen. Vicura und Saab Powertrain arbeiten, nicht nur, für die Amerikaner. Zum Teil fließt dadurch Geld in die Kassen der Administratoren.

Chevrolet Trax, baugleich mit Buick und Opel

Hauptsächlich im Bereich Verbrauchs- und Emissions Optimierung ist Trollhättan tätig, aber auch bei der Getriebeentwicklung. In der Vergangenheit bewies man immer wieder Kompetenz, wie zum Beispiel mit dem stärksten Umweltdiesel der Welt der mit 119 g/km CO2 im 9-3 Griffin der Benchmark für den Mitbewerber war. Dieses Projekt wurde damals in aller Stille und gegen den Wiederstand aus Rüsselsheim entwickelt. Bei Opel stufte man das Projekt damals als unmöglich ein und schickte die Schweden nach Hause.

Die Tatsache dass GM immer noch Arbeiten nach Trollhättan vergibt zeigt uns auch wie die hauseigene Kompetenz eingeschätzt wird. Unser Protoyp ist ein Chevrolet Trax, der 2013 zu den Händlern rollen wird. Der Opel Mokka ist dazu das Derivat mit dem Blitz, produziert werden Trax, Mokka und der baugleiche Buick Encore in Südkorea.

blank
Die Weltpremiere des Trax findet im September in Paris statt

Die größten Stückzahlen wird natürlich der Trax machen. Dass Chevrolet die GM Weltmarke ist und Opel nur noch ein lokales Label, merkt man mittlerweile auch in Schweden. Jeder mittlere Ort hat in der Zwischenzeit einen Chevrolet Händler und im Strassenverkehr übertrifft die gefühlte Anzahl moderner Chevrolets die der Opels um ein vielfaches.

Saab Kompetenz also auch in Zukunft in einem Buick, Chevrolet oder Opel. GM hat in der Vergangenheit viel von schwedischer Ingenieurskunst profitiert und tut es immer noch. Aber nicht nur. Auch Volvo lässt in Trollhättan arbeiten, ebenso wie Jaguar und Land Rover.

Für den Standort Trollhättan und die Entwickler vor Ort ein gutes Signal. Wir sehen es und freuen uns für die kleine sympathische Stadt im Västragötland. Aber wir hatten auch ein weinendes Auge dabei. Denn Mark und ich hätten lieber einen Prototypen mit dem Greif vor die Kamera bekommen.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

 

9 thoughts on “SAAB Standort Trollhättan: Entwicklungsarbeiten für Chevrolet

  • blank

    GG in Richtung Trollhättan? Na dann frage ich mal in Dudenhofen nach. Dort sollte man verlässliches wissen.

  • blank

    Wir sollten nicht jedes Vorkommnis gleich als „Beweis“ dafür einstufen wollen, dass künftig keine Fahrzeuge mehr mit dem SAAB-Logo in Trollhättan hergestellt werden.

    Diese Testfahrzeuge von GM sind bestimmt nicht auf irgendein Zutun des neuen Eigners, Kai Johan Jiang, in Trollhättan gestartet – hier scheinen ja tatsächlich Bergqvist + Co. noch mal „grünes Licht“ gegeben zu haben (bringt natürlich, wie auch von Tom erwähnt, Geld in die Kasse der Anwälte).

    Einfach mal in Ruhe abwarten, was sich die nächsten Monate so nach und nach tut – ich finde, es ist wirklich auch ein gutes Signal, dass KJJ künftig seinen Wohnsitz in Trollhättan haben wird.

    Abschließend noch eine spezielle Bemerkung zu Elektro-Automobilen: Die letzten Tage lief im TV auf fast Kanälen, die sich vorwiegend mit dem Automobil befassen, verdächtig häufig etwas zum Thema E.-Automobile – auch hier scheint großes Interesse an dieser Technik zu erwachen!

    Viele Grüße aus der Hansestadt Hamburg

  • blank

    Wie wahr, ich hätte auch lieber einen Prototypen auf den letzten Erprobungsfahrten einer blognahen schwedischen Firma gesehen.

  • blank

    Für THN gut aber was bleibt uns als Trost. SAAB ist wohl Geschichte und wir sollten uns an dem erfreuen was wir haben. SU gibt immer noch Durchhalteparolen aus aber das ist mehr das Pfeifen im Wald.
    Die Karawane zieht weiter und nur die wahren Fans bleiben zurück.

    • blank

      SU habe ich früher oft besucht – während des Verkaufs an Spyker im Dezember 2009/Januar 2010 täglich. Aber in letzter Zeit geht es dort ziemlich marktschreierisch zu – wenig Substanz, dafür blinde Gefolgschaft für NEVS. Und die Kultur im Umgang mit kritischen Usern, die NEVS nicht sofort ihr ganzes Vertrauen schenken, hat dort auch stark gelitten – die werden in Kommentaren einfach abgebügelt.

  • blank

    Tja…. so hat GM es geschafft, weiterhin das KnowHow nutzten zu können, aber keine Konkurrenz in Form eines Autoherstellers.

    Und was Opel in den nächsten Jahren blühen wird, zeichnet sich ja auch immer mehr ab: Opel entwickelt sich immer mehr zu einer Marke, die nur noch in Europa, bald wohl nur noch in Deutschland vertrieben werden wird. Auf allen anderen Märkten macht GM sich mit Chevrolet breit. Und selbst in Deutschland wird Chevrolet immer breiter vermarktet und Opel damit zusehens in die Enge getrieben.

    Ist schon traurig, was ein Konzern wie GM, der eigentlich nur diverse Marken unter sich versammelt hat und damit jongliert, selber aber über keinerlei Autobaukompetenz verfügt, so anrichtet.

    Nach SAAB wird nun Opel folgen. Auch Hummer und diverse andere Markennamen sind in den letzten Jahren ja bereits leise verschwunden…..

Kommentare sind geschlossen.