SAAB News: Wer besitzt die Rechte am Saab 9-3?

In Schweden scheint nichts in trockenen Tüchern, und vieles ist immer noch offen. Das ist unsere Erkenntnis der letzten Tagen und mit dieser sind wir nicht alleine. Immer noch nicht ausgestanden scheint die Diskussion, wer den Saab 9-3 bauen darf. Zwar sind laut NEVS -Pressemeldung die Rechte für den aktuellen 9-3 an das Konsortium verkauft worden.

Saab 9-3 Sportkombi
Saab 9-3 Sportkombi

Aber die Verträge sind nur vorläufig, und wir kennen sie nicht in der endgültigen Fassung. Jetzt meldet sich BAIC erneut in der Presse zu Wort. Nach einem Artikel der “Shanghai Securities Daily” ist der Hersteller aus China der Meinung, die alleinigen Rechte zu besitzen. Laut Vorstandsmitglied Xu Heyi stellt sich die rechtliche Situation als Folgende dar: BAIC besitzt laut Vertrag die alleinigen Rechte am Saab 9-5 der ersten Serie und am Saab 9-3 vor dem Facelift 2006. Die Rechte am aktuellen Saab 9-3 liegen zu gleichen Teilen bei Saab und BAIC. So seien laut Xu Heyi die Verträge.

Die Möglichkeit, diese Rechte einer dritten Partei zu übertragen, sei nur in einer gemeinsamen Übereinkunft möglich. Ohne einen gemeinsamen Beschluss sei kein Verkauf möglich. Die Administratoren könnten keine Rechte verkaufen. “Saab besitzt nichts, ausser seinem Namen und seinem Logo…” so Xu Heyi zur Presse. Und wie wir wissen, noch nicht mal das. Die Diskussion um die Vergabe der Markenrechte läuft immer noch.

Damit kommt etwas Klarheit in die Vertragsgestaltung, über die wenig bekannt war und die Anlass zur Spekulation lieferte. Es stellt sich die Frage, wer 2009 diese Verträge für Saab verhandelt hat. Zumindest bekommen wir eine Ahnung, welche Schwierigkeiten die Administratoren und mögliche Käufer zur überwinden haben, und wir bekommen ein Gefühl dafür, warum der Prozess so quälend lange dauert. Dass der erneute Bau des aktuellen 9-3 für die Fortführung der Marke, und sei es nur als Brückenmodell, eine Rolle spielt ist, bestätigt.

Die neuen BAIC C70, basierend auf dem Saab 9-5, und der BAIC C60, der auf dem 9-3 basiert, nähern sich der Produktionsreife. Für BAIC ist der C70 ein Prestigeprojekt, mit dem der Hersteller aus der Hauptstadt gegen europäische Limousinen im oberen Marktsegment punkten will. Ein SUV auf Saab-Basis ist ebenfalls in Planung.

Ein schwedischer Freund, mit dem ich heute über die Problematik sprach, sieht die Situation entspannt. “cool bleiben, so meint er…” Ein Saab Käufer, der in Trollhättan die Produktion erneut anfährt, wird sich nicht durch BAIC beeindrucken lassen. Denn wirklich relevant sind die Vorbehalte nur dann, wenn man Fahrzeuge nach China exportieren will. Davon ist nicht auszugehen, denn wichtiger wäre es, im ersten Schritt die angestammten Saab Märkte in Europa und Nordamerika neu zu beleben. Sind die Hausaufgaben erledigt, was einige Zeit dauern wird, dann kann die nächste Saab-Generation die Expansion nach China wagen, so seine Einschätzung.

Also viel Lärm um nichts? Auf jeden Fall eine weitere Komplikation zur Fortführung der Marke und noch mehr Arbeit für die Administratoren.

Text: tom@saabblog.net

Bild: Saab Automobile AB

 

10 thoughts on “SAAB News: Wer besitzt die Rechte am Saab 9-3?

  • Na so ist es. Morgen soll es mehr “News” von NEVS geben.

  • Ergänzung : Schlich nicht, vor Kurzem, eine mysteriöse Gruppe im SAAB- Werk herum und ist diese so merkwürdig interessierte Firma nicht allerneuester Großpartner unserer Freunde in der Riesenfeldstraße ?
    Lieferung von Hybrid – Know how und Technologie für Elektrofahrzeuge eingeschlossen.

  • Bei SAAB ist nichts mit der Firma und dem Produkt von Rover vergleichbar.
    Hinter den Kulissen hat BMW von der RoverGaudi durchaus profitiert.
    Sahnehäufchen wie MINI und Allradtechnik / Geländewagenerfahrung waren u.A. durchaus eine willkommene Mitgift.
    Wie Philmos schreibt; Verbrennen tut BMW nix – und anbrennen lassen Die auch nix.

    Aber – schaun ma mal !

  • BMW hat aber in der Vergangenheit bei einem solchen Abenteuer (Rover) Geld verbrannt.

  • Der Tesla Model S ist auch ein wunderschönes Auto, aber die Entwicklung dafür begann schon vor 3 oder 4 Jahren. Tesla hat auch Erfahrung im Elektromobilbau, dank dem Roadster.

    Und jetzt vergleichen wir dazu Saab: Ein e-Power-Konzept, das der Presse vor 1 1/2 Jahren vorgestellt wurde und momentan nur im 9-3 Combi erprobt wurde. Eine Firma mit keinen Lizenzen für einen 9-5 bzw. 9-3 in China.

    Und genau wegen Firmen, wie Tesla, braucht Saab ein Konzept mit Benzin, Diesel, BioEthanol UND E-Power. Für die angeschlagene Marke muss mann jetzt Alles möglich machen!
    Und dafür bräuchte Saab doch nur einen Motorblock: den “Ur-Saab 2.0 16V Block”. Den kann man…
    …ohne Turbo anbieten (also ca. 180PS)
    …mit Softturbo (ca. 200PS)
    …mit Vollturbo (ca. 220PS), dieser wahlweise mit BioEthanol
    und als Bi-Turbo (ca. 250PS)

    Somit hat man “4” Benziner und einen BioEthanol. Dann kauft man die Dieseln von jemanden (z.B. wie beim 1.9 TiD oder 2.0TTiD). Und veröffentlicht den E-Power-Antrieb im Jänner 2013.
    TADA! Wir haben eine Produktpalette aus ganz wenigen Dingen. Es ist zwar nicht der leichteste Weg, da Lizenzen, Rechte und Anwälte noch mitsprechen dürften. Aber es wäre etwas zum Überleben für die nächsten 2-3 Jahre dabei, bis halt der 9-3 III auf den Markt kommt.

    Soviel zum Pessimismus!

  • Irgend etwas stimmt da nicht. Mich verwundert ehrlich gesagt, daß BMW immer noch so ziemlich alleine dasteht. Die Allianz mit PSA hat sich gerade in Luft aufgelöst, da GM ja jetzt der starke Partner von PSA ist. BMW hat immer wieder dementiert, aber nach seinen Motoren geforscht, die ja angeblich verschwunden sein sollen. Tarnung? Soll da Zeit gewonnen werden, damit die Konkurrenz nicht in letzer Minute alles vermasselt? Oder sind doch die Inder am Zug mit der gleichen Vorgehensweise? Ich halte BMW für smart, die verbrennen kein Geld oder lassen sich Chancen entgehen…

  • Immer dieser dauerhafte Pessimismus. Wenn nicht alle immer ihre Augen verschliessen und pausenlos auf allem herumhacken würden, was gerade in Trollhättan geschieht (Mag mich das an die Schwedische Presse erinnern?), könnte man mitbekommen, was sonst so im Automobilbau passiert. Der Tesla wäre ein guter 9-5, wäre ein guter Saab, würde gleichermassen mit positiver Kritik überhäuft werden?
    Siehe: http://www.engadget.com/2012/06/22/tesla-model-s-first-drive-the-sports-sedan-goes-electric/

  • Ich habe am Freitag mit meinem Saab-Händler gesprochen dieser stellte eine interessante Theorie auf:

    Der Verkauf von Saab ist noch nicht abgeschlossen. NEVS ist nur ein Schein-Konstrukt, welches den Administratoren als Instrument dient Zeitpläne einzuhalten und Zeit zu gewinnen. Mein Händler rechnet Ende August mit einem totalen WOW-Moment, bei dem wir erfahren werden, dass NEVS keine Pläne, Zulassungen, Rechte,…. hat und nun M&M zum Zug kommen wird. Für diese Theorie finden sich auch ein paar Fakten:
    1. Saab AB und Scania werden die Marke nie einem chinesisch/japanischen Konstrukt geben, welches in Schweden nur produzieren und nicht entwickeln bzw. designen lassen will.
    2. Der Markenname wird auch nicht für reine E-Autos hergegeben
    3. Niemand von Saab Automobile oder NEVS hat bis jetzt auch nur einen Autohändler gefragt, ob er E-Autos verkaufen will
    4. Das NEVS-Konzept ist wie ein Schweizer Käse: Hat große Lücken und stinkt bis zum Himmel!
    5. Saab Parts AB gehört nicht NEVS, trotz Gesamt-Verkaufs-Kampagne der Administratoren
    6. Was hat es mit diesem Kooperationsvertrag zwischen NEVS und M&M auf sich?

    In den ersten zwei Punkten musste ich meinem Händler zustimmen. Und ich finde auch, dass die Saab-Marke nicht stark genug ist, um bis Ende 2013 keine Autos zu produzieren und dann nur noch E-Autos. zu etablieren.
    Bei 3. frage ich mich wie NEVS Autos verkaufen will, wenn noch nicht einmal die Händler etwas wissen. Außerdem glaube ich, dass die wenigsten Händler nur von E-Autos leben können. Wie soll das die Saab-Marke verkraften? Zuerst sterben die Benzin-Motoren und dann deren Händler!
    Also wird wohl NEVS seine Autos vor allem in China verkaufen wollen. Aber dort lauert BIAC und macht ihnen das Leben schwer.
    Warum ein Auto in Schweden für China produzieren? Wo doch die Lohn-, Produktions- und Nebenkosten viel geringer sind in China viel geringer sind?
    Bei schwedischer Produktion werden die Autos dann dort mit 300%-Luxussteuer besteuert und damit unbeliebt, zumal sie E-Autos auch noch sind. Mit Ersatzteilen aus dem teuren Saab Parts AB Lager, wo jeder Chinese Stammkunde sein wird.

    Zusammenfassend: In China geht es nicht und in Europa klappt es nicht!

    Also, da stimmt doch was nicht. Ich kann mir nicht helfen, aber die Administratoren konnten doch nicht solch einen Sauhaufen von Plan als den besten Empfunden haben?!

  • NEVS wird nicht die endgültige Lösung sein, das verdichtet sich doch immer mehr. Ausserdem sollte man wirklich das Vertriebsnetz hier in Europa retten, wenn da was zu retten sein wird so langsam wie alles läuft. Im übrigen wurden die Prognosen zu den Elektroautos in der letzten Woche hier in D öffentlich als zu optimistisch zurück genommen.

  • Für NEVS war doch der chinesische Markt DER Fokusmarkt. Europa und Nordamerika wären klassische Saabs. Das passt aber nicht zum vorgestellten Konzept von NEVS. Das wäre eher Strategie von M&M oder YM.

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