SAAB Lage: Ein unausgereiftes Konzept

Das Medienecho in Schweden für die mögliche Übernahme von Saab durch NEVS war vernichtend. Von “einer großen Dummheit” war die Rede und vom Wunschdenken der Regierung. Dem Projekt wird von diversen Seiten keine Chance eingeräumt, was bei der nicht bestätigten Produktverfügbarkeit anfängt – ist das Saab e-Power Projekt wirklich reif für die Serie – und über die nicht vorhandene Plattform für ein Kompaktfahrzeug weitergeht.

SAAB Aero XWD by Saablog.net 2012
SAAB Aero XWD by Saablog.net 2012

Denn um eine gute Reichweite zu erzielen, ist ein Mittelklassewagen wie der 9-3 nicht die optimale Voraussetzung. Lobende Worte gab es keine. Die Kommentare, die Leser in den Online Medien abgaben, waren auch nicht besser. Geht es nach dem Publikum, dann ist NEVS durchgefallen. Bereits gestern wurde publik, dass die Nutzung der Markenrechte nicht geklärt ist. Ob das Konsortium mit diesen nicht tragfähigen Ideen das grüne Licht der Scania AB und Saab AB erhält, das kann bezweifelt werden. Und immer mehr verfestigt sich das Bild, dass hier gar nichts reif zur Unterschrift ist.

Denn alles erscheint wenig durchdacht. Entscheidungen wie Elektroautos bauen und verkaufen zu wollen, ohne allerdings dafür die Vertriebsstrukturen zu besitzen, muten seltsam an. Die Nachrichten der letzten Tage kommen aus undefinierten Quellen, werden nach China verortet, und es erscheint, dass hier Druck auf die Administratoren aufgebaut werden soll. Sollte es wirklich so sein, dass Youngman das Wohlwollen der NDRC geniesst ( keiner von uns hat den Brief gesehen ), dann wird NEVS bei der Behörde schon aus Prinzip keine Chance haben.

Sprechen wir noch einmal über die Anwälte. Bisher haben die Administratoren bei allen Entscheidungen viel Verantwortung und Weitblick bewiesen. Hans Bergqvist, der auch bei der Saab Parts AB eine wichtige Rolle spielt, hat das Geschäft mit ruhiger Hand gesteuert, und die Tatsache, dass die Ersatzteilversorgung funktioniert, ist auch ein Verdienst der Anwälte. Denn sie müssen alle größeren Entscheidungen in dieser Situation mittragen. Denken wir nur an die Nachfertigung der Karosserieteile.  Auch die Gründung nationaler Gesellschaften und die Tatsache, dass in den USA die Ersatzteilversorgung anläuft, ist in Verantwortung der Verwalter. Die intern gestellten Weichen interpretieren Freunde nach wire vor als Signal für eine große Lösung und gegen eine Zerschlagung des Konzerns.

Das sind nur Indizien, aber alles spricht für eine bessere Entscheidung, als sie momentan in den Medien dargestellt wird. Bevor wir anfangen, den “schwarzen Peter” zu verteilen, sollten wir dies bedenken.

Angekündigt ist eine Pressekonferenz, auch das kam über Dagens Industri an die Öffentlichkeit. Aktuell gibt es dafür keinen Zeitpunkt, und sowohl der Pressesprecher von NEVS als auch die Administratoren hielten sich auch heute sehr bedeckt. Nur ein offizielles Statement könnte Unklarheit beseitigen. Warten wir ab !

In der Zwischenzeit sollten wir cool bleiben und etwas Vertrauen in die Arbeit von Hans Bergqvist und Anne-Marie Pouteaux investieren.

Text: tom@saabblog.net

4 Gedanken zu „SAAB Lage: Ein unausgereiftes Konzept

  • Tja…. oder es gibt doch noch einen unbekannten Dritten, der in diesem ganzen Wirrwarr dann als strahlender Sieger hervorgeht!
    Dr konnte dann weit ab von allen Diskussionen und Vermutungen in Ruhe verhandeln und war nicht schon im Vorwege in der Kritik.

    Warten wir’s ab!

    • Würde ich mir wwünschen, bin aber äußerst skeptisch. “Der Dritte” würde wohl auch ohne die SAAB Parts AB auskommen, aber mittlerweile schallt es “NEVS” aus zu vielen verschiedenen Quellen.

  • Man versteht es einfach nicht warum ein neu gegründetes Konsortium mit nicht bekannten Finanziellen Möglichkeiten und sehr viel chinesischem Einfluss einem Chinesischem Konzern der das Geld schon auf einem europäischen Konto bereit zum Abheben hält den Vorzug erhalten soll . Außerdem will Youngman auch die volle geforderte Kaufsumme für Saab Parts zahlen und die schwedische Regierung müsste hier nicht mehr den Unternehmer geben was sie ja auch nicht wollten. Also wer hat hier mit wem gemauschelt oder lieben es die Schweden einfach sich immer die Leute auszusuchen die nicht viel Geld in der Tasche haben aber dafür umsomehr Visionen im Kopf haben . Erinnert immer mehr an VM.

  • Mit so einer dubiosen Struktur (Risikokapitalgeber, Lenkungsgesellschaften in der Karibik, Konzentration auf E-Mobilität und alternativ auf die Biokraftstoff-/Batterieproduktion) kann NEVS auch kein positives Echo erwarten. Wie ein anderer Kommentator auch schon gesagt hat – es riecht nach (positiv ausgedrückt) Subventionsabgreifen, um das B-Wort zu vermeiden. Was haben die wohl der Regierung gesagt, um sich deren Vertrauen zu verdienen – wenn das überhaupt stimmen sollte.

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