Rückspiegel: Wer ist Kai Johan Jiang?

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
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Update: 13:50 Uhr

Der Mann hinter “National Electric Vehicle Sweden” ist Kai Johan Jiang. Er ist der designierte CEO des Elektroauto-Konsortiums. TTELA hat die Eigentumsverhältnisse beleuchtet und herausgefunden, dass er ebenfalls Hauptaktionär des Konsortiums sein soll. Über die National Energy Holding gehören ihm 51 %, die restlichen 49 % hält Sun Invest, ein japanisches Unternehmen für Risikokapital.

Kai Johan Jiang, von dem wir wissen, dass er 1965 geboren ist und einen schwedischen Pass besitzt, war von 1993 bis 2000 im Volvo Konzern tätig und ist seitdem im Bereich der regenerativen Energie tätig und dabei sehr erfolgreich. Als Auslands-Chinese kann er nicht direkt als Mehrheitsgesellschafter in China tätig werden, er steuert seine Unternehmen über Gesellschaften mit Sitz in Hongkong und den Virgin Islands.

Was ihm eine Unabhängigkeit von der Mammutbehörde NDRC einbringt, wie die TTELA feststellt. Für seine Erfolge mehrfach ausgezeichnet, möchte er sich jetzt seinen eigenen Autohersteller kaufen.

In China betriebt er die als Dragon Power bekannte State Power Group und, was interessanter ist, die Prudent Energy. Prudent Energy stellt Batterien her, die sich und besonders für den Einsatz in Automobilen eignen. In Schweden betreibt er den Biokraftstoff Produzenten NBE Sweden AB.

Soweit die Fakten. Was will Kai Johan Jiang? Batterien in ein Auto packen und es auf die Strasse zu bringen, ist in unserem Fall keine Kunst. Das Saab e-power Konzept steht und könnte mit einigen Modifikationen in Serie gehen. Ein Presswerk, eine Lackieranlage und eine Montagelinie. Das wars. Aber ist das genug?

Auf meinem Parkplatz steht ein Saab 9-5 BioPower. Das Argument zum Kauf – und es war das Wichtigste – war das Saab BioPower Konzept. Eine Saab Technologie, die nach Turbo endlich etwas anderes, Neues war. Mit der Saab Trionic das beste Konzept auf dem Markt. Ein Stück Zukunft und eine Brückentechnologie weg von fossilen Energien. Ich mag den BioPower Saab, sehe das Konzept als sinnvoll an und nehme dafür gerne Nachteile wie ein dünnes Tankstellennetz und kleinere Umwege in Kauf. Hätte die Firma in Trollhättan nicht die Produktion eingestellt, dann wäre der 9-3 meiner Frau ebenfalls ein BioPower geworden. Saab kann Turbo sein. Muss aber nicht Turbo sein. Saab kann auch Batterie sein.

Aber nicht nur. Wenn schon Saab 2.0 mit einem neuen, frischen und grünen Denken, dann bitte auch Saab Hybrid, Saab BioPower und bitte wenigstens ein kleines bischen Turbo. Denn jetzt kommen wir zum Problem. Saab ist ein Sonderangebot, und durch Aufteilung des Konzerns in mehrere Pakete haben die Administratoren eine gute Idee nicht zum Ende gedacht. Was der Investor clever nutzt. Kai Johan Jiang braucht keine Power Train Abteilung und keine Saab Parts AB. Er will ja, so scheint es, nur Elektroautos bauen.

Er braucht auch viele andere Ding nicht, und in Trollhättan noch vorhandene Saab Kompetenz, durch Staatshilfe für den Standort gesichert, wird ihn nicht interessieren. Kann es auch nicht, denn woher sollen die finanziellen Muskeln kommen, um einen Vollsortimenter aufzubauen. Die jetzige Konstellation sieht nach kleinen, sehr überschaubaren Stückzahlen aus. Tesla aus Schweden lässt grüßen.

Gibt es nur zwei Möglichkeiten. Plan A oder B. Ein industrieller Investor wie Mahindra, oder als zweite Wahl Youngman, übernimmt Saab und nutzt vorhandene Technologie. Nach Mahindra sieht es aktuell nicht mehr aus, und zu Youngman schweigen die Quellen. Die Administratoren haben die Firewalls verstärkt, und es herrscht gespenstige Ruhe.

Plan B sieht die Übernahme durch NEVS vor. Ein Bruch in der Saab Geschichte, und wenn die Fakten so bleiben wie sie sind, dann wäre nichts mehr wie zuvor. Für viele von uns wäre das zu wenig. Ich spreche nicht nur von der Community, sondern von der Saab Welt. Es wäre ein reeler Bruch !

Lennart Stahl, der CEO der Saab Parts AB in Nyköping, wurde gestern von der TT zum bevorstehenden Verkauf befragt. “Wir werden sehen was der Verkauf bringt. Wir sind für beide Varianten vorbereitet” sagte Stahl. Nicht nur er.

Die Marke soll weiterleben – Arbeitsplätze in Trollhättan entstehen. Grüne Energie ja. Elektroauto ja. Zukunft ja bitte. Aber bitte nicht nur Zukunft in der kleinsten Nische.

Text: tom@saabblog.net

Update: Passend dazu und ohne Absprache haben unsere Freunde von Saabsunited einen Artikel über Sanfumi Sammy Shoji geschrieben. Er ist der Mann hinter Sun Investment.

 

14 Gedanken zu „Rückspiegel: Wer ist Kai Johan Jiang?

  • Die Rechte an BioPower, DI und Trionic liegen leider bei GMs Lizenzverwertungsgesellschaft.
    Saab Parts dient in Schweden auch anderen Firmen als Distributor. After Sales ist rentabel, wieso nicht übernehmen? NEVS Konzept ist nicht wirklich klar. Ist Saab nur ein Hub für Europa und Amerika?

  • Nur die neueren Innovationen ab ca. 2006/07(?) liegen bei GM. Mit ein Grund warum der 9-3 II ja fast lizenzfrei ist. Allerdings wurden die allten Trionic Motoren ja nach China verkauft. Gehört das alles jetzt BAIC??? 🙁

  • Ich bin mir nicht sicher, dass es so schlecht sei wenn Saab an NEVS ginge. Das, was wir heute als Nische betrachten könnte schon bald ein umfassender Markt werden – auch wenn es bislang schwer vorstellbar ist. Der Automobilmarkt ist im Umbruch, was man an neuen Konzepten wie dem Peugeot BB1 und dem Renault Twizy sehen kann: Es wird elektrischer, es wird kleiner, Mobilität wird “neu” definiert.
    Vielleicht wird es bald Nische sein, Langstreckenfahrer zu sein. Wenn ich die Wahl hätte zwischen Mahindra, Youngman und NEVS als Saabkäufer: Ich würde mich für NEVS entscheiden (allerdings möglicherweise nur, weil ich nicht alle Informationen besitze).

    so long,
    lensaffair

  • Gut auf den Punkt gebracht. Nur NEVS wäre einfach zu wenig und würde vorhandene Chancen einfach nicht nutzen. In SAAB ist einfach mehr Potential drin 🙂

  • NEVS wäre das Ende von dem was wir an SAAB (und SAABs) lieben – wie gesagt ich würde keine Waschmaschine mit Rädern kaufen, und wenn die ganze Welt damit herumgurken würde …. Ich will ein Auto ! Nun, wenn es dann eine “grüne” Technologie geben sollte, die mit einer ähnlichen Performance aufwarten kann, die ich von meinem SAAB gewohnt bin, na bitte, warum nicht.

    … aber sind wir uns ehrlich, die heutigen Technologien und deren heutiger Stand sind weitab davon:

    Elektro:
    keine Reichweite, was das Konzept Auto an sich in Frage stellt – woher der viele Strom dann kommen soll weiß auch niemand, und von Leistungsdaten brauchen wir da nicht reden.

    Hybrid:
    netter Versuch, aber ich brauch keinen Schaumgummi im Motor – wie sieht es mit der Entsorgungsfrage (Batterien) aus

    Biokraftstoff/Alkohole:
    erhöhter Verbrauch, Leistung wäre ok – aber mal ehrlich, Essen gehört auf den Tisch nicht in den Tank

    Wasserstoff:
    naja vielleicht, aber wurde von der Industrie nicht weiterverfolgt

    … hab ich was vergessen? Also alles keine zu Ende gedachten Alternativen, und technisch nicht ausgereift … warum soll ich so etwas kaufen? Da fahr ich lieber mit nem “Oldtimer” herum und bin nicht ganz so “grün” – ehrlich …
    … und eigentlich ist es mir egal ob irgendein Chinese seinen Sprit oder seine Batterien verkaufen will – dazu gäbe es genügend chinesische Fabrikate, die dadurch aufgewertet würden … ob die dann wer in good old Europe kauft – fraglich…

  • E-Mobilität ist sicherlich die Zukunft. Aber, ob NEVS da nun der finanzstarke Partner ist, der die Potentiale SAABs bestmöglich ausnutzt?!?!?
    Wirkt im Moment nicht so……

  • nur mit Elektroauto braucht man einen sehr langen Atem um überhaupt mal vernünftige Stück-
    zahlen zu verkaufen und dann haben wir doch das Problem , wo kommt der Strom her ( ausser aus der Steckdose….)wenn 10 – 20 % der Autos Elektroautos sind.

    • Genau so sieht es aus. Und Stückzahlen dürften bei den aktuellen Preisen für entsprechende Batterien (VOLVO 16.000€) absehbar nicht zu erreichen sein. Dann bleibt die weitere (Kern-)Frage, woher soll der Strom kommen. Kaum vorstellbar vor dem Hintergrund der aktuellen Stromdebatten.

  • Im Nachhinein haben sich die Verantwortlichen vermutlich selber ein Eigentor mit der Aufteilung in Pakete geschossen- zumindest im Hinblick auf das ursprüngliche Ziel eines kompletten Verkaufs. Mahindra verprellt und einen findigen Investor gelockt. (Zumindest soweit die bisherigen Publikationen zeigen.)

    Ich habe auch nichts gegen einen „Elektro- Saab“. Über den 9-3 ePower hätte ich vermutlich ernsthaft nachgedacht. Nur war der vor allem ein Prototyp.
    Aber nur auf Bruchstücken aufzusetzen und sich Pakete aus dem ganzen herauszunehmen, erscheint mir auch nicht tragfähig (vom Finanzbedarf für die vermutlich lange Durststrecke ganz zu schweigen) und hat auch mit der bisherigen schwedischen Geschichte wenig zu tun. Ich kann mir zurzeit auch nicht vorstellen, dass der Inhaber der Namensrechte dafür seinen Namen gibt. Aber vielleicht ist das auch gar nicht der Plan, sondern es rollt irgendwann ein Jiang EV 2000 aus den Hallen von Trollhättan (der originale EV von Saab wird sich wohl bei dieser Namensgebung mehrfach die Nase an die Museumsmauer fahren). Abwarten, wie lange die Verantwortlichen noch Spekulationen (wie diesen) Tür und Tor öffnen.

  • Sehen wir es entspannt, denn dann fahren wir unsere SAAB einfach weiter und als Drittwagen (bei Tom Fünftwagen 😉 ) kommt dann ein E-SAAB.

  • Ich befürchte das Schlimmste.
    Saab soll zerschlagen werden.
    Dieses in Pakete packen, würde man in DE nur machen, wen man keine Hoffnung mehr sieht.
    Der komplette Verkauf hat hier eigentlich Vorrang. Selbst mit Produktion unter Insolvenzverwalter Aufsicht.
    Da man sich so Zeit lässt kann man nur Schlußvolgern, man will Saab zerschlagen. Anders ist das nicht zu erklären. ( Auch wen es Bitter ist.)

    • Das vermute ich auch ganz stark….:-(
      Allein da überarbeitete Angebot von Youngman war viel zu gut, um es zu ignorieren.

  • Hallo zusammen!

    Bei saabsunited.com steht gerade ein Beitrag, dass SAAB verkauft wäre, und zwar als Ganzes. Das behauptet laut TTela zumindest der Bürgermeister von Trollhättan.
    Anscheinend soll noch diese Woche eine Bekanntgebung folgen….

    Good News? Hoffen wir es…

    Ein fröhliches Hallo aus Luxemburg,
    Tom

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