Keine News! Konkursverwalter und Pressekonferenzen.

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel

Haben wir uns von der heutigen Pressekonferenz der Konkursverwalter irgendetwas erhofft? Saab, die Kunden, die Händler hätten es verdient etwas konkretere Informationen zu erhalten. Im Prinzip wurde nichts gesagt. Wie immer und irgendwann platzt auch mir der Kragen.

Was gab es an Inhalten zu vermelden? Die Februarlöhne der von den Administratoren bezahlten Ex-Saab Mitarbeiter sind noch in weiter Ferne, ein Zahlungstermin steht noch nicht fest.

Eine ruhigere Phase. Jetzt schon?

Die Verhandlungen laufen und die Arbeiten sind jetzt in eine “ruhigere Phase” eingetreten. Wie schön. Weiterhin verkauft man Dinge, die man als angemessen sieht um das Konkursverfahren weiterhin zu finanzieren. Das Werk soll in einem guten Zustand gehalten werden und Strom, Wasser, Heizung müssen bezahlt werden.

So ging es weiter während der Konferenz, Saab soll komplett verkauft werden, im Frühjahr soll der Verkauf abgeschlossen sein. Mögliche Diebstähle im Werk wurden ganz kryptisch erwähnt, ohne konkret zu werden.

Pressekonferenzen wie diese sind wenig hilfreich. Wer nichts zu sagen hat, der sollte am Schreibtisch weiterhin seine Arbeit tun. Währenddessen blühen, mal wieder, die Spekulationen. Ob denn genug Geld zum erfolgreichen Abschluss des Verfahrens da wäre ist die eine Frage. Die Freunde von Saabsunited wollen Valmet als möglichen Käufer für die Reste von Saab Powertrain identifiziert haben. Beides wurde weder bestätigt noch dementiert.

Saab ist ohne Alternative

An der Basis wächst die Not. Die Händler müssen wissen wie und ob es weitergeht. Die Basis erodiert momentan ganz stark. Aber die Basis wird gebraucht, für einen Wiederaufbau. Irgendwann.

In der Region Trollhättan werden jetzt die Nachwirkungen des Saab Konkurses sichtbar. Hotel und Gaststättengewerbe kämpfen. Menschen ohne Job und ohne Aussicht auf Neueinstellung neigen nicht zu konsumieren. Sie bleiben zu Hause. Auch die vielen Arbeitsstellen in Nordschweden oder Norwegen nutzen nichts, wenn man ein noch nicht abbezahltes und schlecht verkäufliches Haus in Trollhättan, Vänersborg oder Lila Edet besitzt. Für viele ehemalige Saab Mitarbeiter geht es in den nächsten Wochen und Monaten um das wirtschaftliche Überleben. Es entscheidet sich, ob viele Jahre harter Arbeit in einem wirtschaftlichen Desaster enden – oder nicht.

Saab ist für die Region ohne Alternative. Die Konkursverwalter arbeiten in ihren Büros in Stockholm und anderswo. Würden sie die Problematik vor Ort sehen, sie würden vielleicht Gas geben. Und uns nicht mit leeren Phrasen nerven. Der Blick über den Gartenzaun, noch nie war er so angesagt wie heute.

Nächsten Dienstag ist wieder Showtime. Neue Chance, neues Glück. Die Zeit drängt!

18 thoughts on “Keine News! Konkursverwalter und Pressekonferenzen.

  • ……der neue Eigentümer für den Endkunden wollte ich natürlich schreiben… heieieieiei!!!
    Grüsse Walter

  • Ich bin auch der Meinung, dass wenn ein Auto auf dem Markt verkauft, bezw. gekauft wird, der Endkunde (oder in Deutschland wird vom Verbraucher gesprochen (was für eine unschöne Bezeichnung)), nicht 1. Priorität hat. Für den Autohändler schon eher. Ganz wichtig ist doch für die Zukunft, dass das Händlernetz nicht komplett stirbt. Wir können nur weiter abwarten und Geduld aufbringen. Es könnte auch sein, dass es über 1 Jahr dauert, bis wieder ein neuer SAAB in Südschweden vom Band läuft.
    Walter

  • Keine “News”?
    Doch!
    Es sei auch die Rede einer weitere Aufsplittungsinteresse mit einer Offerte für Saab-Powertrain AB von der finnischen VALMET!
    Ein Verzögerungsgrund werden wohl auch diese viele Teilofferten sein, da von der Konkursverwaltung eher auf ein komplettes Verkaufspaket gesteuert wird!
    Bzw. ist im Hintergrund der Konkursverwaltung noch GM die diesen Druck eines kompletten Verkaufspaket ausübt?
    Giampi

  • Dieses teilweise zu negative Gelaber, das einige Blog-Teilnehmer hier an den Tag legen, ist wenig hilfreich.

    PJ schreibt beispielsweise, dass die besten Mitarbeiter schon weg wären – dies habe ich so noch nicht vernommen (einige Ingenieure haben zwar andere Stellen gefunden – allerdings bisher nur ein sehr kleiner Anteil). Auch haben die Zulieferer die Schnauze nicht voll – es gibt einfach keine ausreichenden Alternativen zu SAAB! Außerdem ist die Bemerkung “wer will schon ein chinesisches oder indisches Vehikel” totaler Blödsinn – am Beispiel Jaguar unter indischer Ägide stellt sich ein völlig anderes Bild dar!

    Die Nennung des sinnvollsten Investors durch die Anwälte wäre letztendlich auch kein Wunder, sondern durchaus mittlerweile machbar, da laut eigener Aussage der Anwälte eine Reihe von geeigneten Bewerbern zur Verfügung stehen – kleine sog. Minuspunkte wären wohl bei jedem dieser Bewerber zu erwarten und sollten nicht zu einer unnötigen weiteren Verzögerung führen. Die Zeit ist wirklich reif für eine nunmehr schnelle positive Entscheidung pro SAAB-Automobile und für die Region Trollhättan.

  • Im Grunde genommen kann es auch ein gutes Zeichen sein, dass man nichts hört. Ich gehe davon aus, dass es noch sehr viel Detailarbeit bedarf, um einen ordentlichen Deal vorzubereiten, der auch dauerhaft funktioniert. Das ist die letzte Chance.

    Was mich eher beunruhigt: dass die Konkurrenzverwalter es nicht schaffen, die Gehälter pünktlich zu zahlen.

  • Hinter meinem 900 I Cabrio steht eine Ur-Speed-Triple in der Garage, daher teile ich Deine Hoffnung. Zur Wiedebelegung von Triumph kann ich den folgenden Artikel empfehlen:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article917307/Wie_John_Bloor_Triumph_neu_erfunden_hat.html

    Leider gibt es nicht so viele “Verrückte” wie John Bloor.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass sich unter dem Label Saab äußerst innovative, umweltschonende und sich von der Masse postiv abhebend designte Mobilitätslösungen erfolreich vermarkten ließen.
    Leider habe ich kein erolgreiches Bauunternehmer zur Quersubentionierung…

  • PJ hat es SEHR treffend beschrieben. Ein einigermaßen eigenständiges Handeln als SAAB-
    Automobilbauer wird es in Zukunft eh’ nicht mehr geben. Bei Produktionszahlen weit über
    100.000 Einheiten pro Jahr (nach einer Übergangszeit), geht eine Saab Exklusivität dann auch
    irgendwann flöten. Hoffnung auf ein gutes Ende mit Indern oder Chinesen – wirklich
    erstrebenswert??
    Vielleicht wäre eine SAAB – “Zukunft” im Old- und Youngtimer- Bereich besser, wenigstens
    könnte “Mann” dann öfter in die Garage, ein stilles Tränlein vergießen und sich am un-
    aufhaltsamen Niedergang des Detroiter Trötenvereins laben.
    Der Umgang mit dieser Automobilmarke, den diese Herrscharen von Anwälten pflegen, passt
    in unsere Zeit. Wenig tun, lange Warten, nur auf Profit aus, obwohl der Patient schon lange
    dahin ist. Über die schwedische Regierung sollte man lieber ganz schweigen, genauso wie über
    die schwedische Mentalität in weiten Kreisen der Bevölkerung. (Genau wie bei uns!)
    Pippi Langstrumpf und Michel leben schon lange in der harten Realität, und das ohne jede Emotion.
    Aber vielleicht kommt ja noch Erzengel Norbert und belebt den Dahinsiechenden?!

  • Auf das Wunder hoffe ich auch. Ich kann mir nicht helfen – das alles erinnert mich irgendwie an Triumph. Die aktuellen Mopedds haben ja gar nix mehr mit der ursprünglichen Marke zu tun – machen aber tierischen Spaß und sind dank dem spezifischen Dreizylindersound und -gefühl richtig süchtig machend. Genau wie für mich der alte 900er (hab 2 davon) und für andere Saabfahrer ihr jeweiliger Saab.
    Was mir Hoffnung macht ist, dass niemand die Ursache für diese Saabaffinität an spezifischen Details oder Technologien festmachen kann – auch wenn manche das glauben.
    Vielleicht hat das einer der Bieter erkannt und bringt genügend Masse und Geduld auf, damit Saab (sehr gerne auch unter der Feder von Castriota) Autos entwickelt und baut, die dieses Haben-wollen Gefühl auslösen und sich vom Einheitsbrei abheben.
    Auf welcher Plattform die dann aufbauen ist mir herzlich egal, auch wenn die dann vielleicht etwas teurer sind wie die zuletzt Angebotenen.

  • Absolut richtig. Vollste Zustimmung, an dem Gebiet der Ex-DDR kann man das genau studieren. Für einen Kaufmann eine simple Rechnung, was billiger kommt. Aber für die ungebildeten Politiker scheinbar eine unlösbare Aufgabe, einen Kostenvergleich anzustellen. Leider bis heute…

  • Das Logo ist das kleinste Problem. Es ist ja nicht einmal klar ob man den Namen nutzen darf und wenn ja zu welchen Bedingungen. Kann natürlich auch einen positiven Effekt haben, wenn z.B. die Namensrechte an den Produktionsstandort Schweden geknüpft sind.

    Was steht denn überhaupt zum Verkauf? (Vorsicht, jetzt wird’s düster)
    Eine Firma ohne:
    – Rechte an den eigenen Produkten (GM)
    – Namen (SAAB AB)
    – eigene Produktionsstätten (50% der Gebäude wurden verkauft und müssen geleast werden)
    – Mitarbeiter (die besten sind schon weg)
    – Zulieferer (haben die Schnauze voll)
    – Händlernetz (ist am Zerfallen)
    – Kundenstamm (wie viele bleiben treu)
    – Neukunden (wer will schon ein chinesisches oder indischen Vehikel im Premium Segment)
    – geeigneten Produktionsstandort – Autos sind Pfui (Schwedische Regierung)
    – Zukunftstechnologien (alles wird oder wurde verramscht z.B. eAAM)
    – Motor (ist BMW bereit Motoren zu liefern?)
    – Produkt in den nächsten Jahren (man munkelt die Phoenix Plattform hat bis zu 15% GM IP, der 9-3 Nachfolger bis zu 50%. Womöglich ist es geschickter komplett neu zu entwickeln)

    Was vergessen?

    Was ist so ein Unternehmen Wert??? All das muss geklärt werden und das dauert (zu lange).

    So, und jetzt muss ich mich übergeben.

    Halt, noch was Positives:
    Manchmal geschehen Wunder, vor allem dann, wenn man nicht damit rechnet – so ist das immer bei Wundern, richtig?

  • Je länger es dauert, desto geringer werden die Chancen, dass es mit der Produktion von SAABs irgendwann irgendwie weitergehen wird. Dabei bin ich einer der Letzten, die pessimistisch werden, aber so langsam glaube ich nicht mnehr an ein gutes Ende. Das Schlimmste dabei ist auch die Ungewissheit – mein Händler vor Ort zuckte auch nur hilflos mit den Schultern und versucht durchzuhalten. Traurig, denn die wissen auch nicht mehr, was sie den truenen, wartenden Stammkunden erzählen sollen.

    Ich habe mein Möglichstes getan, um meinen Händler zu unterstützen und habe ihm letzte Woche einen 9³-Aero abgekauft. Damit ist mein Fuhrpark nun wieder 100% SAAB – und das ist gut so!

    Trotz der sinkenden Hoffnung drücke ich die Damen für SAAB! Die Straßen brauchen einfach diese etwas andere Marke, um den Einheitsbrei ein wenig aufzulockern!!!!!!

  • Anfangs der 90er hatten manche von uns Saabisten ein schlechtes Gewissen, wegen die damalige noch Teilübergabe an GM. Innert Kürze bildeten sich auch negative Gerüchte bis ins Publikum. Einige eingefleischte Saab-Mitarbeiter und -Händler, waren damals schon sehr skeptisch gegenüber GM, obwohl sich die Situation später wohl beruhigt hatte.

    Inzwischen sind wir soweit, dass die damalige Gerüchte, tatsächlich wieder ans Tageslicht kommen und der Realität entsprechen; leider vermutlich zu spät, denn GM hat bis jetzt noch das wichtigste Los in der Hand! … und was sie mit dem schlussendlich machen, beleibt immer noch ein Rätsel!

    Die Antwortlosezeit vergeht inzwischen und wir hoffen immer noch auf eine vernünftige Lösung! Werden wir diese noch erleben?

    Giampi

  • Es ist schwer das zu ertragen. Das Wort Geduld ist bei mir kurz davor aus dem Wortschatz entfernt zu werden.

    Mein Interesse weckte noch diese Nachricht: VW will seine Produktion in Malaysia mit seinem dortigen Partner DRB-Hicom ausweiten.
    http://www.zeit.de/news/2012-03/11/auto-vw-baut-geschaeft-in-suedostasien-aus-11105002
    Was hat das mit Saab zu tun? Noch nichts, aber DRB-Hicom ist seinerseits groß eingestiegen bei Proton in diesem Jahr.
    http://www.btimes.com.my/Current_News/BTIMES/articles/20120217005145/Article/index_html
    Die Youngman- Produkte stammen aus dieser Quelle. Es wird interessant zu sehen sein, was dies für Youngman bedeuten könnte (über einen vorübergehenden Entwicklungsstopp ist auf anderen Seiten schon zu lesen). Könnte auch ein Grund sein für deren starkes Interesse und Bemühen den Prozess zu beschleunigen.

  • Eines der massiven Probleme beruht darauf, dass zuerst das Konkursverfahren finanziert werden muß – und da VM bis zum allerletzten Moment gepokert hat, müssen und dürfen die Konkursverwalter prinzipiell fast alles und praktisch unkontrolliert alles verschleudern was nicht bereits verpfändet ist (wenigstens fällt darunter die Phoenix-Plattform). Absolut unverständlich ist für mich wie z.B. die eAAM-Beteiligung überhaupt verkauft werden durfte. Und so sinkt täglich meine Hoffnung, das irgendwer noch in Saab investiert, der an mehr als nur einer leeren Hülle interessiert ist, zumal noch nicht einmal das Logo frei verwertbar ist.
    Aber ich lasse mich gerne eine besseren belehren…

  • tja das sterben auf raten haben wir hier im osten in den 90er jahren massenhaft erlebt, ich hoffe es gibt für saab eine gute lösung! die folgen für die region sind schwer kalkulierbar, auf jeden fall teuerer als bei fortbestand von saab. die leute pendeln, ziehen weg, familien werden in alle richtungen verstreut, das lohnniveau sinkt, immobilienpreise sinken und die region ggf. mit staatlicher unterstützung versucht gegenzukenken. sicher alles nicht so krass wie auf dem gebiet der ex-DDR aber hier kann man die folgen einer verfehlten wirtschaftspolitik live ansehen!

  • Ich will hier keine Panik verbreiten, aber wenn ich an alle Betroffenen denke, so sollte die Lösung schon gestern erfolgt sein. Als Kunde hält man noch am ehesten durch…

  • Was soll das denn. Wie lange wollen die guten Administratoren und Anwälte denn noch Geld verheizen und sich Zeit lassen. Es ist an der Zeit Vollzug zu vermelden , auf das in Trollhättan und bei den Händlern wieder produktiv in die Zukunft geschaut werden kann.Wo liegt denn da so ein dicker Hase im Pfeffer , dass die das nicht endlich mal zum (guten) Ende bringen.

Kommentare sind geschlossen.