SAAB News: Der Blick hinter die Kulissen

Der Konkursantrag der Saab Automobile AB ist jetzt fast drei Monate her. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Zeit für einen kurzen Blick hinter schwedische Kulissen. Wie dramatisch die Lage im Dezember 2011 wirklich war,  lässt sich nur dann erahnen, wenn man die Saab Organisationsstruktur etwas kennt.

Saab Parts AB Nyköping
Saab Parts AB Nyköping

Zwar ist die Saab Parts AB eine eigenständige, profitable Tochter im Automobilkonzern, aber viele Verwaltungsabläufe fanden bis zum 19. Dezember in Trollhättan und nicht in Nyköping statt. Nichts Ungewöhnliches, wenn man in Konzernabläufe eingebunden ist,  aber in dieser Situation sehr bedrohlich. Denn in Schweden hatte man bis zur sprichwörtlich letzten Minute an eine Lösung geglaubt. Plötzlich fehlten wichtige Strukturen, die Ersatzteiltochter stand sprichwörtlich im Regen.

Über Nacht mussten neue Abläufe in Schweden aufgebaut und gleichzeitig die internationalen Operationen gesichert werden. Denn Saab will überleben, und um attraktiv zu sein, braucht man ein Händlernetz und einen funktionierenden Ersatzteil Vertrieb. In Nyköping sitzt kein großer Konzern mit enormen Ressourcen. Die Saab Parts AB ist für deutsche Verhältnisse ein solider Mittelstands Betrieb, mit einer dreistelligen Beschäftigungszahl.

In Südschweden begann zum Jahresbeginn ein Wettlauf gegen die Zeit, den man um jeden Preis gewinnen musste. Eine Herausforderung und gleichzeitig ein Kampf an allen Fronten. Dabei half die große Loyalität vieler Saab Mitarbeiter in den internationalen Märkten. Obwohl die Situation unsicher war – Informationen und Hilfe aus Schweden fehlten zeitweise total –  blieben die regionalen Niederlassungen geöffnet.  Loyalität zur Marke ? Ende Dezember und zum Jahresbeginn war es mehr als eine Parole.

In den Januarwochen klärte sich die Lage zusehends. Strukturen wurden geschaffen. Wichtiges Personal in Trollhättan wurde übernommen, die Helpdesks und Serversysteme gesichert. In einigen Schlüsselmärkten wurden eigene Landesgesellschaften gegründet, neue Teams aufgebaut. Mit Saab Partnern wurden neue, befristete Lieferverträge vereinbart.

Mittlerweile hat sich vieles stabilisiert. Die Verfügbarkeitsquote der Ersatzteile, im Dezember auf einem Tiefpunkt,  steigt von Woche zu Woche kontinuierlich an. Neue Verträge mit Zulieferern wurden geschlossen. Wie bei der Autoproduktion, so ist auch im After Sales Bereich eine Vorlaufzeit nötig.  Die Ersatzteilproduktion startet aktuell bei vielen Lieferanten, in einigen Wochen wird sich die Lieferfähigkeit nochmals deutlich verbessert haben. Engpässe, die es bei einigen Teilen gab und immer noch gibt, sollten dann der Vergangenheit angehören.

Die Schweden und die Saab Mitarbeiter auf der ganzen Welt haben in den letzten Monaten eine riesige Herausforderung gestemmt. Was die Ersatzteilsituation angeht, befinden wir uns auf einen guten Weg. Um die deutschen Händlerstrukturen kümmert sich ein Team mit Außendienst. In den letzten, sehr schweren Monaten haben sich bei Saab einige Händler als sehr loyal und engagiert erwiesen. Unbürokratische Hilfe, das Überbrücken von Engpässen, alles das konnten wir die letzten Monaten erleben. Bei diesen Händlern laufen die Geschäfte – auch der Verkauf, die Werkstätten sind voll. Saab Fahrer finden Unterstützung, wenn sie nötig ist.

Funktioniert das Saab Helpdesk wirklich wie gewohnt ? Erzählen kann man viel, ein Test ist besser. Also in Nyköping den Keycode für einen Saab angefordert. Händlernummer und VIN eingegeben. 13 Minuten später war die Mail mit dem gewünschten Code auf dem Desktop.

Monat 3 nach Konkursantrag. Die Strukturen sind stabil, der Support funktioniert. Klasse gemacht Saab !

Text: tom@saabblog.net

2 Gedanken zu „SAAB News: Der Blick hinter die Kulissen

  • Wissenswerte Grundlage für unseren Saab-Ersatzteilemarkt, danke Tom.
    Giampi

  • Und wer Ersatzteile baut kann auch wieder Teile bauen ….
    Grüße Kay ( mit 0,93% Resthoffnung auf einen neuen Griffin)

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