Details und Hintergründe zum Youngman Angebot

Wenn wir eines in den letzten Monaten gelernt haben sollten, dann ist es dies. Presseberichte sollten wir recht gelassen und unter Vorbehalt sehen. Denn schlechte Presse ist gut für Auflage und Zugriffszahlen. In der Nacht ging die Meldung um, das Youngman Angebot sei abgelehnt worden. Eine Behauptung, die aktuell nicht zu bestätigen ist.

Youngman hat, schon vor einigen Tagen, ein Angebot abgegeben was leider nicht auf die erhoffte Begeisterung der Konkursverwalter traf. Je nach Quellenlage wird von einem Kaufpreis zwischen 250 und 350 Millionen € gesprochen. Was erheblich weniger ist, als ursprünglich erwartet. Denn es stand die Summe von 550 Millionen € im Raum, eine Parole die Youngman selbst publiziert hat. Die Gebotssumme ist unbestätigt, daher unter Vorbehalt zu betrachten.

Um es auf den Punkt zu bringen. Bestätigt sich die genannte Summe, wir es nicht reichen. Die Konkursverwalter wollen den größtmöglichen Betrag erzielen, notfalls per Einzelverkauf. Denn Käufer für Betriebsteile gibt es einige.

Da wäre BAIC, interessiert an der dem Saab e-Power Konzept. Gemeinsam mit Partner Panasonic möchte man in Trollhättan Elektroautos produzieren. Keine Saabs, allerding. Da wäre der Nachbar aus Göteborg. Der möchte in Trollhättan die Entwicklungseinrichtungen übernehmen. Da wäre der Eigentümer des Göteborger Unternehmens. Der möchte die Saab Ersatzteil Sparte kaufen. Die Liste ist weiter fortsetzbar.

Youngman verspricht mit seinem Konzept 1.000 Arbeitsplätze für den Neustart in Trollhättan. Gehen wir von ursprünglich 3.500 Mitarbeitern aus, ist das sehr wenig. Das es in erster Linie um den Verkaufserlös, in zweiter Linie aber auch um Arbeitsplätze der Region geht, würde ich sagen zu wenig. Die Frage wäre, mit welchen Stückzahlen Youngman sein Konzept rechnet. Eine Antwort darauf gibt es aktuell nicht.

Zurück zum Youngman Angebot und dem Vertragspoker. Eine weitere Unsicherheit liegt in Detroit. Zwar hat Youngman betont ohne GM produzieren zu könne, aber gesichert scheint dies nach der Aussage eine Freundes aus Schweden nicht. Im Angebot sollen Komponenten enthalten sein, welche den Segen der Amerikaner brauchen. Die Konkursverwalter haben mit Recht die Anforderungen an die Käufer recht hoch gelegt. Unsicherheiten und ein Desaster wie mit Spyker soll es für Saab in der Zukunft nicht mehr geben. Man hat den Ehrgeiz den Autobauer in eine möglichst sichere Zukunft zu schicken. Offene Flanken und ungeklärte Lizenzrechte sind nicht akzeptabel. Eine gute Einstellung, die für die saubere Arbeit der Verwalter spricht.

Die Chinesen haben ein erstes Angebot plaziert. Die Gespräche mit den Verwaltern laufen. Ein Angebot ist immer wieder nachzubessern. Denn Mahindra & Mahindra nähert sich jetzt der Angebotsabgabe. Das Konzept der Inder muss besser sein als das von Youngman, der Kaufpreis höher.

Deshalb halten die Investoren aus China ihr Pulver trocken. Auch wenn wir uns ein schnelles Ende und einen schnellen Erfolg wünschen. Es ist noch nicht vorbei, es hat soeben erst begonnen.

Bleiben wir ruhig und warten wir ab.

Ich starte jetzt meinen Turbo X. Saab fahren macht Spaß. Darauf kommt es an…

Text: tom@saabblog.net

8 Gedanken zu „Details und Hintergründe zum Youngman Angebot

  • Unser Mißtrauen in Bezug auf die drei Verwalter steigt stündlich – wir vermuten, dass diese Leute andere Dinge tun, als sie vorher angekündigt haben.

    Werden ihre Einnahmen etwa aus unbekanntenn Quellen aufgestockt?

    Hoffentlich liegen wir hier falsch und alles geht doch noch einigermaßen mit rechten Dingen zu – aber SAAB-Insider in Trollhättan sowie andere Investoren, bitte jetzt ganz genau aufpassen, was dieses Trio spielt!!!

    • Bleib cool. Die Meldungen sind unklar und es werden gezielte Desinformationen gestreut. Die Schlacht hat gerade begonnen, in ein paar Tagen wissen wir mehr ! 😉

  • Noch etwas bezüglich des Kaufpreises, bzw. der Differenz. Kann es eventuell sein, daß Youngman SAAB für jetzt ca. 300 Mio. € kaufen möchte, und weitere 200 … 250 Mio. € an Investitionen in den nächsten Jahren plant? Ich meine, so etwas vor Wochen oder Monaten hier mal gelesen zu haben. 300 Mio. sind ja auch der Wert, auf den das, was SAAB im Moment zu bieten hat, taxiert wurde. Youngman wird wohl genug Geschäftssinn haben, nicht das doppelte des momentanen Wertes als Kaufpreis hinzulegen – aber als Investitionen über die kommenden Jahre, warum nicht.

    Jedenfalls denke ich, daß jetzt wohl die Zeit auch für die anderen gekommen ist, die Hosen runterzulassen – bzw. die Tarnkappe (Beret?) abzunehmen.

    • Die bekannten Investitionen belaufen sich in den nächsten 3-4 Jahren inklusive des Kaufpreises auf 1 Milliarde €. Das hat Youngman immer wieder bekräftigt und das gilt immer noch.

  • da sind wir doch mal gespannt auf das Gebot von dem geheimnisvollen westeuropäischen Autohersteller , den der möchte ja wohl in Trollhättan andere Konzerneigene Autos und Saabs bauen.Was bedeuten würde es würde eine weile Dauern bis die neuen Saabs fertig wären , aber GM kann sich ihre Lizenzen sonstwo hin stecken . Und die Fabrik in Trollhättan kann solange eine Andere Marke bauen. Das würde ja dann auch heißen die würden dann wohl auch ein paar mehr Leute brauchen als 1000 . Wäre für die Leute , die Stadt und den schwedischen Staatsäckel wohl das Beste

  • …was noch bei aller Begeisterung für Youngman gegen sie sprechen könnte, ist die Erfordernis einer Genehmigung des Kaufs von Saab durch die chinesischen Behörden. Als Konkursverwalter wäre ich hier sehr vorsichtig, mit dem was Youngman dazu angibt oder vorlegt…

    Ich stimme Dir, lieber Tom, 100% zu, dass keiner der Beteiligten, und wir Saab-Afficionados noch weniger, nach 1-2 Jahren das nächste Disaster aufgrund eines “full-funded business plan” erleben möchten…

  • Der Verkauf einzelner Teile würde aber auch bedeuten , dass keine SAAB Automobile
    produziert würden. Deshalb stellt sich die Frage , ob die Konkursverwalter nur möglichst
    viel Geld erlösen wollen oder ob Sie der Meinung sind , Saab hätte keine Möglichkeit weiter
    zu leben…..

    • Es gibt mit Sicherheit Menschen, die eine Zukunft für SAAB sehen und dies auch umsetzen möchten.

      In dieser Hinsicht fühlt man sich aber etwas unwohl, wenn nur die Meinung der Konkursverwalter zählen würde – Mahindra & Mahindra hätte einen wesentlich besseren Stand im sog. Bieterrennen, wenn von dort gleich mit dem Angebot die präzisen Zukunftspläne öffentlich gemacht werden (mit natürlich deutlich besseren Vorgaben als bei Youngman-Lotus).

      Bei Youngman-Lotus scheint hier erheblicher Nachholbedarf zu bestehen – Nachbesserung somit dringend erwünscht!

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