Saab Konkurs: Magna – Dongfeng und die ABC Parole

In Schweden waren die letzten Tage ruhiger, und es liegt mehr Nebel als je zuvor über der Saab Zukunft. In Trollhättan hat die Jagd nach den fähigsten Saab Ingenieuren begonnen, und es schließt sich der Kreis. Combitech, früher Saab-Scania Combitech, sucht für den neuen Entwicklungsstandort Trollhättan 200 Ingenieure.

Zurück zu den Wurzeln, in gewisser Weise, denn der Ursprung des Saab Werks liegt in der Luftfahrt, und Combitech ist seit 1983 im Bereich Luft- und Raumfahrt tätig.

Von dem möglichen Saab Käufer Youngman war über die Feiertage nichts zu hören, nur die staatlich gelenkten Medien Chinas berichteten von der letzten möglichen Chance für die chinesische Autoindustrie, einen Autohersteller mit Weltruf zu erwerben. Derartige Artikel erscheinen in China meist nicht ohne Grund und sind ein Hinweis auf mögliche Aktivitäten.

Mittlerweile ist ein neuer Bieter aus der Volksrepublik um die Saab Hinterlassenschaften aufgetaucht. Die Dongfeng Motor Corporation, der drittgrößte Autohersteller Chinas,  ist interessiert, Teile von Saab zu übernehmen. Dass Dongfeng die Marke wiederbeleben will, gilt als unwahrscheinlich, denn man arbeitet daran, ein eigenes Label zu etablieren, und Saab Know How käme im Ausverkauf zur rechten Zeit.

Zurückgezogen aus dem Saab Interessentenkreis hat sich mittlerweile Pang Da. Der größte Autohändler der Welt, selbst von Verlusten an der Milliardengrenze durch falsch kalkulierte Leasinggeschäfte gebeutelt, schreibt die Investitionen von 45 Millionen € endgültig ab.

Ein Name, der während der Feiertage immer wieder aufblitzte, war Magna. Allerdings, auch nur mit dem Saab Werk als Produktionsstandort für OEM Produkte, ohne eigene Saab Produktion.

Um einem möglichen Käufer den Einstieg zu erleichtern, schlägt der Zuliefererverband CLEPA eine mögliche Staatssubvention nach deutschem Vorbild vor. Durch eine Art Kurzarbeitergeld könnte wertvolles Personal gehalten werden, die Kosten für die Investoren wären erträglicher. Eine gute Idee, die in Deutschland während der letzten Krise erfolgreich praktiziert wurde.

Victor Muller übrigens war auch während der Weihnachtstage in Verhandlungen eingebunden. Er habe noch nicht aufgegeben, verkündete er über die Presse. Mag sein, aber Muller ist kein Entscheider mehr. Seit dem Konkursantrag begleitet er in beratender Funktion das Geschehen. Entscheidungen treffen alleine die Konkursverwalter.

Stellt sich für uns die drängende Frage, wer die Marke weiterführen möchte. Ganz klar sind Lage und Absichten nicht, denn nicht jeder Spekulant spielt mit offenen Karten.  Youngman ist sicher der Kandidat, der Saab als Marke weiterführen möchte, der türkische Bieter auch. Magna vielleicht. Dongfeng nicht. Soweit die uns bekannte Situation, wobei noch andere nicht genannte Parteien im Rennen sind.

Allerdings wird es diesmal kein langes Abwarten mehr geben. Die Zeit drängt, und wenn in den ersten beiden Januarwochen keine positive Entscheidung fällt, dann geht es nur noch um die Resterampe und um den Verkauf einiger profitabler Teile und Lizenzen. Jede Verhandlungspartei hat nur noch einen Wurf frei, und der muss sitzen !

Ein anderer gewichtiger Spieler sitzt in Detroit, und dort fällt das letzte Wort, ob in 2012 noch einmal eine Saab Produktion in Schweden laufen wird. Auch GM füttert die lokale Presse mit Informationen und hat die “A – B – C” Parole ausgegeben. Im Klartext “A – B – C = Anyone, but Chinese” bezieht sich auf das Wohlwollen der Amerikaner zur möglichen Lizenzvergabe.

Für Magna also ein mögliches grünes Licht, für Youngman möglicherweise das große, rote Stopschild.

Was lernen wir daraus ? Wirtschaft ist Krieg, auch zur Weihnachtszeit.

Text: tom@saabblog.net

17 Gedanken zu „Saab Konkurs: Magna – Dongfeng und die ABC Parole

  • Hoffen wir mal das Magna dieses mal den Zuschlag bekommt und nicht wie bei Opel in letzter Sekunde leer ausgeht.

  • Denke auch nicht dass Magna nur am Saabwerk interessiert ist um OEM Teile zu fertigen, halte dies für ein unbestätigtes Gerücht ohne Background…….. MAGNA kann überall auf der Welt einfach ein Werk auf einem Fleckchen Erde stellen….. und ist nicht auf Saabhallen angewiesen………..

  • Dass Magna das Werk zur Teileherstellung umrüsten will, erscheint in der Tat nicht logisch. Die meisten Komponenten werden zugeliefert, was den Wert der Fabrik ausmacht, ist deren Fähigkeit zur flexiblen Endmontage. Da kann man nicht einfach mal anfangen, zB Lenkungen herzustellen. Nur die Karosserieteile werden im Hause gefertigt.

    Ich hoffe auf eine Mischkalkulation, bei der Saabs und Auftragsarbeiten von Drittherstellern durcheinander gebaut werden. Auf diese Weise könnte die Auslastung verbessert werden. Auch könnte Magna Komplettpakete anbieten, die auf der Phoenix-Plattform basieren.

    Immerhin haben sie nicht nur versucht, Opel zu kaufen, sondern auch schon mal Chrysler und Aston Martin. Das klingt für mich schon nach Ambitionen im Bereich der eigenen Endfertigung.

    • Ihr solltet den Text schon so lesen, daß Ihr ihn richtig versteht. OEM Fertigung sind nicht immer Teile sondern auch Mercedes, Kia oder Audi Modelle die dort komplett gebaut werden könnten. 😉

  • Aber liegt nicht darin die Gefahr , dass GM wieder nein sagt, die Angst dass Magna selbst Fahrzeuge produziert und nicht als Dienstleister auftritt , wie bisher, macht doch GM Angst,
    kann sie dann doch keine Komponenten und Teile aus Ihren dieversen Fabriken ( z.B.ACDelco )
    liefern , Magna kann diese doch selbst in seinen Fabriken herstellen.

    • Die Gefahr in den Augen von GM besteht in erster Linie dann, wenn tatsächlich Chinesen die Hand nach SAAB ausstrecken – dabei würde sich die Produktion im großen Stil naturgemäß sehr schnell auf das Reich der Mitte verlagern.

      Bei einer im wesentlichen auf Europa ausgelegten Automobil-Produktion (MAGNA oder auch beim türkischen Mitbieter) wäre die Gefahr für GM auf dem für dieses Unternehmen mittlerweile wichtigsten Markt – nämlich China – als äußerst gering einzustufen.

      Schöne Grüße aus Hamburg
      Joachim

      • Magna nur auf Europa ausgerichtet??? Immerhin ist Magna ein Kanadischer Konzern
        , wenn auch von einem Österreicher gegründet aber magna ist ein Global Player und deshalb für die GM leute nicht ungefährlich……..

        • Ich hatte ausdrücklich Automobil-Produktion geschrieben – also nicht Produktion (und vorwiegend Vertrieb) im Reich der Mitte, wie dies bei einem chinesischen Unternehmen zu erwarten wäre.

          Die Teileproduktion bei MAGNA ist bekannterweise seit Jahren global ausgerichtet. Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Produktionsfelder.

          Schöne Grüße
          Joachim

  • ABC – erschreckend, zu welchen Plattitüden sich GM herablässt; von wegen Global Player. Würde mich nicht wundern, wenn die Chinesen bei passender Gelegenheit GM zeigen, wer in China am längeren Hebel sitzt.

  • Magna hat derzeit nicht soviele Gesamtproduktionen am Laufen….. Mercedes G, Aston Martin in deren Manufaktur, und den Peugeot RCZ… früher wurde der BMW X3 produziert

  • Magna hatte schon immer Interesse an einer eigenen richtigen Automnarke, ich denke, es ist Taktik, das zu dementieren, damit GM nicht mißtrauisch wird. Magna wurde mehrfach einfach ausgetauscht, das wurmt die, mit einer eigenen Marke bleiben sie am Markt, und zwar weltweit.

    • SAAB-Fahrer (insbesondere die einer bestimmten bei MAGNA produzierten 9-3 Cabrio-Serie) würden die Übernahme von SAAB gerade durch MAGNA sehr gern sehen – wir haben mit vielen SAAB-Fahrern über diese mögliche Konstellation gesprochen.

      Die Übernahme durch ein türkisches Unternehmen fand auch sehr viel Anklang. In der Türkei gibt es mittlerweile sehr finanzstarke Mischkonzerne (sog. Konglomerate) – ähnlich wie das Firmengeflecht von Ratan Tata (Jaguar) in Indien.

      Viele Grüße aus Schleswig-Holstein
      Julie

  • Den Wirtschaftspatriotismus von GM förder nicht gerade die Verhandlungen. Magna hat sich schon einmal bei der Übernahme von Opel die Finger an GM verbrannt – jetzt geht alles vorsichtiger dennje. Saab als Marke in den Händen von Magna hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit Erfolg, da genügend Mittel vorhanden sind. Traumhaft. Zu schade dass alles nach einen Know-How-Grabbeltisch aussieht.

  • Was mich bissel wundert das man aus dem reich der Mitte nichts erfährt.
    Y. ist für die chinesisch Führung ne Nummer zu klein. Bei Donfeng könnte die Schützenhilfe anders aussehen.
    Wie hat doch die USA immer China befeuert mit freien Märkten u.s.w.
    Das könnte schnell für GM zum Bumerang werden.
    Nur mal als Gedankenspiel: GM verhindert kauf von Saab. Darauf erwidert China mit Einfuhrsteuer für alle GM Produkte in China .
    Das Währe ne Antwort die wohl nicht jedem Gefallen würde. und die hätten sogar einen ganz offiziellen Grund. Wettbewerbsverstöße.
    Und das währe nur eine mögliche Antwort.

  • Es wurde ja viel über einen ungenannten europäischen Hersteller geschrieben, der diese Seite immer aufgerufen hat. Was ist daraus denn geworden-sollte dies Magna sein???

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