Saab-Youngman Konzept: Überleben mit nur einer Baureihe ?

Kommt Youngman als Saab Käufer zum Zug, dann möchten die neuen Eigentümer für mindestens 24 Monate mit nur einer Baureihe die Marke lebendig erhalten. Das klingt erst einmal nicht gut, denn was ist eine Baureihe in Zeiten, wo jede nur erdenkliche Nische mit Crossover Produkten gefüllt wird ? Hat Youngman damit eine Chance, was bringt es den Händlern ? Über Sinn und Unsinn der Youngman Idee geht es in diesem Artikel. Aber Vorsicht. Ich befürchte, es wird kein kurzer Beitrag.

Saab 9-3x Griffin
Saab 9-3x Griffin

Schauen wir kurz zurück, bevor unser Blick in Richtung Zukunft geht. Saab war in der Vergangenheit, selbst in den besten Zeiten, immer eine Marke mit einer, maximal 2 Baureihen. Der Saab 900 der ersten Serie ergänzte sich zeitweise mit dem Saab 90, dann mit dem Saab 9000. Die zweite Generation der Saab 900/9-3 Familie dann mit der großen 9-5 Baureihe. Das wars, mehr war auch in der Vergangenheit nicht.

Die kleinen Baureihen ware immer die, welche in hohen Stückzahlen gefertig wurden. So gesehen ist es eine gute Grundlage für einen Neustart. Mag der Saab 9-3 in seinen Grundzügen auch 10 Jahre alt sein, Potential ist da. Mit der Überarbeitung 2008 passierte mehr als bei einem normalen Facelift. Bei Toyota wäre daraus eine völlig neue Generation geworden, denn die Japaner mischen seit Jahren bewährte Komponenten mit Neuentwicklungen. Den Kunden stört es nicht, die Zuverlässigkeit reicht immer wieder zu einem Spitzenplatz. So gesehen wäre die Baureihe erst 4 Jahre alt.

Saab 9-3 Griffin Sportkombi
Saab 9-3 Griffin Sportkombi

  • Unsere Ausgangssituation…

Unsere Schweden haben drei verschiedene Karosserie-Varianten zur Verfügung. Limousine, Sportkombi, Cabriolet. Und eine Nischenvariante. Der offroad-taugliche Saab 9-3x, der bislang völlig unterbewertet war. Also eigentlich vier Varianten.

Dazu Motoren, die mit Diesel, Benzin und Ethanol unterwegs sind. Dazu vor Ort die Möglichkeit, Saabs mit Erdgas oder Biogas Antrieb ab Werk anzubieten. Subaru spielt seit Jahren die Erdgaskarte recht erfolgreich, warum nicht auch Saab ? Auch wenn es zu einem neuen Motorenlieferanten kommen sollte ( wo ich noch nicht mal so sicher bin, interpretiere ich die Zwischentöne aus Schweden richtig ) wird sich an der Palette nicht viel ändern.

  • Unsere Trumpfkarte…

Egal wie alt das Grundkonzept ist, die Möglichkeiten zur Innovation sind da. Saab hat die e-Power Modelle, die serienreif sein sollen. Der Saab 9-3 mit Elektroantrieb wäre ab Modelljahr 2012 lieferbar gewesen, so wird in Schweden berichtet. Kein Minimal-und Verzichts- Auto, sondern eine vollwertige Limousine und ein Kombi der Mittelklasse. Während VW erst 2013 den Kleinwagen Up! mit Elektroantrieb bringen will und andere Hersteller japanische Kleinstwagen mit Badge-Engineering dem Kunden anbieten, hätte Saab Vollwertkost liefern können.

Ein kleiner Hersteller mit nur einer Baureihe wäre an vorderster Innovationsfront dabei.

Saab 9-3 Griffin Sportlimousine
Saab 9-3 Griffin Sportlimousine
  • Unsere Trumpfkarte, Part 2….

Ein Elektroauto ist ein Elektroauto, ist ein Elektroauto. Damit nicht genug für lange Strecken. Saab hätte noch einen weiteren Trumpf im Ärmel. 2011 hat Saab Automobile ein Fahrzeugkonzept zum Patent angemeldet, was ein weiterer Meilenstein der Unternehmensgeschichte wäre. Ein Elektrosaab mit Range-Extender. Ein ähnliches Konzept wie, ich sage es ungern, der Chevrolet Volt hat. Damit wäre Saab erneut ganz vorne dabei, denn dieses Konzept sollte in einer Fahrzeugklasse umgesetzt werden, die höher angesiedelt wäre als der Volt.

  • Und wir haben noch mehr…

Da wäre ein Allradantrieb, der an der Spitze der Branche steht. Da wäre die Möglichkeit, den weltweit ersten elektrischen Allrad PKW, entwickelt in einem Saab Joint Venture, anzubieten. Aber das ist nur die eine Seite, das ist die Theorie. Denn ob sich E-Allrad und Range Extender in die aktuelle Serie einpflegen lassen ist unsicher

  • Es kommt darauf an, was man daraus macht…

Limousine, Kombi, Cabriolet, Allrad Cross-Over. Benzin, Diesel, Ethanol, Gas. Allrad und Frontantrieb. Eventuell ein Elektroauto. Das ist die Basis. Entscheidend ist die Frage, wie die Produkte vermarktet werden.

Beispiel Saab 9-3x. Bei Audi sind die Allroad Modelle die Lizenz zum Geld drucken. Bei Saab ist der 9-3x das Mauerblümchen, wurde nur halbherzig vermarktet. Den Diesel gibt es nicht mit Allrad, den Benziner schon. Aus technischen Gründen, wie man hört. Dabei wäre das kein Problem, wenn man richtig argumentiert. Land Rover bietet den Freelander schon lange mit Frontantrieb an, andere Hersteller tun dies ebenfalls. Sie spielen die Ökokarte, gehen auf die Kunden ein. Die brauchen meist keinen Allrad, wollen nur ein trendiges Produkt vor der Haustüre. Der Saab 9-3x als Lifestyle Gefährt – warum nicht ?

Die Ausgangslage ist gut ! Gut ? Ja, ganz im Ernst. Saab hatte über Monate negative Presse. Saab war in den Medien präsenter denn je. Das Wort „SAAB“ kennen jetzt auch Menschen, welche Saab bislang als eine koreanische Computermarke eingeordnet haben. Darin liegt die Chance, die einmalig ist.

Steigt Saab ab Herbst wie der Phoenix aus der Asche, dann ist es eine Möglichkeit, die es nur einmal alle 100 Jahre gibt. Saab, lange totgesagt, ist zurück, ist unabhängig, ist stark. Eine Story, welche es in der Branche so noch nicht gab und auch nicht mehr geben wird. Eine Geschichte, die Saab viele Sympathien einbringen wird.

Das ist nur die Ausgangssituation. Spielt man die Saab 9-3 Griffin Karte gut, dann ist es möglich die Baureihe lange frisch, interessant und attraktiv zu halten. Dazu gehört Modellpflege, Liebe zum Detail. Verschiedene Interieur Designs, die skandinavisch, cool und zeitlos sind. Das muss nicht teuer sein, es ist Kreativität gefragt. Ideen dafür gibt es genug.

Da ist die Möglichkeit, die Palette nach unten und oben abzurunden. Ein gut ausgestatteter, frischer Einstiegs 9-3 für das junge Publikum. Eine Hochleistungsvariante, ähnlich dem Turbo X, gut fürs Image und den Ertrag. Wie man dieses Konzept mit den Komponenten Turbo und Leistung, Schweden und Design, Individualität und Community virtuos spielt, das zeigen uns andere Autobauer seit Jahren.

  • So geht das Spiel…

Beispiel Porsche. Die Produkte sind überteuert. Seit Jahrzehnten liefern die Gläubigen gerne jede Menge Geld für die Produkte aus Zuffenhausen ab und freuen sich dabei.

Beispiel Audi. Tausend Möglichkeiten zur Individualisierung. Toll gemachte Innenräume. Immer wieder neue Motorvarianten. Basierend auf – ja, auf VW Technik. Trotzdem ist sich jeder Audi Fahrer sicher, das bessere Auto (für viel mehr Geld) zu fahren. So geht gutes Marketing.

Saab 9-3 Griffin Cabriolet
Saab 9-3 Griffin Cabriolet

Aktuellstes Beispiel Range Rover. Der Evoque ist im Grunde ein Land Rover Freelander, der streng genommen überaltert ist. Eine der heißesten Karroserievarianten des Jahres darüber gestülpt, dazu ein Interieur, durchdesignt bis ins kleinste Detail und so scharf, dass es unglaublich ist. Preise, die eigentlich an Enteignung grenzen ! Der Evoque läuft, und hat irgend jemand hier vom Freelander gesprochen ?

In den vermutlich 24 – 30 Monaten, wo Saab mit einer Baureihe überwintert, sind keine Wunder zu erwarten. Marken entwickeln sich langsam, ein Rohdiamant wie Saab muss behutsam geschliffen werden. Aber es wären respektable Ergebnisse möglich. Saab fängt fast von Null an. Die Resourcen sind limitiert. Daraus etwas zu schaffen, das ist die Herausforderung !  Gleichzeitig auch eine einzigartige Story !

Saab hat das, was andere Marken nicht haben. Saab ist klassenlos und Saab hat die Community. Bei Saabsunited werden jeden Monat mehr als 1 Million Leser gemeldet. Auf Saabblog.net, nur deutschsprachig, waren letzten Monat über 150.000 Leser. Mit dieser Fangemeinde hat der schwedische Hersteller die Chance, endgültig über die nächsten Jahre zum Kultobjekt zu werden. Denn jeder Leser, jeder Saab Fahrer, jeder Fan ist Kommunikator und Botschafter der Marke. Bedürfnisse können so geweckt werden, die Fans und die neuen Kunden brauchen dazu nur Produkte, die es verdient haben, begehrt und geliebt zu werden.

Das Internet ist ein nutzbarer Kanal für Saab . Saab hat damit die Kunden ganz nahe, sozusagen hautnah dabei. Printmedien sind ein Weg, aber auch ein Weg der Vergangenheit. Der Ansatz mit „Inside Saab“ war der richtige Schritt in die richtige Richtung. Steven Wade war der bestmögliche aller verfügbaren Autoren. Leider kam nun die Krise dazwischen !

Überleben mit einer Baureihe ? Ja, mit geschickter Produktpflege und einer Rückbesinnung auf alte Stärken. Mit mehr Liebe zum Detail, mit Betonung auf die schwedische Herkunft. Mit dem Mut, neue Wege zu gehen.

Wie sagt ein großer schwedischer Konzern, der uns gerne Möbel verkauft ? Entdecke die Möglichkeiten !

Text: tom@saabblog.net

Bilder: Saab Automobile AB

29 Gedanken zu „Saab-Youngman Konzept: Überleben mit nur einer Baureihe ?

  • Kompliment und Respekt

    Sehr schön und mit Herzblut geschrieben

  • „Es kommt darauf an, was man daraus macht…“ das ist der Dreh und Angelpunkt von Top oder Flop. Tom bringt es auf den Punkt. Klasse 🙂

  • Hallo Tom,

    super geschrieben der Artikel. Klingt alles plausibel und gut. Und wenn dann in einigen Jahren der neue 9-5 SC kommt, steigt meine Laune noch mehr.

    Das ist jetzt die Youngman-Version. Schreibst Du solch fantastische Artikel auch für die möglichen Szenarien der weiteren Bieter?

    Ach ja, als regelmäßiger Besucher Deines Blogs (ja, ich bin einer der 150.000) an dieser Stelle ein großes Dankeschön für Deine Arbeit.

    • Liest Youngman eigentlich mit? Und Mahindra&Mahindra? Haben die in ihren Kommunikationsabteilungen Übersetzer deutsch-mandarin, deutsch-hindi oder wenigstens deutsch-englisch?

  • wirklich wunderbar geschrieben und nicht vergessen , es gibt für die Zukunft ja auch schon die
    Phönix Plattform ( oder hat hier inzwischen GM die Finger drauf )

  • Hi,
    auch ich lese hier mehrmals täglich, schreibe ab und zu, aber
    nur wenn es ganz tief bewegt, heute ist es wieder so.
    Super Text Tom !!!
    Ich hoffe die da oben lesen mit und …verstehen !

    Schöne Grüße aus dem kalten Thüringen.
    Aber ein SAAB hat mit diesen Temp. glücklicherweise
    ja so gar keine Probleme.

  • „…Entscheidend ist die Frage, wie die Produkte vermarktet werden…“

    Das war meines Erachtens auch in der Vergangenheit eines der größten Probleme. Eine Vermarktung fand praktisch nicht statt.

    Ich habe selbst erst seit September 2011 einen Saab (9-3 Cabrio).
    Seit ich das Auto habe, bin ich mehrmals gefragt worden: „Was ist Saab denn? Ist das ein Opel oder welche Marke ist das?“ Diese Frage hab ich in erster Linie von Leuten bis Ende 20 gehört. Und mit Ende 20 ist man ja nicht mehr so jung. Ich will damit sagen, daß die Marke Saab komplett aus dem Bewustsein der Menschen (und möglichen Käufer) verschwunden ist. Das ist natürlich tödlich für eine Marke.

    Und dann fehlte natürlich auch ein jugendliches Einsteigermodell, das sich auch jüngere Leute leisten können. Man muss nur mal sehen, wieviele junge Leute einen Audi A3 oder BMW 1er fahren. Audi und BMW machen Werbung, die die Leute anspricht. Und das funktioniert. Diese Marken sind in allen Altersgruppen bekannt. Das Geld für teurere Autos ist bei den Leuten auch vorhanden. Also muss Saab dafür sorgen, auch junge Menschen zu begeistern und den großen deutschen Marken ein paar Kunden abzujagen – mit tollen Produkten und guter Werbung und evtl. einen kleinen preislichen Vorteil gegenüber Audi, BMW und Co.

    Wie gesagt: „Entdecke die Möglichkeiten“

    • Es gibt schon einige Jüngere, sagen wir zwischen 25 und 40 Jahren, die einen 901 fahren, dieses Auto hat in der Community ein hohes Ansehen und ein gutes Image. Natürlich auf kleinem Level und leider werden es immer weniger. Aber das Bewußtsein ist noch da. Und das muß der Schlüssel und die Brücke zum Marketing des 9-3 sein!

      • Da sind wir uns in allen Punkten einig.

        Diese community ist aber ein relativ kleiner Kreis. Der muss vergrößert werden, wenn Saab eine Chance haben will. Eine gewisse Anzahl Autos muss verkauft werden, damit Geld verdient wird.
        Der 9-3 hat auch kein schlechtes Image und zum Glück gibts auch keine schwerwiegenden Qualitätsprobleme, was die Pannenstatistik beweist. Dazu kommt ein schönes Design. Eine zukunftsweisende Technik (e-Antrieb oder Hybrid) ist zum Teil auch da oder wurde zumindest schon entwickelt. Das sind Sachen die beworben werden müssen. Dann hat Saab m.E. auch mit nur einem Modell aber vielen Varianten durchaus eine realistische Chance.

        Das widerspricht natürlich dem Image von Saab, ein Auto für einige wenige Individaulisten zu sein. Aber von einigen Individualisten kann eine Automarke heutzutage wohl nicht mehr leben (siehe Maybach).

  • Tja.. macht gute Laune das alles hier zu lesen.

    Ich finde auch daß es entscheidend ist… wie die Produkte vermaktet werden.
    In Deutschland fand wirklich nichts statt… keiner wusste das es eine neuen Saab 95 gibt…
    Oder der 93 x… super interesantes Auto… und nichts.. keiner weiss es oder kennt es oder hat es
    mal gesehen. Ich habe ein in Paris gesehen 2010.. habe ihn sehr lange mir angeschaut.
    Selbst in Bulgarien habe ich den Saab 95 auf der Strasse gesehen..und sogar in einer Zeitschrift.

    Da muss ich einiges ändern.

    ein anderes Thema. Ein guter Freund von mir hat es geschaft was wirklich… unglaublich schönes zu machen. In Saabsunited war er auch auf der Titelseite gelandet.
    Falls euch die fehlnden Saabs im 1:43 interessieren. Zum selber zusammenbauen und kolorieren.

    http://www.griffinmodels.com/griffin-models-diecast-catalog.html

    http://www.facebook.com/photo.php?fbid=265296523529697&set=pu.105951732797511&type=1

    http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10150510649017896&set=a.166968062895.126942.758047895&type=1&ref=nf

    LG

  • ich.. sollte natürlich sich sein… sorry.

  • und mit den hirschleuten noch wurzelholz und ein paar andere leckereien als gediegene variante vorsehen, das alles häppchenweise einführen und schwups sind die zwei jahre rum!

    hab mir letztens mal über den konfigurator nen 9-5II in vollausstattung + alle möglichen hirschereien zusammengestellt da war die 100k€ marke nicht zu knacken, danach beim panamera mal geschaut da geht das locker. bei manchen modellen sogar schon beim grundpreis. die aufpreisliste ist dort auch sehr aufschlußreich, besonders die aufwertung mit „25jahre po….exklusivepaket“ für 3,8k€ ist praktisch ohne mehrwert

  • Was spricht eigentlich dagegen, auf Basis der aktuellen 9-3er Modelle auch ein 5-türiges Fließheck-Modell mit anzubieten – diese Variante hätte sicherlich das Zeug zum Bestseller!

    Ein guter Auto-Designer (ist Jason Castriota eigentlich noch mit an Bord?) könnte sich hier mal so richtig „austoben“!

    Dazu ein paar neue Farben und wie vielfach erwähnt, endlich mal richtiges Marketing – die Sache wäre garantiert von Erfolg gekrönt !!!

  • Und dann noch ein 2-türiges SportCoupe. Ich habe nie begriffen warum man das nicht produziert, kann doch nicht so aufwändig sein, oder?

  • Die Idee mit einem Coupé 9-3 Griffin ist genau das, was in erster Linie die Frauen erfreuen dürfte – neben dem Cabrio noch eine elegante geschlossene Variante. Bestimmt gut verkäuflich!

    Momentan würde dennoch interessieren, welche Fortschritte Brightwell macht – trotz des Geheimhaltungsabkommens mit den Verwaltern gab Zamier Ahmed in den letzten Wochen immer wieder mal ein Presse-Interview. Das von ihm nun gar nichts mehr kommt, deutet wahrscheinlich an, dass er mit GM auf dem Holzwege war (wie alle anderen Investoren auch)…

    • „Nachschub, der wahrscheinlich nie kommen wird.“ Autsch! 🙁

      Sonst find ich’s ganz gut zu lesen 🙂

    • Finde nicht, dass dieser Artikel nett zu lesen ist. Viel zu viel negatives Randgeschreibsel – die Krönung ist der letzte Satz – wie kommt dieser Schreiberling denn schon wieder auf eine derart negative Vermutung?

      Die Richtung stimmt so auf keinen Fall!

  • Überzeugender Vortrag, Tom! Bislang war ich skeptisch, ob es nur mit dem 9-3 alleine klappen könnte.

    Um noch ein bisschen tiefer zu bohren: Die Produktgestaltung mit allem was dazu gehört sowie die Vermarktung darf ausschließlich nur von Menschen umgesetzt werden, die den Kern der Marke SAAB verstehen und leben. Nie wieder Products by Controlling / by Market Research!

    Und der ganz große Kampagnenwurf wäre inkl. der Einbeziehung der Fans, denn am Ende hätten nur die (wir) die Marke lebendig gehalten, wo jedes Controlling schon die Bücher zugeklappt hat.

    Neulich hab ich den Slogan (?) irgendwo aufgeschnappt: SAAB – Not For Everyone, Essential to a Few.
    I like 😉

  • Sorry … hab mich da wohl zu undeutlich ausgedrückt …

    Ich finde die Einstellung von Herrn Etehad in dem Artikel halt sehr gut und nett!!!
    Sehr „ehrenhaft“, anständig und eben auch markentreu und trotz der lage irgendwie positiv!
    (aber Tom hat glaub ich auch schon mal ähnliches und durchaus positives während der Händlertour über Etehad berichtet).

    Und die sog. „Schreiberlinge“ haben halt ihren Auftrag und auch nicht immer tages- oder stundenaktuelle Infos (so wie wir dank Tom und anderen). Das die letzten Sätze für uns natürlich nicht schön sind, ist klar.
    Aber so ist doch aber „öffentlich“ die Lage zZ.

    Auf alle Fälle hat Saab einen zweisetigen Artikel in der Autobild.
    Und damit (ähnlich wie hier weiter oben schon beschrieben) Aufmerksamkeit gewonnen.

  • „Saab“ kann nicht so einfach gekauft werden. Zumindest nicht das Recht, unter diesem Namen Autos zu bauen. Die Namensrechte lagen und liegen bei Saab SA. Dort hat man kein Interesse, dass der Name weiter beschädigt wird. Also: Bei allem Geschreibsel nicht diesen Umstand vergessen.

  • 25 Jahre im Autohandel liegen hinter mir, 11 Jahre bei Ford, 8 bei VW und 6 in der (mittlerweile beendeten) Selbstständigkeit mit Autos.
    Wie verkauft z.B. VW Auto´s?
    > ein geschultes Team verkauft an jeder Ecke aus einem Riesensortiment. Für fast jede Person jeden Alters ist etwas dabei, vom Up bis zum Phaeton
    > mit 18 kauft Papa einen gebrauchten Lupo, dann der erste neuere Polo, es folgt ein Jahreswagen Golf, dann der erste GTI mit Mitte 20, bevor mit Anfang 30 die kleine Familie im Touran untergebracht wird, gefolgt von 1 – 3 Passat Variant mit Power-Diesel und wenn das Kreuz langsam Probleme macht, sitzt Vati lieber höher im Tiguan und dann endlich… verdient: der Mercedes in der Garage.
    > Ich hoffe für SAAB die goldene Zukunft, aber mal ehrlich, wo und wie will man hier in diesen Kreislauf eindringen?
    > VW nutzt Fahrschulen um das Gehirn vorab zu programmieren, nutzt Auto-Vermietungen und wenn der Aussendienstler seiner Firma gute Dienste erweist, bekommt er einen Passat, gratis.
    > Alle Auto-Zeitschriften bestehen zur Hälfte aus Test´s und Berichten über VW-Konzern-Fahrzeuge
    > VW-Print-Werbung ist in jeder Zeitschrift und einen Fernseh-Abend ohne mehrfache VW-Werbung gibt es nicht.
    > Ich bin seit Jahren selbstständig, bekomme immer wieder Angebote vom örtlichen VW-Autohaus, ich solle doch mal den Einen oder Anderen übers Wochenende testen…
    > Dies alles in etwas abgeschwächter Form gilt ebenso für Produkte von allen deutschen Herstellern.
    Mein nächstgelegener SAAB-Händler ist über 90 Kilometer entfernt. Wie viele Verrückte nehmen es denn auf sich, solche zeitintensive Strecken für die Probefahrt, den Kauf, die Inspektion oder die Reparatur zu fahren?
    usw.

    Lösungsvorschläge:
    > SAAB sollte die vorhandene Baureihe nochmals verändern, ggf. einen anderen Namen geben. z.B. einen neuen Kofferdeckel mit Heckleuchtenband a´la 9-5 oder 9-4x. Die Redakteure der Zeitschriften werden sonst garantiert wieder abwertend berichten, dass SAAB den „bereits 10 Jahre alten 9-3“ wieder aufs Band gelegt hat… es muß von einem „neuen“ Auto gesprochen werden.
    > SAAB muß neue, flächendeckende Vertriebspartner und Vertriebsstrukturen suchen.
    > SAAB muß Neuwagen in Auto-Vermietungen plazieren und zwar jede Menge zu Top-Konditionen!
    > SAAB muß wieder ganz intensiv Werbung machen und die Menschen erreichen!
    > SAAB muß positiv in der Presse stehen, zur Abwechslung mal einen Vergleichstest nicht abgeschlagen auf dem lezten Platz beenden, auch wenn es viel Geld kostet!
    > SAAB muß dann ganz schnell nach Wiederaufnahme der Produktion die Produktpalette ausweiten! Ich z.B. habe einen 9-5 II und ein 9-3 Cabrio. Und meine Frau? Einen C3 Picasso für den Kinder-Transport, meine Eltern A-Klasse und Fiesta… Ich würde meinen auch noch vorhandenen Citroen C-Crosser SUV auch gerne gegen einen vergleichbaren SAAB tauschen. Ich meine damit: Bestückung ganzer Familien als Ziel und damit erst gar nicht in Gefahr kommen, dass bei anderen Herstellern nachgeschaut und gerechnet wird. „Bei der Stange halten“…
    SAAB, es gibt sehr viel zu tun…

    • Hat man denn bei jedem Hersteller das Bedürfnis den Bedarf einer ganzen Familie zu decken? Ich denke hier beispielsweise an Jaguar – der Laden dort brummmt mittlerweile wieder. Aber Kleinwagen für die Kinder oder Kombis sind hier nicht im Angebot!

      Hat man denn bei jedem Hersteller das Bedürfnis in einen (wie von Dir beschriebenen) Kreislauf wie bei VW zu kommen?

      Es ist ja gerade das Individuelle bei SAAB-Automobile, das von beispielsweise einem VW-Konzern unterscheidet – sonst könnte man ja gleich einen VW kaufen, wenn bei SAAB alles gleich abläuft.

      Besseres Marketing ist zwar Pflicht – aber bitte nicht so sein wollen wie VW. Schon gar nicht Geld springen lassen, damit der Platz im Vergleichstest ein Spitzenplatz wird – was ist das denn für ein Verhalten (das sollte man lieber wie bisher den bekannten Marken überlassen – der Verbraucher wird schon noch aufwachen)!

    • Tom s Bericht besagt doch den Beginn mit dem 9 – 3 , nicht dass das aber keine 9-2,9-4,9-5
      mit und ohne X bedeutet. Wichtig ist doch , dass überhaupt eine Produktion beginnt, denn
      ohne Produktion kann überhaupt nichts verkauft werden…. ( ausser einigen restbeständen
      und Gebrauchten )

  • Hie,
    als ich mitte der 90er meinen Sabb 900 kaufte gab es außer dem 900er nur den 9000er. Zwei Modelle ohne Kombivarianten. Wie Tom´s Bericht zeigt, gibt ja der 9-3 alleine schon mehr Varianten her als die beiden früher. Reicht doch eigentlich.
    DAS GELD wird bei den Mitbewerbern doch auch mit zwei bis max. drei Kernmodellen verdient. VW verdient sein Geld mit Golf und Passat und nicht mit den Zirkusmodellen. Das gleiche gilt für BMW beim 3er und 5er. Die bringen das Geld und nicht die Varietemodelle mit dem ganzen Buchstabensalat hinten dran. Bei Mercedes machens die C-Klasse und die E-Klasse. So what?!
    Gruß aus koblenz.

    Peter

    • Falsch, leider.
      Richtig ist, das in den guten alten 70ern jeder Hersteller nur 2 bis 3 Modelle hatte. BMW hatte keine Kombi´s und keine Diesel, Mercedes nur den /8 und später den 123 und S-Klasse.
      In den 80ern ging es los. 190er Benz, 3er Kombi usw.
      Und heute?
      Polo, Golf, Passat, Touran, Tiguan, Sharan und wetten ab nächsten Monat auch der Up! in den Verkaufs-Charts ganz oben. Bei BMW sind der 1er und alle X-Modelle genauso Zugpferde wie 3er und 5er. Mercedes ohne A- und B-Klasse? Heute undenkbar…

      Hier geht es genau um da, was ich eben beschrieben habe. Ein breites Kundenspektrum zu erreichen. Den Fahranfänger bis zum Rentner bei der Stange zu halten und nicht fremdgehen zu lassen.
      Selbst Jaguar wird in Kürze den XF mit Allrad und als Kombi bauen, es folgt bald der SUV, das hat Gründe.
      Der 9-2 muß dringend herbei, für die Frauen des Hauses anstelle Golf und für Einsteiger, ebenso ein 9-5 für große, füllige Menschen wie mich und ein 9-4X (mit Diesel)als Trendsetter.
      SAAB muß vermutlich nicht sehr viele „neue“ Kunden aquirieren, aber alte, fremdgegangene, ehemalige SAAB-Fahrer zurückgewinnen. Diese sind aber auch in den Jahren älter geworden, und sitzen heute u.U. gerne höher, etwas, dass es in den besagten 70ern und 80ern noch gar nicht gab.
      Ich selbst habe mir erst jetzt im Januar 12 wider aller Unwägbarkeiten einen neuen 9-5 II 2,0T gekauft, ich bin ein Fan.
      Nur wir Fan´s können SAAB nicht retten, das ist Fakt.
      Weil, und da wollen wir mal ehrlich sein, die 150.000 Besucher und Fan´s dieses Super-Blog´s sich ganz schnell in Luft auflösen, wenn ich alleine mit meinem Büro-Rechner, meinem Smart-Phone und abends Zuhause alleine 3 verschiedene IP´s sende und mehrmals am Tag hier neugierig bin:
      Mindestens 100 Besucher bin also ich, aber ich bin nicht 100 Interessenten.

      Neue Ideen müßten her, Einzigartiges… z.B. Verkaufsbüro´s, ohne Werkstatt, aber mit Ersatzwagen zur Mobilität. Mit organisiertem Werkstatt-Transfer zu den SAAB-Zentren, die sich dann um die Technik kümmern.
      So könnte man flächendeckend SAAB vermarkten, regional präsent sein, ohne die teure Werkstattausrüstung, Ersatzteillager und teures, geschultes Personal zu benötigen.
      Das hat noch kein Hersteller in dieser Art und würde garantiert gut organisiert für kleine Kosten, hohe Effizienz und vor allem für Publicity sorgen.

      Gruß aus Kirchen

  • Also, meine Unterstützung hat Saab auf jeden Fall. Ich würde mir sofort einen neuen 9-3 als Firmenfahrzeug leasen. Und ich denke, diese zwangsläufige Verknappung macht es doch um so interessanter. Während der Händlertour konnte man viele Menschen antreffen, die seit Monaten auf ihr bestelltes Fahrzeug warten. Ich denke viele von denen wären froh, wenn sie überhaupt einen neuen Saab bekämen, auch wenn es nicht der erhoffte 9-5 ist.
    Was die Vermarktung angeht hoffe ich nicht, dass man rein auf Masse ausrichtet. Das Image welches Saab hat macht für mich persönlich die Marke so liebenswert. Und Individualisten gibt es auch unter den 20-30-Jährigen. Nicht jeder hat verdient einen SAAB zu fahren 😉

    • Also ich mit meinen 190cm Länge und 3 Kindern, davon eins bereits über 170cm groß, eins mit Sitzerhöhung und eins mit dickem Kindersitz und Kinderwagen im Kofferraum, passten definitiv nicht in einen 9-3, deshalb wurde aus einem bestellten 9-5 SC jetzt eine Limousine, auch wenn´s am Ende unterm Deckel mit dem Platz eng wird. 9-3 wäre auf keinen Fall in Frage kommen, 9-4X aber alternativ.

      Du triffst den Punkt und sprichst mir aus der Seele, ich will auf keinen Fall ein Massenprodukt, welches ich an jeder Ecke genauso finde.
      Aber SAAB wird schon einige Autos produzieren müssen, um endlich mal wieder in schwarze Zahlen zu steuern, und das nach den letzten schlechten Jahren und der üblen Presse mit nur noch ggf. einem Produkt. Wäre interessant zu wissen, wieviele potentielle Käufer in den letzten 2 Jahren bereits abgewandert sind und wieviele gewartet haben.
      Seltsam ist jedenfalls, dass z.B. in Mobile.de einige schöne, preislich durchaus passende 9-5 inseriert sind, nur keiner kauft sie…
      Warum zögern die Fan´s? Ich habe, wie gesagt, Anfang Januar zugelangt und bin begeistert und ohne jegliche Reue über meine Entscheidung.

      • Das bei der momentanen noch unklaren Lage in Trollhättan nicht jeder Kaufwillge sofort zuschlägt ist doch klar – erst wenn die Fimenstrukturen mit neuem Inhaber sich deutlich abzeichnen, werden hier Nägel mit Köpfen gemacht!

        Wir wollen auch ein neues SAAB-Automobil ordern – jedoch bleiben zunächst die erwähnten grundsätzlichen Punkte abzuwarten. Gerade beim 9-5 II gibt es bekanntlich Probleme mit Ersatzteilen.

        Sollte Youngman oder Mahindra übernehmen, kann man sofort einen 9-3 ordern – hier ist dann auch das Ersatzteilgeschäft sicher!

        Ob dies jemals für die bisher gebauten 9-5 II zutrifft, bleibt allerdings abzuwarten.

        Viele Grüße aus Hamburg

        Joachim

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