Rückspiegel: Die Saab Krise in Deutschland und die Fans

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel

Am Anfang war die Saab Krise virtuell und keiner von uns konnte ahnen, dass über Monate hinweg der Nachschub an Neuwagen aus Trollhättan ausbleiben würde. Mittlerweile hat sich alles geändert, nichts ist mehr wie es war. Die Krise von Saab hat die Fans und die Händler erreicht. Mit den schlechten Nachrichten der letzten Tage, wurde das komplette Desaster sichtbar.

Meine Mailbox ist voll, was mittlerweile Normalzustand ist. Was mich freut, seit Montag kamen Mails von Lesern, mit welchen bislang keinerlei Kontakt war. Ich lese alle Mails sehr aufmerksam, nur mit dem beantworten ist es momentan nicht machbar.  Aus den Mails, die auch von Saab Händlern kommen, ist die aktuelle Stimmungslage ableitbar. Was können wir daraus lernen ?

Der amerikanische Hersteller GM bekommt bei der Saab Gemeinde keinen Fuß mehr auf den Boden. Ob das Veto aus den USA berechtigt war oder nicht, der Imageschaden ist da. GM hätte alle Aktionen besser verpacken und begründen müssen. Die Chance, Sympathien zu ernten hat man verpasst. Das wird Folgen haben. Saab Fahrer sind sehr oft auch Entscheidungsträger. Sie sind selbstständig oder in Führungspositionen. Produkte aus Rüsselsheim oder Korea GM Produkte  werden unter diesen Umständen nicht mehr auf die Auswahlliste kommen.

Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, seit vielen Jahren Saab Fahrer, hat mir eine lange Mail geschrieben. Sein Unternehmen unterhält eine größere Opel Flotte, die er permanent erneuert. Ab dem nächsten Jahr wird er seine GM Produkte Stück für Stück durch Produkte aus dem VW Konzern ersetzen. Sein Geld so schreibt er, muss er täglich hart verdienen und er trägt Verantwortung für Arbeitsplätze und Familien. Schon das Saab Drama 2009 hat ihn nachdenklich gemacht, jetzt ist es an der Zeit sich von GM und Opel zu trennen. Wörtlich „…soziale Inkompetenz soll nicht auch noch belohnt werden..“ Danke.

Egal wie das Saab Drama ausgeht. Für GM ist es mal wieder so oder so dumm gelaufen. Der Schaden wird beachtlich sein.

Denn, die Saab Fahrer sind immer noch mehr als loyal. Saab ist viel mehr als eine Automarke. Saab ist auch ein Gemeinschaftserlebnis und seine Familie läßt man nicht einfach im Stich. Zwar wandern vor allem Firmenwagenfahrer ab, weil das Leasing schon lange am Ende ist oder weil dieses Jahr aus steuerlichen Gründen investiert werden muss. Aber sie gehen, wie ein Leser schrieb „auf Zeit“. In zwei oder drei Jahren sind sie zurück.

Die Loyalität ist auch nicht zu erschüttern durch die Schließung einiger Händlerbetriebe zum Jahresende. Der 31.12 ist das Datum, wo bei manchen Partnern die Fahne eingeholt wird. Das sind langfristige Entscheidungen, die schon im Frühsommer gefällt wurden. Jetzt werden sie sichtbar. Mit der neuen Händlerliste, an der gearbeitet wird, kommt dann Klarheit.

Zwar hatte ich gehofft zum Jahresende würde der ein oder andere Betrieb die Enscheidung überdenken. Aber mit den schlechten Nachrichten im Rücken war das nur einer meiner Wünsche. Saab Deutschland arbeitet sehr konkret daran die Lücken aufzufüllen und wenn endlich gute Nachrichten aus Schweden kommen werden wir neue Partner bei Saab begrüßen können. Denn es gibt Betriebe, die eine Zukunft für Saab sehen, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse in Trollhättan stimmen.

Händler die abwandern sind kein Grund die Marke zu wechseln. Das ist fast repräsentativ, denn alle Mails diese Woche haben fast gleiche Aussagen. Saab Fahrer akzeptieren es 20 oder 30 Kilometer mehr fahren zu müssen und wollen die Saab Partner unterstützen.

Das ist ein starkes Signal, was auch die Händler wissen sollten. Denn an der Werkstattauslastung hängt der Betrieb. Den Händlern haben wir in den letzten Monaten viel zu verdanken. Manche Ersatzteile sind knapp und ich weiß dass sich einige Betriebe untereinander aushelfen.

Der Blog schreibt aber nicht nur die positive Sicht der Dinge, manchmal holt die graue Realität auch den Blogger ein.

Dann hilft aber auch keine Loyalität und kein guter Wille. Bei einem Familienmitglied ist ein neues Auto fällig und das bisherige muss dringend ersetzt werden. Die Sache ist nicht aufzuschieben. So schwer es auch fällt, es wird kein Saab werden, da geht jetzt wirklich nichts mehr. Alle Diskussion und Argumentation ist sinnlos.

Eine andere Marke also, die demnächst gekauft wird.

Immerhin wird der Neuwagen nicht irgendwo gekauft. Ein Saab Händler den ich auf der Händlertour kennengelernt habe, der auch eine andere Marke führt, soll liefern.

Unser kleiner Beitrag zur Solidarität.

Text: tom@saabblog.net

10 Gedanken zu „Rückspiegel: Die Saab Krise in Deutschland und die Fans

  • Ein Problem gibt es allerdings mit der Solidarität zum Händler… Viele Händler führen neben SAAB nur GM-Produkte und das dürfte sich auch in der zukünftigen Auswahl der Autos bemerkbar machen… Es hängt also nun sehr stark davon ab, ob SAAB überlebt oder nicht…

    • So ist es…
      Sollte Saab nicht überleben, wird der mitleidige Blick meines Saab Händlers, der gleichzeitig Opel vertreibt wohl noch mitleidiger.
      Aber das wird ertragen, schließlich ist unser Saab erst ein Jahr alt. Zum einjährigen bekamen wir sogar Post von unserem Händler: Herzlichen Glückwunsch zum einjährigen Ihres…Opels!!??

      • Da kann man nur drüber lachen (ironischerweise sind der aktuelle 95/93I/etc. auf Opel-Plattformen basierend) 😉 Schwamm drüber… Mir persönlich geht inzwischen der Ar*** auf Grundeis, wenn ich drüber nachdenke, dass mein treuer 93I ab 2012 in keine Großstadt mehr darf…
        Bisher kann man noch warten, aber auch das kann man nicht ewig aufschieben…

  • falls man sich jetzt einen saab 9/5 kaufen würde…
    sind die ersatzteite sichergestellt?
    ist die garantie sichergestellt?

    wer weiß das?

    • Die Ersatzteile sind über die Saab Parts AB sichergestellt, momentan sind aber manche Teile schwer lieferbar. Egal wie die Lage ausgeht, das Ersatzteilgeschäft wird sich verbessern. Denn auch im schlimmsten Falle wird die Parts AB von Investoren die bereits Schlange stehen übernommen. Mit Garantiefragen bin ich ganz offen überfragt, denn ich bin nicht Saab. 😉

      • > momentan sind aber manche Teile schwer lieferbar.
        Wurde mir auch gesagt, als ich einen defekten Lüftermotor im 93 tauschen lassen wollte. Teil wurde bestellt, aber die Meldung kam, dass es momentan nicht lieferbar sei… 5 oder 6 Tage später war es dann doch da – und dazwischen lag noch ein Wochenende. Also quasi normale Lieferzeiten.

    • theoretisch ist die Ersatzteilversorgung noch auf Jahre gesichert, aber in der Praxis funktioniert es schon jetzt nicht mehr. Zwei selbst erlebte Beispiele:

      – ein update für das Navi meines 9-3 ist nicht lieferbar,

      – schon vor Wochen bekam meine Saabwerkstätte keine neue Benzinpunpe aus Schweden und baute ein Ersatz-Fabrikat ein.

  • In Leizig gibt es einen netten SAAB-Händler, der auch Jaguar führt. Ein tolles Auto (kommt gleich nach SAAB). Eine echte Alternative! Können uns derzeit davon überzeugen, da wir schon vor 3 Monaten gehandelt haben. Ein tolles Auto für Individualisten. Wann kommt einem schon mal ein Jaguar entgegen?

    • Sehr häufig, wenn man an der Grenze zur Schweiz wohnt 😉

      Dafür sind hier SAAB, Volvo und Alfa Romeo relativ selten vertreten… Das Ranking entspricht der selben Reihenfolge.

  • Ein kurzes Wort zu den Saab aficionados sei erlaubt: leider wird die Firma Saab, sollte es sie in der mittleren Zukunft noch geben, nicht alleine von dem leidenschaftlichen Zuspruch der Blogger-Gemeinde in Deutschland leben können. Ich verfolge diese Seiten von Beginn an täglich und bin wirklich überrascht wie viel Leidenschaft und Markentreue hier zum Ausdruck kommt.
    Auch ich hätte z.B. gerne einen 9-5 geleast, aber so ist es jetzt eben ein Produkt aus München geworden – ich muss fahren und kann das Auf und Ab in Trollhättan nicht länger mitmachen. Was bleibt ist unser 9-3 Cabrio dass hoffentlich lange hält und die Erinnerung an die „gute alte Zeit“ möglichst lange bewahrt.
    Dass Leidenschaft auch Leiden schafft ist hinlänglich bekannt, sie sollte aber nicht den Blick auf das wirtschaftlich Notwendige verstellen. Überleben kann nur der Produzent, der auch Güter verkauft bzw. liefern kann.
    Der Beweis dass diese allgemeine Erkenntnis bei unseren schwedischen Freunden angekommen ist, ist bis heute leider
    ausgeblieben.

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