Saab News: Geduld, Geduld, Geduld….(reborn..)

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Mindestens. Unser ungeliebtes “Geduld” Wort hatten wir schon voreilig in den Vorruhestand verabschiedet. Jetzt ist es erneut aktiv und hat uns mehr im Griff denn je. Die Lage in Schweden ist teilweise wiedersprüchlich, aber zum Thema GM, Victor Muller und dem schwedischen Staat kristallisieren sich einige Fakten heraus.

Dass man in Detroit keine Eile mit der Entscheidung hat, ist klar. Je nachdem wie man zu Saab steht, schreibt die Presse in Schweden über einige Wochen, welche es dauern könnte bis man endlich zustimmt. Denn, zwischen den Zeilen ist es lesbar, von einer Zustimmung geht man letztendlich aus. Welche Preis auch immer dafür zu zahlen wäre. Für GM ist das kein Problem, für Saab schon. Denn jede Woche Stillstand schwächt den Autohersteller, die Kunden wandern ab und die Händler ziehen sich zurück. Warum also nicht noch vier weitere Wochen warten.

Immer aktiver wird hinter den Kulissen der schwedische Staat. Man bemüht sich auf diplomatischem und wohl auch anderen Wegen sowohl in China als auch in den USA für Saab zu werden. Mit Guy Lofalk wollen Regierungsvertreter nach Detroit fliegen um die Verhandlungen zu unterstützen. Woher dieser Sinneswandel ? Nun, Antonov kann vorerst als entsorgt gelten, die Regierung konnte den Russen sowieso niemals leiden. Und auch Muller kommt immer mehr auf das Abstellgleis.

Was erstaunlich, tragisch und logisch zugleich ist. Erstaunlich, weil Guy Lofalk für einen Administrator eine ungewohnt aktive und fast schon dominierende Rolle spielt. Normalerweise läuft eine Rekonstruktion in Schweden in Abstimmung von Administrator und Geschäftsleitung. Dass ein CEO so auf das Abstellgleis geschoben wird, ist mehr als ungewöhnlich, sagen schwedische Freunde. Saab hat sich Lofalk als Administrator gewünscht, weil Lofalk dort bereits bekannt war. Genauer gesagt, kam er auf Empfehlung von Christina Geers, der Chefjuristin. Hat man einen Gegenpart zu Muller gesucht ?

Tragisch ist die Sache weil Muller eigentlich Saab gerettet hat. Aber um die Firma 12 Monate später in eine noch schlimmere Lage zu bringen. Logisch allerdings, weil Mullers Netzwerk, sprich Antonov, nicht mehr wirksam ist. Der Investor aus Russland hat aktuell andere Probleme, die Rückendeckung aus London fehlt jetzt Muller.

Ein Journalist aus Schweden meinte, Muller könne in Zukunft viel Zeit auf Mallorca verbringen und im Pool planschen. Das war sicherlich nicht ganz so fair, aber so ist das Leben.

Eines jedenfalls  haben die Hochkaräter aus dem Spyker, bzw. “Swedish Automobile” Management bereits geschafft. Saab dürfte die, bei voller Bezahlung, am längsten stillstehende Autoproduktion der Welt haben. Dafür gibt es zum Jahresende dann auch einen dicken Bonus. Wetten ?

Text: tom@saabblog.net

14 Gedanken zu „Saab News: Geduld, Geduld, Geduld….(reborn..)

  • Immer nur Geduld zermürbt. Ein guter Freund von mir hat jetzt das Handtuch geworfen und seinen SAAB verkauft. Ich denke, dass geht immer mehr SAAB fahrern so. Irgendwann braucht man halt ein neues Auto.

    • Es muss nicht immer ein Neuwagen sein 😉 Gebrauchte Saabs mit einem sehr guten Preis/Leistungs-Verhältnis gibt es nun fast überall und wer da nicht in Erwägung zieht sich einen dieser zu holen, ist halt selbst Schuld.
      Eigentlich schade, dass einige nur wegen eines, wenn auch großen, Kieselsteines auf der Strecke lieber Kehrtwende machen, als nach einer Alternative aus dem selben Lager zu suchen…

  • Gesucht hat er ja und nix gefunden. Ein gebrauchter mit fast 100.000 Kilometer ist auch keine Alternative zu einem alten mit 164.000. Da wurde es statt eines SAAB ein Skoda, graus ! 🙁

    • nur 164TKm? Das ist doch kein Alter für einen SAAB. Das grenzt beinahe schon fast an Hohn einen solchen Wagen gegen einen Skoda zu tauschen… Wahrscheinlich hat er auch nicht so sonderlich lange gesucht 😉
      Naja hier trennt sich halt wortwörtlich die Spreu vom Weizen, was wirklich schade ist…

      • Da hat einfach die Geduld gefehlt 🙂

    • Vom Saab zum Skoda das grenzt schon sehr stark an Selbstverstümmelung. Vor meinem Saab bin ich 12 Jahre Toyota gefahren und war auch immer sehr zufrieden mit meinem Auto. Doch einmal im Saab gesässen , und 12 Jahre Toyotatreue und Zufriedenheit waren mit einem Schlag völlig ausradiert.Da geht einem plötzlich ein Licht auf und man kapiert , was man seinem Hintern jahrelang angetan hat.Mein Mitgefühl hat der arme Skodafahrer aber er ist ja selber Schuld

  • Wir haben jetzt 130000 km mit unserem 2002´er 9-5 SportCombi Arc runter.

    Wir haben ja ab und an auch mal immer wieder mit einem Kombi einer anderen Marke geliebäugelt (besonders vor der “Müller-Ära” als es böse um Saab stand und Saab zudem seit Ewigkeiten keinen neuen Kombi mehr vorgestellt hat).

    Aber spätestens seit der neue 9-5 vorgestellt wurde, haben wir uns zum “Ausharren” entschieden.
    Und seit der Kombi nun auch vorgestellt wurde, ist es klar: es kann bei einem Neuwagenkauf doch eigentlich nur ein neuer Saab werden (ob Kombi oder neu alternativ dieser bis vor kurzem “ungeliebte” SUV).

    Und die paar weiteren Monate (hoffentlich!?) können wir nun auch noch locker warten!
    Notfalls hält der SC auch noch weitere Jahre! 😉
    Und richtig schlecht ist der alte Arc alte ja auch noch nicht – fahr gern damit umher und vermisse kaum wirklich was an technischen Neuerungen im Vergleich zu heutigen Wagen.

    Und erst neulich hat ein älterer Herr den Wagen für ein aktuelles Modell gehalten und mich interessiert dazu befragt.

  • ….sehts doch mal so…zum Glück ist es ein Skoda geworden…denn wenn SAAB wieder Autos baut kommt der Kunde wieder zurück! 🙂 wenn er ein Individualist ist…

    Man kann es doch niemandem verdenken der ein neues Auto haben möchte das er zu einer anderen Marke geht wenn es bei SAAB keine gibt!

    Kann man nur hoffen und sich gedulden 😉 das die Bänder bald wieder rollen und die Autos dann ihre “Altkunden” wieder magisch anziehen… und die Händler verstehe ich auch… auch wenn die SAAB Tour ein sehr sehr schönes Event war und ist… Gewissheit das die Bänder bald wieder laufen und die Händler Geld mit Neuwagen verdienen hat keiner!!!
    Also Daumen drücken das die bald aus den Puschen kommen….

    • Wie sagte doch Victor Muller kurz nach dem Kauf von Saab so schön: “Wir müssen nicht rausgehen und neue Kunden finden”. “Wir müssen nur die zurückgewinnen, die wir verloren haben” 🙂

  • Liebe SAAB-Eigner, bitte weiter Geduld aufbringen – auch wenn im Tacho bereits hohe Laufleistungen angezeigt werden. Unser 9-5 Kombi hat bald 220.000 km auf dem Buckel und er läuft (bei guter Pflege natürlich) wie am ersten Tage!

    Höchst interessant ist jetzt, daas nicht nur die chinesischen Partner vollen Einsatz zeigen – Hut ab, sondern das nun auch die staatlichen Stellen in Schweden pro SAAB-Automobile agieren.

    Dieses beherzte Eintreten dürfte und müßte in Anbetracht des unfairen Verhaltens von GM (hier wird bewußt alles unnötig in die Länge gezogen) noch intensiviert werden. Diesen durch staatliche Mittel geretteten GM-Versagern sollte man von allen Seiten “Feuer unterm Hintern machen” – wirklich selbstsüchtige und unangenehme Leute!

    Joachim

    • Selbst 220TKm sind noch vergleichsweise wenig 😉 Meinen 93 (2.2 TiD – 125PS) von 2001 hatte ich vor knapp einem Jahr mit 280TKm erstanden und der läuft noch immer, obwohl er inzwischen schon 350TKm anzeigt, ohne jegliche Probleme. Mag es die Elektrik,Karosse oder die Motorik sein…Alles tadellos und einwandfrei!

      Man kann sagen was man will: SAAB baut einfach schöne, unkomplizierte und vor allem robuste Autos, die für die Ewigkeit gedacht sind und nicht, wie manche Fabrikate aus Deutschland, immer nach 3-4 Jahren “abgeschoben” werden müssen.

      Ergo: Einmal SAAB, immer SAAB 😉

  • Was mir nicht einleuchtet ist die Tatsache, dass die Produktion des 9-3 nicht wieder aufgenommen wird. Hier bewegt man sich außerhalb des Lizenz-Geplänkels mit GM und kann ein Zeichen setzen,
    denn ein Produktionsanlauf könnte sowohl treue Saab-Kunden als auch potentielle Neukunden von einem
    Frustkauf beim Wettbewerb abhalten.

    Eine Autofabrik muss nun einmal laufen, wenn nicht mit dem Gesamtsortiment dann halt befristet nur
    mit einem Modell. So käme wieder Geld in die Kasse, die vorliegenden Auftäge würden abgearbeitet
    und zumindest ein Teil der seit Monaten in den Zwangsurlaub verbannten Mitarbeiter hätte wieder
    einen normalen Tagesablauf. Vom Aufatmen der Händler ganz zu schweigen.

    • Die Produktion in Trollhättan steht nur leider nicht wegen Lizenzproblemen, sondern wegen nicht bezahlten Forderungen bei Lieferanten…

  • Die Gläubigerversammlung vom 1.11. hat dem Geschäftsplan zugestimmt, d.h. man steht hinter Saab und weiss, dass die Forderungen (wenn auch verspätet) 2012 in vollem Umfang ausgeglichen werden. Ich glaube nicht, dass die Zulieferer einen ernstgemeinten Vorstoss in Richtung eines baldigen Produktionsstarts blockieren würden!
    Die Situation hat sich durch das nachhaltige Engagement von Youngman und Pang Da grundlegend verändert.
    Jetzt sollte man die Aktivitäten splitten und neben der Fortführung der Verhandlungen mit Nachdruck die Vorbereitung des Produktionsstarts vorantreiben, damit die Kernaufgabe des Unternehmens schnellstmöglich wieder zum Leben erweckt wird!

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