Saab Trollhättan: Die Frustration der Lieferanten

Es ist nicht einfach die Flut der Informationen zu verarbeiten, die aus meinem Postfach und den schwedischen Medien auf uns einstürzt. Denn, heute ist mal wieder so ein Tag, an dem das Bloggen wenig Spaß macht. Im Fokus der Ereignisse steht, wieder einmal, die Informationspolitik von Saab.

Die Lieferanten unserer Automarke reagieren zunehmend gefrustet über ausbleibende Informationen aus Trollhättan. Dort wird die Lage immer prekärer. Angeblich zahlt Saab einigen Lieferanten Geld, anderen dagegen nichts. Eine Situation, die ich mir nicht vorstellen kann. Aber diese Dinge werden in der Presse hochgekocht, und schlechte Nachrichten verkaufen sich eben mal gut. Svenake Berglie, Chef der schwedischen Zulieferer versucht die Wogen zu glätten. Er glaubt nicht dass Saab einige Zulieferer bevorzugt, andere dagegen im Regen stehen läßt. Auch ist er voller Verständnis, dass während laufender Verhandlungen keine Informationen nach außen dringen können.

Etwas Zeit hat Saab in den Verhandlungen mit seinem Lieferanten aus Spanien gewonnen. Die Matrici S. Coop räumt dem Hersteller eine Frist von 10 Tagen ein. Dan  sollten die Rechnungen bezahlt sein, oder man findet eine andere Vereinbarung. Das berichtete der Anwahlt des Unternehmens dem Sender TV4 Väst.

Vom Prinzip her ist es heute sehr düster in Trollhättan. Denn, es wird jetzt Zeit für den Retter, oder zumindest für einen großen Batzen Geld. Mitllerweile, und ich schreibe das ungern, steht Saab auch bei kommunalen Unternehmen in der Kreide. Wärme, Waser, Strom, Telkommunikation und so weiter. Dazu sind Mietzahlungen für Industriehallen und einige Räume im Innovatum lange überfällig. Ich spare mir es, Summen zu nennen. Wer es wissen will, kann googeln und wird finden.

Zwar sagen die kommunalen Versorger, sie werden Saab weder den Hahn zudrehen, noch der “Nagel auf dem Sarg” sein, aber eine Lösung ist das nicht.

Da wäre da noch Lars Holmquist, der Clepa Präsident, der folgendes sagt “Selbst wenn Saab jetzt die Rechnungen bezahlt, gibt es keine Chance die Produktion zu starten”. Die Lieferanten wollen eine dauerhafte Stabilität sehen. Dazu ein glaubwürdiges Konzept. Das ist klar.

Womit wir bei den Mitarbeitern wären, von denen einige mittlerweile zu neuen Arbeitgebern abgewandert sind. Die Arbeiter kommen am 22 August in das Werk. Die Freunde von Saabsunited haben dies gestern bereits geschrieben, leider wird es am 22. nur um neue Informatione gehen. So wie es aussieht nicht um einen Produktionsstart.

So, natürlich gibt es in der größten Dunkelheit auch immer ein kleines Licht. Hej, in unserem Fall sind es sogar zwei. 😉

Paul Akerlund, der Bürgermeister der Kommune, sieht Hoffnung. Von Victor Muller wurde er über die neuesten Pläne informiert, und sieht eine Lösung. Akerlund sagt was er denkt, und ist ziemlich offen. Auch hatte er Muller in letzter Zeit hart kritisiert. Ich halte seine Aussage für glaubwürdig.

Die andere gute Nachricht ist eine aktive A-Säule, die Saab zusammen mit Autoliv entwickelt. RedJ, deutscher Blogger bei Saabsunited, hat darüber einen guten Artikel geschrieben. Die Stärken von Saab bei neuen, innovativen Lösungen sind jetzt das Argument, welches das Überleben der Marke garantieren kann.

Saab ist nicht Rover. Rover war wenig flexibel und die einzigste Idee, welches das Mangement der Briten hatte, war ein durchschnittliche Limousine auf Hinterradantrieb und V8 umzubauen. Ok, dafür hatte der Rover 75 das schönste Armaturenbrett der Welt.

Saab hat gut Ideen und neue Produkte in der Pipeline. Dazu die beste Fangemeinde der Welt. Ich schreibe das, damit wir bei all den schlechten Nachrichten nicht den Kopf in den Sand stecken. Uns Fans wird viel abverlangt – aber wir fahren unsere schwedischen Autos weiterhin mit Stolz.

Text: tom@saabblog.net

8 Gedanken zu „Saab Trollhättan: Die Frustration der Lieferanten

  • Hi Tom,

    wenn man das hier alles liest, wird einem wieder Angst und Bange. Dabei haben wir doch so sehr gehofft, dass es wieder aufwärts geht!
    Im Freundeskreis werde ich oft gefragt, ob es SAAB überhaupt noch gibt. Ich versuche dann die gegenwärtige Situation zu erklären, es fällt mir aber immer schwerer, da die Lage von Tag zu Tag undurchsichtiger wird. Es wurde sogar mal die Frage aufgeworfen, ob es sich bei der ganzen Sache nicht sogar um eine Insolvenzverschleppung handelt! Ich bin kein Jurist und möchte mich auch nicht mit solchen Dingen bzw. Vermutungen beschäftigen, aber es ist schon traurig, dass die Aussensicht auf SAAB mittlerweile so negativ ist.

    • Hallo TM 7374!

      Das SAAB-Management scheint auf dem richtigen Wege zu sein – Akerlund sowie die Gewerkschaftsvertreter wurden über die Pläne bereits informiert und sehen unisono die Lösung der Probleme (nebenbei bemerkt, handelt es sich bei den “Eingeweihten” um intelligente Personen).

      Hinsichtlich der Bemerkungen aus Deinem Freundes- und Bekanntenkreis wäre ein Hinweis auf diverse andere Autohersteller angebracht, die in der Vergangenheit auch mit dem Überleben beschäftigt waren: Porsche, Audi, BMW usw. (BMW wurde von Familie Quandt mit Geldern übernommen, die zuvor durch den Einsatz von Zwangsarbeitern im Nazi-Deutschland hereinkamen. Die Dokumentation darüber wurde ja bereits mehrfach im Fernsehen gezeigt. Es ging hier damals nicht, wie beispielsweise bei SAAB, um einen vergleichsweise harmlosen russischen Investor – der jedoch nicht mal zugelassen wird)!

      Gerade unsere Landsleute sollten sich etwas zurücknehmen und sich an die berühmte eigene Nase fassen – nicht immer nur versuchen, andere zu verunglimpfen (ist aber leider in Deutschland weit
      verbreitet).

      Schönes Wochenende und weiterhin positiv denken!
      Julie

      • Hallo Julie,

        ich teile Deinen Optimismus und hoffe, dass es SAAB auch weiterhin geben wird. Welche anderen Autos sollen wir denn auch fahren? 😉
        Aber es ist doch zugegebenermaßen kein souveränes Bild, das das SAAB Management derzeit zeichnet. Sicherlich ist es eine Herkules-Aufgabe SAAB mit all ihren Verflechtungen aus dem GM Erbe herauszulösen und auf eigene Beine zu stellen. Aber ohne einen finanzstarken Investor hat SAAB nur sehr wenige Möglichkeiten. Immer wieder etwas zu verkaufen um die Löhne und Gehälter zahlen zu können ist keine nachhaltige Strategie. Vielleicht sehen wir ein Deutschland vieles etwas zu pessimistisch und negativ, wir sind halt etwas anderes gewohnt wenn wir auf unsere eigene Autoindistrie schauen, die Monat für Monat Rekordabsatzzahlen erzielt. Sie scheinen vieles besser zu machen….

  • Hi TM7374,

    warum sollte es einem da noch Angst und Bange werden? Dieser Zustand dauert jetzt schon eine Zeit an, machmal ändern sich etwas die “Umstände” dieses Zustandes. Aber im Grund genommen bleibt es das gleiche. Ohne genügend Geld wird es nicht aufwärts gehen. Es war schon einiges Geld im Hause Saab wo eigendlich auch so niemand richig weiss wo die “Kohle” geblieben ist. Wenig war es nicht gerade!

    Was ist denn Saab zur Zeit?

    Autohersteller? Geldwaschmaschine? Geldverbrenner? …………………. and so on

    Die einzigsten die diesen Mist ausbaden müssen sind die Beschäftigten wenn sie am 22. Aug. ins Werk dürfen und irgendeinen Käse erzählt bekommen.

    Die Zeit für “Saab Illusionen” ist abgelaufen, auch wenn es andere anders sehen möchten.

    Servus

    M.

  • Hi Julie,

    Mr. A……. ist ganz bestimmt kein harmloser russischer Investor 😉

    Ciao

    M.

    • An Search SAAB

      Was hat Herr Antonov denn nachweislich verbrochen?

      Über einen kurzen stichhaltigen Hinweis wäre ich sehr dankbar – Zwangsarbeiter (wie bei Quandt) hat er jedenfalls nicht rekrutiert!

      Julie

      • Hallo julie,

        lese Deine Frage etwas verspätet, aber vielleicht noch nicht zu spät. Hier einmal ein Einstieg: http://rumafia.com/material.php?id=220
        Zum Kontext gehören auch die Verhältnisse in der russischen Bankwelt Mitte der 90er, in denen sich A. als Student für den Erwerb der Akademhimbank fit gemacht hat (der ganze Sektor noch 1993 fast vollständig mafiös). War auch eine Zeit, in der die meisten Unternehmer Schutzgeld zahlen mußten und jährlich mehr als 1000 Personen allein in Moskau ermordet wurden.

        Gruß
        saabulus

  • Hi Julia,

    nachweislich? Wo kein Richter da kein Kläger. Natürlich möchte ich Hr. A….. nicht mit den Herren aus unserer “braunen” Vergangenheit vergleichen.
    Was man bedenken sollte die meisten Verbrechen von damals sind erst viel später heraus gekommen, was denkt man in 50 Jahren von Hr. A…..?

    Aber ich denke wir kommen vom Thema ab.

    Tschüss

    M.

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