Saab News Deutschland: Frank Jaenicke spricht über die Zukunft von Saab

Die Zeiten sind turbulent und aufregend. Frank Jaenicke, er ist Vorstandschef des Verbands der Saab Vertragspartner in Deutschland, hat der Mitteldeutschen Zeitung ein Interview zur Zukunft von Saab aus seiner Sicht gegeben.

Frank Jaenicke ist seit 20 Jahren Autohändler. Sein Job ist es also, Autos zu verkaufen. Doch seit mindestens zwei Jahren muss Jaenicke zusätzlich auch Berufsoptimist sein. Denn der Hallenser ist Saab-Händler. Und nicht nur das: Er ist auch Vorstandschef des Verbands der Saab Vertragspartner Deutschland. Der oberste deutsche Saab-Verkäufer sagte vor gut zwei Jahren noch: „Ich glaube an eine Zukunft von Saab.“ Dies war kurz nachdem der angeschlagene schwedische Autobauer, der damals noch dem US-Autobauer General Motors (GM) gehörte, Gläubigerschutz beantragte. Heute hört sich der Satz etwas anders an: „Wenn ich nicht an eine Zukunft von Saab glaube, wer denn dann?“

Jaenicke besitzt ein schmuckes Autobaus in Halle-Ost. Durch große Fenster fallen Sonnenstrahlen auf weiße Fliesen. Neben einem glänzenden schwarzen Saab-Modell steht eine schwarze Ledercouch. „Saab steht noch immer für Eleganz, die nicht protzig wirkt“, sagt der Autohaus-Chef. „Architekten-Ferrari“ wurde das Fahrzeug in den 80er Jahren in der alten Bundesrepublik auch genannt. Legendär ist der Saab 900, der noch heute von vielen Liebhabern gefahren wird. Saab spielte damals technologisch vorne mit. Den Turbo, der heute in vielen Fahrzeugen Standard ist, setzte der Autobauer als erstes ein. Vor allem erreichten die Schweden früh etwas, was heute für alle erfolgreichen Hersteller wichtig ist: eine emotionale Bindung der Fahrer zur Marke. „Saab zu fahren, ist auch ein Lebensgefühl, das Freiheit und Unabhängigkeit ausdrückt“, sagt Jaenicke. „Wir haben unheimlich treue Kunden.“ Ohne diese gäbe es die Marke wahrscheinlich heute schon längst nicht mehr.

Frank Jaenicke, (FOTO: ARCHIV/STEDLER)
Frank Jaenicke, (FOTO: ARCHIV/STEDLER)

Finanziell erfolgreich ist Saab allerdings schon seit langem nicht mehr. Schon der Mutterkonzern GM, der zweitgrößte Autobauer der Welt, fuhr jahrelang Verluste ein. Anfang 2010 kaufte das niederländische Unternehmen Spyker – einer der kleinsten Autobauer der Welt – Saab. Gut 32 000 Fahrzeuge wurden 2010 gefertigt. Doch immer wieder ruhen die Bänder im schwedischen Trollhättan. Daran ändert offenbar auch der Einstieg des chinesischen Autohändlers Pangda nichts, der nun noch einmal Millionen zur Verfügung stellt.

Für die deutschen Saab-Verkäufer ist die Unsicherheit Gift. Etwa 1 700 Saab wurden im vergangenen Jahr noch in Deutschland verkauft. 80 Vertragshändler gibt es laut Jaenicke noch. Vor zwei Jahren waren es rund 100. Die Verkaufszahlen sind schlecht. 20 Saab hat Jaenicke an zwei Standorten im vergangenen Jahr abgesetzt. „In guten Jahren haben wir 110 Saab verkauft.“ Ohne den Verkauf von Autos auch anderer Marken ließe sich das Geschäft kaum mehr betreiben. Die Talfahrt geht dennoch an die Substanz. Jaenicke hat im März sein Magdeburger Autohaus verkauft. „Wir müssen finanziell liquide bleiben. Ich konzentriere mich auf Halle.“

Hoffnungen setzt der Autohändler in neue Modelle. So kommt im Herbst das Kombi-Modell des Saab 9-5 auf den Markt. „Von den Testern erhielt das Fahrzeug sehr gute Noten“, erklärt Jaenicke. Saab steige zudem mit dem neuen 9-4X auch in das Segment der sportlichen Geländewagen ein. Beide Fahrzeuge wurden noch unter der Ägide von GM entwickelt. Doch reicht dies aus, um den schwedischen Hersteller wieder stark zu machen?

Renommierte deutsche Automobilexperten sind skeptisch. Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft am Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen, sagt: „Saab hat in jetziger Form keine Chance.“ Mit insgesamt 30 000 Fahrzeugen im Jahr seien die Kostenstrukturen so miserabel, dass sich die Produktion nicht rechne. Auch ein größerer Investor ändere daran nichts. Konkurrent BMW stelle knapp 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr her. „Die Marke Saab tritt nicht mehr groß auf“, sagt Stefan Schwarz vom Center für Automobil-Management. Das Renommee habe dadurch gelitten.

Saab-Händler Jaenicke kennt all diese negativen Einschätzungen. Und dennoch geben er und viele andere deutsche Vertragshändler nicht auf. Sie hoffen darauf, dass Saab in Kooperation mit großen Herstellern wie etwa BMW in der Nische gut überleben kann. „Nur wenige andere Automarken hätten solche Turbulenzen wie in den vergangenen zwei Jahren überstanden“, sagt Jaenicke. „Jetzt geht es wieder aufwärts. Die Verkaufszahlen steigen“, sagt der Autohändler. Oder spricht da gerade der Berufsoptimist?

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung