Was macht der frühere Saab Eigentümer Victor Muller?

Nach viel Saab Zukunft in den letzten Tagen kommt zum Feierabend ein kurzer Blick auf einen Akteur der Saab Vergangenheit. Es ist sehr ruhig um den ehemaligen Saab Eigentümer Victor Muller geworden. Für eine gefühlte Sekunde war er im Winter in der schwedischen Publikumspresse präsent, als er beim Skilaufen in Italien einen Unfall hatte.

Victor Muller und Pang Qingnian - keine gute Partnerschaft?
Victor Muller und Pang Qingnian – keine gute Partnerschaft?

Der Genfer Autosalon musste ohne ihn und Spyker auskommen. Hat Muller keine Lust mehr auf große Bühne?

Es wäre schön, könnte man über Erfolge des Holländers schreiben. Denn eigentlich wünscht man jedem Menschen Glück. Grob formuliert könnte man Mullers Zeit nach Saab so zusammenfassen, dass die ambitionierten Pläne nicht funktionieren wollen. Im Detail sind es die kleinen Dinge des Alltags und die Nachbeben aus der Freundschaft mit Vladimir Antonov, die Muller das Leben schwer machen.

Als kleinere Dinge verbucht werden zum Beispiel nicht bezahlte Anwaltsrechnungen. Der Auftakt von negativer Presse im Jahr 2014. Joest Straat, der für Spyker juristisch tätig war, hatte den exklusiven Sportwagenhersteller auf die Zahlung von 22.838,75 € verklagt, nachdem der nicht zahlen konnte oder wollte. Die von Muller vorgeschlagenen 10.000,00 € waren nicht akzeptabel, das Gericht gab Joest Straat Recht. Dieser könnte jetzt den Insolvenzantrag für Spyker stellen, wird das aber vermutlich nicht tun, und arbeitet an einer einvernehmlichen Lösung.

Das sind die alltäglichen Sorgen, die Muller schmerzen. Bedrohlicher wird es, wenn man die Spyker Zahlen für das erste Halbjahr 2013 anschaut. Einem Umsatz von 682.000,00 €, was zwei verkauften Sportwagen entsprechen würde, steht ein Nettoverlust von 5.2 Millionen € gegenüber. Und es kommt noch schlimmer. Da sind ernsthafte Nachwehen aus der Geschäftsbeziehung zu Vladimir Antonov, die Muller und Spyker in Gefahr bringen.

Ein Finanzierungsleasingvertrag über 2,3 Millionen € der Latvijas Krājbanka, für den Muller gerade stehen soll, wird von den Administratoren der früher zu Antonovs Reich gehörigen Bank eingefordert. Das Geld war für Maschinen bei der Coventry Prototype Panels gedacht, die in England den Spyker C8 fertigen sollte. Der Vertrag selbst, ein trickreiches Dreieck-Konstrukt, lief als Geschäft über mehrere Firmen, die mittlerweile  fast alle insolvent sind. Die Maschinen wurden nie geliefert, die Fertigung nie aufgenommen, die Gelder sind irgendwo versickert, der C8 wird wieder in Handarbeit in Zeewolde montiert. Wenn sich denn ein Käufer findet. Die Insolvenzverwalter der Bank aber sind hartnäckig,  und ein Schiedsgericht in Lettland hat Muller bereits zur Zahlung verurteilt. Der wird das Verfahren anfechten. Natürlich.

Mullers SUV: Spyker D8 für 1.000.000 US Dollar
Mullers SUV: Spyker D8 für 1.000.000 US Dollar

Vielleicht hätte es das Leben nach Saab mit Muller etwas besser gemeint, hätte er sich die richtigen Partner gesucht. Es gab die hochfliegenden Pläne, gemeinsam mit Lotus-Youngman ein Premium -Fahrzeug auf der Saab Phoenix-Plattform zu bauen. Und es gab dieses bizzare Projekt, das Spyker D8 SUV, das mal je nach Tagesform 1 Million US Dollar, mal auch nur 250.000 US Dollar kosten sollte. Dafür, und für das Phoenix Projekt, wollten beide Partner einige 100 Millionen € investieren und eine große Zahl ehemaliger Saab Ingenieure einstellen. Passiert ist die letzten Jahre – nichts.

Und genau da steckt das Problem. Spyker ist nicht gut bei Kasse, zahlt,  wenn man der Lokalpresse Glauben schenken kann, die Gehälter nur teilweise oder gar nicht. Partner Pang Qingnian von Lotus-Youngman soll für Muller nicht mehr erreichbar sein. Ausserdem, so vermutet man,  ohne dafür Beweise zu nennen, sollen die Chinesen die vereinbarten 10 Millionen € seit Dezember 2012 schuldig geblieben sein. Was nicht erstaunlich wäre, denn Muller-Spyker wäre nicht das erste europäische Investment, wo Lotus-Youngman seine Verpflichtungen nicht erfüllt hätte. Der Bushersteller Viseon ist ebenfalls ein Opfer der Investoren und ging im Jahr 2013 in das Insolvenzverfahren, nachdem zugesagte Gelder aus China ausblieben. Mancher Leser wird jetzt froh sein, dass Youngman nicht den Zuschlag beim Kauf von Saab bekommen hat. Mir geht es ebenso.

Was “Luky Vic” momentan fehlt, ist die nötige Portion Glück, die ihm lange Zeit sicher schien. Auf Wikipedia findet man unter Spyker den Eintrag “Spyker Cars N.V. [ˈspɛi̯ːkəʁ] war ein niederländisches Unternehmen, das exklusive Sportwagen baute…” was etwas voreilig ist. Spyker ist in Not, aber noch gibt es in Zeewolde Zweck-Optimismus, und der Spyker B6 soll doch noch auf den Markt kommen…als Porsche -Konkurrent auf Augenhöhe mit dem 911 und diesmal mit einem Lotus 6-Zylinder Motor.

Die neueste Idee um die Produktion anzuwerfen: Eine Spyker B6 Anleihe. Gegen den Betrag von 100.000 Britischen Pfund, rund 120.000 €, bekommt der autoverrückte Investor die Möglichkeit sich einen B6 der ersten Edition zu sichern. Benötigt werden 25 Millionen €, die Muller auf diese Weise einsammeln möchte. Mit beteiligt an dem “Spyker Venator Bond” sind Investmentfirmen, deren Namen uns aus der Spyker-Saab Ära bekannt vorkommen. Manche Ding scheinen sich nie zu ändern.

Die sportlichen Anlagen für einen Erfolg des B6 Venator wären, sehen wir mal von dem unglücklichen wirtschaftlichen Umfeld ab, durchaus vorhanden. Unter der Hülle des B6 befinden sich deutsche Sportwagen-Gene. Ein Artega GT, neu eingekleidet und modifiziert. Noch so eine tragische Geschichte und vielleicht kein gutes Vorzeichen.

Text: tom@saabblog.net

 

5 Gedanken zu „Was macht der frühere Saab Eigentümer Victor Muller?

  • 17. April 2014 um 7:23 AM
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    Bin froh, daß die Geschichte SAAB ohne VM weitergeht:
    hochtrabende Ideen,
    wenig Kapital im Hintergrund
    und immer auf der Suche nach den “richtigen” Freunden im Leben….
    Das unter seiner Ära 9-4 und 9-5 so phantastisch endgradig ausgearbeitet worden sind, tragisch!
    Ein interessanter Artikel über nähere die SAAB Vergangenheit! DANKE! 🙂

  • 18. April 2014 um 12:04 PM
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    Während ich den Artikel lese, wird mir klar, dass ich die damaligen “Hoffnungsträger” (und Schaumschläger), heißen sie nun Muller, Youngman oder Antonov wirklich nicht vermisse. Heute schaue ich neidisch zu Jaguar und Landrover. Hier hat der neue Eigentümer Tata Motors verstanden, wie man eine Marke pflegt und mit neuen Modellen, die ihre Vergangenheit stolz zur Schau stellen, wieder zum Erfolg führt.

    Gut, das mit Tata Motors und SAAB hat wohl nicht sein sollen. Den Weg, wie man eine tot gesagte Marke wieder auflädt, sollte sich NEVS gerne bei Tata Motors abschauen. Das mit dem Aufladen der Marke kann dabei gerne auch elektrisch geschehen.

  • 20. April 2014 um 9:06 PM
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    Trotz all dem was man jetzt über Victor Muller liest und hört, SAAB wär ohne ihn nicht mehr da. GM hätte alles geschlossen und die Marke sterben lassen. VM hat es dann geschafft das Leben von SAAB zu verlängern.

    • 23. April 2014 um 8:09 AM
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      Völlig einverstanden, Urs.
      Das ist 100% richtig.

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