Teves, Saab Turbo, Frankfurt, wie man Saab Fan wird und bleibt

Neue Abonnenten des SaabBlog Magazins erhalten nach einigen Tagen eine freundliche Mail der Redaktion. Wir fragen dann, ob sie uns ein Bild ihres Saab schicken möchten und ob sie einige Worte zu ihrer Geschichte mit der Marke schreiben. In der Mehrzahl kommt keine Reaktion, vielleicht erwarten wir einfach zu viel.

Oder es gibt keine Bilder vom Saab, die griffbereit wären. Vielleicht will man auch nichts erzählen. Eine richtig tolle, auf eine gewisse Art typische Geschichte mit der Marke hat uns Hendrik geschickt.

Sie beginnt in Ostberlin und sie hat uns so sehr berührt, dass wir sie hier veröffentlichen.

Saab Turbo Family - willkommen beim SaabBlog Magazin
Saab Turbo Family – willkommen beim SaabBlog Magazin

Teves, Saab Turbo, Frankfurt – wie man Saab Fan wird und bleibt

Saabs fuhren über zwei Jahrzehnte außerhalb meines Horizonts. Mit einer Ausnahme: Aus einem Tor der hinter unserem Ostberliner Plattenbau liegenden Garagenzeile sah ich, wenn ich Glück hatte, ab und zu einen liebevoll gepflegten Saab 99 rollen. Wie er sich in die automobile Diaspora verirren konnte, ist bis heute ein Geheimnis.

Für mich als Teenager eher ein Kuriosum. Die Träume hingen an funkelnden Sternen, springenden Pferden oder weißen Propellern, die sich vor blauem Himmel drehen.

Ein glücklicher Umstand verhalf mir bei Dreharbeiten, noch vor der Wende, zur Flucht hinter den eisernen Vorhang.

Dem aufstrebenden Privatfernsehen war es zu verdanken, dass freies Personal für Film und Fernsehen in dieser Zeit praktisch nicht zu finden war. Meine Wahl fiel auf eine kleine, edle Werbeproduktionsfirma in Bad Homburg.

Erstes Projekt: ein Werbefilm für Teves-Bremsen, über das damals bahnbrechende ASR‑System. Um dieses neue Feature möglichst effektvoll und typenneutral zu präsentieren, schickte die Saab Vertretung Frankfurt ein 900er Cabrio mit einem Vorserien-ASR.

Für mich, der als einziges Auto einen Moskvich Kombi besessen hatte, ein unwirkliches Gefährt. Duftendes Leder, elektrische Fenster, das elektrische Verdeck, Luxus überall. Und natürlich der satte Sound, unglaublich. Wir drehten im Taunus. Der Saab sollte an einer Steigung ohne durchdrehende Räder rasant starten, eine Serpentine nehmen und mit einer Vollbremsung direkt vor der Kamera stoppen.

Ich zog einen Strich auf die Straße, der Stuntman machte drei Versuche, perfekt. Also Kamera an den Strich, Schärfe ziehen und Action. Der Motor brüllte auf, elegant nahm das Cabrio die Kurve, raste auf mich zu und…

Das klassische Saab 900 Cabriolet von Hendrik
Das klassische Saab 900 Cabriolet von Hendrik

Irgendeine Eingebung ließ mich in den Straßengraben springen, die Kamera flog mit einem pfeifenden Geräusch über mich hinweg. Der Stuntman kreidebleich, ich kreidebleich, sonst zum Glück unverletzt, brauchten wir beide eine Pause und eine neue Kamera.

Als meine Sinne wieder beisammen waren, packte ich die kläglichen Reste meines Aufnahmegeräts in den geräumigen Cabrio Kofferraum um Ersatz zu holen. Das Team genoss die Frühlingssonne und ich nahm das erste Mal in einem Saab Platz. Es war schon einige Zeit her, dass ich hinter einem Steuer saß, dazu ein unbekannter Wagen.

Vorsicht war geboten.

Was dann passierte, lässt mich immer noch erschauern.

Ich fand das Zündschloss, das Biest fauchte, das Dach schwebte nach hinten und los ging’s. Aber Achtung! Was das mit dem Auto machte, wenn ich auf das Gaspedal trat, war mir unheimlich. So glitt ich sanft durch den Taunus, bis vor mir dieser Sattelschlepper zuckelte. 40 km/h, 30 km/h, 20km/h.

Dann eine lange gerade Steigung, kein Gegenverkehr, warum nicht überholen? Also links raus und Gas.

Was dann passierte, lässt mich immer noch erschauern. Ein Ruck ging durch dieses Auto und ein unsichtbares Katapult schoss mich an dem 20 Meter langen LKW vorbei. Mein Herz schlug bis zum Hals, ich war infiziert. Die ersten Spargroschen reichten für einen silbernen 84er 900i Zweitürer und nach ein paar Jahren schließlich für dieses weiße 900 Turbo Cabrio mit der roten Box unter der Haube.

Das begleitet mich nun schon mehr als fünfundzwanzig Jahre. Die 9-5 Kombi Familienkutsche war eine nicht so großartige Geschichte, aber kein Grund, die alten Schweden zu verfluchen.

Wenn man bedenkt, dass die erste Begegnung mit einem Saab auch meine letzte hätte sein können, habe ich der Marke unerschütterlich die Treue gehalten.

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1 Kommentar
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Saabine 2003
Saabine 2003
4 Minuten zuvor

Ja so war es mit dem 900er. Der Motor längs eingebaut, die Motorhaube nach vorne zu öffnen. Aber wehe, man kam beim Turbo aus dem Turboloch heraus. Da haben doch die Räder im dritten Gang schon mal durchgedreht und die Vorderreifen haben um Hilfe gebrüllt. Nur die vier Traggelenke vorne und die ewig klemmenden Bremssattel vorne waren ein Leiden. Was würde ich dafür geben, heute noch einen zu besitzen.