Lange Strecken werden immer kürzer – mit dem Saab 9000

Der erfolgreichste Saab Werbeslogan in den 80er Jahren? Unvergessen ist – auf langen Strecken zu Hause – für den 9000 Turbo. Kein anderer Spruch steht so für den Anspruch des großen Saab und ist dermaßen zutreffend. Die deutsche Niederlassung verwendete ihn über Jahre hinweg, vermutlich weil er so einprägsam war.

Um ihn zu verstehen, muss man zurück in die Zeit von vor 4 Jahrzehnten reisen. Lange berufliche Autofahrten konnten zur Tortur werden, denn wichtige Disziplinen, wie eine perfekte Ergonomie des Innenraums oder gutes Sitzen, sind nicht bei jedem Hersteller ein Thema.

Saab, der Flugzeugbauer mit angegliederter Autoproduktion, bildet, wie einige andere höherpreisige Anbieter, eine Ausnahme. Die Form hat der Funktion zu folgen – ist einer der Leitsprüche der Schweden.

Ein Saab - der auf langen Strecken punktet
Ein Saab – der auf langen Strecken punktet

Lange Strecken werden immer kürzer – mit dem Saab 9000

Das hat man beim 9000 konsequent umgesetzt. Der Innenraum, von Designer Björn Envall gestaltet, ist selbsterklärend. Große, nach Funktionsgruppen logisch angeordnete Tasten und Schalter lassen die Bedienung zum Kinderspiel werden. Sogar mit dicken Handschuhen ist in der Winterzeit die Handhabung kein Problem, so robust sind die Tasten ausgelegt.

Die beheizbaren Sitze, von Saab in Eigenregie nach neuesten ergonomischen Erkenntnissen konsequent konstruiert und im eigenen Betriebsteil hergestellt, sind ebenfalls Weltklasse.

Eine Besonderheit ist die Rücksitzbank. Sie ist ein Federkernsofa auf Rädern, warum die Schweden diese enorm teure Lösung wählten, ist nicht bekannt. Der Sitzkomfort jedenfalls ist fantastisch und begeistert Mitreisende selbst nach Jahrzehnten noch.

Saab 9000 Printwerbung 1987
Saab 9000 Printwerbung 1987

Auf langen Strecken zu Hause, mit oder ohne Turbolader

In der Werbung für das Modelljahr 1987 führt Saab Deutschland noch weitere Gründe an, die für den 9000 sprechen. Einer ist die komplette Ausstattung, die es tatsächlich schon für das Basismodell gibt. Ein anderer sind die Motoren mit dem 175- oder 160-PS-starken Turbo. Der Leistungsunterschied ergibt sich durch die Verwendung des Katalysators oder den Verzicht darauf. Dass beide Versionen Freude machen (Link), kann man immer noch unterschreiben.

Die damals beliebte 128-PS-Basismotorisierung, um die 130 PS und 16-Ventil-Motoren galten damals unbestreitbar als sportlich, hat heute nur noch den Ruf, einem automobilen Klassiker angemessen zu sein und ist für ruhige Genießertouren bestens geeignet.

1987 jedoch ist Saab-Scania auch mit diesem Antrieb auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern in der gehobenen Fahrzeugklasse.

Doch wie es sich allgemein mit der Werbung verhält, neigt sie manchmal zu Übertreibungen. Denn die Geräuschdämmung passt nicht ganz in diese Fahrzeugklasse. Das mechanische Arbeiten im Motorraum ist vom Fahrer und Passagieren leicht wahrnehmbar und stets präsent. Es dauert lange, bis die Schweden sich bequemen, eine angemessene Dämmung einzufügen, dann aber passt alles und auf langen Strecken kann man endlich die ersehnte Ruhe eines Oberklasse-Fahrzeugs genießen.

3 Comments
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Hans-Jürgen Kaiser
Hans-Jürgen Kaiser
1 Jahr zuvor

Vor allem die Windgeräusche so ab 120km/h waren auf längeren Fahrten nervig. Ich hatte einen 2.3T mit 200PS und wäre gern länger schnell gefahren, aber von Zeit zu Zeit auf der Autobahn mal nur gemütlich fahren war dann entspannender.

Bernd
Bernd
1 Jahr zuvor

..es gab sogar die passende Musik 😉

Auf-langen-Strecken-zu-Hause
Aero-93
Aero-93
1 Jahr zuvor

Zitat: Es dauert lange, bis die Schweden sich bequemen,…
Ich werde meinen Freund mal fragen, warum er nach seinem SAAB 9000 (125 PS) einen Audi 100 5 Zyl. fuhr…, könnte schon der “Geräuschpegel” gewesen sein. Er war seinerzeit “viel auf der Straße”.