Wenn DER (Saab 9000 CD) eines Tages verkauft wird
Es war einer dieser späten Nachmittage, an dem das Tagwerk vollbracht war und man sich für eine Stunde dem vorhandenen Zeitungsmaterial widmen konnte. Elektronisch natürlich inzwischen, nachdem es immer wieder Probleme mit der Zustellung der gedruckten Variante gegeben hatte.
Und nachdem man die Nachrichten des Tages aus dem Ausland und dem Inland zur Kenntnis genommen und sich zum Teil seinen eigenen Teil dazu gedacht hatte, ging es auf den Saabblog. Für das Wissen rund um die Marke SAAB und auch zur Zerstreuung kann man sich dort oft stundenlang festlesen, um Details zu erfahren, die man bisher noch gar nicht kannte.
Ähnlich war es auch dieses Mal. Ein Artikel übergab an den nächsten, das Hinweisfeld „das könnte Ihnen auch gefallen“ hatte ganze Arbeit geleistet. Nach der Lektüre eines Artikels tauchte dort der Hinweis auf die Vorstellung eines SAAB 9000 CD von 2017 auf.

DER Saab 9000 CD
Allein die Farbe des Wagens zog schon meinen Blick auf sich. Dunkelblau. Korrekt: LeMans-Blau. Im Artikel wurde der Wagen vom Eigentümer als Japan-Import beschrieben.
Das ist spannend! Ein Linkslenker aus Japan.
Wie ich es anhand der Beschreibung einschätzte: Vollausstattung, Leder, der 2.3-Liter-Turbomotor und keine 60.000 Kilometer.

Was kommt einem in den Sinn, wenn man solch einen Artikel liest und die Bilder dazu sieht? Genau: „Wenn der eines Tages verkauft werden sollte……“ Genau das dachte ich mir auch und überlegte, den Besitzer anzuschreiben. Für den Fall, dass er den Wagen eines Tages verkaufen möchte.
Unglaublich – DER Saab 9000 CD wird verkauft
Eine Woche später an gleicher Stelle. Mich erreicht die Einladung zum SAAB-Stammtisch unserer Region. Eine Veranstaltung, zu der ich es meist nicht schaffe. Was schade ist, denn der Stammtisch macht Spaß und es geht sehr entspannt zu.
Jedenfalls wurde der neue Termin angekündigt. Und nach der Vorankündigung fand sich der Hinweis, dass ein Stammtischmitglied seinen SAAB 9000 verkaufen möchte. Das war der Moment, in dem meine Ohren sämtliche Alltagsgeräusche ausgeblendet und meine Augen sich nur auf die Bilder dort konzentriert haben.
Das konnte nicht sein … doch! Es war genau der Saab 9000 CD aus dem Artikel im Saabblog von 2020 (Link).
Das konnte doch unmöglich sein. Sind Google und die „Künstliche Intelligenz“ doch weiter, als ich vermutet hatte?
Ich habe den Artikel noch einmal aufgerufen und mir die Bilder angesehen. Und ein Für und Wider überlegt. Aber … ansehen musste ich ihn. Eine solche Chance und solch einen Zufall gibt es keine zweimal im Leben.

Also wurde kurzerhand mit dem Besitzer telefonisch ein Termin ausgemacht. Und als der 9000 dann vor mir stand und wir gemeinsam eine Fahrt unternahmen … waren sämtliche Bedenken (wofür benötigst Du jetzt NOCH einen SAAB?) ausgeblendet und verflogen.
Das schwedische Dickschiff vermittelte eine andere Zeit, als man Wert noch fühlen und spüren konnte. Der 9000 fuhr sich leicht, die Automatik-Schaltung war butterweich, das Fahrwerk so wie man es sich wünscht. Komfortabel, aber fest.

Es waren einige Arbeiten durchgeführt worden, sodass der Wagen einen guten Eindruck hinterließ. Und damit der Eingangsgedanke „Wenn der mal verkauft werden sollte …“ auch stringent zu Ende gedacht wurde, hat der 9000 nun eine neue Heimat.
Ein Saab aus dem Großraum Tokio
Was ist zum Wagen zu sagen? Es ist ein Modelljahr 1992, wurde jedoch erst im November 1993 zugelassen. Erstbesitzerin war eine Japanerin auf der Yokota Airbase (Link) bei Tokio. Sie fuhr den Wagen 12 Jahre lang, wobei er dabei lediglich knapp 9.000 Kilometer zurücklegte.
Die Spuren an der Sitzwagen des Fahrersitzes und der Rücksitze lässt darauf schließen, dass vornehmlich die Kinder zur Schule gefahren wurden.

Zweitbesitzer war ein Japaner in Tokio, der mit dem Wagen dann bis 2017 weitere rund 40.000 Kilometer zurücklegte. Anschließend kam der 9000 nach Deutschland. Aktuell zeigt er 59.500 Kilometer auf dem Tacho. Er ist also nicht einmal eingefahren.
Zunächst habe ich das Sitzleder bei einem mir bekannten Aufbereiter pflegen lassen. Das hat hervorragend funktioniert. Über die andere ihm übertragene Arbeit mit den Fensterrahmen kann man das nicht sagen.

Die chromfarbigen, schwarz, teils eloxierten Fensterrahmen sollten aufgefrischt werden. Was im Ergebnis dann so aussah, dass der Betrieb die Rahmen schwarz überlackiert hat; und das nicht einmal gut.
Man sieht mir selten an, was ich denke, als mir das präsentiert wurde, konnte man es aber mühelos an meinen Gesichtszügen und in meinen Augen erkennen.

Einige wenige technische Dinge, die ich gerne „gemacht“ haben wollte, werden derzeit bei SAAB Ratzmann (Link) in Frankfurt am Main durchgeführt. Nötig wäre das nicht gewesen, aber ich arbeite da gerne vorausschauend und zur sicheren Seite hin. Die Überführungsfahrt einmal im Zickzack-Kurs durch Deutschland von Lüneburg via Wendland und Düsseldorf nach Frankfurt an einem Tag war das reinste Vergnügen!
Der 9000 wird nun also technisch und optisch schick gemacht. Oder sagen wir besser: Das ohnehin gute Niveau wird noch mal angehoben. Und dementsprechend wird es eine Fortsetzung zu diesem Blog-Beitrag geben. Tja, Tom, ich verstehe jetzt, wie man unverhofft zu einem SAAB-Projekt kommt. Und es macht doch auch Spaß!
Tolle Geschichte Christian!
Als ich den Beitrag sah, dachte ich zuerst, dass es sich um mein Auto handelt…was natürlich nicht sein kann. Aber annähernd. Meiner ambassadorblau mit Edelvelours in marineblau, 2.0 Turbo, 1. Generation DI und knapp 33’000km aus erster Hand, auf 16 Zoll Crossspoke stehend. Meistens stehend : )
Happy Saabing, Patrick
Habe meine Mama gefragt, was auf den japanischen Aufkleber steht:
Nihon Yunyu Kumiai = Japanische Auto Importgesellschaft
War wohl der Importeur, wobei es für Saab glaube ich auch einen anderen Importeuer gab. Habe da mal andere Aufkleber dazu gesehen
Danke!
Lieber Christian, danke für den schönen Artikel, bestes Lesevergnügen zum Feierabend. Freue mich, dass PI CD 9000 bei Dir eine sehr gute neue Heimat gefunden hat und wünsche euch viele tolle gemeinsame Kilometer. Wir sehen uns hoffentlich spätestens im Juni in Trollhättan. Vielleicht darf ich mich dann nochmal reinsetzen .
Schön, wenn so ein Auto so beflissen weiterleben kann. Danke für den Bericht – auch, wenn ich’s auch schade finde, dass das Chrom an den Fensterschachtleisten erstmal verlorengegangen ist.
Warum hast Du das für den Wagen charakteristische PI-CD9000-Kennzeichen nicht behalten, Christian?
Ähm…..ertappt…..ich habe nicht nachgedacht, Schande über mich. Es ist bei mir immer noch nicht so richtig drin, dass man das alte Kennzeichen, egal woher es kommt, inzwischen auch behalten kann. Hätte ich es mal getan. LG-CD 9000 war schon vergeben.
Das mit den Fensterrahmen wird in einer Gemeinschaftsaktion wieder geradegebogen. Der Lack ist so schlecht aufgetragen, dass er mit einem Fingernagel wieder abgelöst werden kann. Schnell-Schnell trifft auf Beständig. Ich werde in einem zweiten Teil über den Fortgang der Pflege der Blauen Elise erzählen.
Das ist ja Glück, dass das Ärgernis /die Farbe nicht beständig ist. Habe mich beim Lesen co-echauffiert, dass ein Aufbereiter ohne Rücksprache so radikal agiert. Hatte es nicht kommentiert, weil ich den Finger nicht in Wunden legen wollte, deren Tiefe ich nicht kenne …
Was wäre gewesen, wenn die Lackierung auch noch “gut” gewesen wäre? Dann wären die Fensterrahmen inkl. Chrom jetzt angeschliffen und nicht mehr zu retten, das Ärgernis durabel. Das hätte so richtig wehgetan …
Vielleicht hat’s dann diesmal eingerastet 🙂
Beim LiebeGrüße-Landkreis würde ich lieber damit spielen (LG-AN 1992 oder sowas), als dann eine eher weit hergeholte Wunschkombination zu nutzen. Der 9000CD ist für mich ein langes, klar gestaltetes Auto ohne Aufregungen oder ‘Unterbrechungen’ beim Anschauen – da passt die auf mich holperig wirkende 9092 nicht dazu. ‘9000’ gleitet und ist rund.
Viel Freude mit ihm.
Marc, das darfst Du und sollst Du. 🙂
Dito, eine wunderbare Geschichte. Ein toller 9000 CD in der Lüneburger Region, top!
Ich freue mich, diesen einmal live zu sehen…
Viel Freude mit dem SAAB!
VG
Gratuliere lieber Christian. Zum einen zu dem großartigen Saab. Und zum anderen zu dem Beitrag. Deine Geschichten sind immer wieder ein Lesevergnügen.
Eine kurze Anmerkung zum Thema Linkslenker in Japan: im Land der aufgehenden Sonne gilt es als das Statussymbol schlechthin, einen ausländischen Wagen als Linkslenker zu fahren. Bin dort sogar reimportierten exklusiven japanischen Fahrzeugen begegnet. Viel Vergnügen mit dem ungewöhnlich schönen Saab. Und Vorsicht beim Stöbern. Es gibt eine ungeahnte Anzahl Saabs die wir nicht brauchen….. und wie es endet, steht oben. Kenne das Phänomen zu gut.
Stimmt, auch ist der Linkslenker nicht nur im japanischen Linksverkehr beliebt. Spätestens bei chauffierten Limousinen hat es handfeste Vorteile, wenn der Fahrer zum Bürgersteig hin aussteigen kann. Trifft auch auf Eltern zu, die ihren Kindern kindergesicherte Türen zum Bürgersteig hin öffnen wollen ..
In nochmals höheren Kreisen wird allerdings wieder auf Rechtslenker gesetzt. Neben dem Chauffeur fährt dann vorne links ein Personenschützer mit und übernimmt an Stelle des Chauffeurs die Tür.
Das sind oft Autos, die über jeglichen Verdacht erhaben sind, dass sich deren Besitzer vielleicht keinen Chauffeur leisten könnten. Das sind überall im Linksverkehr dann doch wieder Rechtslenker. Aber es bleibt dabei, ein Linkslenker in Japan suggeriert einen gewissen Status.
Witzig ist, dass dieser wahl- und vergleichsweise höher oder niedriger ausfällt, je nachdem, auf wessen Rechtslenker man trifft. Es ist sehr speziell …
Aber wie dem auch sei, ein tolles Auto und eine gute Story. Vielen Dank an den Autor. “(…) als man Wert noch fühlen und spüren konnte.”
Das fasst es perfekt. Allzeit gute Fahrt in diesen besten Autositzen aller Zeiten 😉
Danke! Das mit dem Bürgersteig hatte ich noch nicht bedacht. Aber das hat natürlich Sinn!
Ja, Lizi, wenn man einmal anfängt 😉
Ich muss mal beim örtlichen Sportflughafen anfragen, ob die einen kleinen Hangar vermieten……es gäbe da noch einiges. 9-5 OG, noch ein 9000, ein 90, ein 9-3 SC mit Automatik…..
Tolle Geschichte eines tollen Saab! Was für ein Juwel!