Radikal anders gedacht – das Citroën OLI Concept

Concept Cars folgen im Normalfall eigenen Gesetzmäßigkeiten. Sie werden präsentiert, erzeugen mediale Aufmerksamkeiten, und verschwinden nach kurzer Zeit im Arsenal nicht realisierter Träume. Einige Jahre später erscheint ein Serienfahrzeug auf den Markt, dass über mindestens einen Bedienknopf aus dem Concept Car verfügt. Der Knopf wird als visionärer Mut gefeiert, und damit endet meist die Geschichte.

Wir hoffen, dass es in Bezug auf das Citroën OLI Concept anders laufen wird.

Denn Citroën zeigt ein radikal anderes Denken, als Antwort auf viele Fragen, die uns bewegen. Zugegeben, das OLI Concept sieht nach Lego Baukasten aus, und es wird keinen Schönheitspreis gewinnen. Aber das ist auch nicht die Mission.

Citroen OLI Concept
Citroën OLI Concept

Das Auto ist ein Manifest

Es richtet sich gegen den Trend von immer größer und immer schwerer. Muss ein Elektroauto 2 Tonnen und mehr wiegen? Die Marke mit dem Doppelwinkel sagt nein. Das OLI Concept bringt 1000 Kilogramm auf die Waage und hat eine Reichweite von 400 Kilometern. Dazu reichen ein kleiner Akku mit 40 kWh, eine auf 110 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit und ein Elektromotor.

Citroën verwendet einfache, leichte Teile, wie zum Beispiel identische Vordertüren. Die Sitze sind bewusst simpel aufgebaut, sie erinnern vom Grundgedanken an die Konzeption im 2 CV. Für sie werden 80 % weniger Teile als für eine konventionelle Bestuhlung benötigt.

Größenvergleich - OLI Concept und Citroen AMI
Größenvergleich – OLI Concept und Citroën AMI

Citroën spricht von einer funktionalen Ästhetik, verwendet viele Recyclingteile, und erinnert sich an Innovationen von einst. Motorhaube, Dach und hintere Ladefläche sind aus einer wabenförmigen Wellpappe-Glasfaser Struktur. Damit knüpft die Marke an innovative Citroën BX Tage an, als sowohl die Motorhaube als auch die Heckklappe sowie weitere Karosserieteile aus Kunststoff waren.

Das Auto mit der besten Ökobilanz

Das Ziel ist sehr ehrgeizig. Citroën möchte das Auto mit der besten Ökobilanz bauen. Leichtbau, zurückhaltender Einsatz von Materialien und ein hoher Nutzwert stehen im Vordergrund. Eine lange Lebensdauer wird von Anfang an eingeplant. Aus dem OLI Concept könnte eine nachhaltige Fahrzeuggeneration erwachsen. Teile und Design können im Laufe des Fahrzeuglebens einfach ausgetauscht, ersetzt oder durch technische Innovationen sinnvoll ergänzt werden.

Die Fahrzeuge würden so stets aktuell und auf dem technisch neuesten Stand bleiben. Etwas oft angedachtes, immer wieder propagiertes, aber nie verwirklichtes, würde Realität werden.

Innenraum mit Platz für die komplette Familie
Innenraum mit Platz für die komplette Familie

Dazu achtet Citroën auf niedrige Gesamtkosten, hat einen geschlossenen Kreislauf als Idee, in dem Komponenten nicht mehr verwendeter Fahrzeuge kostengünstig in andere OLI Fahrzeuge eingebaut werden.

Der Citroën Heritage Faktor

Was wie Zukunft klingt, das gab es schon mal. 2 CV nannte sich das Auto, das Frankreich mobilisierte und der Nation für eine lange Zeit diente. Nachhaltig, kostengünstig, vermutlich das Auto mit der besten Ökobilanz, als davon noch niemand sprach.

In das ultimativ moderne Armaturenbrett mit Steckdosen, USB-Anschlüssen, Smartphone Station und andockbaren Bluetooth Lautsprechern hat sich ein digitaler Lupentacho im Stil von GS oder BX und CX gewagt. Etwas Heritage darf sein, wenn auch digital.

Stabil und leicht - Dach aus innovativer Wabenstruktur
Stabil und leicht – Dach aus innovativer Wabenstruktur

Das OLI Concept ist ein familientaugliches Leichtgewicht, das an vielleicht vernünftigere Zeiten anknüpft. Damals, als Autos noch 900 Kilogramm wogen. Und alles, mit über 2 Tonnen Gewicht, als Nutzfahrzeug galt.

Citroën könnte ein revolutionäres Auto bauen. Es würde weniger als 25.000 € kosten, es wäre keineswegs mit Verzicht oder Einschränkungen verbunden. Es wäre langlebig, richtungsweisend, eine längst fällige Antwort auf die drängenden Probleme endlicher Rohstoffe.

Die Frage ist nur, bringt man den Mut dazu auf?

Man wird sehen. Recht bald sogar. Der neue Citroën C3 wird die Fragen beantworten. Das OLI Concept soll Ideen liefern, 2023 wird die neue C3 Version die Bühne betreten.

Es wäre eine Französische Revolution, wieder einmal, würde sich der OLI Grundgedanken im neuen C3 wiederfinden.

Mit Medienmaterial von Citroën Communication

12 thoughts on “Radikal anders gedacht – das Citroën OLI Concept

  • Steht die Windschutzscheibe wirklich senkrecht? Dann scheint der Cw-Wert ja wirklich keine Rolle zu spielen! Damit ist das Fahrzeug als reines Stadt-Auto konzipiert, auf der Autobahn würden uns die Windgeräusche umbringen!

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    • Würde ich nicht überbewerten 😉

      Ist ein überzeichnetes Concept Car.

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    • Halte ich für relativ unwahrscheinlich bei 110 km/h.

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  • Witzig übrigens. In dem Movie IRON SKY ersetzt ein Smartphone den tonnenschweren und defekten Großrechner (eine Art Zuse) eines Nazi-UFOs …

    Freunde haben ein Auto in Vollausstattung. Der Erwerber wieß mich stolz auf die hinteren Screens in den vorderen Kopfstützen hin. Stellt sich raus, sie sind so redundant wie ein Melanom. Die Töchter auf der Rücksitzbank bevorzugen ihre Smartphones, Tabletts und Bluetooth Ohrhörer, kapseln sich komplett und individuell vom teuren Infotainment ab.
    Das Geld, Gewicht und den verbauten Elektroschrott hätte man sich, dem Fahrzeug bzw. der Umwelt komplett ersparen können. Weniger ist oftmals mehr …

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    • … daher wollte ich u.a. bei meinem 2011´er Saab auch zwingend KEINE Monitore für die Rücksitze … und hab extra etwas geschaut/gewartet, bis es so eine Variante (für mich passend) im Angebot gab.

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      • Das war 2011 schon echt visionär …

        11 Jahre später gibt es mehr Erfahrungswerte und manches Kreuz auf den Ausstattungslisten wurde seither im Nachhinein bereut.

        Vor 11 Jahren sah das aber noch anders aus. Und noch vor 3 oder 4 Jahren war das Wort “Vollausstattung” ein unreflektiertes Zauberwort, um junge Gebrauchte zu verkaufen …

        Finde ich verdammt gut, dass Sie sich schon vor 11 Jahren eine eigene Meinung erlaubt haben,. was davon sie bewusst wollen oder eben auch ablehnen. Ich weiß gar nicht mehr so genau, an welchem Punkt ich damals war.

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  • Klasse und gut balanciert geschrieben …

    Die Begeisterung für die im Concept Car verwirklichten Ansätze schwappt rüber, mit einer kleinen Schaumkrone aus Skepsis, wie viel davon sich wann in welchem Serienfahrzeug vielleicht tatsächlich wird finden lassen.

    Unaufgeregter, glaubwürdiger und sachlicher Automobiljournalismus. Typisch Tom.

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  • Innen finde ich einiges gut.

    “minimale” Screens – herrlich!!!! 😉
    (weiss nicht, ob es schon mal aufgefallen ist, dass ich kein Fan dieser meist rieigen “Multipelx-Kinos” unterhalb der Frontscheibe bin)
    modulare Systeme
    (hatten aber auch schon andere … hat glaub ich, aber nie geklappt)
    Sitze
    (finde ich gut, aber ob das auf Dauer auch bequem ist)
    Smartphone als “Hauptrechner”
    (die Idee fide ich gut; aber aufgrund div. und evt. zukünftiger Anschlüsse und “tausender” unterschiedlicher Größen fände ich da “Ladematte” und “Funk-Verbindung” besser)
    Ich glaub auch fast, dass Apple, Google, Amazon (ja die sind fett im Geschäft bei Mobilität, etc.) & Co. “schneller” und oft “besser” sind als Autohersteller ….
    (Aber ob das wirklich auch gut ist, bin ich mir aber aktuell noch nicht so sicher)
    Fließheck
    Ich kann mich noch dran erinnern, wie wir mit unseren ersten paar 9000´ern als Spießer, Rentner, kleinkariert o.ä. verspottet wurden …. aber als Kühlschränke und Waschmaschinen plötzlich im Saab problemlos verschwanden, war das Staunen immer groß; mittlerweile hat ja so gut wie jeder Hersteller wieder Fließhecks im Angebot (auch wenn er sie so natürlich meist nicht nennt) 😉

    Türen
    (ich finde diese Art der Öffnung gut; es erleichtert sicher den Einstieg; besonders auch für Ältere … habe da einiges mit meinem Vater ausprobiert; war übrigens auch einer der Gründe, warum ich 2014 beim mex. Schweden gelandet bin) 🙂

    … aber aussen …. naja. 🙁
    Zumindest über die Frontscheibe sollte man noch mal nachdenken 😉
    (ich finde nach wie vor die des 900`ers “genial”)

    Und “PickUp-Heckfläche braucht man doch in den meisten Gegenden auch nicht, oder?
    Ich fänd da eine clevere neue Fließheckvariante sinnvoller.

    … und (generell) nein, der Teslas Cybertruck sollte niemals als “Vorbild” für irgendein Auto dienen …. 😉 🙁

    Antwort
    • Mist … hier fehlt (wenigstens für paar Minuten) eindeutig eine Editier-Funktion! 😉 😉 😉
      (allein wenn ich sehe, wieviel Recht{s}schreibfehler ich aufgrund dieser doofen “krankheitsbedingten” ergonomischen Tastatur ich aktuell ständig mache) 😉

      Kleiner Nachtrag:
      Im Video wird das alles ja sehr positiv dargestellt …. und besonders auch Wert auf “Gewicht” gelegt (warum die Karre dann auch so “Lahm” ist). 😉

      Aber auch der Wagen schein “riesig” zu sein im Vergleich zu Autos noch vor wenigen Jahrzehnten (unseren geliebten Saabs inbegriffen)!!!!

      Ich finde, da gehen wir generell einen falschen Weg.
      Wir sollten (in vielen Dingen) wieder kleiner und “bescheidener” werden.
      Ich glaube, das brächte mehr.
      (ich erinner gerne wieder an “meinen” mehrfach schon verlinkten Quarks-Beitrag, der sich generell mit SUVs und am Ende “eher nebenbei” mit kleineren Straßen und so mehr Wohn- & Lebensqualität durch “kleinere Autos” beschäftigt.

      Noch ein kleines persönliches Bsp dazu:
      Wir haben hier eine Garage mit einer etwas “engeren Einfahrt”.
      Da hat früher (80´er) auch der größte Wagen eines Malerbetriebes locker reingepasst (langer Hanomag Henschel Pritsche mit großem Aufsatz für Glas/Fenster/etc.) ….
      Der heutige Bewohner hat teils sogar schon “Probleme” da mit seinem aktuellen Polo rein- und rauszukommen. 🙁

      Antwort
  • Na die Farnzosen sind ja krass drauf, eine Trabi-SUV oder “Babbesuff”…ich lach mich schlapp! Sachsenring 2.0,…ne is ja ok ich bin ja gespannt was der Umbruch vom Verbrenner auf E-Auto noch so alles für Ideen auf den Markt spült. Leichtbau und sicher, das hat was!
    Ist noch die Fage wie sich die Verbundstoffe recyceln lassen, thermisch geht immer ist aber keine Kreislaufwirtschaft. Die Teile in andere Autos einzubauen ist eher das was wir grad mit unseren SAABen machen. Was ist mit kaputten Teilen und denen die keiner mehr will?

    Antwort
    • Ja, wir machen es vor mit unseren alten Saab. Am Sonntag habe ich wieder 9k Workshop. Freue mich jetzt schon.

      Die Autoindustrie hat Nachholbedarf in Sachen Kreislaufwirtschaft. Ich finde den propagierten Gedanken gut, auch den Fokus auf Komponenten, die einfach zu tauschen sind. Die letzten Jahrzehnte schritt man auf einem anderen Weg. Alles wurde immer komplexer und schwieriger in der Reparatur, und eben auch teurer. Wenn Citroën (wirklich) einen anderen Weg gehen würde, wäre das zu begrüßen.

      Antwort
  • Das Video verspricht ja einiges. Ein generelles Umdenken, jetzt hin zu leichten, cleveren Autos. Wenn es nicht nur (gut gemachtes) Marketing ist, dann wird es aufregend.

    Ich bin aber skeptisch. Die Industrie verspricht, ändert aber nur bei ganz großem Druck was. Ist Citroën anders?

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