Das Evergrande Kartenhaus bricht in sich zusammen

Das milliardenschwere Kartenhaus von Evergrande steht vor dem Zusammenbruch. Diesen möchte die Administration in Peking vermeiden, eine Rekonstruktion wäre die bessere Lösung. Ob es gelingen wird, ist fraglich. Denn im ganzen Land kollabiert die Blase und weitere Immobilienentwickler steuern auf Schwierigkeiten zu. Die Risiken zu beziffern ist schwierig. Schon bei der Evergrande Gruppe ist die Höhe der tatsächlichen Schulden nicht klar. Ein Expertenteam durchforstet auf Anweisung aus Peking nun die Vermögenswerte, nachdem das Unternehmen nicht in der Lage ist, die Krise aus eigener Kraft in den Griff zu bekommen.

Hengchi 5 auf Erprobungsfahrt
Hengchi 5 auf Erprobungsfahrt

Die wichtigsten Ereignisse, aus (vorwiegend) automobiler Sicht. Gestern verlor die Aktie von Evergrande Auto (HK 0708) fast ein Viertel ihres Wertes. Der höchste Tagesverlust in jüngster Zeit und beinahe ein Kollaps. Heute erholte sich der Kurs etwas, legte um mehr als 2 % zu und notierte mit fast 4 HKD (0,44 €).

Eine Trendwende ist aber nicht in Sicht. Fest steht, Evergrande wird in den kommenden Tagen Zahlungsfristen verstreichen lassen. 84 Millionen US $ wären am 23. September zu bedienen, liquide Mittel sind nicht vorhanden. Chinesische Medien berichten von 1,5 Millionen Käufern, die ihre Wohnungen an bezahlt oder vollständig bezahlt haben, die aber nach wie vor auf den Baubeginn durch Evergrande warten. In Shenzhen kam es heute zu Massenprotesten, Bilder und Videos in sozialen Medien zeigen Protestierende vor der Evergrande Gebäuden.

Das Luxusleben des Gründers

Während dessen nimmt sich die Presse das Luxusleben des Evergrande Gründers vor. Ein bemerkenswerter Vorgang, der vor einigen Wochen undenkbar gewesen wäre. Er lässt Rückschlüsse auf den möglichen (sozialen) Absturz von Hui Ka Yan zu. Zwei Luxusvillen in allerbester Hong Kong Lage werden ihm zugeschrieben. Sie gehören einem Evergrande Unternehmen, dem der Butler der Familie als Geschäftsführer vorsteht.

Die Miete jeder Luxusvilla beträgt im Monat umgerechnet 65.000 € und die Häuser sollen einen Wert von zusammen 200 Millionen US $ haben. Hong Kong gilt als eine der teuersten Städte der Welt, die Bevölkerung allgemein lebt aber weniger repräsentativ.

Warten auf Investoren

Evergrande ist weiter in Gesprächen mit möglichen Käufern und Investoren. Die Frage, ob die Marke Hengchi überlebt, oder auch nicht, ist offen. Vielleicht ist das auch uninteressant. Ebenso die Frage, ob Evergrande Auto weiter existieren wird. Entscheidend ist alleine, was aus der Milliarden Investition wird. Auch aus unserer Sicht. Denn weite Teile der europäischen Zuliefer-Struktur sind an dem Projekt beteiligt.

Auf die Autos selbst könnte man problemlos ein anderes Markenzeichen kleben. Niemand würde es stören. Auffällig ist, dass in China in den letzten Tagen vermehrt Fahrzeuge auf Erprobungsfahrten gesichtet werden.

Ein Signal für Investoren oder Aufkäufer? Offensichtlich, denn zumindest ein Fahrzeug von Evergrande Auto soll bereit sein, um in die Produktion zu gehen.

Depression in Trollhättan

In der Presse wird über NEVS und den dünnen Faden, an dem das Schicksal des Unternehmens hängt, philosophiert. Die Eindrücke direkt vor Ort jedenfalls, sind deprimierend. Ein Freund fuhr am Montag mit seinem Elektroauto (das nicht von NEVS ist) auf dem Weg nach Göteborg durch die Stallbacka.

Trollhättan im Regen, grau in grau, kann alleine schon Grund für eine Depression sein. Leere Parkplätze und verlassene Gebäude am frühen Nachmittag sind es ebenso. Noch nie in den letzten Jahren habe er das frühere Saab Gelände so desolat gesehen, berichtete er.

Nur der Wachschutz drehe einsam seine Runden. Ist es in Schweden bereits wieder einmal vorbei?

One thought on “Das Evergrande Kartenhaus bricht in sich zusammen

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    Auto- & Immobilien

    Okay, beide heißen Evergrande, aber auf dem Aktienmarkt sind sie getrennt. Mich wundert, dass sie medial, öffentlich und politisch anscheinend trotzdem und trotz zwei unterschiedlicher Geschäftsfelder, die kaum gegensätzlicher sein könnten, als eine desaströse Einheit verstanden werden …

    Das muss wohl mit den Eigentumsverhältnissen und dem Aktienbesitz zusammenhängen, oder?

    Falls ich da richtig liege, wären die chinesischen Oligarchen gut beraten gewesen, die Aktien zumindest zum Schein etwas breiter zu streuen. Und fast entwickelt man eine gewisse Sympathie mit der Menschen verachtenden KP dafür, dass sie nicht alles in China zulässt, nur weil es dem Nationalstolz vielleicht dienlich sein könnte.

    Mir geht es entschieden zu weit, wie der Westen seine eigenen Oligarchen teils hofiert. Erst heute wurden 120 Millionen € Fördergelder für Elon Musk beschlossen. Wozu?
    Wer ohne Baugenehmigung bereits Wälder gerodet hat und eine Fabrik in D hochzieht, dem muss man nach Baubeginn ja nicht auch noch mit einem Turbogebläse …
    (Sie wissen schon. Irgendwas mit Zucker in einer lingual unfeinen Kombination.)

    Das ist alles so überflüssig und einer Demokratie echt nicht würdig, finde ich.

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