Evergrande Auto – Gespräche und Pläne ohne Erfolg

Die Aktienkurse von Evergrande Auto (HK 0708) und der Evergrande Group (HK 3333) kannten heute nur ein Farbe. Die war rot. Ein untrügliches Zeichen, dass Pläne nicht zu funktionieren scheinen. Was war geschehen? Evergrande möchte Anteile der Auto- und Dienstleistungsgeschäfte verkaufen. Aber nicht so viele, lieber in kleinen Paketen. Die Idee: Einige Milliarden einsammeln, aber weiter das Steuer fest in der Hand behalten.

Hengchi 1 von Evergrande Auto
Hengchi 1 von Evergrande Auto

Das scheint nicht zu funktionieren. Evergrande steht mit einem Schuldenberg von vermutlich 300 Milliarden US $ an der Wand. Der Verhandlungsspielraum ist nur minimal. Insbesondere dann, wenn die angestrebte Lösung keinen politischen Rückenwind aus Peking bekommt. Nach dem heutigen Tag scheint sicher zu sein, dass der Rückenwind ausbleibt.

Gespräche vorerst beendet

Evergrande Auto rutschte mit 6,51 % ins Minus, die Evergrande Gruppe mit 8,21 %. Yuan Talks meldete die Gespräche mit China Vanke, dem größten Immobilienentwickler des Landes, als abgebrochen. Auch die Gespräche mit Country Garden, einem großen Immobilienunternehmen in der Guangdong Provinz, seien erfolglos zu Ende gegangen. Beide Unternehmen standen als mögliche Großinvestoren im Fadenkreuz von Evergrande.

Die negativen Nachrichten waren damit aber noch nicht abgearbeitet. China Property Focus meldete eine Einladung der Provinzregierung von Guangdong an andere Firmen, um über die Möglichkeit zu beraten, Teile der 798 Projekte in 234 Städten zu übernehmen, um sie regulär zum Abschluss zu bringen. Das nationale Radio verkündete die Einstellung von zwei Projekten in der Stadt Kunming im Süd-Westen des Landes, nachdem Rechnungen über mehr als 32 Millionen US $ überfällig seien.

Banken verschaffen etwas Luft

Eine gute Nachricht gab es dann doch noch. Mehrere Banken verlängerten bereits oder demnächst fällige Kredite und verschafften Evergrande so temporär etwas Luft.

Möglicherweise ist es so, dass die eingeleiteten Maßnahmen noch nicht ausreichend sind, um die Krise zu stoppen. Ein Teilverkauf von Evergrande Auto könnte zu wenig sein, ein kompletter Besitzwechsel, oder der Verkauf der Mehrheit, die Lösung.

Der Druck steigt fast täglich, Peking fordert immer noch eine schnelle und vor allem “marktgerechte” Lösung. Was immer man sich darunter vorstellen mag.

5 Comments
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aero50
aero50
5 Jahre zuvor

Wenn alle auf diese Monitore gucken, wer fährt denn eigentlich?

Aero-93
Aero-93
5 Jahre zuvor
Reply to  aero50

Moin areo50,
“natürlich” der Kamera gesteuerte Computer, während die Nutzer die aktuellen Shopping-Angebote studieren können. Auf Zuruf wird an der nächste Eisdiele angehalten weil es draußen (und drinnen) so unerträglich heiss geworden ist. Die Klimaanlage wurde automatisch abgeriegelt, weil sonst die Fahrzeug-Batterien Schaden nehmen würden… ;-).
Sonnige Aussichten!

Volvaab Driver
Volvaab Driver
5 Jahre zuvor

Rückenwind aus Peking

Ich habe das Gefühl, dass die KPCh und Xi Jinping grundsätzlich ein Problem mit ihrem eigenen wirtschaftspolitischen (Schlinger-) Kurs haben.

Einerseits strebt man nach nationaler Größe, die sich auch spitzentechnologisch und in Wohlstand ausdrücken soll. Andererseits schafft man sich eine Elite, die ihr elitäres Selbstverständnis zunehmend aus persönlichem Reichtum, aus Freiheit, Privilegien und auch der eigenen Machtfülle bezieht.
Die Mitglieder dieser Elite haben nichts mehr mit den Direktoren und Werksleitern gemeinsam, die mit dem Parteibuch in der Brusttasche vor lauter Dankbarkeit mehrere Dekaden lang auf Knien vor ihrem staatlichen Dienstherren loyal herumgerutscht sind …

Die KPCh schielt mit Angstschweiß auf der Stirn und unter den Achseln nach Russland und auf andere ehemalige Staaten der Sowjetunion.

Ein Erfolg von Evergrande-Hengchi ist für die KPCh und Xi Jinping Sehnsuchtsphantasie und Albtraum zugleich.
Ein nationaler und zumindest national dominanter Automobilkonzern, der ausländischen Konkurrenten ebenbürtig ist, sie technologisch möglichst überflügelt, ist die Sehnsucht. Eine selbstbewusste Elite, die das auch tatsächlich erreicht, ist hingegen der absolute Albtraum. Im schlimmsten Fall werden sie zu medienwirksamen Ikonen mit Geld, Einfluss und demokratischem Gedankengut. Aus Sicht der KPCh und ihrer Führungsfiguren ein GAU.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir hier auf dem Saabblog gerade einen vieler Bausteine erleben, die in Summe langfristig vielleicht darauf hinauslaufen, dass das gegenwärtige China sich an seinen inneren Widersprüchen früher oder später selbst zerlegen könnte. Echt spannend …

Danke Tom.

StF
StF
5 Jahre zuvor
Reply to  Volvaab Driver

Die Frage ist halt, was selbst zerlegen ist? Mao hat China mehrmals zerlegt (z.B. Kulturrevolution oder der Große Sprung), aber ihn selbst hat das nicht von der Spitze entfernt. Vermutlich bleibt auch die KP im Sattel, in Hongkong wird ja gerade sehr deutlich vorexerziert, wie man die “Ordnung” wieder herstellt.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
5 Jahre zuvor
Reply to  StF

Das stimmt leider …

In China sitzt man deutlich fester im Sattel, als in Russland. Und selbst dort sitzen die Machthaber (noch) sehr bequem …

Möglicherweise können sie sich noch mehrmals selbst neu erfinden? Die Hoffnung auf eine Demokratie und auf ein Scheitern des alten Systems an inneren Widersprüchen, ist bestenfalls eine langfristige Perspektive. Aber immerhin eine ….

Ich sehe aktuell keine andere.