Saab 9-5 SVO und 9-5X, die heißen Pläne vom Göta Älv
Als Saab 1997 den neuen 9-5 präsentierte, hatte man große Pläne. Je nach Quellenlage sollten pro Jahr zwischen 120 und 130.000 Fahrzeuge produziert werden. Das war ambitioniert, aber machbar. Vor allem dann, wenn am Göta Älv die heißen Pläne verwirklicht worden wären.
Da hatte man einiges in der Schublade liegen. Mit dem Saab 9-5X Offroad und den heißen SVO Modellen hätte Saab zu neuen Rekorden abgehoben.

Saab 9-5 SVO und 9-5X, die heißen Pläne vom Göta Älv
Man schüttelt heute verwundert den Kopf, wenn man von den großen Plänen mit der ersten 9-5 Generation hört. 130.000 Fahrzeuge im Jahr, woher sollten die kommen? Das Angebot war in den späten 90er Jahren übersichtlich. Ein Kombi, eine Limousine. Ein paar kultivierte, aber brave Turbo-Motoren, der Aero zündete erst zeitversetzt, und ein schöner Sechszylinder.
Das war nett, aber nicht aufregend. Und das immer beliebtere Thema Diesel ignorierte man komplett.
Die Diesel-Geschichte klammern wir bei diesem Text ebenfalls aus. So wie auch Saab den Diesel ignorierte, mit gutem Grund. Denn die Pläne in der Stallbacka gingen damals in eine komplett andere Richtung. Sie waren schlüssig und hätte man sie umgesetzt, hätte kein Kunde einen Saab mit einem Selbstzünder vermisst. Ebenso schlüssig waren die Pläne für die Auffächerung der 9-5 Palette. Man wusste, dass man mehr bieten musste, wenn man wachsen wollte.
Saab 9-5X vs. Volvo V70 XC
Im Frühjahr 2000 führte Volvo den V70 XC ein. Ein Kombi für das Gelände, der ab 2003 dann als XC70 seinen Weg machte. Ein Trendsetter, und in Trollhättan hatte man ähnliche Pläne. Ob die Geländeversion des Saab 9-5 Sportkombi den Namen Offroad getragen hätte oder einfach Saab 9-5X, ist unklar. Doch es gab einen festen Zeitplan.

Hätte man den eingehalten, wäre man vielleicht um eine Stoßstangenlänge vor Volvo gelandet. Der Saab 9-5X Offroad sollte im Herbst 1999 präsentiert werden, zu den Autohäusern wäre er ein Jahr später gerollt. Ein Nischenmodell, sicher. Aber eines, das für den Trend dieser Jahre stand und vielleicht rund 10.000 oder 20.000 zusätzlich verkaufte Fahrzeuge gebracht hätte. Abgesehen vom Imagegewinn, den Saab dringend benötigte.
Der 9-5X hätte einen Allradantrieb gehabt. Ein notwendiger Punkt für die Abteilung Saab SVO (Special Vehicles Operations). Denn ohne vier angetriebene Räder wäre hier nicht viel gegangen.
Saab SVO, die Träume, die immer waren
Seit 1994 arbeitete die Saab Special Vehicles Operations an besonders leistungsfähigen Fahrzeugen. Vorbild war die M GmbH, die BMW zu sehr sportlichen Fahrzeugen verhalf. Das erste eigene Fahrzeug der SVO sollte der Saab 9-3 Viggen werden.
Geburtshilfe gab es von Tom Walkinshaw und seiner Firma TWR. Aus Deutschland lieferte Ulrich Weinmann mit dem Saab 900R Ideen und Vorlage, die SVO war eine internationale Angelegenheit.

Der 9-3 Viggen war aber nur das Vorspiel. Im Jahr 2000 sollte mehr kommen, und es wäre heiß geworden. Der Saab 9-5 Aero, den man mit sanften 230 PS 1999 auf die Startrampe schob, war nicht ohne Grund kein Sportler. Der Über-Saab sollte ein Jahr später nachgeschoben werden, wahrscheinlich hätte er den Namen 9-5 Viggen getragen.
Saab 9-5 Viggen
Allradantrieb wäre Pflicht gewesen, ein Turbo mit rund 300 PS oder auch etwas mehr. Der Imageträger, der sicher keine großen Stückzahlen gebracht hätte, aber hochprofitabel gewesen wäre. Der Viggen hätte auf die schwächer motorisierten Modelle ausgestrahlt, so wie es bei BMW, Audi und Mercedes heute noch der Fall ist.
Und vermutlich hätte Saab viele Spoiler, Felgen und Aufkleber der Viggen Linie als Zubehör verkauft. Was ebenfalls profitabel gewesen wäre und die Kassen gefüllt hätte.
Doch es kam – nichts. Weder der Saab 9-5X, noch der Saab 9-5 Viggen. Stattdessen gab es einen Kurswechsel, fast alle Pläne für die Zukunft landeten jetzt in der Tonne. Dafür standen jetzt Dieselmotoren auf der Tagesordnung, und ganz viele Führungskräfte von Volvo zogen in die Stallbacka ein.

So viele, dass die schwedische Ausgabe der Auto-Motor-Sport (Link) 1999 bei einer Vorstellung des Managements klarstellen musste, dass entgegen aller Gerüchte nicht die komplette Führungsriege aus Göteborg kam. Nein, es gab noch den ein oder anderen Manager, der tatsächlich bei Saab seine Karriere begonnen hatte.
Der Marke taten weder die Volvo Menschen noch der Strategiewechsel gut. Zwar plante man jetzt viele neue Modelle, von denen jedoch keines Realität wurde. 225.000 Fahrzeuge im Jahr sollte die Fabrik 2001 produzieren, für 2005 waren sogar 300.000 neue Saab pro Jahr geplant, die dann nicht nur in Schweden vom Band laufen sollten.
Aber alles kam dann ganz anders. Das Jahr 2000 kann man als Zeitenwechsel betrachten und als erster Schritt für den Weg in den Abgrund. Es war die Zeit, als man statt durchzustarten in Trollhättan ein Spardiktat einführte und mit einem umfassenden Personalabbau begann.
Was zu dem Zeitpunkt bahnbrechend in der Entwicklung war, kam nie beim Kunden an. Verschwörungstheoretiker könnten damals ihre große Zeit gehabt haben. Denn es gab viel, was das Blatt noch hätte wenden können. Fortsetzung folgt.
Das Hauptproblem von Saab war das sehr sehr kleine Händlernetz und damit auch die wenigen Werkstätten !
Die meisten Leute kaufen gerne ein Auto wo der Händler und die Werkstatt nicht weit vom Wohnort
entfernt ist ! Ein Beispiel: Bei uns im Kreis Recklinghausen ist in fast jeder Stadt, die Marke Hyundai, durch
den Vertragshändler Darmas vertreten ! Hier im Kreis wimmelt es nur so von Hyundais ! Ein Erfolg durch das
dichte Händlernetz und natürlich auch durch die Vielfalt/Qualität/Preis der Fahrzeuge.
Damals gab es im Raum Dortmund auch etliche SAABs , weil es dort das SAAB Zentrum Dortmund gab !
Hier im Kreis Recklinghausen sah man einen SAAB viel seltener !
Das versuchte GM ja zu verbessern , indem man aus einem Opel Händler auch einen Saab Händler machte….nur passte ein Opel nicht zum Anspruch eines SAABs. Das Image von Opel in den späten 90er Jahren war auch sehr schlecht, somit war dies von GM keine gute Idee aber eine kostengünstige !
Insgesamt gesehen waren es aber zu wenige Händler.
Deswegen denke ich, werden es chinesische Marken hier sehr sehr schwer haben….keine Händler, keine Werkstätten. Das beste Beispiel ist Borgward…………….
Was für eine gelbe “Sahneschnitte”, dieser Saab 900 SVO! Unglaublich …
Danke für diesen optischen Leckerbissen. 🙂 🙂
… und eigentlich ist die SAAB-Geschichte auserzählt…, das kann ich nach diesem Artikel ganz und gar nicht so sehen. Fundiertes Wissen emotional aufbereitet.
Langsam(!) wird es immer klarer, weshalb SAAB zur Geschichte gehört. Viele kleine (?) Fehlendscheidungen haben die SAABianer in den Abgrund geführt. Es ist und bleibt ein Jammer.
Und der Artikel bekommt eine Fortsetzung. Ich freu´ mich drauf!
Danke für dieses Insiderwissen!
Ein wirkliches Trauerspiel.
Waren denn die damals bevorzugten Diesel brauchbar und passen/passten zum
Grundgedanken einer langen Nutzung?
Stefan, die Diesel die dann kamen, waren von Opel oder FIAT-GM Powertrain oder auch von Isuzu. Zumindest die Opel Diesel waren robust und sehr langlebig, aber Traktoren.
Isuzu war ein Trauerspiel, konnten aber die Japaner wenig dafür und ist eine lange Geschichte.
Und die FIAT – GM Diesel sind nett und sportlich, aber nicht ganz ohne Allüren 😉
Danke! Bei den aktuell niedrigen Preisen könnte man tatsächlich überlegen, nach einem schönen Diesel zu schauen.
Ich als Vielfahrer erwische mich regelmäßig dabei, mich über die gut 10 Liter meines 9-5 2.0t zu ärgern.
Diesel ist preislich verlockend aber man muss mutig sein. Und in keiner Metropolregion wohnen, wo ab der nächsten Bundestagswahl das nächste Folterinstrument mit Namen Fahrverbot ausgepackt werden kann. Für ländliche Gebiete passt es.
Mutig in Bezug auf die Qualität der Aggregate?
Mutig in Bezug auf die politische Entwicklung 😉
Ja, das ist genau das: 9-5 2.0t mit 10 Litern….
ich habe 2009 meinen heutigen 9-5 2.3T probegefahren und war begeistert.
Dann sah ich einen silbergrauen 9-5 2.3t ecopower und stellte meinen Kauf um auf Letzteren, den ich aber nur eine Woche fuhr und war dann schockiert von einem Verbrauch um die 12 Liter, also ganz im kritisierten Stil, nur noch verschwenderischer… Nach einer Woche gab ich diesen 9-5 2.3t zurück und übernahm den initialen 9-5 2.3T und bin bis heute glücklich damit bei einem Verbrauch um die 8,5 Litern. Bei langen Autobahn Distanzen wenn er richtig warm ist, geht das auf 8,0 Liter runter. Châpeau !
Das heißt, die kleiner Maschine braucht mehr?
Generell ist ein Vollturbo sparsamer zu bewegen als ein Softturbo. Bessere Hardware, andere Software.
Das kann ich nach Umrüstung von Joe (9K 2.0t) zum Vollturbo (italienischer Aero) bestätigen. Haben grade eine Urlaubstour von gut 2000 Km absolviert und das mit 8,5L Schnitt bei zügiger Fahrweise.
Diese Historie tut noch immer weh aber es ist und bleibt interessant zu hoeren wie dies Alles gelaufen ist. Damit bin ich gespannt auf was noch kommt.
Das wäre schwer geworden, den 9-5x oder den 9-5 mit 300PS auf jedenfall wäre es dann der 9-7x wohl nicht geworden. Allerdings hat der 300PS mit Allrad, und ich hätte die Erfahreung V8 zu fahren vermutlich nicht gemacht, wäre ja auch schade gewesen.
@aero50: klappern gehört auch zum Geschäft, die SAABe waren in Planung, dann muß das Marketing schon die Trommel rühren, auch intern damit die Gelder und Kapazitäten zur verfügung stehen. Da ist ein Konzern nicht anders wie ein Staatsbetrieb oder VEB.
Schade ist es trotzdem!!
Klar, aber ich gebe Tom da Recht! Saab war bekannt als Hersteller von sportlichen eher höher motorisierten Fahrzeugen. Hätte SAAB Allrad eingeführt, hätte ich meinen Weg über 3 Audi Allrädler nicht genommen und wäre auch zu dieser Zeit SAAB treu geblieben.
Die 9-5 kamen ja eigentlich auch sehr gut an. Die anderen Marken rüsteten ihre Modell mit Allrad aus. Und das war sicher ein Schwachpunkt, so hohe Leistung nur an die Vorderräder zu leiten.
Ich bin klar der Meinung, wären die angeleierten Dinge anders gekommen, als im Papierkorb zu landen, hätte sicherlich einiges mehr verkauft werden können. Und SAAB war mit kleinen Motoren mit hoher Leistung immer voll im Trend.
Viele schöne und aufregende Ideen. Es tut schon ein wenig weh zu lesen was alles nicht gemacht wurde! Im nachhinein zu beurteilen ob all die schönen Dinge wirklich etwas gebracht und die Verkaufszahlen nach oben getrieben hätten finde ich schwierig. Den Schritt Richtung Diesel zu gehen, war damals keine ganz falsche Entscheidung. Ein selbst entwickelter von Saab wäre sicherlich besser gewesen als das implantieren von anderen Herstellern
Immerhin erklärt das warum der erste 9-5 Aero nur 5 PS mehr als der 9000 Aero hatte. Da wäre ein Spitzenmodell mit Allrad gewesen. Schade darum 🙁
Im direkten Vergleich war der leichte 9000 agiler…
Wäre, hätte, Steuerkette…..
Ich finde es immer wieder erstaunlich wie Marketingstrategen lauthals erklären können, so, ab dem Jahr 2000 verkaufen wir 300.000 Autos, ohne aber genau zu erklären wer die alle kaufen soll!
Wie viele Autos hat denn Saab im Jahre 2000 tatsächlich verkauft? Wohl knapp 100.000 oder etwas mehr. Also weit gefehlt vom Blabla der Marketingfritzen.
So einfach ist es nicht. Vor dem Hintergrund der damaligen Zeit und dem temporären Höhenflug hatte Saab einfach Appetit auf mehr. Eine Auffächerung der Produktpalette und mehr Modellreihen hätten das möglich gemacht.