Volvo online Dienstleistungen – EcarX ersetzt Google

Ein von den Lesenden viel diskutierter Beitrag drehte sich um den Einsatz von Google in immer mehr Volvo Modellen. Jetzt ist klar, Google ist nur eine Zwischenlösung. Mittelfristig will Volvo auf das Android Betriebssystem von EcarX setzen und Google ausmustern. Meine provokante Frage, was wäre, wenn statt Google ein chinesischer Internet Gigant zum Dauergast im Auto wird, erhält damit überraschend schnell Aktualität.

EcarX statt Google - Volvo setzt auf chinesische Dienstleister
EcarX statt Google – Volvo setzt auf chinesische Dienstleister

Die Pressemeldung, hier in Auszügen wiedergegeben, liest sich harmlos, vielleicht neigt man dazu sie zu überlesen. Doch es steckt Sprengstoff dahinter, der nicht jedem Kunden gefallen könnte. Falls er sich überhaupt damit beschäftigen mag.

Infotainment der nächsten Generation

Mit dem neuen Joint Venture werden Volvo Cars und EcarX die Entwicklung einer Infotainment-Plattform nun fortsetzen und erweitern. Alle Marken der Geely Gruppe und deren Tochterunternehmen können das neue System nutzen, EcarX stellt die Plattform darüber hinaus auch Dritten zur Verfügung.

Erfahrung in der Automobilbranche

EcarX ist ein recht junges, eigenständiges und schnell wachsendes Technologie-Unternehmen, das seit seiner Expansion nach Europa im Dezember 2020 global vertreten ist. Es verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung und Integration hochwertiger Android-basierter Infotainment-Systeme für Automobilmarken wie Geely Auto, Lynk & Co und Proton.

Einsatz bei Volvo und weiteren Marken

Unter der eigenen Benutzeroberfläche will Volvo Cars die im Rahmen des Joint Ventures entwickelte Plattform zunächst in Volvo und Polestar Modellen nutzen. EcarX wird die Plattform als exklusiver Vermarktungspartner in weitere Fahrzeuge weltweit integrieren. Das System wird auch in das bestehende Service-Angebot des Unternehmens auf dem chinesischen Markt eingebettet. Volvo Cars und EcarX prüfen darüber hinaus, diese Automotive-Services auf dem chinesischen Markt und auch Hardware von EcarX einzusetzen.

Tatsächlich ist EcarX ein Unternehmen, das von Geely Eigentümer Li Shufu mitgegründet wurde. Mit Volvo wird zum ersten Mal ein europäischer Anbieter weltweit komplett auf einen chinesischen IT Dienstleister setzen. Die Server für die Dienste stehen dann nicht wie bei Google in den USA, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit in China. Selbst wenn es zum Bau von Rechenzentren außerhalb der Volksrepublik kommen würde, so hätte die Staatsmacht doch immer bevorzugten Zugriff.

Darüber kann auch nicht hinwegtrösten, dass EcarX eine Niederlassung in Göteborgs Lindholmen hat, und dort zwischen 70 und 100 Mitarbeiter beschäftigt. Tendenz steigend, und auch das Joint Venture zwischen Volvo und EcarX wird in Schweden seinen Hauptsitz haben.

Was Volvo einleitet, ist nicht mehr und nicht weniger als ein Zeitenwechsel. Mehr Unternehmen werden folgen, chinesische Dienstleister werden vermehrt ihre Serverfarmen in Europa unterhalten. Dass Volvo mit einem chinesischen Dienstleister und dessen Android Software nicht mehr auf der Einkaufsliste europäischer oder nordamerikanischer Kunden landen wird, ist nicht zu vermuten. Die Sensibilisierung oder kritische Haltung gegenüber Dingen dieser Art ist auch in Europa auf einem niedrigen Niveau angelangt.

5 thoughts on “Volvo online Dienstleistungen – EcarX ersetzt Google

  • Fatalismus

    Ich finde es gut und richtig, dass der Blog in seiner unaufgeregten Art über solche Entwicklungen informiert und auf deren mögliche Tragweite hinweist.

    Traurig stimmt mich, wenn das so kommentiert wird, als sei die Entwicklung unausweichlich, alternativlos und es auch ganz egal, ob nun das Smartphone oder das Auto Daten jeweils nach China oder in die USA senden.

    Da ist meine Wahrnehmung deutlich “optimistischer”. Ich fühle mich aktuell durchaus noch in der Lage, meinen Ort ohne Datenspur zu wechseln. Und ich fände es gut, wenn es so bliebe.

    Meine 3 Autos sind alle offline. Und wenn ich mein Smartphone ausschalte, bevor ich einsteige, bin auch ich offline. Telefone können das, können offline von A nach B. Wenn Autos das nicht mehr können, dann ist das eine neue Qualität und einen Hinweis wert, finde ich.

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  • Haubentaucher

    Kennt das jemand? Tauchen & Probefahrt war einmal das feste Ritual, wann immer mir jemand sein jüngst erstandenes Auto stolz vorführte. Auch der Kofferraum war einst manchem wichtig.

    Seit ein paar Jahren läuft das plötzlich ganz anders. Die Haube bleibt zu. Man kommt schnell zum “Wesentlichen”. Also dem Touchscreen, dessen Menü, vielleicht der Sprachsteuerung und ganz sicher zur Anbindung des Handys.

    Nach ein paar bunten Bildern und vielleicht ein oder zwei Songs steigt man wieder aus, ohne das Mobil bewegt (oder gehört) zu haben. Der stolze Besitzer guckt mich erwartungsfroh an, der Moment dehnt sich peinlich und er fragt: “Ist schon ein geiles Auto, oder?”

    Und ich bestätige diesem ebenso brav wie eilig. “Ja! Ja, das hat schon was.”
    Und um dabei auch glaubwürdig zu sein, füge ich hastig hinzu, dass es faszinierend sei, wie gut es zwischen Smartphone und Auto klappt und dass der Sound wirklich erstaunlich sei. Innerlich fasse ich mir dabei, ehrlich gesagt, an den Kopf …

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  • Wenn ich meinen Aluhut aufsetzte und darüber nachdenke, könnte es auch sein, dass es völlig egal ist, welches System im Auto läuft, solange es grundsätzlich die Möglichkeit für einen Over-the-Air-Zugriff auf Daten ermöglicht.

    Huawei-Netzwerktechnik dürfte in so ziemlich allen Netzen, auch in Europa, in irgendeiner Form integriert sein. Und wenn wir unseren amerikanischen Freunden glauben wollen, ermöglicht das “den Chinesen” wenigstens, den Datenverkehr mitzuschneiden. Bei größerer Motivation vielleicht auch, Daten aktiv abzufragen.

    Dann ist das Kind quasi schon mit der Datenerhebung in den Brunnen gefallen und davon werden wir nicht mehr wegkommen, da viele Werkstätten schon aufgeschmissen sind, wenn ein Fehler ohne Diagnosesystem gesucht werden muss.

    Da bleibt dann nur, einen Haufen Begleitdaten zu erzeugen, um das eigentliche Anliegen zu verschleiern. So fahre ich dann auch in den Supermarkt, anschließend zum Baumarkt und danach noch ins Schwimmbad, wenn ich eigentlich nur eine Kleinigkeit aus der Drogerie brauche. Ist auch nicht im Sinne des Erfinders.

    Mit einem gewissen Potential an Überwachungsmöglichkeiten muss man sich wohl abfinden, schon deshalb, weil kaum noch jemand ohne Mobiltelefon aus dem Haus geht. Und bei der Telefon-Überwachung sind ja gerade unsere amerikanischen Freunde gut, wenn man Edward Snowden glaubt.

  • Wo die Mitarbeiter sitzen ist egal, die Daten fliegen durch die Welt und werden von Analysefirmen ausgewertet. Gesagt zu bekommen das Ganzjahresreifen bei meinem Fahrprofil reichen, oder ich im Gebirge dann doch Winterreifen nutze sollte und dazu ein Angebot bekomme ist noch die netteste Vorstellung,…die nicht so netten gehen in Riichtung Cambridge Analytica, Soziales Kreditssystem oder Punktekartei in Flensburg…

  • Moin
    Da ist es fraglich, ob die Chinesen, aber auch die Amerikaner, die EU Vorschriften zum Datenschutz umsetzen… Es ist auch egal wo der Server steht und ob Google oder EcarX oder sonstige Software. Wahrscheinlich müssen Volvo Fahrer eh Volvo und Co. Erlauben die Daten oder Teile von denen für Ihre Zwecke zu nutzen.
    Gruß André

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