Die Schweden und Saab – was ist da los?

Am 19. Dezember waren es 9 Jahre her, dass sich in der Stallbacka die Werkstore schlossen. Aus automobiler Sicht eine lange Zeit. Wie hat sich die Marke seither in ihrer Heimat gehalten? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen macht Sorgen und sorgt für Nachdenklichkeit.

Lange her - Saab Schriftzug in der Stallbacka
Lange her – Saab Schriftzug in der Stallbacka

Es sieht nicht wirklich gut aus für Saab in Schweden. Der Heimatmarkt schwächelt, und das schon seit einiger Zeit. Der Umsatz mit Saab Ersatzteilen ist rückläufig. Spezialisierte Werkstätten melden eine schwindende Auslastung, bei Orio in Nyköping ging in den ersten 9 Monaten der Saab spezifische Absatz um 26 % im Vergleich zum Vorjahr zurück. Der zweitschlechteste Wert im weltweiten Netzwerk, nur Großbritannien meldet schlechtere Zahlen.

Auf den Gebrauchtwagenbörsen werden Saab extrem günstig gehandelt, das Niveau liegt weit unter deutschen Preisen. Und, noch schlimmer, die Marke scheint unsichtbar zu werden. In einer jüngsten Umfrage von Kvdbil, welche Autos die besten Fahrzeuge aus schwedischer Produktion seien, schließt die Marke desaströs ab.

Klassiker und Youngtimer von Volvo dominieren, als bester Saab kann sich der 9-5 auf Platz 8 festsetzen. Der 900 kommt auf Rang 11, der 9000 findet gar nicht statt, und 96 und 9-3 schaffen es gerade noch auf die Topp 15 Liste.

Die Topp 15 der besten Autos aus schwedischer Produktion:

Rang: Modell:
1. Volvo Amazon
2. Volvo P1800
3. Volvo V70
4. Volvo V90
5. Volvo PV 444
6. Volvo XC90
7. Volvo Duett
8. Saab 9-5
9. Volvo 240/260
10. Volvo 740/760
11. Saab 900
12. Koenigsegg CC
13. Koenigsegg Jesko
14. Saab 96
15. Saab 9-3

Wie konnte es so weit kommen, ausgerechnet in der Heimat von Saab? Der Versuch einer Erklärung.

Ist Saab unsichtbar?

Natürlich, die Sichtbarkeit der Marke im Straßenbild nahm in den letzten Jahren rapide ab. Anders als in Deutschland, wo man es gewohnt ist nur ab und zu einen Saab zu sichten, ist der Rückgang schon bemerkenswert. Man kann Tage durch Schweden fahren, ohne einen Saab zu sichten.

Dazu kommt, dass 9 Jahre nach dem tragischen Finale in Trollhättan, die Saab Hinterlassenschaften kaum noch als solche wahrgenommen werden. NEVS ist längst als Lieferant von Mobilität-Theorien in einer gewissen Schublade einsortiert. Man erzählt viel, hat Visionen. Wenn es aber darum geht zu liefern sind andere vorne.

Dazu kommt Corona. Das Wegfallen sämtlicher großer Events, mit internationaler Beteiligung. Die daraus resultierende relative Ruhe rund um das Saab Museum, die geringere Frequenz der Berichterstattung ausländischer Journalisten aus dem historischen Saab Fundus.

Saab ist in Schweden anders?

Die wahrscheinlich nachhaltigste Erklärung für das Abgleiten in Schweden liefert aber das Markenimage. Saab war in der Heimat schon immer anders als im Rest der Welt. Während man sich in Zentraleuropa und Nordamerika das Image einer elitären – nicht günstigen Marke erarbeitete, und hochwertige Fahrzeuge anbot, handelte man in der Heimat anders.

Mit günstigen Einstiegsmodellen, die es meist nur für Skandinavien gab, kämpfte man um Marktanteile. Das war zu Zeiten des Saab 900 so, und das hielt sich bis zum Schluss 2011. Den neuen Saab 9-5 NG gab es mit einer ausgesprochenen Mager-Ausstattung für das Flottengeschäft. Fahrzeuge mit H7 Scheinwerfern und ohne Lichtsignatur in den Scheinwerfern, mit Stoffausstattung und günstigen Radios an Bord. Das verschaffte Saab das Image einer Low-Budget Marke, ähnlich wie es Opel in Deutschland innehat.

Ohne den Exoten und Premium Status, den man im Ausland genießt, sieht es auch für die nächste Zukunft nicht rosig aus. Man wird wohl damit leben müssen, dass die Saab Welt, oder was davon übrig ist, zweigeteilt ist. Im Ausland ist die Marke Kult und, beobachtet man die Leserzahlen des Blog Projekts, dann dürfte der noch zunehmen.

Dass es in Schweden weiterhin im Eiltempo nach unten gehen wird, ist hingegen recht sicher. Unsichtbar, wenig geschätzt. Gründe, warum es in Zukunft anders laufen könnte, gibt es keine.

Eine Renaissance kann irgendwann kommen. Ein sich zurück Erinnern, an die Zeit, als es in Schweden noch zwei Hersteller von Weltrang gab.

Nur, wie viele Fahrzeuge werden bis dahin noch auf schwedischen Straßen unterwegs sein?

23 thoughts on “Die Schweden und Saab – was ist da los?

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    Wirklich schade und traurig, diese Entwicklung so wahrzunehmen. Jonas Fröberg (ein offenkundiger Saab-Sympathisant und bekannt aus der Berichterstattung zu NEVS) hat es im Mai 2019 in der schwedischen Tageszeitung »Svenska Dagbladet« (SvD) in seinem Artikel »Superswedes – när Sverige var bäst utan att skryta« (»Als Schweden am besten war, ohne zu prahlen«) ganz treffend skizziert: „Das neue Image [von Saab ab den 1970er-Jahren] galt aber nur im Ausland. Hier in Schweden war der Saab 900 weiterhin ein Svensson-Auto.[…] Würde Saab noch existieren, wäre die Marke vielleicht die heutigen ›Superswedes‹ gewesen, genau wie Zlatan für Volvo.«

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    Hallo zusammen!

    Naja machen wir uns nichts vor, es gibt Fans (so wie uns) und es gibt das Geschäft.
    Saab wurde abgewickelt und das wars, dass was man zu Geld machen konnte , wurde zu Geld gemacht und der Rest dümpelt vor sich hin .
    Schweden sind ein Volk die sich absolut zur Wegwerfgesellschaft entwickelt haben.(das Thema Gastfreundlichkeit hat sich auch über die Jahre zum negativen entwickelt)
    Da passt so ein alter Saab 900/9000 nicht wirklich ins Bild, da hier der neumodische Hybrid aus Japan oder das Ding mit dem Großen T, sich halt besser eignet durch die Gegend zu fahren als nen alter Saab und da die Prem Tankstelle um die Ecke auch gute Kronen für guten Kraftstoff haben möchte, sind die Dinger halt beliebter.
    Solange ich Teile für meinen Saab bekomme ist alles gut und das Auto wird bewegt, wenn nicht Motte ich das gute Stück ein und er darf den Rest meines Lebens in einer Garage verbringen.(dient dann als Anschauungsobjekt).
    Wenn man zum Ende mal die Schwedenbrille abnimmt, ist es ohnehin nur eine Frage der Zeit bis den Schweden auch noch der letzte Rest Ihrer Industrie abhanden kommt (Glasreich, Stahlindustrie, Holz und Co).
    In diesem Sinne einen Guten Rutsch an alle

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    Die Topp 15 …

    finde ich auf den 2. Blick gar nicht so schlimm. Der 9000 fehlt natürlich und das ärgert schon.
    Es fehlen aber auch etliche Volvos. Etwa der 940/960, der für viele Volvofahrer der letzte echte Volvo vom alten Schlag war. Die Modellpalette Saabs ist sogar vergleichsweise vollständig.

    Volvo hat nunmal viel mehr Modelle unterschiedlicher Typenbezeichnung gebaut, als Saab. Und sie tun es noch heute. Mit 4 versus 9 Plätzen unter den Topp 15 scheint mir Saab – ohne es ausgerechnet zu haben – sogar überproportional vertreten.

    Und Fans des 96 dürfen sich freuen. Geschafft.

    Seine Gegenspieler waren zwischen 1968 und 1974 die Volvos 140/160 mit 2, 4 oder 5 Türen + ein Hochdach-Kombi (145 Express) und bis zu 160 PS.

    Die sind in S komplett vergessen und ausgestochen vom 96. Auf den 2. Blick durch die Saab-Brille ist die Liste gar nicht sooo schlecht …

    Allen eine frohe Weihnacht & keep on saabing

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    Nicht verwunderlich!
    Mir geht es im Grunde nicht anders. In meinen 20 Jahren Führerscheinbesitz war es bis her nur ein deutsches Fabrikat (BMW), sonst Fiat, Lancia, Alfa, Peugeot, Volvo und nun Saab.
    Warum soll des Schweden anders gehen…

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    @ GP362,

    stimmt. Genau so ist es.

    Spannend ist Frage und spekulativ die Antwort, wie unser Verhältnis zu blinkenden & piepsenden Saab wäre, wenn es sie heute gäbe.

    Der 9-5 hatte bei Erscheinung seine schärfsten Kritiker ausgerechnet im Lager der Saab-Fahrer. Dass der SC noch praktischer als das Fließheck des 9K und der Schlüssel wieder richtig platziert war, reichte vielen nicht für eine Versöhnung. Häufig lautete das vernichtende Urteil, dies sei kein Saab mehr. Das hörte ich so und nicht anders auf einer Probefahrt in einem 9-5 Aero SC.

    Habe in den letzten Jahren 2 9K-Fahrer in D getroffen und angesprochen. Jeweils Erstbesitz, penibel gepflegt, unverkäuflich und laut Besitzern noch immer das beste Auto der Welt.

    Sie selbst fragen sich im 9K, was in den letzten 30 Jahren passiert sei. Und Tom kündigt einen Vergleich zwischen Anna & Gentleman an, bei dem der 9-5 sich schon dann als Sieger fühlen darf, wenn er sich mit anderen Stärken & Schwächen unter dem Strich als gleichwertig erweist.

    Ich glaube, Saab hatte es schon früh schwerer als andere Marken, uns Neuwagen zu verkaufen. Wir sind schon auch speziell. Und vielen von uns waren die Nachfolger von den Fließhecks nicht mehr speziell genug. Mancher hat Saab mit unterschiedlichen Trotzreaktionen gestraft …

    Die reichen von penibel gepflegten und notfalls teuer reparierten 900 & 9000 & 9-3 I noch heute in 1. Hand, über ganze Sammlungen solcher Fahrzeuge (um nie wieder ein anderes zu brauchen) bis hin zum Markenwechsel, weil der nächste Dienstwagen kein 9K mehr sein konnte aber partout kein 9-5 sein durfte.

    Andere hatten mit jüngeren Saab kein Problem und es gab auch durchaus Neukunden. Es wäre aber die Quadratur des Kreises gewesen, wenn es Saab gelungen wäre, sich nach einer Phase positiv spezieller Modelle neue Käufer und Marktanteile zu erschließen, ohne manchem Liebhabern des Speziellen auf die Füße zu treten.

    Dass es mit dem 9-5 kein großes Fließheck mehr gab ist nur ein Punkt. Dass mit dem 9-3 II gar keines mehr gab, ein zweiter und dass es somit auch keine der beliebten Turbo-Coupés mehr gab ein dritter. Streng genommen konnte man fortan nur noch von den Cabrios sagen, dass sie in einer Tradition stünden.

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    Ich glaube wir sollten mal das leicht verklärte Bild vom Schwedenurlaub ablegen. Schweden ist nicht Bullerby, sondern ein Land mit knallharten wirtschaftlichen Praktiken. Wenn man mit Schweden geschäftlich zu tun hat ist das nicht immer angenehm, um es mal milde auszudrücken.
    Die Herangehensweise ist in Skandinavien natürlich ganz anders als bei uns. Ich kenne da Beispiele, wo in D von unseren hochakademischen Bedenkenträgern und Behörden noch Fachdiskussionen geführt wurden, ob etwas überhaupt realisierbar sei, da hatten die Schweden es bereits in Betrieb und es funktionierte prima. Genauso schnell wurden tolle Errungenschaften aber auch emotionslos weggegeben. Das können wir in D allerdings auch sehr gut, vorzugsweise nach China.

    Hier hat sich der harte Kern einer Fangemeinde versammelt und versucht seine Leidenschaft lange über die Zeit zu retten. Wir sind unfreiwillig zur Nachhaltigkeit verdammt! Wäre SAAB noch am Leben, würde die Mehrzahl der hier Anwesenden vielleicht alle zwei-drei Jahre einen neuen Firmenwagen in Schweden bestellen. Die Diskussion wäre eine ganz andere. Es ginge – wie bei allen anderen Marken – um piepsende Assistenten, autonomes Fahren, e-SAABs…

    Wenn ich dann mal über den Tellerrand schaue, mir persönlich wäre es ebenso absolut egal, wenn sich eine unserer heimischen Marken von der Bildfläche verabschiedet – die sehe ICH völlig emotionslos!

    Ich bin seit rund 32 Jahren dabei und hoffe, das ich meine vier Schätzchen noch lange betreiben kann, sonst habe ich ein ernsthaftes Problem mit Verlust an Lebensqualität. Wenn ich gelegentlich mit anderen Fahrzeugen unterwegs bin und dann “nach Hause” in einen meiner 9000er komme, frage ich mich immer, was die Autoindustrie in den letzten 30 Jahren eigentlich gemacht hat? Das Licht ist nicht mehr ganz zeitgemäß, aber sonst…?

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    @ Detlef Rudolf (logische Erklärung)

    Schade, dass Sie auch keine haben. Das Phänomen beschäftigt mich immer wieder – ebenfalls ohne auch nur einen Ansatz zu finden.

    Im Allgemeinen scheinen Schweden ihr Land ja zu mögen und ein gewisser Hang zu und Stolz auf schwedische Marken & Produkte ist auch heute noch durchaus wahrnehmbar.

    Vielleicht hat Frederik Backman (Autor von “En man som heter Ove”) ja eine Theorie, welche Schweden aus welchen Gründen der “Saabtypus” waren und warum es so wenige sind?

    Erst der Vater, dann der Sohn (Ove). Backman schildert den schwedischen Saab-Kunden als einen Generationen übergreifenden und lebenslänglichen Überzeugungstäter mit erheblichen Ecken & Kanten. Die rührende Geschichte von Ove ist auch die eines engstirnigen & konfliktbereiten Soziopathen, dessen Isolation zunächst gegen seinen Willen von Mitmenschen durchbrochen wird. Ein (Auftau-) Prozess, an dem er zunehmend auch selbst Gefallen findet.

    Das ist sicher alles sehr überspitzt. Aber Backman hat diese Figur (Ove) absichtsvoll und ausführlich als einen überzeugten Saab-Fahrer der 2. Generation angelegt.

    Viele Schweden verstehen vielleicht auch wieso? Ich verstehe es nicht. Aber ich habe so ein Gefühl, dass Backman uns das Verhältnis der Schweden zu Saab gut erklären könnte …

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    Viele sehr interessante und aussagekräftige Kommentare aus erster Hand über schwedische Erlebnisse mit und über Saab – und leider alle sehr desillusionierend, traurig traurig! 🙁

    Dass sogar schon 93 II (oder sogar auch 9-3 III?) jetzt die Schrottplätze bevölkern sollen, macht mich fassungslos. Das sind so gute, zuverlässige Autos mit nach wie vor aktuellem Design und technischen Qualitäten. Ich erfreue mich täglich daran! Die Cabrios ja wohl hoffentlich nicht? Gibt es denn dort überhaupt noch welche? Fahren die Schweden überhaupt noch Cabrio? Welches denn? Volvo baut ja auch keine mehr …

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    Bei den Schweden fällt mir immer sofort “annorlunda” ein. In den letzten 30 Jahren haben wir ausschliesslich Urlaub in Schweden gemacht. Wir haben viele Freunde gefunden und – obwohl wir fast immer mit schwedischen autos kamen – gab es eigentlich nie auch nur den Hauch einer Reaktion. Beim ersten Schweden-Trip hatten wir einen Volvo 740. Der Inhaber von Slussens Pensionat auf Orust, ein ausgeprägter “Hasser” von Deutschen, obwohl damals noch jung, meinte nur: “Saab ist besser”.
    Meine Erfahrung ist die, dass Schweden sehr auf deutsche Autos stehen und zu ihren heimischen Produkten kein besonderes Verhältnis haben. Schade drum, aber Schweden sind im geschäftlichen Bereich sehr analytisch und kostenbewusst.
    Für mich ist das falsche Bild von Saab – wie vieles Andere – eine Folge der GM-Politik. Einem 900er classic als Nachfolger den 900-II folgen zu lassen, ist entweder dumm, oder einfach gedankenlos.
    Die Quittung hat man ja dann bekommen.

    Aber auch die deutsche Dependance war nicht besser – auch nicht zu Zeiten von Spyker. Ich habe, als ich noch beruflich aktiv war, während der kurzen Spiker-Ära, auf einmal drei Saab bestellt, darunter einen 9-5 NG in Vollausstattung.

    Das war Saab noch nicht einmal ein vorformuliertes Dankesschreiben wert. Da der selbe GF heute Orio leitet, kann man nicht viel erwarten – wo bleiben denn Aktionen für Classic-Saab-Fahrer, wo bleibt die Unterstützung für diese Klientel?
    Die Führung von Saab ist schon lange so kalt wie die Scheinwerfer der letzten Autos.
    Autos sind Emotion und das ist weit mehr Wert, als es sich diese Technokraten erträumen können. Diese Emotion habe ich glücklicherweise jeden Tag mit meinen 900er Turbo. Selbst der 9-5 NG kam da nicht heran, owohl es ein tolles und auch sehr gutes Auto war.
    Meine Meinung: Die Möglichketen von Saab wurden nicht einmal zu 30% genutzt. Hätte Herr Wallenberg an Saab ebenso viel Interesse wie an Atlas-Copco gehabt, würde man heute Saab in einem Atemzug mit BMW nennen.

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    Es war so 2009 oder 2010 – wir machten wie auch in einigen Jahren davor einen Winterurlaub in Mittelschweden. Der 9-5 Kombi (erste Serie) zog uns problemlos über die winterlichen Strassen – die Urlaubsfahrt war das reinste Vergnügen.

    Zum Urlaubsende kam es dann zu einer kleinen akustischen Störung aus dem Motorraum (Pfeifgeräusch), deren Ursache wir nicht zuordnen konnten. Weit und breit war keine SAAB-Werkstatt auszumachen. Wir fragten den nächsten Tankwart, wo wir eine Markenwerkstatt aufsuchen könnten. Der guckte uns daraufhin nur hilflos an und gab fast belehrend zum Besten, dass es in der Nähe selbstverständlich nur eine VW und auch eine Opel-Werkstatt gibt – bei SAAB könnte er uns nicht weiterhelfen. Wir fuhren dann mit Pfeifgeräusch die gut 1000 km nachhause. Später stellte sich heraus, dass es sich lediglich um eine nicht mehr voll funktionierende sog. Umlenkrolle handelte, die in Lübeck schnell ausgewechselt werden konnte.

    Im Nachhinein betrachtet war die Sichtweise des Tankwarts in Schweden wohl schon damals kein Einzelfall – vermutlich kommt eine Schummelmarke aus Wolfsburg besser an als das gute eigene schwedische Produkt (warum auch immer). Die inzwischen fast vollständige Ausblendung von SAAB unter der schwedischen Bevölkerung ist für mich daher nicht wirklich überraschend – eine logische Erklärung dazu habe ich aber nicht.

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    2011 war ich mit meinem 9.3 in Schweden, da liefen 9.3 noch in einer Vielzahl wie bei uns der Golf. Zwischenzeitlich findet man den 9.3 vorwiegend auf den Schrottplätzen, im Straßenverkehr eher nur noch im Großraum um Trollhättan. Den 901 habe ich im Urlaub in Schweden gerade mal sonntags gesehen. Allerdings scheint der Wagen, wie bei uns, einen gewissen Sympathiewert zu haben – so oft wie ich dort von “Unbekannten” gegrüßt wurde (“Daumen hoch”). 9000er und 902 habe ich dort im Straßenverkehr gar nicht mehr gesehen. bestenfalls auf den Schrottplätzen. Die letzten Jahre war ich mit meinem 9.5-Kombi in Schweden im Urlaub, der genießt dort als Alltagsauto kaum Beachtung. 9.5er, (insbesondere der Kombi) werden als Familienkombis aufgebraucht, sieht man ebenfalls oft auf den Schrottplätzen, zunehmend auch 9.3II-Limousinen. Von Jahr zu Jahr sieht man weniger Sääbe auf den Straßen, das mag wie angesprochen auch darauf zurück zu führen sein, dass in Schweden offensichtlich eher die mager ausgestatteten Fzg. verkauft wurden, wahrend bei uns doch eher Fzg. mit gehobener Ausstattung von besser betuchten Erstkäufern erworben wurden. Egal, wir werden unsere Fahrzeuge pflegen und am laufen halten!! Und hin und wieder mal einen Saab vor dem verschrotten retten. Kostet weniger als der Wertverlust eines VAG … etc. und macht vor allem viel mehr Spaß: Saab – ein Fahrzeug mit Charakter!

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    Nachtrag/Klarstellung

    Ganz schön viele Daumen runter. Vielleicht hat nicht jeder meinen Kommentar so aufgefasst, wie er gemeint war?

    Gegen den NG will ich nix gesagt haben. Für mich noch immer eine der schönsten oder gar die schönste Limousine der letzten 30 Jahre.

    Und genau deshalb lässt er sich nicht beliebig abspecken. Wer ein großes und repräsentatives Auto möchte, der bevorzugt auch eine souveräne Motorisierung, gehobene Innenausstattung und will seine Frontscheinwerfer auf der Höhe der Zeit.

    Kann sich ja jeder selbst fragen, ob er einen NG Aero 2.0T oder einen 1.6 Liter mit Stoffsitzen, H7 und Abstrichen am Soundsystem bevorzugen würde.

    Dem gehobenen Image von Saab schaden solche Modelle und wirtschaftlich sind sie zweifelhaft. Bei den geringen Stückzahlen, die vom NG realisiert wurden, darf und muss man davon ausgehen, dass die Kosten je produzierter Einheit durch die Diversifikation von Motorisierungen und Ausstattungen gestiegen und nicht etwa gesunken sind.

    Das hat weder Saab genutzt, noch hätten Kunden das gewollt oder profitiert. Anstatt viel Geld und Zeit auf unerwünschte Motoren und Ausstattungen, die Diversifikation der Limousine zu verwenden, hätte man diese Kapazitäten besser für die (frühere) Einführung des neuen 9-5 SC verwendet.

    Danach hätte man über kleinere Motoren und weitere Ausstattungslinien neu nachdenken können. Und wenn überhaupt, dann hätten sie beim SC auch mehr Sinn ergeben – schließlich orientieren sich die Käufer von Kombis deutlich stärker an Kosten-Nutzen-Rechnungen, als die Käufer repräsentativer Limousinen.

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    @Ken-Daniel S

    Zu seinem 20. Geburtstag hatte ich meinen Zweit-9000er zum SAAB-Festival 2017 nach Trollhättan mitgenommen. Ich bin seit acht Jahren vierter Besitzer dieses 9000CS von 97 und es war immer ein Arbeitsgerät. Ich halte ihn in Schuss, so gut es geht. Vor allem technisch ist er topfit, da er buchstäblich 24/7 einsatzklar sein muss. Optisch hat er nun nach knapp 24 Jahren Arbeitsleben schon eine gewisse Patina – das haben wir ja auch 😉
    Aber nun zum Punkt. Neben mir Stand in diesem traurigen Grüppchen 9000er (das jedes Mal kleiner wird) der letzte ausgelieferte 9000 überhaupt, der Allerletzte steht im Museum. Dieser Wagen eines schwedischen Besitzers machte eine ganz traurige Figur. Ich denke der wird in Zukunft auch nicht mehr dabei sein. Das stört die aber nicht.
    Dann kam plötzlich ein Schwede, der sich die Fahrgestellnummer meines 9000 ansah und mich dann ansprach. Er hätte sehr wahrscheinlich am Bau dieses Wagens mitgearbeitet und fand es schön, ein Exemplar aus “seiner” Zeit wieder zu sehen 🙂

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    Traurig zu lesen, ich war leider noch nie Schweden, aber Trollhättan steht ganz oben auf meiner Reisewunschliste. Ich habe mit Schweden in Österreich auf dem schweditschen Adventmarkt in Wien gesprochen und von denen hatten viele überhaupt keine Ahnung, dass Saab überhaupt schwedisch ist.
    Was mich interessieren würde, wie hat sich das früher verhalten als Saab noch gelebt hat? Wenn man da von weit angereist ist um Saab Trollhättan zu besichtigen? Haben sich die Arbeiter darüber gefreut oder wars denen egal?
    Kann zwei Anekdoten liefer: War einmal in Ingolstadt, Audi Museum und Werksbesichtigung. In der Gruppe war auch eine Familie aus Kanada die begeisterte Quattro Fahrer waren, die Gruppenführerin war sehr erfreut, dass eine Familie extra aus Kanada angereist ist, um sich die Produktionsstätte ihrer Autos anzusehen.
    War dann auch mit meiner Mutter in Japan im Subaru Werk, wir sprechen beide japanisch, haben denen erklärt, dass wir aus Österreich sind, dort gerne Subaru fahren – war denen gleichgültig.

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      @Ken-Daniel S Die Saab Mitarbeiter, heute auch Ex-Mitarbeiter im Museum oder bei NEVS, waren und sind immer freundlich und erzählen gerne. Egal ob Arbeiter in der Produktion oder in der Entwicklung. Gastfreundschaft habe ich in Schweden immer erfahren, einige Male war es mir fast zu viel.

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    Ist das noch ein Rückspiegel?

    Mir bringt der Artikel neue Erkenntnisse und die Rubrik könnte auch “Toms Brennglas”, “Mikroskop” oder “Toms Seziertischh” heißen.

    Zuletzt Sommer 2019 selbst im dicht besiedelten Süd-Westen von S gewesen, fiel mir auf, dass die Schweden ganz eindeutig auf gehobene Ausstattungen und starke Motoren stehen. Die Fahrzeuge und die Kürzel am Heck sprachen Bände.

    Allein Toms Hinweis auf abgespeckte Saab, speziell für diesen Markt, scheint mir da wie eine schlüssige Erklärung für die aktuelle Entwicklung und auch das vorausgegange Scheitern. Eine Limousine von 5 Metern + (9-5 NG) mag zwar viel Speck bieten, lässt sich aber trotzdem nicht beliebig abspecken. Der Nutzwert steigt dadurch ja nicht. Es sinken aber Prestige, Image und Margen. Der falsche Weg für Saab …

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    Saab bleibe ich immer fahren. Als Wagen fuer alle Tagen aber ich habe auch viel Freude an einige Old timer. Saab wird so nur durch die echte Saab fans weiter gefahren. Ersatzteile gehen mehr und mehr zu Firmen die specialisiert sind. Saab Clubs sehen eine wachsende Mitgliederzahl. So saab wird ein seltsames Erscheinung auf unsere Strassen. Wir bleiben unsere Marke treu.

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    @Hans.S, der “Return of Investment” ist jeden Tag beim Fahren! .. vorausgesetzt man fährt seine SAAB was bei 6-11 in der Garage schon schwierig ist 😉

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    Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass die Schweden mit Saab recht kühl umgehen. Selbst Volvo läuft Gefahr an Lynk&co Marktanteile zu verlieren. Das ergab eine Umfrage in Schweden, ob sie bereit sind einen Aufschlag für einen Volvo zu zahlen. Sind sie nicht. Da hat es Saab um Längen schwerer.
    Was die Preise hier in Deutschland angeht, schaue ich einfach nicht mehr hin. Es ist schon traurig für wie wenig Geld ein 9-3I
    Cabrio in den bekannten Portalen zu haben ist. Und es wird nicht besser werden. Leider!

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    Ja – SAAB uns Schweden – passt das noch zusammen !? Das habe ich mich erstmals am damaligen unwiederbringlichen Ende von Saab gefragt 🙁 Wieviel Geld wird und wurde schon vom deutschen Staat bzw. Steuerzahler in die deutsche Automobilindustrie gepumpt … ( Über eventuellen Sinn / Unsinn / Nutzen möchte ich hier nicht nachdenken) Egal – in Schweden war und ist das wohl kein Thema.
    Okay – auch SAAB ist ja nur ein Auto mit einer max. gewollten Nutzungsdauer von vielleicht 10 Jahren – in manchen Ländern vielleicht auch mehr.

    Wir vermeintlichen SAAB Fans / Verrückten sind da wahrscheinlich eine Ausnahme – und das ist sicher auch bei anderen Marken so !? Aber auch wir können die (SAAB) Welt wohl damit auch nicht wirklich retten ?

    Ich selber werde mit meinen aktuell vier SAABs von Kollegen und Freunden auch schon mal belächelt – aber da stehe ich natürlich drüber.

    Und ob das was wir mit unseren SAABs dann alles rational und finanziell nützlich ist – darüber versuche ich auch nicht wirklich nach zudenken …( So lange ich dies auch noch nicht muss )

    Übrigens @ Joe – meine “neueste” SAAB Errungenschaft ist (wie du geschrieben hast), ein 9000 AERO in guten Zustand – das Teil war kein Schnäppchen und wird im kommenden Frühjahr bestimmt noch zwei bis drei Euronen verschlingen, damit ich auch dieses (mein) Traumauto für die Nachwelt erhalten kann – ob die es will oder nicht 🙂 … – mir wird es das wert sein 🙂

    Zum Thema ORIO möchte ich mich eigentlich nicht äußern …

    Lg. aus Thüringen

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    @Joe, Respekt, 11 Saab!

    Da wäre noch Luft nach oben bei mir. Es lockt Saab Nr. 6, aber eben, all die Bedenken die von Tom und von dir Joe beschrieben werden beschäfigen mich auch. Wie können wir in Zukunft unsere Saab am Leben halten? Und mit welchem Aufwand? Dass es da je einen Return of Investment geben wird glaube ich schon gar nicht. Ich habe das schon oft geschrieben, es ist wie es eben schon immer war, Saab hatte schon früher keinen grossen Marktanteil und das reflektiert sich halt eben auch bei den Young/Oldtimer. Aber Hand aufs Herz, wer will denn schon einen MB oder BMW fahren wenn er einen Saab im Stall hat 😉

    Frühre gab es doch mal eine Zigarettenmarke, die warb mit dem Slogan; es war schon immer etwas teurer einen besonderen Geschmack zu haben! Wobei sich das teuer bei Saab wohl eher auf den Unterhalt anstatt auf den Wert bezieht. Leider……

    Keep on saabing!

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    Saab war und ist in Schweden echt schon immer anders gewesen. So wie die 9000 aufgebraucht wurden wird jetzt der Rest verheizt. Echt schade drum.

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    Für mich ist das irgendwie auch klar. Leider wird das so auch weitergehen und der SAAB Bestand wird sich immer rascher auslösen. Das kann nur aufgehalten werden, wenn baldmöglichst Massnahmen kommen.

    Die Message kommt ja auch von niemand richtig rüber. Ohne Deinen SAAB Blog Tom, der noch einigermassen Enthusiasten mobilisiert, ist wenig nahrhaftes über SAAB vorhanden. Was das Markenimage stärken würde, das fehlt sonst gänzlich.

    SAAB / Orio fördert die nötige Klassiksparte nicht! Im Prinzip läuft das einfach so weiter, wie wenn es ein reguläres Produkt ist. Man versucht, solange wie möglich einfach Teile zu liefern. Jeder der Business gelernt oder studiert hat, wird mir zustimmen. Man hofft nur, statt aktiv zu werden.

    Es wird in Youngtimer, Oldtimer Heften nicht gross über SAAB geschrieben, obwohl es ja so viele Spezialmodelle gibt, wo man darüber schreiben könnte. Das machen Hersteller wie BMW, Mercedes und Porsche besser! Die machen dort auch Werbung für Ihre Klassiksparte. Orio müsste ganz anders unterwegs sein, um das noch herum zu biegen. Und die Preise für SAAB müssten einfach steigen. So ein 3er Cabrio, steigt und steigt, wo die Preise für die 900 er gleich bleiben oder teilweise gar rückläufig sind.

    Die anderen Modelle sind dem Preisverfall preisgegeben. Wer kauft einen 9000 CC oder Aero in gebrauchten Zustand, investiert dann viele tausende von Euro? Obwohl das Hammerautos sind, macht das kaum einer. Die Karrosserie ist eine Sache, aber meist sind die Ledersitze durch und Ersatz schwierig. Da es keine Klassiksparte gibt, die solche Teile in solch grösseren Mengen herstellt, damit das einigermassen günstig wird. Einzelanfertigungen sind teuer. Das habe ich beim Viggen gemacht.

    Der Markt schläft und wird gar nicht “erweckt”. Ohne Deinen SAAB Blog, wäre noch weniger Zusammenhalt da. Einige SAAB Treffen, finden wegen Corona nicht mehr statt und andere sind einfach so “verschwunden”.

    Ich kenne leider manchen Enthusiasten, der, sobald eine grössere Investition kommt, doch aufgibt und das Auto “schlachtet” um dann noch das Maximum raus zu holen. Viele “ehemalige” Enthusiasten sind vom Zug abgesprungen.

    Wo ist die Limite, was man ausgibt? Das frage ich mich auch immer wieder. Im Moment habe ich 11 Saab’s. Der 2.2 TID bekommt ein neues Fahrwerk, nebst der gerade vollendeten Aussenrenovation und der Beseitigung der typischen Roststellen. Ein weiterer 9-5 benötigt viel Rostbeseitigung und auch Lackierarbeiten. Der steht gerade auf dem Lift. Und ich überlege, ob ich das machen lassen soll, oder ob es ein Schlachtfahrzeug gibt. Wobei ich eher auf Erhalt tendiere. Weil sonst wieder einer weg ist.

    Ein weitere 9-5 Performance hat gerade einen ATM bekommen und andere Arbeiten wurden ausgeführt. Beim Viggen, der wirklich total perfekt ist, trübt die Türeinfassung das Bild, da unter dem Gummi das ? Alu so oxidiert. Das regt mich auf, kann das aber schon seit Jahren nicht mehr ersetzen, da es das Teil nicht gibt. Aber für keinen der Wagen bekomme ich je den investierten Betrag zurück, da es keinen Markt dafür gibt.

    Und wer wäre bereit, für einen 900 oder 9000 in gutem Zustand EUR 20’000 oder mehr zu bezahlen? Doch für einen BMW oder Mercedes, da ist dies anders.

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