Meine Saab Story

Es geht um unseren Ursaab, aber diese Saab Story läuft ausserhalb der Konkurrenz. Sie kommt von Saab Partner und Blog Unterstützer Johann Taubenberger und ist ein Statement für die Marke aus Trollhättan.

Ich heiße Johann. Ich bin 34 Jahre alt. Ich fahre Saab. Wäre dieser Buchanfang nicht „Einem Mann namens Ove“ vorbehalten, er würde sehr gut zu mir passen. Nicht, dass ich auch so ein sturköpfiger alter Kauz wie Ove wäre, nur seine Leidenschaft zu schwedischen Automobilen teile ich sehr.

Hochzeits-Saab von Swantje und Johann
Hochzeits-Saab von Swantje und Johann

Diese Leidenschaft wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Seit 1985 betreibt meine Familie hier in Bad Tölz ein Saab Autohaus. Mein Vater – der auch manchmal ein kleines bisschen Ove in sich trägt – hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Autowerkstatt zu eröffnen. Nachdem mit mehreren Marken verhandelt wurde, fiel die Wahl auf Saab. Inwiefern der Zuschlag für die Schweden letztendlich davon abhing, dass ein von Saab zur Verfügung gestellter 900 turbo auf den hiesigen Straßen & Autobahnen auch nach intensiver Suche keine „Gegner“ mehr fand, ist bis heute noch nicht ganz geklärt.

Ebenso unklar ist es, warum meine 1986 geborene Schwester nun eigentlich Sabrina heißt . Auch Berry – unser „Wachhund“ – verließ bis zu seinem Tod 2013 15 Jahre lang nie das Haus ohne sein Saab-Emblem, dass er um den Hals trug.

Das war er wohl, der Saab Spirit, der unsere ganze Familie erfasst hat und uns auch bis heute nie so richtig losgelassen hat. Es ging immer darum ein wenig anders, als die anderen zu sein. Wenn man in einem Autohaus groß wird, gibt es unzählige Erlebnisse und Geschichten, die sich einprägen. Stellvertretend sei erwähnt, wie bei uns 900 I verkauft wurden: Nach ausgiebiger Probefahrt wurde das Fahrzeug in die Werkstatt gefahren, die Türen geöffnet und mein Onkel – Saab Master Technician der ersten Stunde – stützte sich mit vollem Körpergewicht auf die geöffnete Tür, die natürlich keinen Millimeter nachgab. Der Unterschrift unter dem Kaufvertrag stand nach dieser eindrucksvollen Präsentation meist nichts mehr im Wege (Mit Vorstellung des 900II wurde diese Verkaufstaktik ganz schnell eingestellt).

Mein erstes Auto war ein Saab 9000i in rosenquarz metallic – natürlich ohne Klimaanlage, gefolgt von einem 2.3 Turbo – der nicht nur bei mir, sondern auch bei Freunden und Schulkameraden als „das mächtige Donnerross“ bekannt war. Um das Donnerross ranken sich legendäre Geschichten, die aber nicht auf diesen Blog gehören. Bei der Bundeswehr begleitete mich ein 900 2.5 V6 in aubergine Metallic, der leider viel zu früh von uns ging. Ich hatte bei Glatteis erfolglos versucht, 50 m neben der eigentlichen Eisenbahnunterführung mit meinem Auto eine eigene Durchfahrt zu graben. Außer ein bisschen Nasenbluten durch den Airbag und ein paar blauer Flecken durch die Gurtstraffer, gab es einen Totalschaden. Geblieben ist mein Respekt vor vereisten Kurven.

Durch das Studium begleitete mich zu Anfang ein grüner Saab 900i 2.3, der für den ersten Umzug weg von zuhause genug Laderaum geboten hatte. Gegen Mitte des Studiums in Regensburg hatte ich dann einen ganzen Hof voller Saabs mit zugehörigem Saab Zentrum, für das ich verantwortlich war. Studiert habe ich nebenbei.
Als Hochzeitsauto war er ein 9-5 NG, heute ist es ein Saab 9-3 TTiD Aero SC– und immer noch ein ganzer Hof voll Saabs. In diesem 9-3 hat meine kleine Tochter die erste Autofahrt ihres Lebens gemacht und es ist einfach ein gutes Gefühl, dass ich Frau und Kind in einem Saab weiß. Außerdem wartet ein 1994er Saab 9000 noch auf die Entscheidung, ob er nochmal TÜV-fertig restauriert oder aber als Organspender anderen 9000 dienen soll.

Als Fazit meiner persönlichen Saab Story kann ich Folgendes sagen: Auch wenn ich beruflich nicht immer Gutes über Saab berichten kann, allem voran über Pseudo-Manager, ahnungslose Marketing-Theoretiker und Möchtegern Verkaufsprofis, so gehört dies nun einmal auch zur Geschichte . Ich war mit Saab erfolgreich, wie es möglich war, mit Saab erfolgreich zu sein und ich bin mit Saab (wie so viele) gescheitert, als Saab gescheitert ist. Aber wenn man es genau bedenkt, war nie die Beziehung zur „Marke Saab“ problematisch, es waren immer Personen, die für Saab (oder besser bei Saab) arbeiteten und die einem bisweilen das Leben sehr schwer gemacht haben.

Dennoch: Die Begeisterung für die Marke konnte mir bisher niemand nehmen und ich glaube auch nicht, dass dies in Zukunft gelingen kann. Auch wenn ich die Ursache, dass diese Begeisterung noch immer anhält, nicht wirklich in Worte fassen kann, so gibt es Momente, in denen sie mir bewusst wird: Sei es das Gefühl, einen Saab zu fahren – das Gefühl von Souveränität und Sicherheit (egal ob in einem „neuen“ 9-5 NG oder aber in einem unserer Werkstattwagen, einem 2004er 9-5 mit 240‘000km) – ein Gefühl, dass ich von anderen Autos nicht kenne.

Das Gute ist, das jeder hier auf diesem Blog dieses Gefühl kennt und ich es deshalb nicht weiter beschreiben muss. Oder aber der Stolz der bei jedem Besuch im Saab Museum in Trollhättan in mir aufkommt. Stolz, Teil von etwas Besonderem zu sein, obwohl das ja eigentlich gar nicht mehr der Fall ist.

Ich durfte mit Saab die Welt entdecken (von Hongkong bis New Orleans) und ich habe durch Saab Schweden und vor allem die Schweden lieben gelernt. Dafür bin ich dankbar. Mir wurde frühmorgens in der Bar eines Göteborger Hotels die schwedische Nationalhymne beigebracht und ich durfte dabei erfahren, was es bedeutet, seinen Kaffee „Swedish Style“ zu trinken. Ein Wunder, dass ich den Text heute noch kann. Ich weiß dank Saab, dass es einen Ort namens Fiskebäkskil gibt und dass ich mir, wenn ich mal viel Geld habe (das zu verdienen mit Saab allerdings schwierig werden dürfte) dort ein Haus kaufen werde – und ich weiß auch, dass ich mich weder in Rüsselsheim noch in Detroit häuslich niederlassen werde. Ich weiß, dass wenn man in Dubai mit einem gewissen Markus L. aus Kiel ein paar Bier trinkt, man nicht leichtfertig sagt „Das geht auf mich!“, ohne vorher das Limit seiner Kreditkarte überprüft zu haben. All das sind Momente – die ich ohne Saab nicht erlebt hätte. Auch das gehört für mich zu meiner Story.

Saab ist wie kaum eine andere Automarke. Durch sie habe ich viele fantastische Menschen kennenlernt, die alle „den Saab Spirit“ teilen. Besonders jetzt , in einer Zeit in der eine Zukunft für Saab mehr als fraglich erscheint, zeigen sich die echten Enthusiasten – egal ob findige Saab Händler oder großartige Kunden. In 2015 feiern wir bei Taubenberger 30 Jahre Saab – und wir sind stolz und glücklich noch immer Menschen zu unseren Kunden zu zählen, die seit der ersten Stunde dabei sind. Allein deshalb gilt:

Egal was kommt – meine persönliche Saab Story wird wohl niemals aufhören. Und das ist auch gut so.

12 Gedanken zu „Meine Saab Story

  • Danke für die Blumen. Wir werden sicher über Jubiläumsaktivitäten informieren 😀

  • Klasse Saab Story, da spürt man in jedem Wort eine brennende Leidenschaft und die uns allen bekannte Gefühle. Mit solchen Saab Partnern wird die Marke leben und überleben. Toller Bericht!!

  • das ist ja richtige Saab-Lyrik !
    Großartig geschrieben – Danke !

  • BRAVO ! Klasse Bericht! Welch´ ein „Rückenwind“…
    Mit solchen SAABianern hab ich keine Bange um meinen 9-3er :-). Da macht die SAAB-Partnerschaft Freude!!! 🙂

  • Grüß Gott Johann,

    vielen Dank für die tolle Story!

    Was plant Ihr für das 30jährige Jubiläum? Ich hoffe, es gibt Infos darüber auf dieser Seite! 😉

  • Gut dass die Story außer Konkurrenz läuft. Sonst müsste ich gar nicht erst mit dem Schreiben beginnen 😉

  • Die Passage in der vom Scheitern mit SAAB geschrieben wurde, ist vielleicht doch etwas verfrüht in die Geschichte mit eingeflossen.

    Wenn die Übernahme durch einen neuen Investor klappt, könnte man im Rückblick dann wohl doch eher von einer Durststrecke oder dergleichen sprechen. Die nächsten Wochen werden nun endgültig zeigen, ob die SAAB-Story auch in Bezug auf die Fortsetzung der Produktion von Fahrzeugen weitergeht oder nicht – unser Enthusiasmus in Sachen SAAB bleibt ja ohnehin ungebrochen bestehen!

  • Welche Motorisierung hat der 9-5 NG ? Guter Bericht.

  • apropo 9-5NG . Ich hatte heute morgen um ca.9:00 Uhr ein regelrechtes Wunder , ja fast eine Erscheinung vor Augen , zumindest für die Stadt bzw. Region in der ich lebe . Auf dem Alleenring in Kirchheim unter Teck / BW kamen mir hintereinander 3 Saab 9-5 NG entgegen . Gab es heute irgendwo in der Nähe ein Saab Event , oder sollte es diesen außergewöhnlichen Zufall tatsächlich gegeben haben ? Für mich jedenfalls war es heute nach diesem Anblick noch ein besonders schöner Tag.

  • Was eine schoene Geschichte. Habe voll davon genossen.

  • Nach dem Lesen des Textes huschte mir ein Lächeln über das Gesicht. Eine tolle Story, an vielen Stellen mitfühlbar. So bleibt (wenigstens) der „Saab Sprit“.

  • Schöner Bericht. Erinnert mich ein wenig an mein Werdegang mit Saab, da ich wie Johann auch in einem Saab Autohaus groß geworden bin. O.K. der große Unterschied ist, bei mir war das Hochzeitsauto ein Saab V6 Cabrio.

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