Saab B235R. Der Dicke lebt im Pickup weiter.

Manchmal trifft man alte Freunde unverhofft wieder. Vor 3 Jahren ging es so, als mich der Saab B235R aus einem chinesischen Motorraum anstrahlte. Fast war er der Alte, bis auf einige Details. Er hatte mittlerweile seinen Namen geändert und hörte fortan auf die Bezeichnung B236R. Er war schwächer geworden und hatte das ein oder andere PS verloren. Seltsam war nur seine Einbaulage. Längs statt quer war ungewohnt, aber das hatten vor den Chinesen bereits die Australier versucht.

Neuer Beijing F40 Pickup
Neuer Beijing F40 Pickup. Photo Credit: Chinapev.com

Außerdem war er seitdem mit einer 6-Gang Automatik liiert,  die, das muss ich zugeben, gut zu ihm passte. Er wohnte damals in einem Drum mit Namen BAIC BJ40, mit dem er ganz gut zurechtkam. Keine elegante Erscheinung wie in den glorreichen Zeiten, mehr der Typ grober Klotz. Seine Arbeit in den Diensten der nationalen Volksbefreiungsarmee muss er gut gemacht haben, denn Chinas Militärs fuhren auf ihn ab. Sie sahen ihn als Gegenentwurf zum amerikanischen Humvee, der seine großen Tage auch schon hinter sich hat.

Der B235R von Saab lebt weiter

Zugegeben, ich dachte,  der B235R wäre mit der Senova Linie entschlafen, und der chinesische Teil der Saab Saga wäre endgültig fertig erzählt. Ich habe mich geirrt, denn vor einigen Tagen machte der Dicke wieder von sich reden. Der Motor, den Saab 9k und 9-5 Fahrer gerne als den „Dicken“ bezeichnen, weil sich reichlich 2.3 Liter Hubraum auf nur 4 Zylinder verteilen.

Was heute ungewöhnlich ist, zur Zeit seines Entstehens aber nicht war. Ford hatte ebenfalls einen 2.3, Citroen verteilte 2,5 Liter auf 4 Töpfe,  und auch Porsche schenkte mit 3 Litern kräftig ein. Nur heute, im auslaufenden Zeitalter der Kleinmotoren, kommt uns diese Hubraumgröße groß vor. Dabei ist sie lediglich vernünftig. Hubraum ist beim B235 gleichzusetzen mit niedrigen Drehzahlen, gutem Antritt, niedrigem Verbrauch, wenig Schadstoffen und entspanntem Dahingleiten.

Aufgetaucht ist der B235R, oder auch B236R wie er heute genannt werden will, mal wieder in einem sehr martialischen Gefährt. Aus der Marke Senova wurde Beijing,  und mit dem neuen F40 stellt BAIC das Pickup Derivat des BJ40 vor. Die robuste Grundkonstruktion liefert der BJ40, der Allrad Antrieb ist wie gehabt bei Bedarf zuschaltbar. Der B236R Motor wurde unverändert übernommen, er leistet 245 PS und 350 Nm, was im Moment die größte Ausbaustufe darstellt. In China kostet der Pickup rund 19.000 €, für ein heimisches Fabrikat nicht wenig.

Bei meiner Probefahrt 2016 kam der aufgeladene 2.3 Liter ganz gut mit dem Berg von Blech zurecht. Es gab freilich eine Anfahrschwäche, die man aus Saab Zeiten so nicht kannte. Und auch seine Kultiviertheit hatte der Motor irgendwo eingebüßt. Man kann das gelassen sehen, denn nach Deutschland wird es der Beijing F40 kaum schaffen. Der inoffizielle BAIC Importeur hat nur noch zwei Fahrzeuge im Programm, die viel vernünftiger und im Vergleich zum Pickup Spielzeuge sind. Außerdem wäre der martialische Pickup der umweltbewegten Nachbarschaft wohl kaum zu vermitteln.

Trotzdem, der dicke B235R lebt weiter. Irgendwo in China. Das ist schon ein melancholisch beruhigendes Gefühl.

5 Gedanken zu „Saab B235R. Der Dicke lebt im Pickup weiter.

  • Die 9 Leben einer Katze, oder so? Die SAAB Gene scheinen alles zu überleben. Immerhin ist der Verkauf der Motoren auch schon wieder 10 Jahre her!

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  • (…) 10 Jahre her !

    „Und der Motor selbst nochmals deutlich älter“, möchte man anfügen. Er war (auch schon wieder falsch), nein, er IST (!) eben ein wirklich guter Motor …

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    • Wurde ja auch mehrfach als Motor des Jahres international ausgezeichnet!

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  • Falls man einen relativ großen Vierzylinder aktuell haben möchte, empfehle ich, sich bei Mazda umzusehen, da gibt es so etwas noch. Dort ist man vom Trend zu kleinen aufgeladenen Motoren noch nicht so überzeugt und geht mit den Skyactiv-Benzinern einen etwas anderen Weg.

    Da gibt es noch 2,5 Liter auf vier Zylinder verteilt, allerdings ohne den bei Saabfahrern so beliebten Turbolader, für den muss man bei Mazda einen Diesel kaufen.
    Wenn man einen aufgeladenen Benziner haben will, muss man den neuen Skyactiv X mit Kompressionszündung (vergleichbar dem Diesel, hierzulande gerne Diesotto genannt) nehmen, da ist allerdings bei 2,0 Litern Schluss und er hat auch ’nur‘ einen Kompressor.

    Falls es doch ein Diesel sein darf, sowas gibt es von Mitsubishi im Pajero (3,2 Liter Vierzylinder), der ist als Geländewagen ja auch besser mit dem im Artikel vorgestellten Boliden zu vergleichen …

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  • Folgt man den Gesetzen der Physik, ist ein Hubraum von 500 ccm je Zylinder mit Hub = Bohrung der optimale Brennraum. Die Druckwelle nach der Zündung breitet sich kugelförmig aus. Hub = Bohrung kommt dieser Form am nächsten. Die 500 ccm je Zylinder ergeben sich aus der max. möglichen Kolbengeschwindigkeit, ohne dass der Ölfilm reißen würde und der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Gase.

    Es ist kein Zufall, dass die aktuelle Modellpalette und die Geschichte des Automobils randvoll mit 2,0 Liter 4-Zylindern oder anderen Motoren mit 500 ccm je Zylinder ist – sei es ein 3,0 Liter 6-Zylinder oder ein 6,0 Liter 12-Zylinder. Oder eben auch ein Motorrad mit einen 500 ccm 1-Zylinder …

    Wer dennoch auf große Brennräume steht, der sollte nicht nach Japan gucken, sondern guckt besser nach sehr, sehr alten Oldtimern (Europa) oder nach Amis bis zu den 1970ern und findet 1.000 ccm je Zylinder und mehr. Oder man guckt nach LKW und Schiffen …

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