Zwei Tage Autokultur. Techno Classica Essen.

Essen, Norbertstraße, gegen 9:00 Uhr am Freitag. Es regiert das Chaos, der Kampf um die Parkplätze tobt. Ohne Rücksicht auf Verluste, so wie jedes Jahr. Die Techno Classica ruft – die Leitmesse,  wenn es um antikes Blech geht. Bevor man automobile Kultur genießen darf, muss man sich einen Parkplatz in Hallennähe erkämpfen.

Saab 96 auf der Bühne
Saab 96 auf der Bühne

Wenn man nicht mit einem Bus aus der Frühzeit der Transporttechnologie von einem der entfernten Parkplätze in Richtung Gruga Halle geschaukelt werden will, was eine gefühlte Ewigkeit dauert und im Prinzip für eine internationale Leitmesse unzumutbar ist. Stoßstange an Stoßstange schiebt sich die Blechlawine in die Parkgarage, die Messe ist nur wenige Laufminuten entfernt. Es geht los!

Was auf der Techno Classica dominiert ist sehr teures Blech. An einem Vormittag ein halbe Million € auszugeben, für nur einen Klassiker, ist problemlos möglich. Gerne auch etwas mehr. Fahrzeuge,  für die man 7-stellige Beträge hinlegen darf,  sind leicht zu finden. Ist das die Realität?

Eigentlich geht es mir nicht um die Hochpreis-Klassiker. Ich fahre nach Essen wegen der Exoten. Marken,  die wenig verbreitet sind, oder die es nicht mehr gibt. Ich mag alte Alfas, Lancias, Citroens und natürlich Saabs. Ausserdem alles,  was von der Brexit-Insel kam oder kommt, und auch die andere schwedische Marke.

Techno Classica 2019 – Alles scheint wie immer

Aber angesichts der nach wie vor stattfindenden Porsche-Flut, der riesigen Mercedes-Präsenz, und des Auftritts des Wolfsburger Konglomerats stellen sich schon Fragen. Ein Freund, den ich wenig später treffe, ordnet das alles als glitzernde Fassade eines Marktes ein, der so nicht mehr existiert. Schein vor Sein, und er könnte damit richtig liegen. Die Hallen sind leerer als vor einem Jahr, und auch um die Mittagszeit ist der Besucherandrang geringer als 2018. Das Messepublikum ist vorwiegend älter, männlich. Es dominieren Besucher, die weit im Rentenalter sind. Ich, mit etwas über 50 Jahren, zähle fast zu den jugendlichen Besuchern.

Das alles ist keine Überraschung. Der Feldzug gegen den Verbrenner hinterlässt Spuren. Die Techno Classica dürfte dieses Jahr weniger Besucher melden, und anderswo werden Oldtimer Messen gleich komplett abgesagt. Dazu kommt der stattliche Eintritt von 25 € pro Person, das Fehlen preiswerter Klassiker zum Einstieg in das Hobby. Wie will man so junge Menschen in Massen für mobile Kultur begeistern?

Klar, es gibt einen “Schnäppchenmarkt”. Ein liebloser Innenhof, wo durchschnittliche Ware zu einem überdurchschnittlichen Preis präsentiert wird. Ein Witz. Wie es mit diesem Konzept, und bei den aktuellen Diskussionen und Veränderung, in 10 Jahren um die Messe bestellt sein wird,  ist vorhersehbar.

Aber es gibt sie, die Lichtblicke. Es sind die Clubs, die immer noch das Salz in der Suppe jeder Show sind. Der 1. deutsche Saab Club präsentiert zwei schöne Klassiker. Die Behelfshalle ist ungemütlich, aber nahe an einem Eingang gut plaziert. Die Borgward Fans sind wie immer sehr originell unterwegs, Citroen präsentiert die Clubs zum 100-Jährigen Jubiläum auf einem riesigen Stand. Der Subaru Stand ist winzig klein, der Volvo Club in unmittelbarer Nachbarschaft regiert im Vergleich fast schon über unendliche Weiten. Aber an diesen Ständen ist Leben, es stimmt der Altersschnitt, die Fahrzeuge sind erschwinglich.

Schwedische Gastfreundschaft bei Volvo.

Ach ja…die andere schwedische Marke. Volvo ist natürlich auf der Techno Classica präsent. Der Stand in Essen wird nicht vom Importeur,  sondern von den Schweden selbst organisiert. Entsprechend locker und gastfreundlich ist die Atmosphäre. Es gibt die extrem leckeren Zimtschnecken (Vorsicht – extreme Suchtgefahr!) und Kaffee. Volvo präsentiert den neuen S60. Eine dynamische, sehr schön gemachte Sportlimousine. Eine Versuchung? Ja, auf jeden Fall.

Zumindest in der Theorie. Denn, und das ist ungünstig, neben dem S60 haben unsere schwedischen Freunde einen Merkur-gelben 850 T-5R und einen 240 Turbo geparkt. Mittlerweile sind wir zu dritt unterwegs, und die Frage stellt sich,  welches Auto wir bevorzugen würden? Natürlich den 850 T-5R ist die einhellige Meinung. Oder vielleicht den 240 Turbo,  denke ich mir noch im Stillen.

Und was macht Saab? Wie zu erwarten ist die Präsenz schwach. Man findet sie aber vereinzelt, wobei ich nicht alle gesehen habe. Ein sehr schönes 900 Turbo Cabrio mit wenigen Kilometern fällt auf, ein 96 wird auf einer Hebebühne präsentiert. Irgendwo steht noch ein Sonett, und auf dem Freigelände treffen wir die gut gelaunten Schweden mit ihrem Saab 9000i wieder. Der wurde, obwohl einiges an Interesse da war, 2018 nicht verkauft. Warum eigentlich? Keine Einigung beim Preis, die beiden sehen das sportlich. Ich wünsche viel Glück, vielleicht klappt es ja 2019. Oder 2020.

Und obwohl ich auf 600 Kilometern Autobahn an diesem Tag keinen einzigen Saab entdecken werde, ist die Marke doch präsent. Im Parkhaus steht ein echtes Griffin Cabriolet, in der Ausfahrt kommt mir eine niederländische 9-3 Limousine entgegen. Das Highlight aber ist ein früher, goldener Saab 9000 CC Turbo mit französischer Zulassung.

Die Marke ist klein, aber international. Nach ein paar Stunden auf der Messe geht es am Nachmittag zurück in Richtung Frankfurt. Am nächsten Tag steht Saab-Grillen im Kalender. Der Wetterbericht spricht von Schnee und Regen und niedrigen Temperaturen. Das kann lustig werden.

8 Gedanken zu „Zwei Tage Autokultur. Techno Classica Essen.

  • 15. April 2019 um 10:59 AM
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    Bei Porsche & Co ist mehr Spekulation als Liebe zur Marke dabei. Und die Hochpreis Klassiker holt man doch so gut wie niemals aus der (vermutlich) klimatisierten Halle. Schön daß unsere Saabs weiter fahr- und bezahlbar sind, das macht wirklich Spaß. Und das jeden Tag!

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  • 15. April 2019 um 12:27 PM
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    Vielen Dank Tom, für diese Impressionen.

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  • 15. April 2019 um 12:58 PM
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    Mein Sohn und ich fahren seit mehr als 10 Jahren zur Messe. Und wir haben tolle einzigartige Autos gesehen, zum bestaunen, nicht kaufen. Den 96er und das 900 Cabrio haben wir auch gesehen und uns gefragt ob in vier fünf Jahren vielleicht mehr Saabs zur Messe finden?! Der Volvo Stand und der Service waren top, vor allem der Urvolvo im original Zustand war ein Highlight. Mercedes wie eh und je zu präsent, aber BMW fast abgetaucht. Die Mannschaft war auch nicht wirklich glücklich damit. Mein/unser Fazit, es war schön (mit deutlichen Veränderungen) und nächstes Jahr geht es wieder hin.

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  • 15. April 2019 um 4:13 PM
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    Vielen Dank für diesen Bericht und die Fotos.

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  • 15. April 2019 um 4:46 PM
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    Seit 3 Jahren fahre ich schon nicht mehr zur Messe nach Stuttgart, der Konkurrenzveranstaltung zu Essen, das Kommerzielle ist einfach zu sehr im Vordergrund, macht keinen Spaß mehr…
    Ich empfehle die Messe in Friedrichshafen, 10.-12.05., das ist deutlich abwechslungsreicher.
    Boote, Flugzeuge und rasante Fahrzeugpräsentationen auf dem Freigelände, macht richtig Spaß. Mein roter 99iger und ich fahren auf jeden Fall hin!

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  • 16. April 2019 um 2:43 PM
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    Hat jemandem Preisen notieren koennen vom Saabs den ausgestellt waren?

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    • 17. April 2019 um 11:53 AM
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      Um die 22.000 € das 900 Cabrio, der 9000 CC lag um die 7000 €.

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  • Pingback:Zwei Tage Autokultur. Saab Szene Frankfurt. - SaabBlog.net

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