Studien von NEVS (und deren Geschichte)

Vor einer Woche veröffentlichte NEVS auf einem Instagramaccount Fotos zweier Studien. Sie gingen um die Welt und sorgten für Aufmerksamkeit. Ein gelungener Schachzug, doch leider blieb unklar,  was auf den Bildern zu sehen war. Denn dazu schwieg man in Schweden.

NEVS Clay-Model

Wohl nicht zufällig, denn es ging weniger um Informationen als darum,  mit dem Evergrande Einstieg eine positive Aufbruchstimmung zu verbreiten. Auf Blogs und in Foren wurden die Bilder gezeigt, aber hier nicht. Denn mich interessierte nur die Geschichte dahinter. Die Enthaltsamkeint auf saabblog.net scheint nicht Jedem gefallen zu haben. In den darauffolgenden Tagen versuchte man mit schwedischer IP regelmäßig mit den Fotos zu verlinken und entsprechende Kommentare über ein Saab Comeback zu kommunizieren.

Was zeigen die beiden Studien von NEVS? In der Stallbacka nachzufragen kann man sich sparen, das haben die Jahre gelehrt. Zusammen mit einem Freund habe ich mich an die Interpretation gewagt und eine schlüssige Antwort gefunden. Die zeitliche Einordnung der Zeichnung, und die Merkmale der Limousine, verweisen auf das D1 Projekt. In der Absicht,  an den chinesischen Mobilitätsanbieter DiDi Elektroautos verkaufen zu können, arbeitete man in Trollhättan ab Januar 2018 für ungefähr 3 Monate an diesem Vorhaben. Dann gab DiDi aber CHJ Automotive den Zuschlag, das Projekt wurde beendet.

Saab Design bei den NEVS Studien?

Die Limousine, mit verlängerten Radstand, erfüllt die Vorgaben der chinesischen Administration für den Einsatz zur Personenbeförderung. Basierend auf der bekannten Plattform des 9-3 Elektroautos ist sie eine Evolution vorhandener Komponenten. Auch das SUV mit dem Code L113 spricht für diese Theorie und basiert auf der bekannten Plattform.

Beide Fotos zeigen Ton-Modelle, die ohne Technik und Interieur nur das Aussendesign abbilden. Eine eventuelle Fertigung wäre in 12 bis 24 Monaten, oder weniger, zu realisieren. Die Entwicklungszeiten für Elektroautos reduzieren sich zusehends. Erinnert der Design-Vorschlag jemanden an Saab? Der ein oder andere Leser könnte womöglich Saab Anklänge sehen, ich finde sie nicht.

Die Limousine trägt die aktuelle asiatische Auto-Mode. Auch Toyota spielt bei neuen Modellen mit Merkmalen wie dem über die C-Säule gezogenen Dach. Die NEVS Designer befinden sich damit in guter Gesellschaft. Zumindest die Limousine zeigt den bisher interessantesten und progressivsten Design-Vorschlag aus den NEVS Studios.

In der Zusammenfassung zeigen die beiden Ton-Modelle keine aktuellen Arbeiten, sondern kommen aus einem beendeten Projekt. Ihre mögliche Produktion ist damit zweifelhaft, aber Vieles in Trollhättan dürfte mit der Übernahme durch Evergrande auf dem Prüfstand stehen. Was der neue Hauptaktionär zukünftig aus dem Unternehmen macht,  werden die kommenden Monate zeigen.

Evergrande kauft Batterie Fabrik

Am 31. Januar ist die letzte Rate für die Übernahme fällig, und Evergrande schlägt auch weiterhin einen schlüssigen Kurs ein. Nach dem Einstieg bei einem der größten Autohändler Chinas, und der Gründung einer Firma für Ladetechnologie schließt sich der Kreis. Evergrande tut, was unabdinglich ist, wenn man mit Elektroautos langfristig Erfolg haben möchte. Das Unternehmen übernahm vor einigen Tagen die Mehrheit der Anteile an der Shanghai CENAT New Energy Ltd. Das Unternehmen unterhält vier Standorte für die Herstellung von Lithium-Ionen Batterien. Im Jahr 2018 war CENAT die Nummer 10 in China, was die installierte Batterie-Kapazität betrifft.

Bei dem bisherigen Partner von NEVS, CATL, dürfte das nicht auf Begeisterung treffen. Möglich wäre, dass sich der Anlauf der Produktion des 9-3 EV durch den sich anbahnnenden Lieferantenwechsel weiter verzögert.

7 Gedanken zu „Studien von NEVS (und deren Geschichte)

  • 29. Januar 2019 um 10:50 AM
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    Gut geschrieben.

    Mir gefällt sehr gut, dass das NEVZ-Interesse der verbliebenen NEVZ-Interssenten innerhalb der Leserschaft dieses Blogs weiterhin bedient wird. Und dass dies mit kritischer Distanz und emotional neutral geschieht. Und ich weiß, dass das mit einem gewissen Arbeitsaufwand verbunden ist …

    Der eigene Aufwand an Zeit und Intellekt für einen Artikel zum gegebenen Thema ließe sich signifikant reduzieren, wenn man einfach den Intentionen der (NEVZ-) PR-Abteilung folgen oder von anderen “Followern” abschreiben würde.

    Der Standard und Anspruch dieses Blogs ist jedoch offenbar ein höherer. Vielen Dank dafür!

    P.S.
    Manchmal wünsche ich mir, der zwangsfianzierte ÖR in D würde seinen Auftrag so ernst nehmen, wie dieser Blog seine Themen und Leser. Es wäre ein journalistischer Fortschritt und stünde der 4. Gewalt im Staate (nennen wir sie die Informative oder die Mediale) sehr gut zu Gesicht, die eigenen Standards an denen dieses Blogs zu messen.

    P.S. II
    Mehr fällt mir zu den Tonmodellen und dem vorstehenden Artikel auch gar nicht ein …

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  • 29. Januar 2019 um 12:16 PM
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    Ich finde schon, dass es noch Saabgene in der äußeren Erscheinung gibt. Die seitlichen Fenster in aufgenommener Perspektive des weißen Modells haben schon noch diesen Saabblock, vgl. 9-4x. Aber vielleicht schaue ich ja auch mit einer rosaroten Saabbrille wohlwollend darauf….
    Danke für diesen Beitrag.

    2
    1
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  • 29. Januar 2019 um 12:54 PM
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    SUV ist eh´kein Thema bei mir…, und bei der Limo sind mir in der seitl. Ansicht zu viele Falten…
    Ich bin in dem Alter, da kaufe ich mir freiwillig keine Falten zusätzlich! 😉
    Klare SAAB-Line geht anders!
    Auch von mir DANK an das Autorenteam für diesen Nevs-Artikel. Ich warte den 31.1.19 (?) ab, ob die Restzahlung passiert. Dann sehen wir/ich weiter.

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  • 29. Januar 2019 um 2:07 PM
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    Danke für die Info. Gebe Jörg recht, die Skizze von der Seite, besonders das Heck finde ich interessant.Dann noch ein durchgehendes Lichtband! Die Front gefällt mir nicht. Trotzdem ein schöner Beitrag

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  • 29. Januar 2019 um 4:23 PM
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    Moin,

    tolle Beiträge, vielen Dank. Thema SAAB Gene der vorgestellten Modelle: Die Zeichnung der Limousine und das Tonmodell sind mit leicht gewölbter Frontscheibe, und im Falle der Zeichnung mit Muschelhaube vielleicht noch am dichtesten dran. Die Fahrgastzelle erinnert ein wenig an den “aktuellen SAAB 93”. Beim SUV sind es wohl nur die SAAB Türgriffe; am sonsten recht eckig, die Kiste. Ich erwarte von NEVS derzeit noch nichts, was sich demnächst auf unseren Straßen wiederfindet und vielleicht so etwas wie SAAB Gene vorzeigt. Meine Erwartungen wären von NEVS vielleicht gar nicht erfüllbar. Aber immerhin scheint sich etwas zu bewegen und der Einstieg/Kooperation von Königsegg bewerte ich in jedem Fall positiv. Ist ja ein alter Bekannter 🙂

    Nun, der 31.01. ist ein wichtiger Tag und vielleicht passiert endlich mal das, was wir alle schon mehrfach erwartet haben; ein Investor mit vermeintlicher Potenz hält Wort. Dann könnte es ja doch mal weiter gehen. Ein Funke Hoffnung? Irgendwie ja schon.

    Gruß vom Erik

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  • 29. Januar 2019 um 6:18 PM
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    Auch ich bedanke mich für die Info bezüglich NEVS, ein bisschen Saab erkennt man am SUV doch. Die Spiegel, die schwarze A Säule und Türgriffe

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  • 30. Januar 2019 um 9:31 AM
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    Vielen Dank auf jeden Fall für die Berichterstattung über NEVS. Auch wenn ich mich nie damit anfreunden kann, so sind Sie immer ein Teil der Marke Saab, und sollte NEVS jemals wieder Autos bauen, dann werden diese Autos wohl mehr DNA von SAAB haben als von NEVS.

    Ich finde auch, das sich in den Autos doch noch die Vergangenheit von SAAB erkennt. Auch wenn NEVS die Modelle stark verändert hat.

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