Wochenrückblick. Anwälte und Ingenieure

Die Kurzmeldungen der Woche, aus Saab Sicht im Überblick:

  • Stundensätze. Was die Saab Abwickler verdienen.
  • Termin. Prozess gegen Jan-Åke Jonsson und Muller.
  • Arbeitsmarkt. Die Jagd nach Ingenieuren.
  • Tagung. NEVS CEO Bergman spricht.
Saab Werk Hauptportal. Herbst 2011.
Das war einmal…Saab Werk im Herbst 2011.

Anwälte – Part I

Bei einem Stundensatz von rund 470,00 € kann man schon Einiges erwarten. Rasche Resultate und kompetente Aufarbeitung vielleicht. Ergebnisse können aber auch ausbleiben. Vielleicht, weil bei Vergütungen in dieser Größenordnung nicht die allergrößte Motivation besteht,  ein Verfahren zum Abschluss zu bringen.

Die Rede ist von der Reste-Abwicklung der Saab Automobile AB und der laufenden Aufarbeitung der Vergangenheit durch Anne-Marie Pouteaux und Hans L. Bergqvist. Das Verfahren hat bis heute mehr als 28 Millionen €, rund 270 Millionen Schwedenkronen, verschlungen. Als Stundensatz sollen bis zu 4.500 Kronen in Rechnung gestellt werden,  berichtet Victor Jensen von P4 Väst. Ein Ende des Verfahrens ist nicht in Sicht;  immer wieder werden neue Vorschüsse angefordert. Der Verband der schwedischen Autoindustrie kritisiert Dauer und Höhe der Stundensätze.

Die Resultate sind dürftig,  und bei dem eigentlichen Minimalziel, das Unternehmen Saab zurück auf den Markt zu bringen, ist man komplett gescheitert. Womit beschäftigt sich die Kanzlei von Anne-Marie Pouteaux und Hans L. Bergqvist ? Man prozessiert gegen eine Reihe von früheren Saab Lieferanten, die auf Mullers Vergleichsvorschlag eingingen und Abschlagszahlungen nach dem Stichtag der festgestellten Zahlungsunfähigkeit erhielten. Dieses Geld fordern die Anwälte nun zurück, was kleinere Unternehmen unter Druck setzten dürfte.

Anwälte – Part II

Der Name Saab kommt in Schweden immer noch nicht zur Ruhe. Im Jahr 2017 wird es so weitergehen. Am 24. Januar startet in Vänersborg der Prozess gegen ehemalige Saab Führungskräfte, darunter Juristin Kristina Geers, CEO Jan-Åke Jonsson und Victor Muller. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2012 und wirft den Angeklagten Steuerbetrug vor. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück.

Der Prozess ist auf 23 Tage angesetzt, die Medien werden voller Schlagzeilen aus der Vergangenheit sein.

Die Jagd nach Ingenieuren

Im Norden läuft im Nach-Saab-Zeitalter der Arbeitsmarkt heiß, wenn es um Ingenieure geht. CEVT, NEVS und Volvo PV liefern sich eine Schlacht um die besten Köpfe. Die schwedische Autoindustrie ist komplett in chinesischer Hand, was der Entwicklung im Land scheinbar gut tut. Volvo fährt einen starken Expansionskurs und verkündet am laufenden Band neue Kooperationen. Während bei NEVS die Liste der offenen Stellen zuletzt merklich zurückging, werden bei Volvo weitere 400 Ingenieure für Forschung und Entwicklung benötigt, was die Situation zusätzlich verschärfen dürfte.

Die laufende Einstellungskampagne ist die größte in der 89-jährigen Geschichte der Marke. Die meisten Mitarbeiter werden für den Standort Göteborg gesucht, eine neue Niederlassung am Universitätsstandort Lund hat bereits 35 neue Kräfte rekrutiert.

Lieferantentagung in Göteborg

Vom 12. bis 13. Oktober findet in Göteborgs Lindholmen die jährliche Lieferantentagung der nordischen Autoindustrie statt. Zwei teilnehmende Redner sind aus unserer Sicht von Interesse. Der frühere Saab Entwicklungschef und heutige CEVT CEO Mats Fägerhag spricht über sein Unternehmen, welches einer der spannenden Akteure in Schweden ist. CEO Bergman von NEVS, der in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag feierte, hat ebenfalls seinen Auftritt. “News from NEVS” steht auf der Einladung zu lesen. Vielleicht spannend, denn aus dem früheren Saab Werk ist aktuell nichts zu melden.

11 thoughts on “Wochenrückblick. Anwälte und Ingenieure

  • Mag sein, dass da Einiges bei der Abwicklung im Argen liegt und nicht vorangeht, weil man sich damit eine goldene Nase verdienen kann.

    Die Lebenserfahrung zeigt allerdings auch, dass man immer zuerst beide Seiten zu Wort kommen lassen soll, bevor man sich eine Meinung bildet und Akteure sogar namentlich nennt.

    Wie wär’s z.B. mit einem Interview mit der Kanzlei?

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      Die Akteure waren letzte Woche namentlich und teilweise mit Bild in fast allen schwedischen Medien ein Thema. Kein Grund die Namen nicht zu nennen, zumal sie seit Eröffnung des Verfahrens als öffentliche Personen zu betrachten sind. Anfragen zum Interview wurden von der Kanzlei in der Vergangenheit stets abgelehnt.

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    Das ist eben Schweden, da ist man transparent bis zum umfallen. Das Endlosverfahren ist sicher nicht gut für das Land und hat vermutlich das Comeback von SAAB verhindert. Eine Insolvenz in ähnlicher Größe wäre in D auch sehr gut bezahlt und ein Hauptgewinn für Anwälte. Schlecht ist es für alle Lieferanten die loyal waren und am Fortbestand von SAAB Interesse hatten. Sie werden jetzt vor Gericht gezerrt.

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    Zum heulen ist dies Alles. Ist da in Schweden niemandem die mahl etwas Ethik in seinem Kopf hat die diese unheilsamen Karussell zum stoppen bringen kann? Beschaemend ist dies.

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    Ja, es gehört sich nicht, Berufsgruppen pauschal zu diffamieren …

    … aber auch in Deutschland verdienen Anwälte ihr Geld, sobald – und dies ist quasi der erste Akt – ein Mandant die Prozessvollmacht unterschrieben hat. Und das unabhängig vom Erfolg und oft auch unabhängig vom Arbeitseinsatz. Es hat System, dass sich unter den gegebenen Bedingungen viele der Anwölfe im Schafspelz ganz schnell grau oder gar schwarz färben …

    Füße hoch und Geld verdienen!

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    Von Anfang an äußerst schwache Leistungen in Bezug auf die Wiedereinführung der Marke – jetzt auch noch in die Länge ziehen und zusätzlich für Negativschlagzeilen sorgen. Haben die eigentlich komplette Narrenfreiheit?

    Mich würde nicht verwundern, wenn Jiang und seine Leute Schweden immer mehr den Rücken kehren. Das Ganze liegt aber auch an der SAAB AB (Unklarheiten bei den Markenrechten – bis hin zur derzeitigen Versagung) und selbstverständlich an den schwedischen Politikern – bis zum heutigen Tage eher kontraproduktiv. Gemeinschaftlich sorgt man dafür, dass GM seine Vernichtungsstrategie womöglich doch noch voll durchziehen kann – armseliges Schweden!

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    Vergessen sie die Abwicklungsbank.und der vormaligen manager.

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    Ich mach es für die Hälfte – wann kann ich anfangen … wie wäre es mit eine Pauschale ? Man kann mich noch verhandeln ? Was kein INteresse ? Wie kann das sein ? Achso die kennen sich alle … – na dann ist ja nichts zu holen … Gute Geschäfte vergibt man unter “Freunden”.

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    Wer einen Stundensatz von 470 Euro bekommt, wäre doch ein Depp, wenn er das ganze Verfahren schnell abwickeln würde…

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      Wohl wahr! 🙁
      Aber bei derartigen “Schlammschlachten” gibt es immer auch Verlierer! Wollen es hoffen, das die RA im Anschluss zwar womöglich “ausgesorgt” haben könnten, doch mit Anschlussaufträgen so ihre Sorgen haben… 😉

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    So lange wie in Schweden sich Gerichte und Anwälte mit dem Namen SAAB beschäftigen wird sich niemand an den Neustart wagen. Das ist traurig, aber wahr. Die ganze Geschcihte kann noch viele Jahre gehen!

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