Elektrisierendes Saab Erbe und Zukunft

Es war eine kurze Pressemeldung am vergangenen Freitag. NEVS besiegelt den Einstieg bei New Long Ma und wird so zum Hersteller elektrischer Transporter und Mikrovans. Der Knoten scheint geplatzt, NEVS und Trollhättan beschreiten den Weg in eine elektrische Zukunft.

NEVS HQ Peking
NEVS HQ Peking

Im kommenden Jahr wird NEVS dann über 3 Werke auf 2 Kontinenten verfügen. Neben den Fahrzeugen von New Long Ma rollen dann auch die elektrischen Limousinen auf Saab 9-3 Basis von den Bändern in Tianjin.

Spannend? Aufregend? Beeindruckend? Ja! Auf jeden Fall eine bemerkenswerte Entwicklung. Denn vor gut einem Jahr schien die Zukunft noch sehr fraglich. Die Entwicklung ist positiv für die Arbeitnehmer im alten Saab Werk und ein Grund, NEVS auf dem Radar zu behalten. Eventuell kommen im nächsten Jahr einige Elektroautos aus Tianjin nach Europa, und vielleicht laufen in nicht allzu ferner Zukunft innovative Produkte in skandinavischem Design von den Bändern in Trollhättan.

Dass NEVS an Attraktivität gewinnt, zeigt folgende Personalie. Fredrik Ahlström wird neuer Vice Präsident des globalen Einkaufs bei NEVS. Seine Stationen in den letzten Jahren waren GM, Pininfarina, Saab, Volvo, NEVS, CEVT. CEVT entwickelt in Göteborg für Volvo und Geely, mit Mats Fägerhag führt ein weiteres Saab Urgestein die rund 2.000 Entwickler. Ahlström organisierte den Einkauf in China und Europa für CEVT. Für NEVS wird sein Erfahrungsschatz bei dem Aufbau der weltweiten Organisation unschätzbar wertvoll sein.

Noch ein Blick rund um den Globus. In Schweden entwickelt man neue Produkte, in anderen Ländern wird ebenfalls auf Saab Basis konstruiert. Elektrisch oder mit Range-Extender.

BAIC EH400. Elektroauto auf Saab 9-5 Basis. Photo Credit: CarNewsChina.com
BAIC EH400. Elektroauto auf Saab 9-5 Basis. Photo Credit: CarNewsChina.com

Elektrisierndes Saab Erbe in China…

Jenseits von NEVS baut BAIC auf Saab Basis, mit bewährten Turbomotoren, die Senova D70 Limousine. Nicht ohne Erfolg, Senova war wiederholt Thema auf dem Blog. Etwas nebulöser ist ein zweiter Ableger. Der Senova D80 ist ein D70 mit verlängertem Radstand. Präsentiert wurde er auf Shows seit 2014, die Markteinführung erfolgte im April 2015. Der D80 ist immer noch nicht beim Senova Händler verfügbar,  berichtet die Car News China. Nur einige Exemplare sollen ab Werk in den Fuhrpark von Behörden gelangt sein.

Ein Derivat der Langversion auf Saab 9-5 Basis ist der während der Automesse in Peking gezeigte Senova EH400. Das Elektroauto auf Basis des D90 fährt rein elektrisch 400 Kilometer, die Spitzengeschwindigkeit ist auf 140 Km/h limitiert. Die Bilder aus China sind recht ansprechend, aber ob der EH400 jemals in die Verkaufsräume rollen wird,  ist nicht sicher.

BAIC setzt in China erfolgreich auf Elektroautos und ist in diesem Segment mit einem Marktanteil von 13% hinter Markführer BYD zukünftig ein direkter Konkurrent zu NEVS. In China verbreitet sich saabisches Erbe weiter, BAIC Sub-Brands wie der Borgward BX7 nutzen ebenfalls Saab Turbo Motoren. Währenddessen mutiert der 2014er 9-3 zur Basis eines nationalen Autos für die Türkei.

Elektrisierendes Saab Erbe in der Türkei…

Im vergangenen Jahr hatte Tübitak die Lizenzen an der Phoenix 1.0 Plattform für 40 Millionen Euro von NEVS erworben. Entwicklungs- und Beratungsarbeiten sichern langfristig rund 100 Ingenieursarbeitsplätze in Trollhättan.

Die Hürrieyt berichtete vor einigen Tagen über die Fortschritte des Projekts. Tübitak setzt, ähnlich der Optionen des BMW i3, auf einen Range-Extender unter der Haube. Eine Möglichkeit, wenn die Infrastruktur an Ladestationen lückenhaft ist, und man dem potentiellen Käufer die “Reichweitenangst” nehmen will. Das Design wird neu gestaltet, viel nationale Technik soll das Projekt nach vorne bringen. Dabei will sich die Türkei mit Google und Tesla messen und erhebt den Anspruch,  das bessere und sicherere Produkt zu liefern.

Das klingt sehr ehrgeizig, würde ich meinen. Die Plattform, bei NEVS unter dem Begriff Phoenix 1.00 laufend, hat gewisse Einschränkungen. Nicht umsonst sollen die neuen Fahrzeuge aus Trollhättan auf einer neuen, flexiblen Basis entstehen, welche als 3.xx an den Start gehen wird.

Das Resultat des Projekts in der Türkei werden wir 2018 sehen. Wie viel schwedische Ingenieurskunst darin enthalten sein wird,  ist schwer abzuschätzen. Aber auch das Tübitak Projekt sichert Arbeitsplätze und ist ein zusätzliches Standbein für Trollhättan.

18 Gedanken zu „Elektrisierendes Saab Erbe und Zukunft

  • Langversion vom 9-5….. Das ist lecker. Warum baut NEVS das nicht?

  • Mein Gott, was eine hässliche Kiste. Jetzt werde ich mich doch für den Jaguar XE entscheiden müssen, aber meinen Saab 900-II werde ich behalten, hüten und pflegen wie meinen Augapfel

  • Hört sich alles nach reichlich Aktivitäten bei NEVS an.

    Große Frage sind nur: Wann haben die echten SAAB-Enthusiasten mal etwas davon? Sind in naher Zukunft Fahrzeuge mit dabei, die man im weitesten Sinne tatsächlich als würdige Nachfolger der bisherigen SAAB-Automobile bezeichnen könnte? Wie sieht es mit den SAAB-Namensrechten aus?

    Die Öffentlichkeitsarbeit bei NEVS ist nach wie vor eher dürftig. Zumindest kann ich bisher hinsichtlich künftiger Kaufentscheidungen nicht viel damit anfangen. Aber wieso soll man sich bei NEVS mit den alten SAAB-Kunden überhaupt noch befassen – passt wohl wirklich nicht mehr ins Konzept.

    • Ich würde mal ganz entspannt abwarten. NEVS stellt jeden Monat rund 50 Mitarbeiter ein und baut eine weltweite Organisation auf. Man beruft sich auf das Saab Erbe und ich vermute dass es 2017 etwas zu sehen gibt.

  • NEVS wird wohl zukünftig alles mögliche an elektrischen Fahrzeugen produzieren was ja an sich nicht verwerflich ist.
    Das aber weder NEVS noch SAAB AB den
    Saab Fans und Kunden nicht bereit ist zu sagen ob es Saabs so wie wir sie kennen weiterhin geben wird oder auch nicht,
    ist nicht in Ordnung.

    • Meinst Du Autos mit Benzin/Diesel-Motoren? Das wird es nicht geben, zumindest nicht aus THN. Das ist mehrmals gesagt worden.

    • Ich denke, die Antwort haben wir doch schon längst.

      Wer macht den Service und die Ersatzteile? Die kleine und schrumpfende Gemeinde westlicher SAAB-Fahrer ist sicher nicht die Zielgruppe von NEVS. Andere sind SAAB. NEVS ist es nicht.

      Die kleine Neuauflage der 9-3 Limo war wohl mehr oder weniger das Meisterstück von NEVS, mit dem die Neugründung überhaupt erst zum Automobilhersteller wurde. Damit hat man sicherlich ein paar Türen für sich geöffnet. Aber um die Herzen von SAAB-Fahrern ging es dabei wohl nie …

      Sehe ich das zu negativ?

      • Mit dem 9-3 herkömmlicher Bauart ging es beim 1. Startversuch von NEVS bekanntlich noch nicht richtig los – der Motor verstummte erstmal wieder. Die Gründe waren schlicht und einfach Fehleinschätzung des Marktes und nach Aussage von NEVS der wegbrechende Teilhaber (Qingdao).

        In dieser Phase hatte man vermutlich noch etwas mit SAAB wie wir es kennen vor. Mittlerweile wird dies in meinen Augen immer unklarer. Dabei ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die SAAB AB hinsichtlich der Markenrechte anscheinend nicht mehr mitspielen möchte – bin mal gespannt, wass sowohl NEVS als auch die SAAB AB noch so alles ausbrüten.

        Andererseits kommt doch für die meisten SAAB-Eigner weltweit in nicht allzu ferner Zukunft der Zeitpunkt, an dem man sich nach einem neuen passenden Auto umsieht – adäquate Angebote von NEVS (SAAB?) werden dann wahrscheinlich nicht mehr mit dabei sein.

      • Ich denke Du bist wirklich zu negativ. NEVS hat Fehler gemacht, keine Frage. Eine zweite Chance hat das Unternehmen dennoch verdient. Vielleicht werden wir alle noch in positiver Weise überrascht…

        • Das würde ich mir wünschen, aber von Fehlern habe ich ja gar nicht gesprochen …

          Im Gegenteil frage ich mich Mittlerweile, ob nicht gerade die Erfolge und Etappensiege von NEVS einen neuen SAAB immer unwahrscheinlicher machen?

          NEVS (China-) Strategie scheint ja aufzugehen. Da ist die Kleinauflage des 9-3 (Steigbügel zum Autohersteller) und der Verzicht auf Altlasten (Ersatzteilversorgung) weder fehlerhaft noch in sich widersprüchlich.

          • Ich denke wir neigen dazu die Dinge einseitig zu betrachten. Wäre NEVS nur China, dann hätte man alles einfacher haben können. Das Werk, die Entwickler in Schweden, die Organisation die sich im Aufbau befindet, alles wäre unnötig. China ist ein Baustein und der Geldquell zu einer globalen Strategie. Ein NEVS Erfolg in China macht es wahrscheinlicher die Markenrechte von Saab dauerhaft zu erwerben. Wenn Produkte, Strategie, Solidität und Erfolg stimmen.

      • Nö,das ist wohl leider die Realität…

  • Wenn es stimmt, dass China der Hauptmarkt für NEVS ist, dann ist es nicht so wichtig, ob Saab auf dem Auto steht oder nicht. Meines Erachtens war Saab in China nie eine bekannte Marke. Ich war jedenfalls 2x in China (Shenzhen) und habe dort ein paar Volvos gesehen (und viele Audis, BMW, Mercedes und Porsche), aber noch nie einen Saab. Sollten die Autos später in westlichen Ländern verkauft werden, dann wäre die Marke sicher schon wichtig. Mal sehen, welche Strategie NEVS da verfolgt. Ich glaube auch, dass SAAB AB erstmal abwarten wird, wie sich NEVS entwickelt, und nur bei positiver Entwicklung werden die NEVS die Markenrechte geben.

  • Ich freue mich für Nevs, umso mehr freue ich mich auf die neuen drei Modelle MY 2018, made in Trollhatan. Sollte spätestens nächstes Jahr soweit sein.

  • Warum baut NEVS eine eigene weltweit agierende (Vertriebs-) Organisation auf?
    Wäre es nicht sinnvoller eine Vereinbarung mit ORIO zu treffen und deren internationales Service bzw. Händlernetz zu nutzen?

    • Orio, wo ich heute zu Besuch war, hat ein Vertriebsnetz in Europa und Nordamerika. NEVS hat Verträge mit Orio, der Service für die 2014er Fahrzeuge läuft über das Orio Netz. Aber Orio hat keine Präsenz in Asien, dort liegt aktuell der Fokus von NEVS.

  • Was sollen die negativen Kommentare bezüglich der Elektromobilität?
    Solche Diskussionen höre ich über Tesla nie. Irgendwie merkwürdig.
    Nevs wird als Konkurrent von Tesla antreten, das ist doch glasklar.
    Also stellt das Gejammere über nicht mehr verfügbare Turbomotoren ein.
    Das alte Saab-Zeitalter ist endgültig vorbei. Aber schwedische Ingenieurskunst lebt.

    • Stimme Dir zu. Saab Cars, wie es bis 2011 existierte, wird es nicht mehr geben. Aber das ist ok. NEVS ist sehr interessant und hat zum Glück eine ganz andere Strategie.

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